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Ratgeber · Anschluss & Bild

Retro-Konsolen am modernen Fernseher anschließen: Kabel, Wandler und Upscaler

Dein Super Nintendo sieht am neuen Flachbildfernseher matschig aus, reagiert träge oder zeigt gar kein Bild? Das liegt fast nie an der Konsole. Hier erfährst du, welches Signal deine Konsole liefert, warum moderne Fernseher damit kämpfen und welche Lösung zu deinem Budget passt.

Stand 03.10.2026 · ca. 15 Min. Lesezeit
Ratgeber · SCART, Component, HDMIRetro am Flachbild
Foto SCART-Stecker: Jonas Bergsten, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Für wen, wie schwer, wie lange

Dieser Ratgeber gilt für Heimkonsolen vom Atari 2600 bis zur PS3. Im Detail geht es um NES, Master System, Mega Drive, Super Nintendo, PlayStation 1 und 2, Nintendo 64, Dreamcast, GameCube, Wii und Xbox 360. Handhelds lassen wir außen vor, die haben ihr eigenes Display.

  • Schwierigkeit: leicht, solange du nur Kabel und Geräte verbindest. Mittel wird es, wenn du einen Upscaler fein einstellst. Umbauten mit Lötkolben behandeln wir hier nicht.
  • Zeitaufwand: Als Erfahrungswert dauert das reine Anschließen zehn Minuten. Für das Einrichten eines Upscalers mit eigenen Profilen pro Konsole solltest du einen Nachmittag einplanen.

Die Signalarten von schlecht bis sehr gut

Jede Konsole gibt ihr Bild als elektrisches Signal aus. Je weniger Informationen dabei zusammengemischt werden, desto sauberer kommt es an. Die Reihenfolge unten geht vom schwächsten zum besten Signal.

HF, also über das Antennenkabel

HF steht für Hochfrequenz. Ein kleiner Baustein in der Konsole, der HF-Modulator, verpackt Bild und Ton wie einen Fernsehsender. Der Fernseher muss ihn dann per Sendersuchlauf finden. Laut Wikipedia nutzten Geräte in Europa dafür UHF-Kanäle zwischen 30 und 39. Die Qualität ist schwach, weil das Bild zweimal umgewandelt wird: einmal in der Konsole, einmal im Fernseher. Der Ton ist in der Regel mono. Dazu kommt: Dein Fernseher braucht einen analogen Empfänger. Viele neue Geräte haben keinen mehr.

Composite, der gelbe Cinch-Stecker

Composite steckt Helligkeit, Farbe und die Taktsignale für den Bildaufbau in eine einzige Leitung. Das spart Kabel, kostet aber Schärfe. Laut Wikipedia entstehen dabei typische Bildfehler wie „Dot Crawl“, ein krabbelndes Schachbrettmuster an Farbkanten. Farben verlaufen leicht ineinander. Auf einem kleinen Röhrenfernseher fällt das kaum auf, auf einem 55-Zoll-Flachbild sehr wohl.

S-Video

S-Video trennt Helligkeit (Luma) und Farbe (Chroma) in zwei Leitungen. Laut Wikipedia verschwinden dadurch Fehler wie Dot Crawl, und das Bild wird spürbar schärfer. Der Stecker ist rund mit vier Pins. Viele neue Fernseher haben dafür keinen Eingang mehr, Upscaler dagegen oft schon.

RGB über SCART

RGB überträgt Rot, Grün und Blau auf getrennten Leitungen. Das ist das beste analoge Signal der 8-, 16- und 32-Bit-Zeit. In Europa läuft es über den breiten SCART-Stecker. SCART kann laut Wikipedia Composite, RGB und Stereoton übertragen, dazu Steuersignale. Pin 8 sagt dem Fernseher, dass er umschalten soll und ob das Bild 4:3 oder 16:9 ist. Pin 16 schaltet auf RGB. Fehlt dort die Spannung, zeigt der Fernseher laut Video Game Perfection nur Composite. Genau daran scheitern viele billige Kabel, dazu später mehr.

Component (YPbPr)

Component nutzt drei Cinch-Stecker in Grün, Blau und Rot. Grün trägt die Helligkeit und das Taktsignal, Blau und Rot die Farbunterschiede. Die Qualität entspricht etwa RGB. Der große Vorteil: Component kann auch höhere Auflösungen wie 480p übertragen. Deshalb ist es der beste analoge Weg für PS2, Wii und den frühen GameCube.

VGA

VGA kennst du vom alten PC-Monitor. Am Dreamcast liefert es laut Wikipedia ein 480p-Bild mit 60 Hz, also ein ruhiges Vollbild. Das ist für eine Konsole von 1998 bemerkenswert. Mit einem Wandler von VGA auf HDMI kommst du an jeden Fernseher.

HDMI

HDMI ist digital. Die Konsole übergibt fertige Bildpunkte, der Fernseher muss nichts mehr deuten. Ab Werk haben das von den hier behandelten Konsolen nur die PS3 und die meisten Xbox 360. Alle älteren Geräte brauchen einen Wandler, einen Upscaler oder einen Umbau.

Videoanschlüsse im Vergleich: Composite (gelb), S-Video und Component (grün, blau, rot)Foto: E3uematsu (japanische Wikipedia), Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

240p, 480i und 576i: was die Zahlen bedeuten

Die Zahl steht für die sichtbaren Bildzeilen. Der Buchstabe sagt, wie sie gezeichnet werden.

  • 480i und 576i: Das „i“ steht für interlaced, auf Deutsch Zeilensprung. Das Bild wird in zwei Halbbildern gezeichnet, erst die ungeraden, dann die geraden Zeilen. 480i ist das Fernsehbild in NTSC-Ländern wie den USA und Japan, 576i das europäische PAL-Fernsehen.
  • 240p: Die meisten Konsolen bis zur PS1 nutzen einen Trick. Laut NESdev Wiki erzeugt das NES immer 262 Zeilen ohne den Versatz, den echtes Zeilensprung-Fernsehen braucht. Die Röhre zeichnet beide Halbbilder deshalb an dieselbe Stelle. Das Ergebnis ist ein ruhiges Bild mit 240 Zeilen ohne Flimmern. Die PAL-Variante nennt man oft 288p.
  • 480p: Das „p“ steht für progressive. Jedes Bild wird in einem Durchgang komplett gezeichnet. Das können erst Dreamcast, PS2 in manchen Spielen, GameCube und Wii, jeweils nur über bestimmte Kabel.

Für dich heißt das: Eine Konsole aus der 8- und 16-Bit-Ära liefert fast immer 240p oder 288p. Genau dieses Format kennen viele moderne Fernseher nicht.

Warum moderne Fernseher so schlecht skalieren

Ein Flachbildfernseher hat eine feste Zahl von Bildpunkten, bei 4K sind es 2160 Zeilen. Jedes Signal mit weniger Zeilen muss er hochrechnen. Das allein wäre kein Problem. Das Problem ist die Art, wie er es tut.

Falsch erkanntes Signal

Laut dem Zubehörhändler Electron Shepherd nutzt 240p dieselben Taktraten wie 480i. Für einen Fernseher, der 240p nicht kennt, sieht es deshalb wie normales Zeilensprung-Fernsehen aus. Er schaltet seinen Deinterlacer ein. Das ist die Schaltung, die zwei Halbbilder zu einem Vollbild zusammenfügt. Bei 240p sind beide Halbbilder aber identisch. Der Versuch, sie zu verweben, erzeugt laut Electron Shepherd ein gekämmtes, flackerndes Bild. Am stärksten sieht man das bei waagerechten Bewegungen und feinen Details.

Input-Lag

Input-Lag ist die Verzögerung zwischen deinem Tastendruck und der Reaktion auf dem Bildschirm. Deinterlacing ist rechenaufwendig. Electron Shepherd schreibt, dass viele Fernseher bei 480i-Signalen deutlich verzögern.

Was der Spielmodus bringt

Fast jeder aktuelle Fernseher hat einen Spielmodus. Er schaltet einen Teil der Bildverbesserung ab und verringert so die Verzögerung. Schalte ihn immer ein, egal welche Lösung du nutzt. Er repariert aber nicht die falsche Erkennung von 240p. Dafür brauchst du ein Gerät vor dem Fernseher, das das Signal versteht.

PAL in Europa: 50 oder 60 Hz

Hertz gibt an, wie oft pro Sekunde ein neues Bild kommt. Europäische Konsolen arbeiten mit PAL und 50 Hz, amerikanische und japanische mit NTSC und 60 Hz. Viele Spiele wurden für Europa nicht angepasst und laufen deshalb langsamer. Beim Mega Drive sind es laut unserer Mega-Drive-Kaufberatung rund 17 Prozent. Oft kommen schwarze Balken oben und unten dazu, weil PAL mehr Zeilen hat, als das Spiel nutzt.

Für den Anschluss bedeutet das drei Dinge:

  • Dein Fernseher: Als Erfahrungswert kommen Geräte für den europäischen Markt mit 50 Hz gut zurecht. Bei Importgeräten aus den USA solltest du nachsehen.
  • Dein Wandler: Billige Adapter und manche Upscaler haben mit PAL Probleme. Der RetroTINK-2X Pro etwa braucht laut ConsoleMods Wiki für PAL ein Display, das 50 Hz annimmt. Schau vor dem Kauf in die Beschreibung, ob PAL ausdrücklich genannt ist.
  • 60-Hz-Modi: Viele spätere PAL-Spiele für GameCube, PS2, Dreamcast und Wii bieten beim Start 60 Hz an. Nimm das, wenn dein Gerät es kann. Bei umgebauten PAL-Konsolen mit 60-Hz-Schalter gilt laut unserer SNES-Kaufberatung: Über RGB ist alles gut, über Composite zeigen manche Fernseher nur Schwarz-Weiß.

Bester Ausgang ab Werk pro Konsole

Die Tabelle zeigt, was jede Konsole ohne Umbau kann. Gemeint sind die europäischen Modelle, sofern nicht anders angegeben. Details zu Modellen und Kabeln stehen in den jeweiligen Kaufberatungen.

KonsoleAusgänge ab WerkBester AusgangHinweis
Atari 2600HFHFOhne analogen Tuner hilft ein HF-Demodulator oder ein alter Videorekorder als Zwischenstation
NES (NES-001, PAL)HF, CompositeCompositeDas französische NES gibt RGB aus, intern aus Composite gewandelt. Der OSSC nimmt kein Composite an
Master SystemMS 1: HF, Composite, RGB · MS II (DE): nur HFRGB-SCART (MS 1)Beim Master System II hilft nur ein AV-Umbau
Mega Drive 1 und 2HF, Composite, RGBRGB-SCARTDas Kabel muss zu deinem Modell passen
Super Nintendo (PAL)HF, Composite, S-Video, RGBRGB-SCARTKein US-Kabel mit Composite Sync verwenden, siehe Kabelkapitel
PlayStation 1 und PS oneComposite, S-Video, RGBRGB-SCARTFür Lichtpistolen brauchst du zusätzlich Composite und eine Röhre
Nintendo 64 (PAL)Composite, S-VideoS-VideoDie meisten grauen PAL-Konsolen können S-Video, farbige und französische nicht. RGB nur mit Umbau
DreamcastComposite, RGB, VGAVGANicht jedes Spiel gibt VGA aus, einige PAL-Fassungen sperren es
PlayStation 2Composite, RGB, ComponentComponentRGB-SCART ist bei 480i und 576i gleichwertig, 480p geht sauber nur über Component
GameCubeComposite, RGB (nur PAL), Digital-Ausgang (nur DOL-001)RGB-SCART (PAL) oder Component bzw. HDMI-Adapter am DOL-001480p nur mit NTSC-Spielen und nur am DOL-001
Wii (RVL-001)Composite, RGB (nur PAL), ComponentComponent bis 480pDie Wii mini kann nur Composite in 480i
Xbox 360Composite, Component, VGA, HDMI ab Zephyr-RevisionHDMIFrühe Xenon-Konsolen ohne HDMI per Component oder VGA
PlayStation 3Composite, Component, HDMIHDMIAlle Modelle haben HDMI, kein Zubehör nötig

Zusammengestellt aus unseren Kaufberatungen und den dort genannten Quellen (u. a. ConsoleMods Wiki, RetroRGB, Electron Shepherd, Wikipedia).

Mehr zu den einzelnen Konsolen findest du in den Kaufberatungen für das NES, das Nintendo 64, den GameCube, den Dreamcast und die Wii. Dort stehen auch die passenden Kabelnummern.

Lösungen nach Budget

Konkrete Preise nennen wir nicht, sie ändern sich ständig. Die Stufen unten sind nach dem Aufwand sortiert, vom einfachen Kabel bis zum Oberklasse-Gerät.

Stufe 1: Direkt anschließen

Hat dein Fernseher noch SCART, Component oder einen AV-Eingang, steck die Konsole direkt an. Nimm das beste Kabel aus der Tabelle oben und schalte den Spielmodus ein. Für Konsolen mit 480p-Ausgabe, etwa die Wii über Component, ist das oft schon ordentlich. Bei 240p-Konsolen bleibt es ein Glücksspiel. Manche Fernseher machen das gut, viele nicht.

Stufe 2: Günstige Wandler auf HDMI

Im Elektronikmarkt gibt es kleine Kästchen, die SCART oder Composite in HDMI umwandeln, und Stecker, die direkt in die Konsole kommen. Sie funktionieren oft. Ihre Grenzen solltest du aber kennen:

  • Laut Electron Shepherd wandeln sie das Format um, ohne den Inhalt zu verstehen. Aus 240p wird 480i, und der Deinterlacer im Fernseher springt trotzdem an.
  • Viele bringen selbst Verzögerung mit. Als Erfahrungswert wirkt das Bild weich, manchmal mit Bildfehlern.
  • Ob sie PAL mit 50 Hz sauber verarbeiten, ist von Modell zu Modell verschieden.
  • Die HDMI-Stecker für die PS2 bewertet RetroRGB laut unserer PS2-Kaufberatung als sehr schlecht.

Stufe 3: Ein Upscaler aus der Retro-Szene

Ein Upscaler, auch Scaler oder Line-Doubler, steht zwischen Konsole und Fernseher. Er erkennt 240p richtig, rechnet es sauber hoch und gibt dem Fernseher ein Signal, das dieser ohne Umwege anzeigt. Die Verzögerung bleibt dabei sehr gering. Welche Geräte es gibt, steht im nächsten Kapitel.

Stufe 4: Umbau in der Konsole

Für einige Konsolen gibt es Einbausätze mit HDMI-Ausgang, etwa N64Digital für das Nintendo 64 oder RetroGEM (früher DCDigital) für den Dreamcast. Sie greifen das Bild digital ab. Das liefert die besten Ergebnisse, erfordert aber Lötarbeit. Beim GameCube DOL-001 geht es ohne Löten: Adapter auf Basis von GCVideo stecken einfach im Digital-Ausgang. Mehr dazu in den Kaufberatungen.

Upscaler im Vergleich

Hier eine neutrale Übersicht der bekanntesten Geräte. Alle Angaben zu Eingängen und Verzögerung stammen von Herstellern, Händlern oder Wikis. Wir haben die Geräte nicht selbst gemessen.

GerätEingängeArbeitsweiseGut zu wissen
OSSCRGB-SCART, Component, VGAZeilenvervielfacher, Open SourceKein Composite und kein S-Video. Laut Handbuch Verzögerung unter zwei Bildzeilen. Nicht jeder Fernseher nimmt jeden Modus an
RetroTINK-2X ProComposite, S-Video, ComponentLine-Doubler auf 480pLaut Hersteller ohne Verzögerung. Für PAL braucht der Fernseher 50 Hz. Kein SCART-Eingang
RetroTINK-5X ProComposite, S-Video, Component, RGB-SCARTScaler mit DeinterlacingLaut Hersteller weiter erhältlich, ein Nachfolger „6X Pro“ ist angekündigt
RetroTINK-6X CEanalog: SCART, VGA-Buchse für mehrere Formate, Cinch, S-Video, CompositeScaler mit Ausgabe bis 1440pSeit Ende August 2026 im Handel, laut Hersteller als Einstiegsmodell gedacht
RetroTINK-4K (Pro und CE)Composite, S-Video, Component, RGB-SCART, VGA, HDMIScaler mit 4K-AusgabeLaut ConsoleMods mindestens 1 bis 2 ms Verzögerung. Die CE ist abgespeckt, etwa beim Deinterlacing
Morph 4K (PixelFX)HDMI, analog nur mit Zusatzmodul „Analog Bridge“Scaler mit 4K-AusgabeLaut Händler Modi für sehr geringe Verzögerung
Morph 2K (PixelFX)Composite, S-Video, SCART, ComponentScaler mit 1080p-AusgabeIm Juni 2026 angekündigt, VGA laut Bericht nur mit Adapter

Welcher passt zu dir?

  • Nur RGB- und Component-Konsolen, kleines Budget: Der OSSC ist eine bewährte Wahl. Für ein Standard-NES oder ein N64 ohne Umbau ist er nutzlos, weil er kein Composite und kein S-Video kennt.
  • NES und N64, ohne SCART: Der RetroTINK-2X Pro nimmt Composite und S-Video an. Er verdoppelt nur die Zeilen, also auf 480p. Den Rest erledigt der Fernseher, und das klappt bei 480p meist gut.
  • Gemischte Sammlung mit allem: Ein Scaler wie der RetroTINK-5X Pro, der 6X CE oder der Morph 2K deckt fast alle analogen Anschlüsse ab.
  • 4K-Fernseher und hohe Ansprüche: RetroTINK-4K oder Morph 4K. Beim Morph brauchst du für analoge Konsolen das Zusatzmodul.

Ein Gerät ersetzt kein gutes Kabel. Ein Upscaler macht aus Composite kein RGB. Er rechnet nur das hoch, was ankommt.

Framemeister-Upscaler von vornFoto: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Kabelqualität und Sync: wo die meisten Fehler passieren

„RGB-SCART-Kabel“, die nur Composite führen

Das ist die häufigste Falle. Ein SCART-Stecker sagt nichts darüber aus, welche Leitungen im Kabel stecken. Video Game Perfection warnt ausdrücklich: Ein einfacher Adapter von Composite auf SCART liefert kein RGB-Bild, auch wenn er so aussieht. Unsere Kaufberatungen zum Mega Drive und zur PS2 beschreiben dasselbe Problem: Auf der Packung steht „RGB“, drin ist nur Composite. Frag beim Kauf nach, ob das Kabel wirklich RGB-beschaltet ist. Händler, die die Belegung genau angeben, sind die sicherere Wahl.

Was „Sync“ bedeutet

Neben Rot, Grün und Blau braucht der Fernseher ein Taktsignal. Es sagt ihm, wann eine Zeile und wann ein Bild beginnt. RetroRGB unterscheidet vier Varianten:

  • Composite-Video-Sync: Der Takt kommt aus dem normalen Composite-Signal. Das ist sicher und funktioniert fast überall. Bei schlecht abgeschirmten Kabeln kann laut RetroRGB ein Schachbrettmuster im Bild auftauchen.
  • Luma-Sync: Der Takt kommt aus der Helligkeitsleitung des S-Video-Signals. Ebenfalls sicher und ohne das Schachbrett-Problem. Für die PlayStation empfiehlt RetroRGB solche Kabel, siehe unsere PS1-Kaufberatung.
  • Csync: Ein reines Taktsignal ohne Bildinhalt. Richtig gebaut ist es laut RetroRGB mit allen RGB-Geräten kompatibel. Ein falsch gebautes Kabel kann aber Probleme machen oder Geräte beschädigen.
  • TTL-Sync: Wie Csync, nur mit mehr als fünfmal höherer Spannung. RetroRGB warnt, dass es SCART-Geräte beschädigen kann.

RetroRGB rät den meisten Spielern pragmatisch: Kauf ein RGB-SCART-Kabel mit Sync über Composite-Video und mach dir keine weiteren Gedanken. Wer einen OSSC oder ein Profi-Gerät nutzt, schaut genauer hin.

Achtung PAL-SNES

Kauf für ein europäisches Super Nintendo kein amerikanisches RGB-Kabel mit Csync. Das PAL-Gerät legt auf genau diesem Pin 12 Volt für die SCART-Umschaltung. Laut ConsoleMods kann das Fernseher oder Upscaler beschädigen. Details stehen in unserer SNES-Kaufberatung.

Material und Zubehör

Was du brauchst, hängt von Konsole und Fernseher ab. Eine typische Einkaufsliste:

  • RGB-SCART-Kabel passend zur Konsole, ausdrücklich RGB-beschaltet (bei Amazon ansehen*)
  • Component-Kabel für PS2, Wii oder Xbox 360 (bei Amazon ansehen*)
  • S-Video-Kabel für N64 oder SNES, passend zur Region (bei Amazon ansehen*)
  • Upscaler aus der Retro-Szene, je nach Sammlung (bei Amazon ansehen*)
  • Günstiger SCART- oder Composite-zu-HDMI-Wandler als Testlösung (bei Amazon ansehen*)
  • HF-Demodulator für Atari 2600 oder Master System II, falls der Fernseher keinen analogen Tuner hat (bei Amazon ansehen*)
  • SCART-Umschaltbox oder Verteiler, wenn mehrere Konsolen an einen Eingang sollen (bei Amazon ansehen*)
  • Original-Netzteile oder passende Ersatznetzteile für 230 Volt

* Werbelink: Wenn du über einen markierten Link kaufst, bekommen wir eine kleine Provision. Dein Preis ändert sich dadurch nicht.

Schritt für Schritt zum guten Bild

  1. Konsole und Ausgang bestimmen

    Schau in die Tabelle oben, welcher Ausgang bei deiner Konsole der beste ist. Prüf das Modell am Typenschild, denn es gibt Unterschiede, etwa zwischen Master System 1 und II oder GameCube DOL-001 und DOL-101.

  2. Eingänge am Fernseher prüfen

    Sieh hinten und an der Seite nach: SCART, Component, AV-Eingang oder nur HDMI? Viele neue Geräte haben nur noch HDMI. Dann führt kein Weg an einem Wandler oder Upscaler vorbei.

    Anschlüsse an der Rückseite eines Fernsehers: HDMI, SCART, Component, VGAFoto: PantheraLeo1359531, Wikimedia Commons, CC BY 4.0
  3. Das richtige Kabel besorgen

    Nimm das beste Kabel, das Konsole und Fernseher oder Upscaler gemeinsam haben. Bei SCART auf echte RGB-Beschaltung und passende Sync-Art achten.

  4. Alles ausschalten und verbinden

    Steck Kabel als Erfahrungswert nur bei ausgeschalteten Geräten um. Steck die Konsole an, schalte erst den Fernseher, dann die Konsole ein.

  5. Eingang und Spielmodus wählen

    Wähl den richtigen Eingang. Schalte den Spielmodus ein und stell das Bildformat auf 4:3 oder „Original“, damit nichts in die Breite gezogen wird.

  6. Konsole einstellen

    Manche Konsolen müssen wissen, welches Kabel dranhängt. Bei der PS2 stellst du in der Systemkonfiguration RGB für SCART oder Y Cb/Pb Cr/Pr für Component ein. Bei der Wii wählst du unter Bildschirm 50 Hz, 60 Hz oder 480p.

  7. Mit einem bekannten Spiel testen

    Nimm ein Spiel mit schnellem Scrolling, etwa ein Jump ’n’ Run. Achte auf Flackern an Kanten, Streifen im Bild und darauf, ob Sprünge verzögert wirken.

  8. Bei Bedarf Upscaler dazwischen

    Reicht das Bild nicht, kommt der Upscaler zwischen Konsole und Fernseher. Leg dort für jede Konsole ein eigenes Profil an. Starte mit den Voreinstellungen des Herstellers und ändere jeweils nur eine Sache.

Der Röhrenfernseher als Alternative

Die einfachste Lösung ist manchmal die älteste. Ein Röhrenfernseher, kurz CRT, zeigt 240p so, wie es gedacht war: ohne Hochrechnen, ohne Deinterlacing und ohne Verzögerung durch Bildverarbeitung. Electron Shepherd nennt die Röhre ausdrücklich als Lösung für 240p.

Dazu kommt ein Punkt, den kein Upscaler löst: Lichtpistolen wie der NES Zapper, die Super Scope, der Menacer oder die G-Con 45 funktionieren nur an einer Röhre. Wer Duck Hunt oder Time Crisis im Original spielen will, kommt um eine Röhre nicht herum.

Die Nachteile sind ebenso klar. Röhren sind schwer und brauchen viel Platz in der Tiefe. Schon mittelgroße Geräte trägst du besser zu zweit. Ein Fernseher mit SCART-Eingang sollte es in Europa schon sein, sonst landest du wieder bei Composite. Auf Flohmärkten und in Kleinanzeigen tauchen solche Geräte regelmäßig auf. Was sie wirklich bringen, zeigt dir eBay mit dem Filter „Verkaufte Artikel“.

Sicherheit

  • Röhrenfernseher nie öffnen: Im Inneren arbeiten laut Wikipedia Spannungen von bis zu 55 bis 60 Kilovolt. Die Röhre hält ihre Ladung auch nach dem Ausschalten. Dazu kommt Implosionsgefahr, wenn das Glas bricht. Reparaturen gehören in Fachhände.
  • Schwer heben: Große Röhren immer zu zweit tragen und auf eine stabile Unterlage stellen.
  • Netzteile: US- und Japan-Konsolen haben Netzteile für 110 bis 120 Volt. An der deutschen Steckdose mit 230 Volt nur mit passendem Netzteil oder Spannungswandler betreiben.
  • Falsche Sync-Kabel: Ein US-Csync-Kabel am PAL-SNES kann laut ConsoleMods Fernseher oder Upscaler beschädigen. Gleiches gilt laut RetroRGB für Kabel mit TTL-Sync an SCART-Geräten.
  • Kabel unter Last: Steck als Erfahrungswert nur um, wenn alle Geräte aus sind, und zieh am Stecker, nie am Kabel.

Häufige Fehler

  • SCART-Kabel ohne RGB: Das Bild sieht aus wie Composite. Kabel tauschen.
  • Falsche Einstellung an der PS2: Steht der Component-Ausgang auf dem falschen Wert, bleibt das Bild farblos oder schwarz. Laut ConsoleMods Wiki lässt sich das blind zurückstellen, die Tastenfolge steht in unserer PS2-Kaufberatung.
  • OSSC mit Composite gekauft: Er nimmt kein Composite an. Für ein NES ohne Umbau bringt er nichts.
  • Spielmodus vergessen: Die Verzögerung steigt spürbar.
  • Bild auf 16:9 gezogen: Retro-Spiele sind für 4:3 gemacht. Breite Figuren sind ein Einstellungsfehler.
  • Schwarz-Weiß-Bild: Oft eine PAL-Konsole mit 60-Hz-Umbau über Composite. Über RGB tritt das nicht auf.
  • Kein Bild über den Upscaler: Manche Ausgabemodi kennt nicht jeder Fernseher. Beim OSSC gilt laut RetroRGB der 1080p-Modus mit fünffacher Zeilenzahl als am wenigsten kompatibel. Einen kleineren Modus probieren.
  • Fernseher schaltet nicht mehr automatisch auf SCART: Beim PAL-SNES mit Gleichstrom-Netzteil fehlen die 12 Volt für die Umschaltung. Eingang von Hand wählen.

Wann du es lieber lässt oder einen Profi fragst

Alles in diesem Ratgeber kommt ohne Werkzeug aus. Sobald es um Umbauten geht, sieht es anders aus. Ein RGB-Umbau für das NES oder das N64, ein N64Digital oder ein RetroGEM-Kit für den Dreamcast erfordern Lötarbeit, teils an sehr feinen Bauteilen. ConsoleMods stuft den N64Digital-Einbau als Arbeit für erfahrene Bastler ein. Viele Händler bieten den Einbau als Service an. Wenn du noch nie gelötet hast, nimm diese Option oder bleib bei einem externen Upscaler. Der lässt die Konsole im Originalzustand, was für Sammler ohnehin ein Argument ist.

Bei Röhrenfernsehern gilt eine klare Grenze: Einstellen ja, aufschrauben nein. Ein flackerndes oder verzerrtes Bild ist ein Fall für eine Fachwerkstatt.

FAQ

Brauche ich unbedingt einen Upscaler?

Nein. Für PS3 und Xbox 360 mit HDMI sowie für PS2 und Wii über Component reicht oft der Fernseher allein. Für 240p-Konsolen wie SNES oder Mega Drive bringt ein Upscaler aber den größten Sprung, vor allem bei der Verzögerung.

Warum sieht mein N64 trotz Upscaler weich aus?

Das N64 glättet seine Texturen schon in der Konsole. Ein Upscaler zeigt das Signal sauber, macht es aber nicht schärfer, als es ist. Nimm S-Video, wenn deine PAL-Konsole es kann. Alles Weitere geht nur per Umbau.

Reicht ein billiger SCART-zu-HDMI-Adapter für den Anfang?

Zum Ausprobieren ja. Er erkennt 240p aber nicht richtig, und die Verzögerung schwankt. Wenn dich das Bild stört, ist ein Upscaler der nächste Schritt.

Muss ich bei PAL-Konsolen etwas Besonderes beachten?

Ja: Dein Fernseher und dein Wandler müssen 50 Hz können. Viele spätere PAL-Spiele bieten 60 Hz an. Nimm das, wenn es geht.

Sind HDMI-Klone eine Alternative?

Für reines Spielen ja. Geräte wie der RetroN 1 HD oder ein Analogue Mega Sg geben direkt HDMI aus. Lichtpistolen funktionieren damit allerdings nicht. Beim RetroN 1 HD weichen außerdem die Farben teils vom Original ab. Mehr dazu in unserer NES-Kaufberatung.

Quellen