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Kaufberatung · Fairchild Channel F

Channel F und Saba Videoplay kaufen: Worauf du bei der Urkonsole achten musst

Ein Channel F kaufst du nicht für lange Spieleabende. Du kaufst ein Stück Technikgeschichte: die erste Konsole mit Mikroprozessor und Spielmodulen. Damit es auch läuft, solltest du vor dem Kauf ein paar Dinge wissen. Hier steht, welche Version zu dir passt, wo die Schwachstellen liegen und wie du das Bild an den Fernseher bekommst.

Stand 30.09.2026 · ca. 8 Min. Lesezeit
KaufberatungFairchild Channel FFairchild Channel F kaufen
Foto Fairchild Channel F: Evan-Amos, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
2Generationen: Original mit festen Controllern und System II mit steckbaren
PALhaben Saba, ITT und Nordmende, die US-Geräte senden NTSC
26nummerierte Videocarts, die auf allen Varianten laufen

Welche Version passt zu dir?

In Deutschland begegnen dir vor allem Lizenzgeräte: das Saba Videoplay, seltener der ITT Tele-Match Processor oder das Nordmende Color TelePlay µP. Originale von Fairchild kommen meist als Import aus den USA. Alle nutzen dieselben Module. Die Unterschiede liegen bei Fernsehnorm, Controllern, Ton und Netzteil.

VersionGut fürStärkenSchwächen
Saba Videoplay (erste Generation)deutsche SammlerPAL-Bild, teils deutsche Modulfassungen, häufig in Deutschland zu findenController fest verbaut wie beim Original
Saba Videoplay 2Spieler, die das Gerät auch nutzen wollenauf Basis des System II, Ton über den Fernseherseltener als das erste Modell
ITT Tele-Match, Nordmende Color TelePlay µPSammler, die etwas Ausgefallenes suchenPAL, technisch gleichwertigseltener, Zubehör schwerer zu finden
Fairchild VES oder Channel F (Original)Sammler mit Faible für das OriginalUrsprungsgerät, bei frühen Kartons noch mit dem Namen Video Entertainment SystemNTSC, US-Netzteil für 120 Volt, Controller fest verbaut
Channel F System II (Fairchild/Zircon)Import-Fanssteckbare Controller, kleinere und einfachere ElektronikNTSC, US-Netzteil, Ton nur über den Fernseher

Für den Einstieg in Deutschland ist ein Saba Videoplay die naheliegende Wahl. Es passt zu deutschen Fernsehern und deutschen Steckdosen, und Ersatzteile tauchen am ehesten hier auf. Ein amerikanisches Original lohnt sich vor allem, wenn du gezielt Fairchild sammelst. Wie das Gerät entstand und welche Varianten es gibt, steht in der Geschichte des Channel F.

Fairchild Channel F im Einsatz, Pressefoto aus den 70ernFoto: Liane Enkelis / Electronic Engineering Times, Wikimedia Commons, gemeinfrei

PAL, NTSC und Ton

PAL und NTSC sind die Fernsehnormen in Europa und Nordamerika. Ein amerikanisches Channel F sendet ein NTSC-Signal mit 60 Hz über den Antennenausgang. Viele deutsche Röhrenfernseher können damit über die Antennenbuchse nichts anfangen, das Bild bleibt schwarz-weiß, rauscht oder fehlt ganz. Die deutschen Lizenzgeräte senden PAL. Auch der Prozessor taktet dort anders: Wikipedia nennt 2,0 MHz für die erste PAL-Generation und 1,97 MHz für die zweite, gegenüber 1,79 MHz bei NTSC.

Beim Ton gibt es einen zweiten Unterschied. Das Originalmodell spielt seine Pieptöne über einen eigenen Lautsprecher im Gehäuse ab. Das System II schickt den Ton mit ins Antennensignal zum Fernseher. Als Faustregel gilt außerdem: Britische Geräte wie das Grandstand nutzen die britische Variante PAL-I mit anderem Tonträger. Bei Geräten, die den Ton über den Fernseher ausgeben, kann er an deutschen Fernsehern deshalb fehlen.

Die Controller: Schwachstelle Nummer eins

Beim Original und beim ersten Saba Videoplay sind beide Controller fest mit der Konsole verbunden. Geht einer kaputt, musst du das Gerät öffnen. Racketboy warnt, dass die dünnen Kupferlitzen in den Kabeln leicht brechen und schwer zu ersetzen sind. Das passiert vor allem dort, wo das Kabel in den Griff oder ins Gehäuse führt.

Teste deshalb jeden Controller vollständig. Die Kappe muss in alle acht Richtungen reagieren, sich drehen lassen und beim Ziehen und Drücken auslösen. Wackel dabei vorsichtig am Kabel. Setzt die Steuerung dann kurz aus, ist meist ein Bruch im Kabel die Ursache.

Beim System II und beim Videoplay 2 kannst du die Controller abziehen. Der Stecker sieht aus wie beim Atari 2600. Atari-Joysticks funktionieren trotzdem nicht, die Belegung ist anders. Einzelne System-II-Controller tauchen gelegentlich auf, sind aber nicht billig.

Netzteil und Elektronik

Das Channel F bekommt seinen Strom über ein externes Netzteil. Laut AtariAge-Forum liefert es beim Original zwei Wechselspannungen: etwa 15 bis 16 Volt und 9 Volt. Bei Luxor ist von 9 und 15 Volt die Rede. Ein normales Netzteil aus der Grabbelkiste ersetzt das nicht.

  • US-Geräte: Das Originalnetzteil ist für 120 Volt gebaut. An einer deutschen Steckdose mit 230 Volt darfst du es nicht direkt betreiben.
  • Alter: Netzteile und Kabel sind fast 50 Jahre alt. Achte auf brüchige Isolierung, Brandspuren und einen festen Sitz des Steckers.
  • Kondensatoren: In der Konsole stecken Elektrolytkondensatoren und Spannungsregler. Im AtariAge-Forum beschreibt ein Nutzer ein System II mit ausgelaufenem Kondensator und heiß laufendem Regler. Solche Bauteile altern, und ein Tausch gehört in erfahrene Hände.

Als Erfahrungswert: Kauf lieber ein Gerät mit passendem Originalnetzteil und lass es vor dem ersten längeren Einsatz von jemandem prüfen, der sich mit alter Elektronik auskennt.

Videocarts prüfen

Die Module sind robuste Plastikgehäuse im Stil einer 8-Spur-Kassette mit einer Platine darin. Alle 26 nummerierten Videocarts laufen auf allen Varianten. Die Saba-Fassungen einiger Module haben deutsche Texte.

  • Kontakte: Schau dir die Kontaktfläche an. Dunkle Beläge lassen sich meist mit Isopropylalkohol und einem Wattestäbchen lösen. Grüne Korrosion oder abgelöste Leiterbahnen sind ein schlechtes Zeichen.
  • Gehäuse: Risse oder fehlende Schrauben deuten darauf hin, dass jemand das Modul geöffnet hat.
  • Etikett: Nummer und Titel sollten zusammenpassen. Fehlt das Etikett, siehst du erst im Test, was drauf ist.

Auch der Modulschacht der Konsole sammelt über Jahrzehnte Staub. Wenn Module nur nach mehrmaligem Einstecken laufen, ist eine Reinigung der Kontakte im Schacht der erste Schritt.

Am modernen Fernseher

Das Channel F hat nur einen Ausgang: das fest angeschlossene Antennenkabel. Composite, Scart oder gar HDMI gibt es ab Werk nicht. Damit hast du drei Wege:

  1. Fernseher mit Analogtuner

    Manche Flachbildfernseher können noch analoge Antennensignale empfangen. Dann schließt du das PAL-Gerät an die Antennenbuchse an und lässt einen Sendersuchlauf laufen. Ob dein Fernseher das kann, steht in der Bedienungsanleitung.

  2. Videorekorder als Empfänger

    Ein alter Videorekorder hat einen Analogtuner eingebaut. Du steckst die Konsole in den Antenneneingang des Rekorders, suchst den Kanal und gibst das Bild per Scart oder Composite weiter. Ein Scart-zu-HDMI-Wandler bringt es dann an den modernen Fernseher.

  3. Röhrenfernseher

    Die einfachste und originalgetreueste Lösung. Ein kleiner Röhrenfernseher mit Antennenbuchse zeigt das Bild ohne Umwege. Gute Geräte findest du oft auf dem Flohmarkt.

Bei amerikanischen NTSC-Geräten kommen diese Wege an ihre Grenzen, weil deutsche Tuner das NTSC-Signal meist nicht verstehen. Dann brauchst du einen Fernseher oder Rekorder, der NTSC empfangen kann, oder einen Umbau. In der Szene gibt es Umbauten auf Composite, die gehören aber in erfahrene Hände.

Nachbauten und Homebrew

Gefälschte Channel-F-Module sind kein großes Thema. Die meisten Videocarts sind dafür zu günstig. Aufpassen solltest du trotzdem bei drei Dingen:

  • Homebrew: Die Szene entwickelt bis heute neue Spiele für das Channel F. Solche Module sind legal, aber keine Originale aus den 70ern. Achte darauf, dass sie im Angebot klar als Neuentwicklung gekennzeichnet sind.
  • Multi-Module: Moderne Module mit vielen Spielen auf einmal tauchen bei PriceCharting sogar in der Liste auf. Für die Sammlung zählen sie nicht als Original.
  • Seltene Nummern: Bei teuren Modulen wie Videocart-19 Checkers lohnt ein genauer Blick auf Etikett, Gehäuse und Platine. Lass dir im Zweifel Fotos der geöffneten Platine schicken.

Preise finden

Feste Preise nennen wir hier bewusst nicht. Das Channel F wird selten gehandelt, und einzelne Verkäufe verschieben den Schnitt stark. Als grobe Orientierung: Laut PriceCharting (abgerufen am 30.09.2026, US-Markt) liegen lose Original-Konsolen im niedrigen dreistelligen Dollarbereich, ein System II spürbar darüber. Die meisten Module kosten dort lose nur einen niedrigen zweistelligen Betrag. Teuer sind vor allem die späten Zircon-Module.

Für Deutschland zählt, was hier gezahlt wird. Such bei eBay nach "Saba Videoplay" oder "Channel F" und setz den Filter "Verkaufte Artikel". So siehst du echte Verkaufspreise statt Wunschpreise. Ein vollständiges Gerät mit Karton, Anleitung, Netzteil und funktionierenden Controllern ist deutlich mehr wert als eine lose Konsole ohne Netzteil.

Einsteiger-Module: günstig und spielbar

Die Bibliothek ist klein und die Spiele sind einfach. Mit diesen Modulen bekommst du einen guten Eindruck, ohne viel auszugeben. Alle gehören laut PriceCharting zu den günstigeren Nummern.

VideocartSpielWarum
eingebautHockey und Tennislaufen ohne Modul, ideal für den ersten Funktionstest
1Tic-Tac-Toe, Shooting Gallery, Doodle, Quadra-Doodledas erste Modul überhaupt, vier Programme auf einmal
2Desert Fox, Shooting GalleryPanzerspiel, dazu eine zweite Fassung der Schießbude
3Video BlackjackKartenspiel gegen den Computer, damals mit Bestnote getestet
12Baseballebenfalls mit Bestnote getestet, eines der günstigsten Module
16Dodge Itschnelles Ausweichspiel, gut für kurze Runden
17Pinball ChallengeBreakout-artig, gilt als meistverkauftes Modul

Checkliste vor dem Kauf

  • Version klären: PAL-Gerät (Saba, ITT, Nordmende) oder NTSC-Import aus den USA?
  • Netzteil dabei? Bei US-Geräten nie direkt an 230 Volt anschließen.
  • Netzteilkabel und Antennenkabel auf Risse und Brüche prüfen.
  • Hockey und Tennis ohne Modul starten: Bild da, Ton da?
  • Beide Controller testen: acht Richtungen, Drehen, Ziehen, Drücken, dabei am Kabel wackeln.
  • Die vier Tasten an der Konsole prüfen, auch Hold.
  • Mindestens ein Modul testen und auf Kontakte und Etikett achten.
  • Innen nach ausgelaufenen Kondensatoren fragen oder Fotos der Platine verlangen.
  • Anschluss an deinem Fernseher vorher klären: Analogtuner, Videorekorder oder Röhre?
  • Preis über eBay "Verkaufte Artikel" einordnen.

Mehr Tipps für die Schnäppchenjagd stehen im Flohmarkt-Check. Was vor dem Channel F kam, erzählt der Artikel Wie alles begann, und warum alte Spiele überhaupt bewahrenswert sind, liest du unter Videospiele als Kultur.

Zur Geschichte

Wer war Jerry Lawson, warum hieß die Konsole anfangs Video Entertainment System, und was kostete das Saba Videoplay 1977? Das steht in der Geschichte des Fairchild Channel F.

Aktuelle Angebote

Gebrauchte Geräte findest du zum Beispiel auf eBay: Saba Videoplay auf eBay*. Was zuletzt wirklich bezahlt wurde, zeigen die verkauften Angebote*. Vergleich immer Geräte im gleichen Zustand.

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Häufige Fragen

Laufen Saba-Module auf einem amerikanischen Channel F?

Ja. Die Module sind technisch gleich und passen in alle Varianten. Auf Saba-Fassungen stehen teils deutsche Texte im Spiel.

Kann ich Atari-Joysticks am System II nutzen?

Nein. Der Stecker sieht gleich aus, die Belegung ist aber anders.

Brauche ich ein spezielles Netzteil?

Ja. Das Channel F braucht zwei Wechselspannungen. Am sichersten ist das passende Originalnetzteil für deine Version.

Lohnt sich ein Channel F zum Spielen?

Als Dauerkonsole eher nicht, die Spiele sind sehr einfach. Als Sammlerstück und zum Ausprobieren der ersten Modul-Konsole ist es spannend.

Zeigt mein Flachbildfernseher das Bild?

Nur, wenn er noch einen Analogtuner hat und du ein PAL-Gerät nutzt. Sonst hilft ein alter Videorekorder als Empfänger oder ein Röhrenfernseher.

Quellen