Der Dreamcast: Segas letzte Konsole war ihrer Zeit voraus
Eingebautes Modem, eine Speicherkarte mit eigenem Bildschirm und Spiele wie Shenmue und Soulcalibur: Der Dreamcast hatte 1999 alles, was eine Konsole der Zukunft braucht. Nur gut zwei Jahre später stieg Sega aus dem Hardwaregeschäft aus. Hier steht, wie es dazu kam, wie viele Konsolen verkauft wurden und welche PAL-Spiele heute richtig Geld kosten.
Steckbrief
| Hersteller | Sega |
|---|---|
| Generation | 6. Konsolengeneration, zusammen mit PlayStation 2, GameCube und Xbox |
| Japan | 27. November 1998, 29.800 Yen |
| Nordamerika | 9. September 1999 ("9.9.99"), 199 US-Dollar |
| Europa und Deutschland | 14. Oktober 1999, 499 DM (laut PC Games) |
| Prozessor | Hitachi SH-4, 200 MHz |
| Grafik | NEC PowerVR2 (CLX2), 100 MHz |
| Arbeitsspeicher | 16 MB Hauptspeicher, 8 MB Grafikspeicher, 2 MB Soundspeicher |
| Datenträger | GD-ROM, rund 1 GB |
| Online | Modem eingebaut, in Europa mit 33,6 kbit/s |
| Verkauft weltweit | 9,13 Millionen (meistzitierte Zahl, siehe unten) |
| Produktionsende | 31. März 2001 |
Die Ausgangslage: die Last des Saturn
Um den Dreamcast zu verstehen, musst du einen Schritt zurück. Sega war mit dem Mega Drive in den frühen 90ern ganz oben. Der Nachfolger Saturn lief dann vor allem im Westen schlecht. Laut Wikipedia verkaufte er weltweit 9,26 Millionen Geräte, davon 5,75 Millionen in Japan, aber nur 1,8 Millionen in den USA und rund eine Million in Europa.
Ein Grund war der verpatzte Start in Nordamerika. Auf der Messe E3 am 11. Mai 1995 verkündete Sega, der Saturn sei ab sofort für 399 Dollar im Handel, Monate früher als geplant. Viele Händler waren überrumpelt. Am selben Tag nannte Sony den Preis der PlayStation: 299 Dollar. Damit war der Preisvorteil weg.
Zwei Jahre später sagte Bernie Stolar, bei Sega of America für Produktentwicklung zuständig, auf der E3 1997 einen Satz, der hängen blieb: "Der Saturn ist nicht unsere Zukunft." Im Geschäftsjahr bis März 1998 meldete Sega laut Wikipedia den ersten Konzernverlust seit dem Börsengang, 35,6 Milliarden Yen. Die neue Konsole musste also sitzen.
Blackbelt, Dural, Katana: zwei Teams, ein Chip
An der Spitze stand Shoichiro Irimajiri, der zuvor Sega of America geleitet hatte. Er ließ zwei Teams parallel arbeiten. In den USA baute Tatsuo Yamamoto, den Sega von IBM geholt hatte, mit einer elfköpfigen Gruppe das Projekt Blackbelt. Er setzte auf Grafikchips von 3dfx, damals bekannt durch die Voodoo-Karten für PCs, und einen PowerPC-Prozessor von Motorola.
In Japan arbeitete ab 1997 Hideki Sato mit seinem internen Team an einer Alternative, Codename White Belt und später Dural. Seine Wahl: ein SH-4-Prozessor von Hitachi und der Grafikchip PowerVR2 von NEC und VideoLogic. Sega entschied sich für Satos Variante. Laut Wikipedia sagte Stolar später, er hätte lieber die US-Version gehabt, aber "Japan wollte die japanische Version, und Japan hat gewonnen". Der abgewiesene Partner 3dfx zog vor Gericht, der Streit endete mit einem Vergleich.
Im Februar 1998 hieß das Projekt dann Katana. Unter diesem Namen lief auch das offizielle Entwicklerset, mit dem Studios ihre Spiele bauten.
Name, Spirale und ein Modem für alle
Für den Namen veranstaltete Sega einen Wettbewerb und sah sich laut Wikipedia über 5.000 Vorschläge an. Heraus kam Dreamcast, zusammengesetzt aus "dream" (Traum) und "broadcast" (Übertragung). Das passte zum Plan: Der Dreamcast war laut Wikipedia die erste Konsole mit einem fest eingebauten Modem für Internet und Onlinespiele. Das Modem saß als austauschbares Modul an der Seite.
Das Logo ist eine Spirale. Japan und Nordamerika bekamen sie in Orange. In Europa ist sie blau. Der Grund steht in der deutschen Wikipedia: Der deutsche Verlag Tivola hatte ein ähnliches orangefarbenes Logo. Wer die Spirale entworfen hat, ist nicht ganz geklärt. Laut Wikipedia soll der Spieleentwickler Kenji Eno sowohl Namen als auch Logo eingereicht haben, Sega hat das aber nie offiziell bestätigt.
Der Start: Japan und USA
In Japan kam der Dreamcast am 27. November 1998 in die Läden, für 29.800 Yen. Das hatte Sega am 6. Oktober 1998 in Tokio verkündet. Zum Start gab es vier Spiele: Virtua Fighter 3tb, Pen Pen TriIcelon, Godzilla Generations und July. Laut Wikipedia lief nur Virtua Fighter 3tb wirklich gut. Die Konsolen waren am ersten Tag ausverkauft, allerdings auch, weil Sega zu wenige hatte: Bei der Herstellung des PowerVR-Grafikchips war die Ausschussquote hoch. Sonic Adventure, das große Zugpferd, folgte erst am 23. Dezember 1998. Das Ziel von einer Million Konsolen bis Februar 1999 verfehlte Sega in Japan deutlich.
Im Westen ging Sega anders vor. In Nordamerika startete der Dreamcast am 9. September 1999 für 199 Dollar. Das Datum war Teil der Werbung: "9.9.99 für 199 Dollar". Laut Wikipedia gingen in den ersten 24 Stunden 225.132 Konsolen über den Ladentisch, das brachte 98,4 Millionen Dollar Umsatz. Zum Start gab es 19 Spiele, darunter Sonic Adventure, Soulcalibur und NFL 2K. Am 4. November 1999 war die erste Million in Nordamerika verkauft.
Der Dreamcast in Deutschland
Europa war ursprünglich für den 23. September 1999 geplant. Laut dem Fachblatt Horizont verschob Sega den Start auf den 14. Oktober, weil es Probleme mit dem Online-Angebot gab. Im selben Artikel vom August 1999 heißt es, Beobachter hätten statt der geplanten 499 DM eher mit 299 DM gerechnet. Am Ende blieb es bei 499 DM, so nennt es PC Games in seinem Rückblick. Gameswelt spricht umgerechnet von rund 250 Euro. Zum Vergleich: Das N64 kostete damals laut Horizont 199 DM, die PlayStation 249 DM.
Für Europa waren laut Wikipedia zunächst 10 Spiele zum Start geplant. Durch die Verschiebung wurden es 15, darunter Sonic Adventure. Die Werbung war ungewöhnlich: Sega versprach "bis zu 6 Milliarden Mitspieler", also die gesamte Weltbevölkerung, die man übers Internet herausfordern könne. Dazu kam Fußball-Sponsoring. Laut Time Extension trugen Arsenal London, AS Saint-Étienne, Sampdoria Genua und Deportivo La Coruña den Dreamcast-Schriftzug auf den Trikots.
Am 22. Oktober 1999 meldete Sega laut Horizont 185.000 verkaufte Konsolen in Europa in den ersten vier Tagen. Für Deutschland sprach Sega von über 100.000 Konsolen in den ersten 24 Stunden und einem Umsatzrekord von 22 Millionen Mark. Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Es sind Angaben aus einer Firmenmeldung, und die deutsche Wikipedia nennt für Deutschland bis Oktober 1999 nur 41.412 verkaufte Einheiten. Beides passt nicht zusammen. Vermutlich zählte Sega an die Händler ausgelieferte Geräte, belegen konnten wir das nicht.
Ein Nachteil für deutsche Spieler: Das Modem der europäischen Konsole schaffte nur 33,6 kbit/s, in den USA waren es 56 kbit/s. Wie die Konsole online ging, steht weiter unten.
Verkaufszahlen: weltweit, Europa, Deutschland
Die meistzitierte Endzahl lautet 9,13 Millionen Dreamcast weltweit. Die englische Wikipedia stützt sich dabei auf ein Fachbuch des Verlags Routledge. Eine offizielle Endabrechnung von Sega mit Aufteilung nach Regionen haben wir nicht gefunden. Diese Zwischenstände sind belegt:
| Region und Stand | Dreamcast-Konsolen | Quelle |
|---|---|---|
| Japan, Februar 1999 | unter 900.000 | Wikipedia |
| Nordamerika, Ende 2000 | rund 3 Millionen | Wikipedia |
| Europa, Weihnachten 1999 | 500.000 | PC Games, Time Extension |
| Europa, gesamte Laufzeit | rund 1 Million | Time Extension |
| Weltweit, Januar 2001 | rund 6,5 Millionen | ABC News |
| Weltweit, Endstand | 9,13 Millionen | Wikipedia (Routledge) |
Die Zahlen stammen aus verschiedenen Jahren und Quellen und lassen sich nicht einfach addieren. Zum Vergleich: Die PlayStation 2 verkaufte über 150 Millionen Geräte, der GameCube 21,74 Millionen.
Und Deutschland?
Eine belastbare Gesamtzahl für Deutschland haben wir nicht gefunden. Wir haben Meldungen von Sega, Fachpresse wie Horizont, heise und PC Games sowie Angaben des Branchenverbands game (früher BIU) durchsucht. Es gibt nur die widersprüchlichen Startzahlen von oben. Schätzungen lassen wir deshalb weg. Klar ist nur: Deutschland steckt in der Europazahl von rund einer Million.
Modelle und Revisionen
Äußerlich hat Sega den Dreamcast nie umgebaut. Laut ConsoleMods Wiki gibt es ein Modell mit drei inneren Revisionen. Welche du hast, verrät eine eingekreiste Ziffer auf dem Aufkleber an der Unterseite. Die Modellnummer zeigt die Region:
| Name oder Nummer | Jahr | Was anders ist |
|---|---|---|
| HKT-3000 | ab 1998 | Japan, NTSC |
| HKT-3010 | ab 1999 | Asien, NTSC |
| HKT-3020 | ab 1999 | Nordamerika, NTSC, Netzteil für 120 Volt |
| HKT-3030 | ab 1999 | Europa, PAL, blaue Spirale, Modem mit 33,6 kbit/s |
| Revision VA0 | 1998 bis 1999 | frühe Platine, vor allem in Japan verbreitet, eigene Teile für Lüfter und Controller-Anschlüsse |
| Revision VA1 | 1999 bis 2000 | Großteil aller NTSC-U- und PAL-Konsolen, Ersatzteile am leichtesten zu finden |
| Revision VA2 | Oktober bis Dezember 2000 | Laufwerkssteuerung auf der Hauptplatine, späte Geräte ohne Unterstützung für MIL-CD, ein Format für Multimedia-CDs |
| Sondermodelle | 1999 bis 2001 | z. B. Sega Sports Edition in Schwarz (USA), Hello-Kitty-Edition mit 2.000 Stück, Editionen zu Seaman und Resident Evil Code: Veronica, Fernseher-Kombi Divers 2000 CX-1 in Sonic-Kopf-Form (Japan) |
Modellnummern laut HD Retrovision, Revisionen laut ConsoleMods Wiki, Sondermodelle laut Wikipedia. Was die Revisionen für den Kauf bedeuten, steht in der Kaufberatung.
Technik kurz erklärt
Der Dreamcast gehört zur sechsten Konsolengeneration, als erste Konsole dieser Generation überhaupt. Sega warb damals mit "128 Bit", und diese Generation heißt oft 128-Bit-Ära. Wörtlich nehmen solltest du das nicht: Der Hauptprozessor, ein Hitachi SH-4 mit 200 MHz, ist laut Wikipedia ein 32-Bit-RISC-Chip. RISC steht für einen schlanken Befehlssatz, der schnelle Berechnungen erlaubt.
Die Grafik übernimmt der PowerVR2 von NEC mit 100 MHz. Laut Wikipedia schafft er theoretisch rund 7 Millionen Polygone pro Sekunde, also die kleinen Dreiecke, aus denen 3D-Figuren bestehen. Im Spielbetrieb sind es mit Texturen und Licht weniger. Dazu kommen 16 MB Hauptspeicher, 8 MB Grafikspeicher und 2 MB für den Sound. Den Ton liefert ein Yamaha-Chip mit 64 Stimmen.
Spiele kommen auf der GD-ROM. Das ist ein Sega-Format auf CD-Basis mit dichter gepackten Daten. Sie fasst rund 1 GB, also deutlich mehr als eine normale CD. Ausgegeben wird das Bild über Composite, S-Video, RGB über SCART oder über eine VGA-Box mit 640 mal 480 Bildpunkten in Vollbildern. Ein PC-Monitor war damit 1999 schon eine Option.
Spannend für Spielhallen-Fans: Segas Automatenplatine NAOMI nutzt die gleiche Technik, nur mit doppeltem Speicher. Darum ließen sich Automatenspiele fast eins zu eins auf den Dreamcast bringen. Capcom und Namco nutzten das ausgiebig.
VMU und Online: Ideen, die später Standard wurden
Die VMU
Die Visual Memory Unit, kurz VMU, ist mehr als eine Speicherkarte. Sie hat einen kleinen Bildschirm, ein Steuerkreuz und Knöpfe. Laut Wikipedia hat sie 128 KB Speicher, davon sind 200 Blöcke für Spielstände frei. Steckt sie im Controller, zeigt der Bildschirm Zusatzinfos an, etwa die Spielzüge in NFL 2K. Rausgezogen wird sie zum Mini-Handheld. Am bekanntesten sind die Chao aus Sonic Adventure: Die kleinen Wesen nimmst du auf der VMU mit und ziehst sie unterwegs groß.
Strom bekommt die VMU für den Handheld-Betrieb aus zwei Knopfzellen vom Typ CR2032. Sind sie leer, piept die VMU beim Einschalten der Konsole. Spielstände speichert sie trotzdem.
Online in Europa: Dreamarena
In Europa hieß der Online-Dienst Dreamarena. Laut Wikipedia startete er kostenlos am 14. Oktober 1999, zusammen mit Partnern wie BT und ICL. Anfangs gab es E-Mail, Chats und Infos. Das erste Onlinespiel war laut heise Mitte 2000 ChuChu Rocket! von Sonic Team. Wirklich groß wurde Phantasy Star Online, laut Wikipedia das erste Online-Rollenspiel für Konsolen. Dreamarena schloss laut englischer Wikipedia am 28. Februar 2002. Heute halten Fans eigene Server für einige Spiele am Leben.
Was du davon heute noch brauchst, steht in der Kaufberatung.
Spiele: wie viele und welche
Die englische Wikipedia kennt 619 Dreamcast-Spiele weltweit. Viele davon erschienen nur in Japan. Eine offizielle Zählung von Sega für Europa oder Deutschland haben wir nicht gefunden. Die deutsche Wikipedia nennt 216 Spiele, die Sega und später Bigben Interactive in den PAL-Regionen veröffentlicht haben. Die Zahl ist nicht einzeln belegt, nimm sie als grobe Richtung.
Zwei Spiele, die den Dreamcast prägten
Soulcalibur von Namco erschien in Japan am 5. August 1999 und war in den USA Starttitel. Das japanische Magazin Famitsu gab laut Wikipedia 40 von 40 Punkten, als erst zweites Spiel überhaupt. Bei Metacritic steht es bei 98. Die Heimversion sah sogar besser aus als der Automat, weil alle Arenen in echtem 3D liefen.
Shenmue war Segas großes Prestigeprojekt. Regisseur Yu Suzuki, bekannt für Virtua Fighter, begann es 1996 auf dem Saturn als Rollenspiel um Virtua-Fighter-Held Akira. 1997 wechselte das Projekt auf den Dreamcast. Laut Wikipedia war es damals das teuerste Spiel aller Zeiten. Anfangs war von 70 Millionen Dollar die Rede, Suzuki selbst nannte später rund 47 Millionen inklusive Werbung. Shenmue erschien in Japan am 29. Dezember 1999 und in Europa am 1. Dezember 2000. Es verkaufte 1,2 Millionen Mal und spielte die Kosten trotzdem nicht ein. Ein Begriff blieb: Quick Time Events, also Tastendrücke auf Kommando in Filmszenen. Shenmue hat sie laut Wikipedia benannt und bekannt gemacht.
Die Top 10 der meistverkauften Spiele
| Platz | Spiel | Erschienen | Verkauft weltweit | Quelle der Zahl |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Sonic Adventure | 1998 | 2,5 Mio. | Pétronille und Audureau (2014) |
| 2 | Soulcalibur | 1999 | über 1,3 Mio. | Namco |
| 3 | Shenmue | 1999 | 1,2 Mio. | CBR (2022) |
| 4 | Resident Evil Code: Veronica | 2000 | 1,14 Mio. | Capcom |
| 5 | NFL 2K | 1999 | 1,13 Mio. | Magic Box |
| 6 | Crazy Taxi | 2000 | 1,11 Mio. | Magic Box |
| 7 | NFL 2K1 | 2000 | 1,01 Mio. | Magic Box |
| 8 | Seaman | 1999 | 539.367 | Magic Box |
| 9 | NBA 2K1 | 2000 | 504.000 | Magic Box |
| 10 | Sonic Adventure 2 | 2001 | 500.000 | The Escapist (2022) |
Zahlen laut Wikipedia-Liste der meistverkauften Dreamcast-Spiele. Magic Box ist eine Sammelseite, die Verkaufsdaten aus Japan und den USA zusammenträgt, keine offizielle Herstellerquelle. Europa fehlt bei diesen Werten oft ganz. Die echten weltweiten Zahlen dürften deshalb bei einigen Spielen höher liegen. Erschienen = Erstveröffentlichung weltweit.
Auffällig: Sieben der zehn Spiele hat Sega selbst veröffentlicht. Die Sportspiele der 2K-Reihe von Visual Concepts waren vor allem in den USA Hits. Seaman, ein sprechender Fisch mit Menschengesicht, den du per Mikrofon großziehst, war ein japanisches Phänomen.
Teure Sammlerstücke
Die großen Sega-Hits wie Sonic Adventure oder Soulcalibur sind heute meist günstig. Teuer werden Spiele, die spät erschienen, als der Dreamcast schon eingestellt war, oder nur bei einzelnen Händlern zu haben waren. Diese sieben Titel bekannter Publisher gehören laut PriceCharting in der PAL-Fassung zu den teuersten:
| Spiel | Publisher | Größenordnung PAL: nur Disc | Größenordnung PAL: komplett |
|---|---|---|---|
| Cannon Spike | Capcom, in Europa vertrieben von Bigben Interactive | rund 290 $ | rund 560 $ |
| MoHo | Take-Two Interactive | rund 235 $ | rund 555 $ |
| Samba de Amigo | Sega | rund 180 $ | rund 390 $ |
| Evolution 2: Far Off Promise | Ubi Soft | rund 140 $ | rund 540 $ |
| Project Justice | Capcom, in Europa Virgin Interactive | rund 135 $ | rund 215 $ |
| Rez | Sega | rund 65 $ | rund 175 $ |
| Skies of Arcadia | Sega | rund 60 $ | rund 120 $ |
Grobe Größenordnung in US-Dollar laut PriceCharting, PAL-Liste, abgerufen am 03.10.2026. "Nur Disc" heißt ohne Hülle und Anleitung, "komplett" mit Hülle und Anleitung. Bei Samba de Amigo gilt der Wert für das Spiel, das Paket mit Maracas-Controllern ist eine eigene Klasse. Die Werte schwanken stark. Nimm sie nur als Richtung.
Warum gerade diese? Cannon Spike erschien laut Wikipedia am 26. April 2002 in Europa, als eines der letzten PAL-Spiele, und wurde nur über die britische Kette GAME verkauft. Evolution 2 kam im November 2001 ebenfalls nur über GAME. MoHo gab es auf dem Dreamcast nur in Europa, und es verkaufte sich laut The Dreamcast Junkyard schlecht.
Wichtig ist der Unterschied zwischen PAL und NTSC. Project Justice kostet in der PAL-Fassung laut PriceCharting deutlich mehr als die US-Version. Bei Skies of Arcadia ist es umgekehrt, dort ist die US-Fassung teurer. Wenn du selbst suchst, schau bei eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel" und vergleiche nur Angebote derselben Region. So siehst du, was wirklich gezahlt wurde. Wie du Nachbauten erkennst, steht in der Kaufberatung.
Das Ende: Sega steigt aus
Am 4. März 2000 erschien in Japan die PlayStation 2, im Herbst 2000 folgten die USA und Europa. Sony spielte DVDs ab, war abwärtskompatibel zur PlayStation und hatte die großen Drittanbieter. Electronic Arts unterstützte den Dreamcast laut heise nicht. Gleichzeitig wurde Raubkopieren ein Thema: Über das MIL-CD-Format ließen sich gebrannte Discs starten, erst späte Konsolen der Revision VA2 sperrten das.
In den USA verfehlte Sega das Ziel deutlich. Bis Ende 2000 waren es laut Wikipedia rund drei Millionen Dreamcast, Peter Moore, damals Chef von Sega of America, hatte fünf Millionen verlangt. Im Mai 2000 übernahm Isao Okawa den Chefposten von Irimajiri.
Am 31. Januar 2001 kam die Nachricht: Sega stellt die Produktion bis zum 31. März 2001 ein und entwickelt künftig Spiele für andere Konsolen. Laut ABC News sank der Preis in den USA dazu von 149 auf 99 Dollar. Peter Moore sagte später laut Wikipedia: Man habe tolle 18 Monate gehabt, das Geschäft aber nicht halten können, und am 31. Januar 2001 verkündet: Sega verlässt das Hardwaregeschäft. Im April 2001 lagen laut Wikipedia noch rund 930.000 unverkaufte Konsolen auf Lager.
In Europa übernahm Bigben Interactive die Restbestände. Laut englischer Wikipedia gilt Cannon Spike vom 26. April 2002 als letztes PAL-Spiel. Sega reparierte Konsolen laut Wikipedia noch bis September 2007.
Einen direkten Nachfolger gab es nie. Sega wurde zum Spielehersteller für alle Plattformen. Laut Wikipedia schrieb die Firma erst im Geschäftsjahr bis März 2003 wieder schwarze Zahlen. Isao Okawa erließ Sega vor seinem Tod im März 2001 seine Schulden und schenkte der Firma Aktien im Wert von 695 Millionen Dollar.
Das Vermächtnis
Kommerziell war der Dreamcast ein Misserfolg. Spielerisch gilt er heute laut Wikipedia als eine der besten Konsolen überhaupt. Vieles, was er 1999 vormachte, ist heute normal: Onlinespiele auf der Konsole, Zusatzinhalte zum Herunterladen, ein zweiter Bildschirm am Controller. Jet Set Radio machte den Cel-Shading-Look bekannt, bei dem 3D-Grafik wie gezeichnet aussieht. Shenmue III kam nach einer Kickstarter-Kampagne 2019 doch noch heraus.
Auch die Fanszene ist bis heute aktiv. Fans betreiben Server für Phantasy Star Online, und über die Jahre erschienen neue Spiele kleiner Studios für die alte Hardware. Für Sammler heißt das: Wer heute einen Dreamcast anschließt, spielt eine Konsole, die vieles vorwegnahm und trotzdem ein Kapitel für sich bleibt. Warum wir solche Geräte und ihre Spiele aufheben, steht in "Die Disc stirbt. Wir heben sie auf." Und warum Spiele wie Shenmue ein Stück Kultur sind, liest du in Videospiele als Kultur.
Du willst dir einen Dreamcast holen? In der Dreamcast-Kaufberatung steht, welche Revision zu dir passt, wie du ihn an einen modernen Fernseher anschließt und worauf du beim Laufwerk achten musst.
Häufige Fragen zum Dreamcast
Wann kam der Dreamcast nach Deutschland?
Am 14. Oktober 1999, zeitgleich mit dem Rest Europas. Laut PC Games kostete er 499 DM.
Wie viele Dreamcast wurden verkauft?
Die meistzitierte Zahl ist 9,13 Millionen weltweit. In Europa waren es laut Time Extension rund eine Million. Für Deutschland gibt es keine belastbare Gesamtzahl.
Ist der Dreamcast eine 128-Bit-Konsole?
So hat Sega ihn beworben, und seine Generation heißt oft 128-Bit-Ära. Korrekt ist: Er gehört zur sechsten Konsolengeneration. Sein Hauptprozessor ist ein 32-Bit-Chip.
Warum ist die Spirale in Europa blau?
Laut deutscher Wikipedia wegen eines ähnlichen orangefarbenen Logos des deutschen Verlags Tivola. Deshalb ist die Spirale auf PAL-Konsolen und Spielen blau.
Was ist eine GD-ROM?
Ein Disc-Format von Sega auf CD-Basis mit rund 1 GB Platz. Normale CD-Player und PC-Laufwerke können die dicht gepackten Daten nicht lesen.
Was war das meistverkaufte Dreamcast-Spiel?
Sonic Adventure mit 2,5 Millionen Exemplaren. Dahinter folgen Soulcalibur und Shenmue.
Quellen
- Wikipedia (englisch): Dreamcast
- Wikipedia (deutsch): Dreamcast
- Wikipedia (englisch): Sega Saturn
- PC Watch: Sega gibt Preis und Termin des Dreamcast bekannt (6. Oktober 1998, japanisch)
- Channelweb: Sega pins retail hopes on Dreamcast launch (Oktober 1998)
- PC Games: 20 Jahre Dreamcast
- Gameswelt: Sehnsuchtsvoller Blick zurück
- Horizont: Neuer Preiskampf bei Videospielkonsolen steht bevor (August 1999)
- Horizont: Sega meldet erfolgreiche Einführung der Dreamcast in Europa (Oktober 1999)
- heise: 25 years ago, Sega Dreamcast is released in Germany
- Time Extension: 25 Years Ago, Sega Launched Dreamcast In Europe
- ABC News: Sega to Halt Dreamcast Production (Januar 2001)
- ConsoleMods Wiki: Dreamcast Model Differences
- HD Retrovision: Dreamcast (Modellnummern nach Region)
- Wikipedia (englisch): VMU
- Wikipedia (englisch): List of Dreamcast games
- Wikipedia (englisch): List of best-selling Dreamcast games
- Wikipedia (englisch): Sonic Adventure
- Wikipedia (englisch): Soulcalibur
- Wikipedia (englisch): Shenmue
- Wikipedia (englisch): Cannon Spike
- Wikipedia (englisch): Evolution 2: Far Off Promise
- Wikipedia (englisch): MoHo
- Wikipedia (englisch): Project Justice
- The Dreamcast Junkyard: Breaking The Bank
- PriceCharting: PAL Sega Dreamcast, sortiert nach Preis
- PriceCharting: Sega Dreamcast (NTSC-U), sortiert nach Preis
- GIGA: Diese Dreamcast-Spiele sind heute hunderte Euro wert