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Geschichte · Sega Mega Drive

Das Sega Mega Drive: Wie ein blauer Igel Nintendo herausforderte

1988 holte Sega seine Automatentechnik ins Wohnzimmer. In Japan blieb das Mega Drive ein Außenseiter, in den USA und in großen Teilen Europas wurde es zum ernsthaften Gegner für Nintendo. Hier steht, wie die Konsole entstand, welche Modelle es gibt, was die Verkaufszahlen wirklich aussagen und welche Module heute teuer sind.

Stand 30.09.2026 · ca. 19 Min. Lesezeit
Herbst 1990Start in Deutschland (Großbritannien: September 1990)
ca. 30,75 Mio.verkaufte Konsolen weltweit (meistzitierte Zahl, andere Angaben: über 40 Mio.)
ca. 880offiziell lizenzierte Spiele auf Modul
1988 · Sega · 16 BitSega Mega Drive
Foto Sega Mega Drive (Europa): Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Steckbrief

Japan (Mega Drive)29. Oktober 1988, 21.000 Yen
Nordamerika (Genesis)August 1989 (oft genannt: 14. August), je nach Quelle 189 oder 200 US-Dollar
GroßbritannienSeptember 1990, 189,99 Pfund
DeutschlandHerbst 1990, Vertrieb zuerst über Virgin Games. Startpreis nicht eindeutig belegt: genannt werden 499 DM mit Altered Beast und 599 DM
HauptprozessorMotorola 68000, 7,67 MHz (NTSC), 7,60 MHz (PAL)
ZweitprozessorZilog Z80, 3,58 MHz (NTSC), 3,55 MHz (PAL)
Speicher64 KB Arbeitsspeicher, 64 KB Videospeicher, 8 KB für den Z80
Auflösung320 × 224 Pixel (NTSC), 320 × 240 Pixel (PAL)
Farben512 in der Palette, 61 gleichzeitig
SoundYamaha YM2612 (6 FM-Kanäle) und ein Nachbau des SN76489 (3 Ton- und 1 Rauschkanal)
Verkauftmeistzitiert 30,75 Millionen, je nach Quelle bis über 40 Millionen
ProduktionsendeSega 1997, Lizenzgeräte in den USA bis 1999, in Brasilien bis heute

Vorgeschichte: Vom SG-1000 zum Master System

Sega war in den 80ern vor allem eine Firma für Spielautomaten. Die erste eigene Heimkonsole hieß SG-1000 und kam 1983 in Japan heraus. 1985 folgte das Mark III, das im Westen als Master System verkauft wurde: 1986 in Nordamerika, 1987 in Europa.

In den USA hatte das Master System gegen das NES keine Chance. Nintendo kam dort 1988 auf 83 Prozent Marktanteil. In Europa und Brasilien lief es dagegen richtig gut. Laut Wikipedia war das Master System in Europa bis 1990 die meistverkaufte Konsole. In Brasilien verkaufte der Partner Tectoy am Ende rund 8 Millionen Geräte. Diese Basis half dem Mega Drive später in Europa.

Technisch lebt das Master System im Mega Drive weiter, mehr dazu bei der Technik. Wie Videospiele vor dem NES und dem Master System aussahen, liest du in Wie alles begann.

Entstehung: Automatentechnik fürs Wohnzimmer

Die Arbeit am Mega Drive begann laut Wikipedia fast direkt nach dem US-Start des Master System 1986. Das Entwicklerteam leitete Masami Ishikawa, die Aufsicht hatte Hideki Sato, der bei Sega die Hardware-Entwicklung verantwortete. Rückendeckung kam von ganz oben: Hayao Nakayama, Präsident von Sega Enterprises, wollte das Geschäft mit Heimkonsolen ausbauen.

Die Grundidee war einfach. In den Spielhallen lief Sega mit dem Automaten-Board System 16 sehr erfolgreich. Das Mega Drive übernahm davon das Grundgerüst, vor allem den Hauptprozessor Motorola 68000. Dieser Chip steckte damals auch in Heimcomputern wie dem Amiga und dem Atari ST. Automatenspiele ließen sich so vergleichsweise leicht auf die Heimkonsole bringen.

Als zweiter Prozessor kam ein Zilog Z80 dazu. Er kümmert sich um den Ton und sorgt dafür, dass die Konsole Master-System-Spiele versteht. Für den Namen prüfte Sega über 300 Vorschläge. Am Ende wurde es Mega Drive, und auf dem Gehäuse prangt in goldenen Buchstaben "16-BIT". NES und Master System waren noch 8-Bit-Konsolen.

Start in Japan: Nur Platz drei

Am 29. Oktober 1988 kam das Mega Drive in Japan für 21.000 Yen in den Handel. Der Zeitpunkt war unglücklich. Eine Woche vorher war Super Mario Bros. 3 für das Famicom erschienen und stahl dem Mega Drive die Schau.

Im ersten Jahr verkaufte Sega in Japan rund 400.000 Konsolen. Das Mega Drive blieb dort dauerhaft auf Platz drei, hinter NECs PC Engine und später dem Super Famicom von Nintendo. Am Ende standen in Japan 3,58 Millionen verkaufte Geräte.

Dafür probierte Sega früh Neues aus. Ab November 1990 gab es in Japan mit Meganet einen Online-Dienst. Über ein Modem-Modul ließen sich 17 Spiele herunterladen.

Genesis: Der Angriff auf Amerika

Für Nordamerika bot Sega die Konsole zunächst Atari an. Atari-Chef Jack Tramiel lehnte ab, das Gerät war ihm zu teuer. Also machte Sega es selbst. Sega-Mitgründer David Rosen mochte den Namen Mega Drive nicht und wollte einen Neuanfang ausdrücken. Deshalb heißt die Konsole in Nordamerika Genesis. Im August 1989 standen die ersten Geräte in New York und Los Angeles in den Läden, Sega Retro nennt dafür den 14. August. Der Rest des Landes folgte bis zum Herbst. Der Preis lag je nach Quelle bei 189 oder 200 Dollar.

Michael Katz, damals Chef von Sega of America, setzte auf Angriff. Der Werbespruch "Genesis does what Nintendon't" (sinngemäß: Genesis kann, was Nintendo nicht kann) zielte direkt auf den Marktführer.

Mitte 1990 übernahm Tom Kalinske die Führung von Sega of America. Sein Plan hatte vier Punkte: den Preis der Konsole senken, ein eigenes Entwicklerteam in den USA aufbauen, noch aggressiver werben und das bisherige Beipackspiel Altered Beast ersetzen. Das neue Beipackspiel sollte Segas Antwort auf Mario werden.

Europa und Deutschland

In Europa übernahm die Firma Virgin Mastertronic die Vermarktung. Im September 1990 zeigte sie das Mega Drive auf der European Computer Entertainment Show in London. Als Verkaufsstart in Großbritannien nennen mehrere Quellen den 14. September 1990, der Preis lag bei 189,99 Pfund. Viele deutsche Quellen nennen dagegen den 30. November 1990 als Europastart, denn der Start lief je nach Land zu unterschiedlichen Zeiten. 1991 kaufte Sega Virgin Mastertronic und machte daraus Sega Europe.

In Deutschland vertrieb laut Sega Retro ab Herbst 1990 zuerst Virgin Games das Mega Drive. Ende 1991 übernahm Sega Deutschland. Beim Startpreis wird es schwierig: In Quellen und Foren tauchen 499 DM im Paket mit Altered Beast und 599 DM auf. Eine eindeutig datierte Händleranzeige haben wir nicht gefunden, deshalb stehen hier beide Zahlen.

Europa war Sega-Land. Laut Wikipedia hielt Sega in seinen besten Jahren 65 Prozent des europäischen Konsolenmarkts, und das Mega Drive lag hier bis 1994 vor dem Super Nintendo. Wie stark Sega in Großbritannien war, zeigt Sonic 2: In seiner Startwoche machte es dort 48 Prozent aller verkauften Spiele aus.

Deutschland war die Ausnahme. Laut PC Games lag hierzulande das Super Nintendo mit einem Verhältnis von rund 2:1 vorn. Sega Retro nennt als einen möglichen Grund den Jugendschutz: Etliche actionlastige Mega-Drive-Spiele landeten auf dem Index, während Nintendo mehr familienfreundliche Hits hatte.

Mega Drive 1 (japanisches Modell) mit ControllerFoto: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Sonic: Das Maskottchen gegen Mario

Sega brauchte eine Figur, die es mit Mario aufnehmen konnte. In einem internen Wettbewerb setzte sich der Entwurf von Naoto Ohshima durch, ein blauer Igel. Ohshima nahm seine Skizzen mit in den Urlaub nach New York und fragte Passanten im Central Park, welche Figur ihnen am besten gefällt. Sonic gewann.

Hinter dem Spiel stand das spätere Sonic Team. Yuji Naka programmierte die schnelle Spielmechanik. Hirokazu Yasuhara entwarf die Level und sorgte dafür, dass ein einziger Sprungknopf reicht. Die Musik schrieb Masato Nakamura, Bassist der japanischen Band Dreams Come True.

Sonic the Hedgehog erschien im Juni 1991 in Nordamerika und Europa, in Japan am 26. Juli 1991. Ab November 1991 legte Sega of America das Spiel jeder Konsole bei, anstelle von Altered Beast. Der Plan ging auf: Sonic war mehrere Monate lang das meistverkaufte Videospiel in den USA und lag damit vor Super Mario. Mit den Konsolenpaketen kam Sonic auf 15 Millionen Exemplare für das Mega Drive.

Der Nachfolger kam am 24. November 1992 in Nordamerika und Europa heraus. Sega bewarb den Tag als "Sonic 2sday", ein Wortspiel mit Tuesday, denn der Tag war ein Dienstag. In den USA gingen in der ersten Woche 400.000 Exemplare über die Ladentheke. Für Großbritannien werden rund 750.000 Stück genannt, je nach Quelle verkauft oder an Händler ausgeliefert.

Der Konsolenkrieg mit Nintendo

Das Super Nintendo kam 1990 in Japan, 1991 in den USA und 1992 in Europa auf den Markt. Im Weihnachtsgeschäft 1991 verkaufte sich das Genesis in den USA laut Wikipedia fast doppelt so oft wie das SNES. Im Januar 1992 hielt Sega in Nordamerika 65 Prozent des 16-Bit-Marktes. Zum ersten Mal seit 1985 war Nintendo nicht mehr vorn.

Die Werbung wurde frecher. Sega sprach von "Blast Processing". Laut Wikipedia bezog sich der Begriff auf eine obskure Programmiertechnik, die in der Praxis kaum ein Spiel nutzte. Hängen blieb trotzdem die Botschaft: Das Mega Drive ist schneller. Beim Hauptprozessor stimmte das sogar, das Super Nintendo hatte dafür mehr Farben und den besseren Sample-Sound.

1993 kam Mortal Kombat. Nintendo ließ das Blut für das SNES entfernen. Auf dem Mega Drive fehlte es zunächst auch, ließ sich aber mit einem Code freischalten. Die Mega-Drive-Fassung verkaufte sich laut Wikipedia drei- bis viermal so oft wie die SNES-Version.

Gewalt in Videospielen wurde im selben Jahr Thema im US-Kongress. Neben Mortal Kombat ging es um das Mega-CD-Spiel Night Trap. Sega hatte mit dem Videogame Rating Council (VRC) ein eigenes Alterssystem mit den Stufen GA, MA-13 und MA-17 eingeführt. Aus der Debatte entstand 1994 die ESRB, die in Nordamerika bis heute die Altersfreigaben vergibt.

Ab Mitte der 90er holte Nintendo in den USA wieder auf, unter anderem mit Donkey Kong Country. Sega verteilte seine Kräfte zu dieser Zeit auf Mega-CD, 32X und den kommenden Saturn.

Verkaufszahlen: Warum es keine eindeutige Zahl gibt

Wie viele Mega Drive verkauft wurden, ist umstritten. Eine offizielle Endabrechnung von Sega für alle Regionen gibt es nicht. Die bekannten Zahlen mischen Firmenangaben, Schätzungen und Lizenzgeräte anderer Hersteller.

AngabeZahlWas dahinter steckt
Weltweit, meistzitiert30,75 Mio.von Sega verkaufte Konsolen, so in der Wikipedia-Liste der meistverkauften Konsolen
Japan3,58 Mio.laut Wikipedia
USA18 bis 18,5 Mio.grobe Schätzung, Stand Juni 1997
Europarund 8 Mio.grobe Schätzung laut Wikipedia. Sega Retro nennt über 9 Mio. für Westeuropa
Brasilien (Tectoy)rund 3 Mio.Lizenzgeräte, nicht von Sega selbst
USA (Majesco)1,5 Mio.nur eine Prognose von Majesco für das Genesis 3
Höhere Angabenüber 40 Mio.unter anderem Sega Retro. Unklar ist, ob Lizenzgeräte mitgezählt sind

Selbst das Duell in den USA ist nicht entschieden. Eine Studie der Marktforscher von NPD sah das Genesis 2004 in den USA vor dem SNES. Ein Bericht von Wedbush Securities kam 2014 mit überarbeiteten NPD-Daten zum umgekehrten Ergebnis: Das SNES soll in den USA 1,5 Millionen Geräte mehr verkauft haben.

Und in Deutschland?

Offizielle Verkaufszahlen für Deutschland haben wir nicht gefunden, weder von Sega noch aus der Fachpresse. Sega Retro schreibt von weniger als einer Million Geräten, nennt dafür aber keinen Beleg. PC Games beschreibt nur das Verhältnis zum Super Nintendo mit rund 2:1. Eine belastbare Zahl gibt es also nicht, und wir schätzen hier bewusst nicht.

Technik: Was im schwarzen Kasten steckt

Das Herz ist der Motorola 68000 mit 7,67 MHz, in europäischen PAL-Geräten mit 7,60 MHz. Der Zilog Z80 übernimmt den Ton und hat dafür 8 KB eigenen Speicher. Dazu kommen 64 KB Arbeitsspeicher und 64 KB Videospeicher.

Grafik

Für das Bild sorgt ein eigener Grafikchip, der VDP (Video Display Processor). In der Regel zeigt das Mega Drive 320 × 224 Pixel, in PAL-Geräten sind 320 × 240 möglich. Aus einer Palette von 512 Farben stellt es 61 gleichzeitig dar. Das ist deutlich weniger als beim Super Nintendo.

Sound: der typische FM-Klang

Der Hauptsoundchip ist der Yamaha YM2612. Er arbeitet mit FM-Synthese, also Frequenzmodulation: Mehrere Schwingungen verändern sich gegenseitig, daraus entstehen neue Klangfarben. Der Chip hat sechs Kanäle. Der sechste Kanal kann statt FM auch kurze Samples abspielen, etwa Stimmen wie das berühmte "SEGA" beim Start von Sonic. Dazu kommt ein Nachbau des Texas-Instruments-Chips SN76489 mit drei Tonkanälen und einem Rauschkanal. Er steckt direkt im Grafikchip.

PAL: 50 statt 60 Bilder

Europäische Konsolen arbeiten mit 50 Hz, amerikanische und japanische mit 60 Hz. Viele Spiele wurden für Europa nicht angepasst. Sie laufen hier laut Time Extension rund 17 Prozent langsamer, oft mit schwarzen Balken oben und unten. Wer ein Spiel aus der US-Version kennt, merkt den Unterschied sofort.

Master System im Inneren

Dank Z80 und kompatiblem Grafikmodus spielt das Mega Drive mit einem Adapter für den Modulschacht auch Master-System-Spiele. In den USA hieß er Power Base Converter, in Europa Master System Converter. Für das Mega Drive 2 gab es nur in Europa den Master System Converter II.

TMSS: Segas Türsteher

Ab etwa 1991 baute Sega das TMSS (Trademark Security System) ein. Es prüft, ob im Spiel der Text "SEGA" steht. Wenn ja, zeigt die Konsole beim Start kurz den Hinweis "Produced by or under license from Sega Enterprises Ltd." und startet das Spiel. Damit wollte Sega Firmen ohne Lizenz aussperren. Der US-Publisher Accolade baute den Code trotzdem in eigene Spiele ein. Sega klagte, verlor aber am 20. Oktober 1992 vor einem US-Berufungsgericht. 1993 einigten sich beide, und Accolade wurde offizieller Lizenznehmer.

Modelle und Revisionen

Für Sammler in Deutschland zählen vor allem Mega Drive 1 und 2. Viele Sonderformen erschienen nur in Japan oder den USA.

ModellJahrWas anders ist
Mega Drive 1 (Japan HAA-2510, USA MK-1600, Deutschland 1600-18)1988 bis 1993Kopfhörerbuchse vorne mit Stereo und Lautstärkeregler, 8-poliger AV-Anschluss, Antennenausgang
Mega Drive 1, Platine ab VA6ab 1991mit TMSS, Hinweis "Produced by or under license from Sega" beim Start
Mega Drive 1, Platine VA6.5 bis VA71992 bis 1993ohne den EXT-Anschluss hinten, VA7 mit neuem Yamaha-Kombichip und verändertem Klang
Wondermega (JVC)1992, JapanMega Drive und Mega-CD in einem Gerät, in den USA ab 1994 als X'Eye
Mega Drive 2 (Genesis Model 2)1993kleiner und leichter, keine Kopfhörerbuchse, Stereo über den kleineren AV-Anschluss, braucht weniger Strom, anderes Netzteil
Multi-Mega (USA: Genesis CDX)1994Mega Drive und Mega-CD in einem, lässt sich auch als tragbarer CD-Player nutzen
Nomad1995, nur USAHandheld mit 3,25-Zoll-Farbdisplay und 6 AA-Batterien, kein Mega-CD, kein 32X
Genesis 3 (Majesco)1998, nur USAnoch kleiner, kein Mega-CD und kein 32X
Mega Drive Mini2019Neuauflage mit 42 eingebauten Spielen, HDMI, Emulation von M2
Mega Drive Mini 2202253 Spiele, darunter erstmals Mega-CD-Titel

Die Modellnummer steht auf dem Typenschild unter der Konsole. Die Platinen-Revision (VA0, VA3 und so weiter) siehst du nur nach dem Öffnen, ein paar äußere Merkmale helfen aber. Mehr dazu in der Kaufberatung.

Klingt jedes Mega Drive gleich?

Nein. Sega hat die Platine immer wieder überarbeitet, meist um Kosten zu sparen, und dabei änderte sich auch der Tonteil. Laut ConsoleMods Wiki sieht es grob so aus:

RevisionJahreKlang
Mega Drive 1, VA0 und VA11988 bis 1989nur Japan, bei manchen Spielen verzerrt
Mega Drive 1, VA3 und VA41989 bis 1992gilt als Maßstab für guten Mega-Drive-Klang
Mega Drive 1, VA71992 bis 1993Soundchip steckt im neuen Kombichip, Klang hörbar anders und bei Fans weniger beliebt
Mega Drive 2, VA0 und VA11993 bis 1994ähnlich wie VA7, der zweite Soundchip (PSG) ist leiser
Mega Drive 2, VA21994wieder ein eigener YM2612, FM-Kanäle deutlich lauter
Mega Drive 2, VA3 und VA41994 bis 1998vereinfachter Tonteil

Stereo gibt das Mega Drive 1 nur über die Kopfhörerbuchse aus, deren Verstärker laut ConsoleMods bis VA5 übersteuert. Das Mega Drive 2 liefert Stereo über das AV-Kabel. Für besseren Klang gibt es Umbauten wie den "Triple Bypass" oder den "Mega Amp".

Mega-CD und 32X: Die Anbauten

Mega-CD

Das Mega-CD (in den USA Sega CD) ist ein CD-Laufwerk mit eigenem Prozessor, das an das Mega Drive angeschlossen wird. Es kam am 12. Dezember 1991 in Japan für 49.800 Yen, am 15. Oktober 1992 in Nordamerika für 299 Dollar und im April 1993 nach Europa. In Großbritannien kostete es 269,99 Pfund. 1993 folgte das Mega-CD II mit Klappdeckel. Laut C64-Wiki kostete das Mega-CD II in Deutschland zum Start zusammen mit dem Spiel Road Avenger 579 DM.

Weltweit verkaufte Sega 2,24 Millionen Mega-CD. Bis 1994 waren es in Westeuropa nur 415.000. Es erschienen mehr als 200 Spiele. Viele setzten auf Filmsequenzen, die laut Wikipedia eher an ein altes VHS-Band erinnerten. Zu den Perlen gehören Sonic CD mit 1,5 Millionen verkauften Exemplaren, Konamis Snatcher und die Lunar-Reihe.

32X

Das 32X entstand unter Zeitdruck. Im Januar 1994 forderte Sega-Präsident Nakayama den US-Entwicklungschef Joe Miller auf, schnell eine Antwort auf den Atari Jaguar zu finden. Heraus kam ein Aufsatz für den Modulschacht, der das Mega Drive zur 32-Bit-Konsole machen sollte. Er erschien am 21. November 1994 in Nordamerika für 159,99 Dollar, im November 1994 in Großbritannien für 169,99 Pfund und am 3. Dezember 1994 in Japan.

Das Problem: Fast gleichzeitig kam in Japan der Saturn, Segas echte 32-Bit-Konsole. Kunden und Entwickler waren verunsichert. Sega produzierte 800.000 Geräte und verkaufte bis Ende 1994 rund 665.000. Es erschienen nur 40 Spiele, sechs davon brauchen zusätzlich das Mega-CD. 1996 stellte Sega das 32X ein und räumte später ein, zu viel versprochen zu haben. Übrigens: Mega-CD und 32X haben jeweils ein eigenes Netzteil. Ein Turm aus allen drei Geräten braucht also drei Steckdosen.

Spiele: Bibliothek und Bestseller

Wie viele Spiele es gibt, hängt davon ab, wie man zählt. Die Wikipedia-Liste kommt auf 880 offiziell lizenzierte Spiele. Sega Retro nennt über 1.000 Spiele für alle Regionen zusammen. Dazu kommen die über 200 Mega-CD-Spiele und die 40 Titel für das 32X. Sega gab 1997 an, dass auf jede Konsole im Schnitt 16 verkaufte Spiele kamen, doppelt so viele wie beim SNES.

Die folgende Tabelle zeigt die zehn meistverkauften Spiele. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Quellen und meinen teils verkaufte, teils ausgelieferte Module. Wo sich Angaben widersprechen, steht die Spanne da.

#SpielJahr, PublisherVerkauftQuelle, Hinweis
1Sonic the Hedgehog1991, Sega15 Mio.Wikipedia, inklusive Konsolenpakete
2Sonic the Hedgehog 21992, Segaüber 6 bis 7,55 Mio.Wikipedia-Artikel (6 Mio., Stand 2006) und Wikipedia-Bestsellerliste (7,55 Mio.)
3Sonic 3 und Sonic & Knuckles1994, Sega4 bis 6,2 Mio.beide Spiele zusammen gezählt, Wikipedia-Artikel und Bestsellerliste
4Mortal Kombat1993, Acclaim4,33 Mio.Wikipedia-Bestsellerliste. Alle Heimkonsolen zusammen: 6,5 Mio.
5Disney's Aladdin1993, Sega4 Mio.Wikipedia, entwickelt von Virgin Games mit Disney-Zeichnern
6John Madden Football '931992, Electronic Arts3 Mio.Wikipedia-Bestsellerliste
7NHL '941993, Electronic Arts2,6 Mio.Wikipedia-Bestsellerliste
8Joe Montana Football1990, Sega2,2 Mio.Wikipedia-Bestsellerliste
9Jurassic Park1993, Sega2,2 Mio.Wikipedia-Bestsellerliste
10NBA Jam1994, Acclaim1,93 Mio.Wikipedia-Bestsellerliste

Auffällig sind die vielen amerikanischen Sportspiele. Das liegt daran, dass die USA mit Abstand der größte Markt waren. In Europa sähe eine solche Liste wohl anders aus, Zahlen nur für Europa gibt es aber kaum.

Teure Sammlerstücke

Die meisten Mega-Drive-Spiele sind häufig und günstig. Gesucht sind vor allem späte Titel mit kleiner Stückzahl und Spiele, die es als Modul nur in bestimmten Regionen gab. Die Preise sind grobe Größenordnungen laut PriceCharting (abgerufen am 30.09.2026), in US-Dollar und vor allem aus eBay-Verkäufen.

SpielPublisher, PAL-StartWarum gesuchtGrößenordnung
Mega Man: The Wily WarsCapcom, Europa 1995Neuauflage der ersten drei NES-Teile. Als Modul nur in Japan und Europa, in den USA nur über den Kabeldienst Sega Channellose um 140 Dollar, komplett über 1.000 Dollar
The PunisherCapcom, April 1995späte Umsetzung des Capcom-Automaten, wird nur wenige Male im Jahr gehandeltlose über 250 Dollar, komplett deutlich über 1.000 Dollar
Alien SoldierSega (Entwickler Treasure), Mai 1995laut Wikipedia kleine Stückzahl, in den USA nur über Sega Channellose über 200 Dollar, komplett um 750 Dollar
Castlevania: The New GenerationKonami, 1994europäische, entschärfte Fassung von Castlevania: Bloodlineslose um 70 Dollar, komplett über 300 Dollar
ProbotectorKonami, Oktober 1994europäische Fassung von Contra: Hard Corps, Menschen wurden zu Roboternlose um 90 Dollar, komplett um 300 Dollar
Phantasy Star IVSega, November 1995Sega wollte das Rollenspiel zunächst gar nicht in Europa bringenlose um 90 Dollar, komplett um 300 Dollar
Crusader of Centy (USA) und Soleil (Europa)Atlus (USA), Sega (Europa), 1995zeigt den PAL-NTSC-Unterschied: Die US-Fassung ist ein Vielfaches teurer als die europäischeUS-Modul lose um 475 Dollar, Soleil lose um 35 Dollar

Nimm diese Zahlen nur als Orientierung. Preise für seltene Spiele springen stark, und PAL- und NTSC-Fassung desselben Spiels können sehr unterschiedlich viel kosten. Was ein Spiel in Deutschland wirklich bringt, siehst du auf eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel". So erkennst du, was tatsächlich gezahlt wurde.

Achtung Nachbauten

Je teurer ein Spiel, desto eher lohnt sich für Fälscher ein Nachbau. Bei den Titeln oben lohnt sich ein genauer Blick auf Etikett und Platine. Worauf du achten musst, steht in der Kaufberatung.

Der Handheld-Verwandte: Game Gear

Parallel zum Mega Drive baute Sega einen Handheld. Der Game Gear kam am 6. Oktober 1990 in Japan und im April 1991 in Nordamerika und Europa auf den Markt. Technisch ist er ein tragbares Master System mit Farbdisplay. Mit dem Adapter Master Gear laufen darauf sogar Master-System-Module. Bis März 1996 verkaufte Sega 10,62 Millionen Geräte, deutlich weniger als Nintendo vom Game Boy.

Heute ist der Game Gear ein beliebtes Sammlerstück mit einem bekannten Problem: alternden Kondensatoren. Wie du ihn wieder fit machst, steht im Game Gear Recap.

Ende, Nachfolger und Vermächtnis

Der Nachfolger Saturn kam am 22. November 1994 in Japan, am 11. Mai 1995 in den USA und am 8. Juli 1995 in Europa auf den Markt. 1997 stellte Sega die Produktion des Mega Drive ein. In den USA verkaufte Majesco noch bis 1999 das Genesis 3 in Lizenz. In Brasilien hat Tectoy das Mega Drive nie ganz aufgegeben: 2017 erschien dort sogar ein neues Modell mit Modulschacht und SD-Kartenleser.

Sonic blieb Segas Gesicht und ist es bis heute. Und die Debatte um Mortal Kombat und Night Trap führte zu den Altersfreigaben der ESRB, die in Nordamerika noch immer gelten.

2019 kam der Mega Drive Mini, entwickelt mit dem Spezialisten M2. In Japan und Nordamerika erschien er am 19. September 2019, in Europa am 4. Oktober 2019. Er hat 42 Spiele eingebaut und einen HDMI-Ausgang. 2022 folgte der Mega Drive Mini 2 mit 53 Spielen, darunter erstmals Mega-CD-Titel wie Sonic CD und Night Trap. Die Geschichte des großen Rivalen aus den 80ern steht im Artikel zum NES.

Kaufberatung

Du willst selbst ein Mega Drive? Welches Modell sich lohnt, wie du die Revision erkennst und wie du es an den modernen Fernseher bekommst, steht in der Mega-Drive-Kaufberatung.

Häufige Fragen zum Mega Drive

Was ist der Unterschied zwischen Mega Drive und Genesis?

Es ist dieselbe Konsole. In Japan, Europa und den meisten anderen Ländern hieß sie Mega Drive, in Nordamerika Genesis. Unterschiede gibt es bei der Fernsehnorm, bei der Form der japanischen Module und bei der Regionssperre mancher Spiele.

Wie viele Mega Drive wurden verkauft?

Die meistzitierte Zahl sind 30,75 Millionen von Sega verkaufte Konsolen. Mit Lizenzgeräten aus Brasilien und den USA nennen manche Quellen über 40 Millionen. Eine offizielle Endabrechnung für alle Regionen gibt es nicht.

Welches Mega Drive klingt am besten?

Unter Fans gelten die Mega-Drive-1-Platinen VA3 und VA4 als Maßstab. Viele spätere Revisionen klingen anders, weil der Soundchip dort in einem Kombichip steckt. Welcher Klang dir gefällt, ist aber auch Geschmackssache.

Laufen Master-System-Spiele auf dem Mega Drive?

Ja, mit einem Adapter für den Modulschacht. Für das Mega Drive 1 ist das der Master System Converter, für das Mega Drive 2 der Master System Converter II, den es nur in Europa gab.

Was bedeutet der Text "Produced by or under license from Sega" beim Einschalten?

Das ist das TMSS, eine Prüfung, die Sega ab etwa 1991 eingebaut hat. Erscheint der Text, hat deine Konsole eine Platine ab Revision VA6. Mit dem Spiel ist alles in Ordnung.

Quellen