Fairchild Channel F: Die Konsole, die das Spielmodul erfunden hat
Ein Jahr vor dem Atari 2600 brachte ein Chiphersteller aus dem Silicon Valley eine Konsole mit Mikroprozessor und austauschbaren Spielmodulen heraus. Der Kopf dahinter war Jerry Lawson. Hier steht, wie das Channel F entstand, warum es in Deutschland als Saba Videoplay im Regal stand und welche Videocarts heute gesucht sind.
Steckbrief
| Nordamerika | November 1976 als Video Entertainment System (VES), 169,95 US-Dollar |
|---|---|
| Umbenennung | ab März 1977 in Werbung und auf Kartons Channel F |
| Japan | Oktober 1977 (laut englischer Wikipedia) |
| Deutschland | Saba Videoplay, vorgestellt auf der Funkausstellung im August 1977, Ende 1977 etwa 500 DM, Module je etwa 50 DM |
| Weitere Lizenzgeräte | ITT Tele-Match Processor, Nordmende Color TelePlay µP, Luxor (Schweden), Grandstand (Großbritannien) und andere |
| Prozessor | Fairchild F8 (CPU 3850 plus zwei Bausteine 3851), 1,79 MHz in der NTSC-Version |
| Arbeitsspeicher | 64 Byte im Prozessor, dazu 2 KB Bildspeicher |
| Auflösung | 128 × 64 Bildpunkte im Speicher, davon etwa 102 × 58 sichtbar |
| Eingebaute Spiele | Hockey und Tennis |
| Spiele | 26 nummerierte Videocarts (1976 bis 1981) |
| Verkauft | etwa 350.000 Konsolen bis 1979 |
| Ende | Fairchild steigt im April 1979 aus, Zircon verkauft das System II bis 1983 |
Vorgeschichte: Das Projekt RAVEN
Mitte der 70er gab es Videospiele zu Hause nur in einer Form: Jedes Gerät hatte seine Spiele fest eingebaut. Die Magnavox Odyssey und die vielen Pong-Geräte konnten genau das, was ab Werk drin war. Wie es zu diesen ersten Konsolen kam, erzählt unser Artikel Wie alles begann: Videospiele vor dem NES.
Die Idee für etwas Neues kam von einer kleinen Firma aus Connecticut. Anfang 1974 starteten die Ingenieure Wallace Kirschner und Lawrence Haskel bei Alpex Computer Corporation ein Projekt mit dem Namen RAVEN. Ihr Prototyp nutzte einen Intel-8080-Prozessor und konnte Spiele von austauschbaren Speichermodulen laden. Das war der entscheidende Gedanke: Die Konsole ist nur noch ein kleiner Computer, das Spiel steckt im Modul.
Alpex brauchte einen großen Partner, der das Gerät bauen und verkaufen konnte. Den fand die Firma bei Fairchild Camera and Instrument in Kalifornien. Fairchild war ein Schwergewicht der Halbleiterindustrie. Viele spätere Firmengründer im Silicon Valley hatten dort angefangen, darunter die Gründer von Intel. Fairchild hatte gerade einen eigenen Mikroprozessor entwickelt, den F8. Eine Spielkonsole war eine gute Gelegenheit, diesen Chip in großen Stückzahlen zu verkaufen.
Jerry Lawson: Der Kopf hinter dem Channel F
Gerald Anderson Lawson, genannt Jerry, wurde am 1. Dezember 1940 in Brooklyn geboren und wuchs in Queens auf. Schon als Jugendlicher bastelte er an Elektronik, hatte mit 13 eine Amateurfunklizenz und reparierte Fernseher gegen Geld. 1970 kam er zu Fairchild, zunächst als Berater für Anwendungstechnik in San Francisco.
Lawson war Mitglied im Homebrew Computer Club, dem legendären Bastlertreff im Silicon Valley, in dem auch Steve Jobs und Steve Wozniak verkehrten. Laut Wikipedia führte er sogar ein Vorstellungsgespräch mit Wozniak für eine Stelle bei Fairchild.
Bei Fairchild stieg Lawson zum leitenden Hardware-Ingenieur auf und wurde Chef für Technik und Marketing der Videospielsparte. Seine Aufgabe: aus dem Alpex-Prototyp ein Produkt machen, das in Wohnzimmern funktioniert. Er ersetzte den Intel-Prozessor durch den hauseigenen F8 und arbeitete die Technik so um, dass Kinder die Module ohne Gefahr ein- und ausstecken konnten. Deshalb gilt Lawson heute als "Vater des Videospielmoduls". Er war einer der ganz wenigen schwarzen Ingenieure in der jungen Branche.
1980 verließ Lawson Fairchild und gründete die Firma Videosoft, die Spiele für das Atari 2600 entwickeln sollte. Erschienen ist dort kommerziell kein Spiel. Lawson starb am 9. April 2011 in Santa Clara. Kurz vor seinem Tod ehrte ihn die Entwicklervereinigung IGDA als Pionier der Branche.
Das Modul und der Controller
Lawson arbeitete eng mit zwei Kollegen zusammen: dem Industriedesigner Nick Talesfore und dem Maschinenbauingenieur Ronald A. Smith. Talesfore gab den Modulen ihre Form. Sie erinnern an die 8-Spur-Kassetten, mit denen damals Musik im Auto lief. Smith entwarf die Mechanik, mit der das Modul in der Konsole einrastet. Fairchild nannte die Module Videocarts, und jedes trägt eine Nummer: Videocart-1, Videocart-2 und so weiter.
Auch der Controller ist ungewöhnlich. Statt eines Steuerknüppels auf einer Grundplatte hältst du einen senkrechten Griff in der Hand. Oben sitzt eine Kappe, die du in acht Richtungen kippen kannst. Zusätzlich lässt sie sich drehen, herausziehen und hineindrücken. So ersetzt ein Griff Joystick, Drehregler und Feuerknopf zugleich. Beim Originalmodell sind beide Controller fest angeschlossen und liegen in einem Fach im Gehäuse.
Der Start 1976: Ein Videorekorder fürs Spielen
Im November 1976 kam die Konsole in Nordamerika in den Handel. Sie hieß zunächst Video Entertainment System, kurz VES, und kostete 169,95 Dollar. Im Paket steckte die Konsole mit zwei eingebauten Spielen, Hockey und Tennis. Das erste Modul, Videocart-1, enthielt Tic-Tac-Toe, Shooting Gallery, Doodle und Quadra-Doodle.
Im März 1977 begann Fairchild, das Gerät in Anzeigen und auf den Kartons Channel F zu nennen. An der Konsole selbst änderte sich nichts. Wer heute ein frühes Gerät findet, kann also einen Karton mit der Aufschrift Video Entertainment System erwischen, obwohl dieselbe Hardware drinsteckt. Ein paar Monate später, im September 1977, brachte Atari sein Video Computer System heraus, den späteren Atari 2600. Die beiden Namen klangen ähnlich, und die Geräte waren direkte Konkurrenten.
Pause-Taste und Computergegner
Das Channel F hat zwei Neuerungen, die heute selbstverständlich wirken. Die erste ist die Pause. Auf der Konsole sitzen vier Tasten, eine davon heißt Hold. Damit hältst du die eingebauten Spiele an. Laut Wikipedia war das Channel F damit die erste Konsole mit Pausenfunktion.
Die zweite Neuerung ist der Computergegner. Weil ein echter Prozessor im Gerät steckt, kann die Konsole selbst mitspielen. Bei Pong-Geräten brauchtest du fast immer einen zweiten Menschen. Beim Channel F trittst du in vielen Spielen allein gegen die Maschine an, etwa bei Tic-Tac-Toe, Blackjack oder Dame. Die deutsche Wikipedia nennt außerdem die Möglichkeit, Spieleinstellungen wie Tempo oder Zeit vor der Partie zu ändern.
Technik: Was im Gehäuse steckt
Das Herz ist der Fairchild F8. Ein Mikroprozessor ist ein Chip, der ein Programm Schritt für Schritt abarbeitet. Erst er macht austauschbare Spiele möglich, weil jedes Modul einfach ein neues Programm mitbringt. Der F8 besteht im Channel F aus mehreren Bausteinen: der eigentlichen CPU 3850 und zwei Bausteinen 3851, die das eingebaute Programm enthalten. In der NTSC-Version läuft er mit 1,79 MHz. Für europäische PAL-Geräte nennt Wikipedia 2,0 MHz bei der ersten und 1,97 MHz bei der zweiten Generation.
Der Arbeitsspeicher ist winzig. Im Prozessor stecken gerade einmal 64 Byte. Dazu kommen 2 KB Bildspeicher. Das eingebaute ROM mit 2 KB enthält Hockey, Tennis und Programmteile, die alle Module mitbenutzen, etwa zum Zeichnen von Zahlen und Buchstaben. Dieses eingebaute Grundprogramm unterscheidet das Channel F vom Atari 2600, bei dem jedes Modul alles selbst mitbringen muss.
- Bild: 128 × 64 Bildpunkte im Speicher, sichtbar sind etwa 102 × 58. Pro Zeile stehen vier Farben zur Verfügung, insgesamt kennt die Konsole acht.
- Ton: nur ein paar feste Pieptöne. Beim Originalmodell kommen sie aus einem kleinen Lautsprecher in der Konsole, beim System II über den Fernseher.
- Bildausgang: ein HF-Signal, also ein Antennensignal, über ein fest angeschlossenes Kabel.
Lizenzversionen in Europa
Fairchild verkaufte in Europa nicht selbst. Stattdessen bauten Elektronikfirmen das Channel F in Lizenz nach und verkauften es unter eigenem Namen. Das war damals üblich. Die Module passen technisch in alle Varianten. Die Seite Classic Consoles Center fasst das so zusammen: Jedes Modul läuft auf jedem dieser Systeme. Die Unterschiede liegen bei Gehäuse, Beschriftung, Netzteil und Fernsehnorm.
| Land | Gerät |
|---|---|
| Deutschland | Saba Videoplay, Saba Videoplay 2, ITT Tele-Match Processor, Nordmende Color TelePlay µP |
| Österreich | Ingelen Telematch Processor |
| Belgien | Barco Challenger |
| Italien | Dumont Videoplay System, Emerson Videoplay System, Saba Videoplay |
| Schweden | Luxor TV-Datorspel, Luxor Video Entertainment Computer |
| Großbritannien | Grandstand Video Entertainment Computer (Vertrieb Adman) |
Liste nach englischer Wikipedia. Genaue Erscheinungsjahre und Preise sind nur für einzelne Geräte belegt.
Channel F in Deutschland
In Deutschland kam das Channel F vor allem als Saba Videoplay in die Läden. Saba aus Villingen im Schwarzwald war damals ein bekannter Hersteller von Radios und Fernsehern. Laut deutscher Wikipedia kündigte Saba das Gerät im April 1977 an und zeigte es im August 1977 auf der Funkausstellung in Berlin, gleich mit acht Spielmodulen.
Zum Preis gibt es eine zeitgenössische Angabe: Die Zeitschrift ELO nannte im November 1977 etwa 500 DM für die Konsole und etwa 50 DM pro Spiel. Zum Vergleich: Das Interton VC 4000 aus Köln kam Ende 1978 für etwa 298 bis 398 DM in den Handel. Beide Geräte waren für eine Familie eine echte Anschaffung.
Saba passte die Spiele für den deutschen Markt an. Einige Module haben deutsche Texte und geänderte Grafik. Laut Classic Consoles Center unterscheiden sich vor allem die Saba-Fassungen der Module 1 und 16 von den amerikanischen Originalen. Saba brachte 20 der Module heraus. Eine Besonderheit ist ein Schachmodul, das es laut Wikipedia nur für das Saba Videoplay gab. Es erschien 1979 und hat 2 KB zusätzlichen Arbeitsspeicher eingebaut, damit der Computer die Stellung berechnen kann.
Saba war nicht allein. ITT Schaub-Lorenz verkaufte ab 1978 den Tele-Match Processor. Die Zeitschrift Video nannte Anfang 1979 etwa 490 DM für die Konsole und 48 DM pro Modul. Nordmende brachte 1978 das Color TelePlay µP heraus. Nach dem Vorbild des überarbeiteten System II folgte bei Saba das Videoplay 2.
Wie viele Geräte in Deutschland verkauft wurden, ist nicht belegt. Weder von Saba noch von ITT oder Nordmende konnten wir belastbare Zahlen finden. Auch Branchenverbände haben für die 70er keine Statistiken zu einzelnen Konsolen. Dass Videoplay-Geräte heute regelmäßig auf deutschen Flohmärkten und bei Kleinanzeigen auftauchen, zeigt aber, dass es keine Exoten waren.
Das Wort Konsole war 1977 in Deutschland kaum gebräuchlich. In Prospekten und Zeitschriften hieß so ein Gerät meist Telespiel oder Videospiel, die Module oft Kassetten. Wenn du in alten Anzeigen suchst, helfen diese Begriffe weiter.
Modelle und Revisionen
Es gibt im Kern zwei Generationen: das Original von 1976 und das überarbeitete System II. Die europäischen Lizenzgeräte bauen auf der einen oder anderen Generation auf.
| Modell | Jahr | Was anders ist |
|---|---|---|
| Fairchild Video Entertainment System (VES) | 1976 | Originalgerät, Controller fest angeschlossen, Lautsprecher im Gehäuse, Karton mit dem alten Namen |
| Fairchild Channel F | ab 1977 | gleiche Hardware wie das VES, nur neuer Name auf Karton und in der Werbung |
| Saba Videoplay, ITT Tele-Match, Nordmende Color TelePlay µP | 1977 bis 1978 | deutsche Lizenzgeräte mit PAL-Bild und eigenem Gehäuse, teils deutsche Modulfassungen |
| Channel F System II | vorgestellt 1978, in den USA 1979 unter Zircon | steckbare Controller, Ton über den Fernseher, kein eingebauter Lautsprecher, vereinfachte Elektronik mit zwei eigenen Logikchips, kleinere Platine |
| Saba Videoplay 2 | 1978 | deutsche Fassung auf Basis des System II |
Beim Jahr des System II gehen die Quellen auseinander. Die deutsche Wikipedia schreibt, Fairchild habe die überarbeitete Fassung im Juni 1978 auf der Consumer Electronics Show gezeigt. Die englische Wikipedia beschreibt das System II als Gerät, das Zircon 1979 nach der Übernahme verkaufte, für 99,95 Dollar oder 69,95 Dollar bei Rückgabe eines alten Geräts. Beides passt zusammen, wenn Fairchild das Gerät entwickelt und Zircon es in den USA in den Handel gebracht hat. Ganz sicher ist das aber nicht.
Die steckbaren Controller des System II nutzen einen Stecker im Stil des Atari-Joysticks. Atari-Controller funktionieren daran trotzdem nicht, die Belegung ist anders.
Atari zieht vorbei
Das Channel F war fast ein Jahr früher da als der Atari 2600. Geholfen hat das wenig. Atari brachte im September 1977 sein Video Computer System für 199 Dollar heraus, und danach brachen die Verkäufe des Channel F laut Wikipedia ein. Als Grund nennt Wikipedia vor allem die Art der Spiele. Atari setzte auf Umsetzungen bekannter Automatenspiele und schnelle Action, Fairchild auf Brettspiele, Kartenspiele und Lernprogramme.
Dazu kam die schiere Menge. Laut Wikipedia standen zur Hochphase 22 Channel-F-Spiele etwa 187 Spielen für den Atari gegenüber. Wer im Kaufhaus vor dem Regal stand, sah bei Atari einfach mehr Auswahl. Auch RCA mischte mit: Das Studio II erschien Anfang 1977 ebenfalls mit Prozessor und Modulen, blieb aber auf Schwarz-Weiß beschränkt.
Die Zeitschrift Video Games nannte das Channel F 1983 rückblickend "das System, das niemand kennt". Der Spieletester Ken Uston lobte 1982 dagegen Alien Invasion und Video Whizball als die besten Module für Erwachsene und sah die Stärke des Systems bei Lernspielen für Kinder.
Verkaufszahlen
Die meistzitierte Zahl lautet: etwa 350.000 verkaufte Konsolen bis 1979, also bis Fairchild die Technik an Zircon abgab. So steht es in der englischen und der deutschen Wikipedia. Die deutsche Fassung formuliert vorsichtiger und spricht von mindestens 350.000. Ob die Lizenzgeräte aus Europa darin enthalten sind, geht aus den Quellen nicht eindeutig hervor.
Was Zircon zwischen 1979 und 1983 noch verkauft hat, ist nicht belegt. Für Deutschland gibt es keine offizielle Zahl, weder für das Saba Videoplay noch für die Geräte von ITT und Nordmende. Wir schätzen hier nichts, solange keine belastbare Quelle auftaucht.
Zum Vergleich: Der Atari 2600 kam allein in den USA bis 1982 auf 10 Millionen Geräte. Das Channel F blieb eine Fußnote im Markt, aber eine wichtige in der Technikgeschichte.
Die wichtigsten Videocarts
Zwischen November 1976 und September 1981 erschienen 26 nummerierte Videocarts. Fairchild brachte die meisten heraus, die letzten Nummern stammen von Zircon. Viele Module enthalten mehrere Spiele. Dazu kommen ein Demo-Modul und das Saba-Schach. Eine Top-10-Liste mit Verkaufszahlen lässt sich für das Channel F nicht seriös aufstellen, weil es keine Zahlen zu einzelnen Modulen gibt. Laut Wikipedia gilt Pinball Challenge als meistverkauftes Modul. Diese Titel solltest du kennen:
| Videocart | Spiel | Erschienen | Warum wichtig |
|---|---|---|---|
| eingebaut | Hockey und Tennis | 1976 | Pong-Varianten, die ohne Modul laufen, mit Hold-Taste pausierbar |
| 1 | Tic-Tac-Toe, Shooting Gallery, Doodle, Quadra-Doodle | November 1976 | das allererste Modul, Doodle ist ein einfaches Malprogramm |
| 3 | Video Blackjack | Dezember 1976 | Kartenspiel gegen den Computer, bekam von der Zeitschrift Video die Höchstnote |
| 5 | Space War | April 1977 | frühes Weltraum-Actionspiel, eines der ersten Module mit schneller Action |
| 12 | Baseball | September 1977 | ebenfalls mit Höchstnote bei Video |
| 16 | Dodge It | Mai 1978 | Ausweichspiel, eines der flotteren Module, bei Saba mit geänderter Fassung |
| 17 | Pinball Challenge | April 1978 | Breakout-artiges Spiel, gilt als meistverkauftes Modul |
| 20 | Video Whizball | November 1978 | eigenständiges Actionspiel, von Ken Uston gelobt |
| 21 | Bowling | November 1978 | höchste Nummer aus der Fairchild-Zeit |
| 26 | Alien Invasion | September 1981 | Space-Invaders-artiges Spiel von Zircon, das letzte Modul |
Drei weitere Module mit Tastatur-Zubehör tauchten 1978 in einem Prospekt auf, erschienen aber nie: Casino Poker, Space Odyssey und Pro-Football. Spätere Zircon-Module tragen ähnliche Namen, sind aber normale Videocarts.
Teure Sammlerstücke
Die meisten Videocarts sind günstig. Teuer sind vor allem die späten Zircon-Module, die in kleiner Stückzahl in einen Markt kamen, der sich längst für Atari entschieden hatte. Die Preise unten sind grobe Größenordnungen laut PriceCharting (abgerufen am 30.09.2026), in US-Dollar und vor allem aus US-Verkäufen. Für die deutschen Saba-Fassungen gibt es dort keine Werte.
| Modul | Hersteller, Jahr | Warum gesucht | Größenordnung |
|---|---|---|---|
| Videocart-19: Checkers | Zircon, 1980 | das seltenste reguläre Modul, kam spät und in kleiner Menge | lose über 250 Dollar, komplett deutlich über 1.000 Dollar |
| Democart | Fairchild, 1977 (später per Post von Zircon) | Vorführmodul für Händler, nie regulär im Laden | lose um 250 Dollar, komplett über 500 Dollar |
| Videocart-25: Casino Poker | Zircon, 1981 | eines der letzten Module | lose um 120 Dollar, komplett um 260 Dollar |
| Videocart-20: Video Whizball | Fairchild, 1978 | gilt als eines der besten Spiele des Systems | lose um 120 Dollar, komplett um 250 Dollar |
| Videocart-22: Slot Machine | Zircon, 1980 | späte Zircon-Veröffentlichung | lose um 95 Dollar, komplett um 250 Dollar |
| Videocart-24: Pro-Football | Zircon, 1980 | späte Zircon-Veröffentlichung | lose um 50 Dollar, komplett um 150 Dollar |
| Saba Schach | Saba, 1979 | nur für das Videoplay, mit Zusatzspeicher im Modul | keine belastbaren Vergleichswerte, selten im Angebot |
Nimm diese Zahlen nur als Orientierung. Bei so seltenen Modulen reichen wenige Verkäufe, um den Durchschnitt stark zu verschieben. Die US-Preise lassen sich auch nicht eins zu eins auf deutsche Saba- oder ITT-Fassungen übertragen. Was ein Modul hierzulande wirklich bringt, siehst du auf eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel". So erkennst du, was tatsächlich gezahlt wurde und nicht nur, was jemand gerne hätte.
Ende, Zircon und Vermächtnis
Im April 1979 stieg Fairchild aus dem Videospielgeschäft aus. Noch im selben Jahr übernahm Zircon International die Rechte und die Restbestände. Zircon verkaufte das System II deutlich günstiger und brachte bis 1981 noch mehrere neue Module heraus. Vor Weihnachten 1982 folgte mit dem Jet-Stick ein Controller mit echtem Feuerknopf. 1983 war Schluss, im selben Jahr, in dem der US-Videospielmarkt zusammenbrach.
Einen direkten Nachfolger gab es nicht. Das Vermächtnis ist trotzdem riesig. Die Idee, die Konsole als kleinen Computer zu bauen und Spiele auf Modulen zu verkaufen, prägte die Konsolen der folgenden zwei Jahrzehnte. Ein Detail zeigt, wie eng die Branche damals verbunden war: Laut Wikipedia hat Doug Hardy, der an der Modulmechanik des Channel F gearbeitet hatte, später das Modul des Atari 2600 mitentwickelt.
Jerry Lawson bekam die Anerkennung spät. 2011 ehrte ihn die IGDA, kurz vor seinem Tod. 2020 erzählte die Netflix-Doku High Score seine Geschichte, und am 1. Dezember 2022, seinem 82. Geburtstag, widmete ihm Google ein spielbares Doodle. Im World Video Game Hall of Fame in Rochester erinnert eine Ausstellung an ihn. Die University of Southern California richtete mit Take-Two Interactive einen Stipendienfonds in seinem Namen ein.
Du willst selbst ein Channel F oder Saba Videoplay? Welche Version sich lohnt, worauf du bei Controllern, Netzteil und Modulen achten musst und wie du das Bild an einen modernen Fernseher bekommst, steht in der Channel-F-Kaufberatung.
Häufige Fragen zum Channel F
War das Channel F wirklich die erste Konsole mit Modulen?
Es war die erste Konsole mit Mikroprozessor und austauschbaren ROM-Modulen, also Speicherchips mit dem fertigen Spiel. Die Magnavox Odyssey hatte zwar schon Steckkarten, die enthielten aber keine Programme, sie schalteten nur Schaltungen im Gerät um.
Was ist der Unterschied zwischen Channel F und Saba Videoplay?
Technisch sind beide fast gleich. Das Saba Videoplay ist eine Lizenzversion mit eigenem Gehäuse, deutschem PAL-Fernsehsignal und teils deutschen Modulfassungen. Die Module passen in beide Geräte.
Wer war Jerry Lawson?
Der leitende Ingenieur der Fairchild-Videospielsparte. Er machte aus dem Alpex-Prototyp ein marktreifes Produkt mit F8-Prozessor und robusten Modulen und gilt deshalb als Vater des Videospielmoduls.
Wie viele Spiele gibt es für das Channel F?
26 nummerierte Videocarts, viele davon mit mehreren Spielen, dazu Hockey und Tennis fest eingebaut. Hinzu kommen ein Demo-Modul und das Saba-Schach.
Warum ist das Channel F so unbekannt?
Weil der Atari 2600 es kurz nach dem Start überholte. Atari hatte mehr Spiele und bekanntere Automatenumsetzungen. Fairchild stieg schon 1979 aus.
Gibt es Verkaufszahlen für Deutschland?
Nein. Weder Saba noch ITT oder Nordmende haben Zahlen veröffentlicht, die sich heute finden lassen.
Quellen
- Wikipedia (englisch): Fairchild Channel F
- Wikipedia (deutsch): Fairchild Channel F (mit Verweisen auf ELO 11/1977 und Video 1/1979)
- Wikipedia (englisch): Fairchild Channel F Videocarts
- Wikipedia (englisch): Jerry Lawson
- The Game Scholar: What's in a Name? (Umbenennung VES zu Channel F)
- Classic Consoles Center: Fairchild Channel F und Lizenzgeräte
- Radiomuseum: Saba Videoplay
- ZKM Karlsruhe: Saba Videoplay
- Centre for Computing History: Grandstand Video Entertainment Computer
- Racketboy: Fairchild Channel F 101
- PriceCharting: Fairchild Channel F (abgerufen 30.09.2026)
- Wikipedia (englisch): RCA Studio II
- VES Wiki: Technik und Dokumentation zum Channel F