Game Gear Recap: Kondensatoren tauschen Schritt für Schritt
Wenn der Game Gear ein dunkles Bild zeigt, kaum Ton hat oder sich gleich wieder ausschaltet, sind die alten Elektrolytkondensatoren der häufigste Grund. Diese Anleitung führt vom Öffnen bis zum Test.
Warum ein Recap nötig ist
Nach über 20 Jahren beginnen die Kondensatoren im Game Gear zu lecken und zu versagen. Typische Anzeichen sind ein dunkles oder blasses Bild, fehlender oder leiser Ton und ein Gerät, das nach dem Einschalten sofort wieder ausgeht. Ein Recap ersetzt alle Elektrolytkondensatoren durch neue.
Das Wort kommt aus dem Englischen: „re-cap“ heißt so viel wie „neu mit Kondensatoren bestücken“. Die Community ist sich hier ungewöhnlich einig. Das ConsoleMods Wiki nennt einen kompletten Recap bei jedem unbehandelten Game Gear „absolut notwendig“, weil ausgelaufene Kondensatoren alle möglichen Folgeschäden verursachen. RetroSix geht noch weiter und bezeichnet den Recap als ersten Schritt jeder Game-Gear-Reparatur, weil die Bauteile schon ab Werk fehlerhaft gewesen seien. Wer einen Game Gear auf dem Flohmarkt kauft, sollte den Recap also gleich mit einplanen. Worauf du beim Kauf selbst achtest, steht in unserem Flohmarkt-Check.
Warum Elkos altern und auslaufen
Ein Elektrolytkondensator, kurz Elko, speichert Energie und glättet Spannungen. Im Inneren steckt ein flüssiger Elektrolyt. Er hält die hauchdünne Oxidschicht intakt, die als eigentliche Isolierschicht arbeitet. Laut Wikipedia kann dieser Elektrolyt mit der Zeit austrocknen. Dann sinkt die Kapazität und der ESR steigt. ESR steht für den inneren Widerstand des Bauteils, also für seine Verluste. Ein Elko mit hohem ESR glättet schlecht, und genau das sieht und hört man am Game Gear.
Wärme beschleunigt diesen Prozess deutlich. Als Faustregel gilt: Jede 10 °C weniger Temperatur halbieren die Verdunstung und verdoppeln damit die Lebensdauer. Ein Handheld, der jahrelang im warmen Dachboden lag, hat also schlechtere Karten als einer aus einer kühlen Schublade.
Im Game Gear kommt ein zweites Problem dazu. Viele Kondensatoren sind SMD-Bauteile. SMD heißt Surface Mounted Device: Das Bauteil sitzt ohne Beine direkt auf kleinen Lötflächen, den Pads. Tritt bei solchen Elkos Elektrolyt aus, landet er direkt auf der Platine. Leaded Solder fand bei seinem Gerät fast alle Kondensatoren ausgelaufen vor, an einem 100-µF-Elko quoll regelrecht „Schmodder“ heraus. Diese Flüssigkeit greift Leiterbahnen und Pads an. Deshalb reicht es nicht, nur die sichtbar kaputten Bauteile zu tauschen.
Symptome genauer ansehen
Die Fehlerbilder hängen davon ab, welche Platine betroffen ist. Das ConsoleMods Wiki listet für die häufigsten Symptome jeweils die Kondensatoren als erste Ursache.
| Symptom | Häufige Ursache | Weitere Kandidaten |
|---|---|---|
| Kein oder sehr leiser Ton | Kondensatoren, vor allem auf der Soundplatine | Kalte Lötstellen am Stecker der Soundplatine, korrodierte Leiterbahnen |
| Dunkles, blasses oder verwaschenes Bild | Kondensatoren | Korrodiertes Kontrastrad |
| Schwarzes Bild | Kondensatoren | Kontrastrad, Flachbandkabel, korrodierte Leiterbahnen, defektes Display |
| Geht nicht an oder sofort wieder aus | Kondensatoren, vor allem auf der Powerplatine | Korrodierte Batteriekontakte, Kabel zwischen Power- und Mainboard, lockere Netzbuchse |
Nicht jedes Bildproblem liegt an den Kondensatoren. Fehlende senkrechte oder waagerechte Linien deuten laut ConsoleMods auf ein lösendes Flachbandkabel am Display hin. Ein verwürfeltes Bild spricht eher für den Grafikspeicher (VRAM) oder einen verschmutzten Modulschacht. Solche Fehler behebt ein Recap nicht.
Erst die Board-Version bestimmen
Der Game Gear hat drei Platinen mit unterschiedlichen Kondensatortypen: Mainboard, Soundplatine und Powerplatine. Welche Werte du brauchst, hängt von der Version des Mainboards ab. Die Nummer steht auf der Platine und beginnt mit 837.
| Version | Board-Nummern (Beispiele) | Kit |
|---|---|---|
| VA0 / VA1 | 837-7398-01, 837-7719-01, 837-7996, 837-8560, 837-9024 | VA0/VA1-Kit |
| VA4 | 837-9537-01 | eigene Liste (Liste 4) |
| VA5 | 837-10766, 1.71-7923A (Majesco) | eigene Liste (Liste 5) |
Ein VA0/VA1-Kit passt nicht für VA4 und VA5. Sehr frühe japanische VA1-Geräte mit Sound-PCB 837-7400-01 brauchen unter Umständen ein anderes Kit. Erst Nummer ablesen, dann bestellen.
Was die Versionen unterscheidet
Das ConsoleMods Wiki beschreibt die Revisionen so. VA0 ist die „Twin-ASIC“-Version mit zwei großen Spezialchips und als einzige Revision mit separatem Z80-Prozessor. VA1 fasst alles in einem Chip zusammen und war die letzte Version für Europa und Japan. Für Europa nennt das Wiki bei VA1 zusätzlich die Board-Nummer 837-9130. VA4 und VA5 gab es nur in Nordamerika. Beide haben ein eigenes Display, das nicht mit VA0/VA1 kompatibel ist. Die Majesco-Neuauflage von 2001 nutzt das Board 171-7923A. Sie gilt als weniger anfällig für auslaufende Kondensatoren, aber nicht als immun.
Version erkennen, ohne zu schrauben
- Aufkleber hinten: Modellnummer 2110K bedeutet VA4, 2110G bedeutet VA5 oder Majesco.
- Displayscheibe: Eine flache Scheibe deutet eher auf VA0 hin, die gewölbte „Bubble“-Scheibe kam 1991/92.
- Seriennummer: VA1 wurde je nach Region ab bestimmten Seriennummern eingeführt, etwa ab B30000001.
- Majesco: Papier- statt Folienaufkleber, schwarzer statt roter Einschalter.
Diese Merkmale geben nur einen Hinweis. Verlässlich ist erst die Nummer auf der Platine. In Deutschland wirst du fast immer VA0 oder VA1 finden, weil VA4 und VA5 nicht für Europa gebaut wurden.
Material und Werkzeug
- Kondensator-Kit passend zur Board-Version (bei Amazon ansehen*)
- 4,5-mm-Game-Bit für die Sicherheitsschraube
- Kreuzschlitz-Schraubendreher für die kleinen Gehäuseschrauben
- Lötkolben mit feiner Spitze, Flussmittel, Entlötlitze oder Entlötpumpe
- Isopropanol und Wattestäbchen zum Reinigen
- Handyfoto vom Ausgangszustand jeder Platine
Die Spannungsfestigkeit der neuen Kondensatoren darf höher sein als beim Original, sie darf nur nicht niedriger sein. Kapazität und Polarität müssen stimmen.
Nützlich sind außerdem eine feine Spitzzange oder Pinzette, ein kleiner Seitenschneider, Kapton-Klebeband und ein Multimeter. Kapton ist ein hitzefestes, isolierendes Klebeband. Du brauchst es, um Kondensatoren gegen den Metallschirm abzukleben.
Radiale Elkos oder SMD-Kit?
Es gibt zwei Kit-Philosophien. Console5 ersetzt die SMD-Elkos durch radiale Kondensatoren mit Beinen, die du auf die alten Pads lötest. RetroSix bietet eigene SMD-Kits an, bei denen wieder Bauteile ohne Beine auf die Pads kommen. Radiale Elkos lassen sich leichter löten, bauen aber höher. SMD-Teile liegen flacher, verlangen aber eine ruhigere Hand. Console5 weist darauf hin, dass manche Ersatzteile eine höhere Spannungsfestigkeit haben, etwa 100 µF 10 V statt 100 µF 6,3 V. Das ist in Ordnung.
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Löten und Ausbau: Temperatur, Flussmittel, Methode
Temperatur und Lot
Klassisches bleihaltiges Lot aus 60 % Zinn und 40 % Blei schmilzt bei rund 190 °C. Wikibooks empfiehlt dafür eine Spitzentemperatur von mindestens 300 °C. Bleifreies Lot schmilzt höher und braucht entsprechend mehr Hitze. Als Erfahrungswert arbeiten viele Bastler mit bleihaltigem Lot bei etwa 300 bis 350 °C. Zu heiß schadet den Pads, zu kalt führt zu matten, kalten Lötstellen.
Flussmittel
Flussmittel entfernt Oxid von den Oberflächen, schützt sie beim Löten vor neuer Oxidation und sorgt dafür, dass das Lot sauber verläuft. Gerade auf alten, angegriffenen Pads ist es unverzichtbar. Ein Tropfen Flussmittel und etwas frisches Lot auf der alten Lötstelle erleichtern das Auslöten spürbar.
Drehen, Schneiden oder Heißluft
Für die SMD-Elkos gibt es mehrere Wege. Hackaday stellt sie gegenüber:
- Twist-Methode: Du fasst den Kondensator mit der Zange und drehst ihn, während du leicht nach unten drückst. Die Regel dabei lautet: Nie ziehen! Dreh weiter, bis sich das Bauteil löst. Das Risiko, Pads abzureißen, ist trotzdem hoch. Am besten klappt es, wenn der Elektrolyt die Lötstellen schon geschwächt hat.
- Abschneiden: Mit dem Seitenschneider den Becher abtrennen und die Beinreste einzeln auslöten. So hat es auch Leaded Solder gemacht.
- Heißluft: Mit einer Heißluftstation und Abdeckung aus Kapton und Alufolie. Das ist langsam, und Elkos können sich beim Erhitzen aufblähen und ihren ätzenden Inhalt verspritzen.
- Lötpinzette: Laut Hackaday die schonendste Methode, allerdings brauchst du dafür ein Spezialwerkzeug.
Für Einsteiger ist die Schneide-Methode meist die sicherste. Egal wie: Über einigen Kondensatoren sitzt Kleber. iFixit empfiehlt, den Kondensator erst vorsichtig mit der Spitzzange zu lockern, bevor du lötest.
Ablauf
Batterien entfernen
Beide Batteriefachdeckel öffnen und die Batterien herausnehmen.
Gehäuse öffnen
Bei vielen Modellen halten sechs kleine Schrauben plus eine Sicherheitsschraube die Hälften zusammen. Die Sicherheitsschraube löst du mit dem 4,5-mm-Game-Bit. Beim Aufklappen auf die Flachbandkabel achten.
Version notieren und fotografieren
Board-Nummer ablesen, jede Platine fotografieren und die Polarität der alten Kondensatoren festhalten.
Geöffneter Game Gear mit eingebauten PlatinenFoto: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei Klebereste entfernen
Über einigen Kondensatoren sitzt eingetrockneter Kleber. Er behindert den Zugang und kann in Steckverbinder laufen. Entferne ihn vorsichtig, bevor du lötest.
Alte Kondensatoren ausbauen
Auf der Soundplatine sitzen SMD-Kondensatoren in Becherform, auf dem Mainboard flache SMD-Elkos und auf der Powerplatine klassische Bauteile mit Beinen. Bau erst alle alten aus und bestück dann neu. So hast du mehr Platz.
Pads reinigen
Lötreste und Flussmittel mit Isopropanol entfernen. Die Pads müssen sauber und flach sein.
Neue Kondensatoren einlöten
Polarität prüfen und jedes Bauteil einzeln setzen. Auf der Powerplatine die Beine kürzen und den Kondensator so ablegen, dass er nicht über die goldenen Kreise ragt, denn dort berührt das obere Gehäuse die Platine. Auf der Soundplatine kann ein Kondensator den Metallschirm im Deckel berühren. Dann biegst du ihn zur Seite.
SMD-Elektrolytkondensatoren auf einer PlatineFoto: Mercado Viagens from Brasil, Wikimedia Commons, CC BY 2.0 Testen, dann zusammenbauen
Platinen verbinden, Batterien einlegen und Bild, Ton und Einschalten mit einem Modul testen. Erst wenn alles läuft, schraubst du das Gehäuse zu.
Beim Ausbau gibt es zwei Schulen. iFixit rät, immer nur einen Kondensator zur Zeit zu tauschen. So kannst du dich nicht bei Position oder Polarität vertun. Die Variante oben mit „erst alles raus“ gibt dir mehr Platz. Wenn du unsicher bist, nimm die iFixit-Variante und arbeite dich Bauteil für Bauteil durch. Die Polarität erkennst du am Minus-Streifen oder an der eingefärbten Halbkreis-Markierung auf dem Becher. Auf der Platine ist meist Plus oder Minus markiert.
Ausgelaufenen Elektrolyt reinigen
Ausgelaufener Elektrolyt ist das eigentliche Problem. Er bleibt nach dem Ausbau auf der Platine und arbeitet dort weiter. 8Bitplus beschreibt nach dem Ausbau „jede Menge Dreck“ auf der Platine, den er mit Platinenreiniger und Wattestäbchen entfernt hat. iFixit nennt dafür Isopropanol mit 99 %.
- Rückstände mit Isopropanol und Wattestäbchen oder einer weichen Zahnbürste lösen.
- Besonders um die Pads herum und zwischen eng liegenden Bauteilen gründlich arbeiten.
- Den blauen 9-poligen Stecker zwischen Trafo und Powerplatine gezielt prüfen. Leaded Solder hält hineingelaufenen Elektrolyt dort für einen großen Grund, warum Recaps scheitern.
- Grünliche Beläge an Leiterbahnen oder angefressene Pads notieren. Solche Stellen musst du eventuell mit dünnem Draht überbrücken.
- Korrodierte Batteriekontakte reinigt ConsoleMods zuerst mit Essig und danach mit Isopropanol.
Lass die Platine danach gut trocknen, bevor du Strom anlegst. Wie stark die Schäden sind, variiert stark. Dreamcast.nu berichtet von einem Gerät, bei dem vom Pad „fast nichts mehr übrig“ war. Dort musste sich ein Kondensator das Minus-Bein mit einem Nachbarn teilen.
Sound- und Powerplatine im Detail
Die beiden kleinen Platinen lassen sich einzeln bearbeiten. Das macht sie zu einem guten Einstieg, bevor du dich an das Mainboard wagst. Die Werte unten stammen aus der iFixit-Anleitung. Vergleiche sie immer mit der Liste, die deinem Kit beiliegt.
| Platine | Position und Wert laut iFixit |
|---|---|
| Soundplatine | C1, C2, C3: je 100 µF 6,3 V · C5, C7: je 47 µF 4 V |
| Powerplatine | C5: 22 µF 35 V · C11: 100 µF 25 V · C13: 820 µF 6,3 V · optional C9: 10 µF 16 V |
Soundplatine
Hier sitzen die becherförmigen SMD-Elkos. Ein leiser oder fehlender Ton ist laut ConsoleMods das häufigste Kondensator-Symptom überhaupt. Console5 gibt einen praktischen Tipp: Bei den SMD-Ersatzteilen kannst du den Kunststoffsockel unten abknipsen. Dann hast du mehr Platz für Lötspitze und Lot. Achte beim Einbau auf den Metallschirm im Deckel. Leaded Solder hat die neuen Kondensatoren dort mit Kapton abgeklebt, weil sie etwas höher saßen als die alten.
Powerplatine
Auf der Powerplatine sitzen bedrahtete Kondensatoren. Sie lassen sich am einfachsten tauschen. Wichtig ist die Lage: Die neuen Bauteile dürfen nicht über die goldenen Kontaktkreise ragen. Prüf außerdem die Kabel und Lötstellen zwischen Power- und Mainboard. Laut ConsoleMods sind auch sie eine häufige Ursache, wenn das Gerät nicht angeht.
Test und Messung
Bevor du alles verschraubst, lohnt ein kurzer Check mit dem Multimeter. Miss zuerst im ausgeschalteten Zustand, ob zwischen Plus und Masse ein Kurzschluss besteht. Eine Lötbrücke an den engen Pads fällt so sofort auf.
Danach kannst du die Ausgänge der Powerplatine prüfen. Leaded Solder hat an seinem Gerät zum Beispiel rund 4,95 V an der 5-V-Leitung und 33,9 V an der 34-V-Leitung gemessen. Die Batterieleitung zeigte ohne Last 12,4 V, also mehr als erwartet. Diese Werte sind Messungen an einem einzelnen Gerät und keine offizielle Soll-Tabelle. Sie zeigen aber, in welchem Bereich du dich bewegen solltest. Wenn eine Spannung komplett fehlt, liegt der Fehler auf der Powerplatine oder im Stecker.
Zum Schluss folgt der Praxistest. Probier mehrere Module aus, dreh am Kontrastrad und hör genau auf den Lautsprecher und den Kopfhörerausgang. Leaded Solder hat sein Gerät danach eine Woche lang immer wieder gespielt, um sicherzugehen, dass es stabil läuft. Dieser „Soak Test“ ist eine gute Idee, denn manche Fehler zeigen sich erst nach längerer Laufzeit.
Häufige Fehler
- Falsches Kit für die Board-Version bestellt.
- Kleberreste im Steckverbinder oder Lötzinn an den engen Pads daneben. Laut einer Restaurierungs-Doku ist das ein möglicher Grund, warum manche Recaps nicht anschlagen.
- Polarität vertauscht.
- Ein Kondensator liegt am Metallschirm im Deckel an.
- Pad beim Ausbau abgerissen, weil am Kondensator gezogen statt gedreht wurde.
- Ersatzteil passt nicht auf die Pads. Leaded Solder hatte einen Tantal-Kondensator in Bauform 1206 gekauft, der die Pads knapp nicht überbrückte.
Prüf zuerst Lötstellen und Steckverbinder. Erst danach kommen defekte Chips oder das Display in Frage.
Display nach dem Recap: der Ausblick
Nach einem erfolgreichen Recap ist das Bild wieder hell und stabil. Es bleibt aber das originale LCD von 1990 mit all seinen Eigenheiten. Wer mehr will, kann das Display gegen ein modernes IPS-Panel tauschen. IPS ist eine Displaytechnik mit hohem Kontrast und stabilen Farben aus fast jedem Blickwinkel.
Ein Beispiel ist das CleanScreen-Kit von RetroSix. Laut Händlerbeschreibung passt die aktuelle Version auf alle Revisionen von VA0 bis VA5, bringt ein Panel mit 640 × 480 Pixeln und wird über vorgefertigte Flachbandkabel ohne Löten eingebaut. Es gibt auch Kits anderer Anbieter. Wichtig: Auch für so einen Umbau wird ein Recap empfohlen. Ein neues Display rettet kein Gerät mit sterbenden Kondensatoren. Bei älteren LCD-Kits war der Eingriff teils deutlich größer. Retro Repairs and Refurbs musste für ein solches Kit neun Widerstände, vier Transistoren und weitere Bauteile vom Mainboard entfernen. Lies also vor dem Kauf genau, was dein Kit verlangt.
Ob du das Original behältst oder modernisierst, ist Geschmackssache. Wer den Game Gear als Stück Geschichte sieht, lässt das alte Display drin. Mehr zu dieser Frage findest du in unserem Artikel über Videospiele als Kultur.
Sicherheit
- Batterien raus: Arbeite nie an einem Gerät mit eingelegten Batterien oder eingestecktem Netzteil.
- Lötdämpfe: Der Rauch vom Flussmittel reizt die Atemwege. Sorg für Frischluft und beug dich nicht direkt über die Lötstelle.
- Blei: Wer bleihaltiges Lot benutzt, hat danach Blei an den Händen. Hände waschen, bevor du isst oder trinkst.
- Elektrolyt: Der ausgelaufene Inhalt ist ätzend. Fass ihn nicht mit bloßen Fingern an und schütz die Augen, vor allem bei Heißluft.
- Hitze: Lötkolben immer in die Ablage, die Spitze erreicht mehrere hundert Grad.
Kosten und Zeitaufwand grob
Konkrete Preise nennen wir hier nicht, weil sie sich ständig ändern. Die Kosten setzen sich aus drei Teilen zusammen: dem Kit, Verbrauchsmaterial wie Lot, Flussmittel und Isopropanol und, falls noch nicht vorhanden, dem Werkzeug. Ein ordentlicher Lötkolben mit Temperaturregelung ist die größte Einzelausgabe, hält aber viele Projekte lang. Wenn du einen Game Gear kaufst, schau bei eBay mit dem Filter „Verkaufte Artikel“, was defekte und recappte Geräte gerade wirklich bringen. So siehst du auch, ob sich ein Recap-Service lohnt.
Beim Zeitaufwand gilt als grobe Faustregel: Die Powerplatine ist schnell erledigt, die Soundplatine braucht Geduld, und das Mainboard dauert am längsten. Wie lange es insgesamt dauert, hängt stark von deiner Löterfahrung und vom Zustand der Platinen ab. Stark korrodierte Boards können den Aufwand vervielfachen.
FAQ
Muss ich wirklich alle Kondensatoren tauschen?
Ja, das ist die klare Empfehlung. 8Bitplus schreibt, es lohne sich nicht, jeden einzeln zu prüfen und nur die sichtbar kaputten zu ersetzen. ConsoleMods nennt den kompletten Recap bei jedem unbehandelten Gerät notwendig.
Schaffe ich das ohne Löterfahrung?
Die Powerplatine ist machbar. Die SMD-Pads auf Sound- und Mainboard verzeihen aber wenig. Übe vorher auf einer Schrottplatine. Wenn du unsicher bist, fang mit einem einfacheren Projekt an, etwa aus unserem NES-Artikel, oder gib den Recap an einen Service ab.
Welche Board-Version habe ich?
Sicher weißt du es erst, wenn du die 837-Nummer auf der Platine liest. Von außen helfen der Modellaufkleber, die Form der Displayscheibe und die Seriennummer. In Europa sind VA0 und VA1 der Normalfall.
Sind Majesco-Geräte sicher vor dem Problem?
Nein. Laut ConsoleMods sind sie weniger anfällig, aber nicht immun. Ein Blick auf die Kondensatoren lohnt sich auch hier.
Macht ein Recap das Bild so gut wie bei einem IPS-Mod?
Nein. Der Recap bringt das Originaldisplay zurück in seinen gesunden Zustand. Die Eigenheiten des alten LCD bleiben. Schärfe und Blickwinkel eines IPS-Panels erreichst du nur mit einem Displaytausch.
Kann ich Tantal- oder Keramikkondensatoren nehmen?
Grundsätzlich gibt es solche Alternativen, aber Bauform und Werte müssen passen. Das Beispiel von Leaded Solder zeigt, dass ein zu kleines Gehäuse die Pads nicht erreicht. Für den ersten Recap bist du mit einem fertigen Kit für deine Board-Version am besten bedient.
Quellen
- iFixit: Sega Game Gear Capacitor Replacement
- Leaded Solder: Reviving a Game Gear
- 8Bitplus: Sega Game Gear capacitors replacement
- RetroSix Wiki: Capacitor Replacement (Sega Game Gear)
- Video Game Restoration: VA0/VA1 Capacitor Kit
- ConsoleMods Wiki: Game Gear General Troubleshooting
- ConsoleMods Wiki: Game Gear Model Differences
- ConsoleMods Wiki: Game Gear Capacitor Kit
- Console5: Sega Game Gear Cap Kit for VA0 VA1 Models
- Hackaday: Leaky SMD Electrolytics? Try These Brute Force Removal Methods
- Wikipedia: Aluminum electrolytic capacitor
- Wikibooks: Practical Electronics/Soldering
- Dreamcast.nu: Game Gear with a dark screen, capacitor change
- Silent Modding: RetroSix CleanScreen IPS Kit für Game Gear
- Retro Repairs and Refurbs: 1992 SEGA Game Gear Repair, Restoration & Modification
Bildquellen
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- Sega-Game-Gear-WB.png (Konsole freigestellt, Titelbild)
- Sega-Game-Gear-Open-01.jpg (geöffnetes Gerät)
- Kategorie: Disassembled Sega Game Gear (weitere Innenansichten)