Das NES: Der graue Kasten, der das Videospiel gerettet hat
1983 lag der Videospielmarkt in den USA am Boden. Zwei Jahre später schob Nintendo einen grauen Kasten in die Läden, der aussah wie ein Videorekorder. Hier steht, wie das NES entstand, was drinsteckt, wie oft es sich verkauft hat und welche Module heute Sammlerstücke sind.
Steckbrief
| Famicom (Japan) | 15. Juli 1983, 14.800 Yen |
|---|---|
| NES (USA) | Testmarkt New York ab 18. Oktober 1985, landesweit ab 1986 |
| Europa | ab 1. September 1986, je nach Land unterschiedlich |
| Deutschland | 1986 über den Vertrieb Bienengräber, ein genauer Starttag ist nicht belegt |
| Startpreis Deutschland | 399 DM |
| Prozessor | Ricoh 2A03, 1,79 MHz (NTSC-Version), PAL: Ricoh 2A07, 1,66 MHz |
| Arbeitsspeicher | 2 KB RAM, dazu 2 KB Videospeicher |
| Auflösung | 256 × 240 Pixel |
| Sound | 5 Kanäle: 2 × Rechteck, 1 × Dreieck, 1 × Rauschen, 1 × Samples (DPCM) |
| Verkauft (NES und Famicom) | 61,91 Millionen Konsolen, 500,01 Millionen Spiele |
| Erschienene Spiele | 1.047 in Japan, 679 in Amerika, 351 im Rest der Welt (nur lizenzierte Module) |
| Produktionsende | USA 14. August 1995, Famicom in Japan 25. September 2003 |
Das Famicom: Uemuras Konsole
Die Geschichte beginnt in Kyoto. Nintendo-Präsident Hiroshi Yamauchi wollte Ende 1981 eine Konsole, auf der man Automatenspiele zu Hause am Fernseher spielen kann. Günstig und einfach sollte sie sein. Den Auftrag bekam Masayuki Uemura, Chef der Hardware-Abteilung Nintendo R&D2.
Uemura war kein Unbekannter. Er kam 1971 von Sharp zu Nintendo und hatte dort mit Gunpei Yokoi an Lichtpistolen-Spielen gearbeitet. Für das Famicom tat er sich mit den Ingenieuren des Chipherstellers Ricoh zusammen. Heraus kam der Family Computer, kurz Famicom: rot-weiß, mit fest angeschlossenen Controllern, die in Mulden an der Seite der Konsole liegen. Im zweiten Controller steckt sogar ein Mikrofon, das aber nur wenige Spiele nutzen.
Der Start am 15. Juli 1983 verlief holprig. Kurz nach dem Verkaufsbeginn stürzten Konsolen mitten im Spiel ab. Schuld war ein fehlerhafter Chip. Yamauchi ließ nicht nur die betroffenen Geräte tauschen, er rief alle zurück. Die Entscheidung kostete viel Geld, rettete aber den Ruf. Bis 1984 verkaufte sich das Famicom laut Uemuras Biografie 2,5 Millionen Mal.
Uemura entwarf später auch das Famicom Disk System und das Super Famicom. 2004 verließ er Nintendo und lehrte danach an der Ritsumeikan-Universität in Kyoto. Er starb am 6. Dezember 2021 mit 78 Jahren.
Nach dem Crash
Anfang der 80er war der US-Markt mit Konsolen und schlechten Spielen überschwemmt. 1983 brach er zusammen. Händler wollten danach nichts mehr hören, das nach Videospiel klang. Wie es bis dahin lief, von Pong bis Atari, erzählt unser Artikel Wie alles begann.
Die Zahlen sind brutal. Der Umsatz mit Heimvideospielen in den USA lag 1983 bei rund 3,2 Milliarden Dollar. 1985 waren es nur noch etwa 100 Millionen, ein Einbruch um rund 97 Prozent. Dafür gab es mehrere Gründe:
- Überangebot: Allein 1982 stieg die Zahl der erhältlichen Spiele von etwa 100 auf über 400. Die Produktion wuchs viel schneller als die Nachfrage.
- Schlechte Qualität: Jede Firma durfte Module für das Atari 2600 herstellen. Viele davon waren lieblos zusammengeschustert und landeten schnell in der Grabbelkiste. Das drückte auch die Preise der guten Spiele.
- Heimcomputer: Rechner wie der Commodore 64 konnten spielen und mehr, und sie wurden immer günstiger.
Zum Symbol wurde Atari selbst. Im September 1983 ließ die Firma unverkaufte Ware in einer Deponie bei Alamogordo in New Mexico vergraben, darunter Module von E.T. Lange galt das als Legende. 2014 wurde die Stelle für eine Dokumentation aufgegraben, und die Module lagen tatsächlich dort.
In Japan lief es gleichzeitig ganz anders. Dort war das Famicom ein Riesenerfolg. Nintendo wollte damit nach Amerika, musste die Konsole dafür aber so verkaufen, dass sie nicht wie eine Spielkonsole aussah.
Der Videorekorder-Trick
Aus dem rot-weißen Famicom wurde ein grauer, kantiger Kasten. Das Modul schiebst du vorne hinein und drückst es herunter, fast wie eine Videokassette. Der Name war kein Zufall: Entertainment System statt Videospielkonsole.
Dazu kamen der Roboter R.O.B. und die Lichtpistole Zapper. Beide sollten die Konsole als modernes Technikspielzeug erscheinen lassen, damit Händler sie überhaupt ins Regal stellten. Das klappte. In den USA kostete das Paket mit Super Mario Bros. 1986 dann 99,99 Dollar.
Der Start selbst war ein Test. Ab dem 18. Oktober 1985 verkaufte Nintendo das NES zunächst nur im Raum New York. Das "Deluxe Set" mit Konsole, zwei Controllern, Zapper, R.O.B. und den Spielen Gyromite und Duck Hunt kostete 179,99 Dollar. Um die skeptischen Händler zu überzeugen, übernahm Nintendo das Risiko: Wer nach 90 Tagen noch Konsolen im Lager hatte, durfte sie kostenlos zurückgeben. Beim Vertrieb half die Spielzeugfirma Worlds of Wonder, die damals mit dem sprechenden Teddybären Teddy Ruxpin gute Kontakte in die Spielwarenabteilungen hatte.
Der Test lief gut. Im Februar 1986 folgte Los Angeles, danach Chicago, San Francisco und weitere Großstädte, im Herbst 1986 dann die ganzen USA. Ende 1986 stand das NES laut der Seite The NES Page bei rund 1,1 Millionen verkauften Konsolen in den USA.
Das NES in Deutschland
Nach Europa kam das NES ab September 1986. Nintendo hatte hier noch keine eigene Niederlassung und arbeitete mit Vertriebspartnern in den einzelnen Ländern. In Deutschland war das die Firma Bienengräber. Sie hatte vorher schon die Game-&-Watch-Handhelds erfolgreich verkauft. In Skandinavien übernahm Bergsala, in den Niederlanden Bandai. In Österreich und der Schweiz kümmerte sich Stadlbauer um den Vertrieb, in Frankreich startete das NES erst im Oktober 1987.
Laut ComputerBase kostete das NES in Deutschland zum Start 399 DM. Das war eine Menge Geld für ein Spielzeug. Einen genauen Starttag für Deutschland nennt keine der Quellen, die wir gefunden haben. Das Magazin ntower spricht allgemein von 1986.
1990 gründete Nintendo dann mit Nintendo of Europe eine eigene Europazentrale im unterfränkischen Großostheim bei Aschaffenburg und übernahm den Vertrieb selbst. Die letzten NES-Spiele erschienen in Europa 1996.
Verkaufszahlen: Weltweit ein Riese, in Europa ein Spätstarter
Nintendo hat die Zahlen für Famicom und NES nach Regionen veröffentlicht. Sie sind endgültig, denn seit Jahren kommt nichts mehr dazu.
| Region | Konsolen | Spiele |
|---|---|---|
| Japan | 19,35 Mio. | 225,86 Mio. |
| Amerika | 34,00 Mio. | 230,85 Mio. |
| Rest der Welt, also auch Europa und Australien | 8,56 Mio. | 43,29 Mio. |
| Gesamt | 61,91 Mio. | 500,01 Mio. |
Quelle: Nintendo Investor Relations, Consolidated Sales Transition by Region, Stand 31.12.2016.
Der Unterschied ist deutlich. Nur etwa jedes siebte NES wurde außerhalb von Japan und Amerika verkauft. In Europa hatte es das NES Ende der 80er schwer. Laut Wikipedia verkauften sich hier zunächst das Sega Master System und Heimcomputer wie der ZX Spectrum besser. Das Fachmagazin Computer + Video Games nannte das Master System 1990 die meistverkaufte Konsole Europas, schrieb aber auch, dass das NES schnell aufholte.
Eine Schätzung gibt es für Westeuropa. Die Marktforscher von Screen Digest gingen für 1992 von rund 7,7 Millionen genutzten NES aus, beim Master System von rund 5,7 Millionen. Die Zahl schätzt, wie viele Geräte damals in Haushalten standen. Mit Verkäufen ist sie deshalb nicht direkt vergleichbar. Wir zitieren sie nach dem VGSales Wiki, das Original liegt uns nicht vor.
Eine offizielle Zahl für Deutschland haben wir nicht gefunden. Nintendo weist Europa nicht einzeln aus, und auch Bienengräber hat keine belastbaren Zahlen hinterlassen. Werte, die in Foren und Fan-Wikis kursieren, lassen sich nicht auf eine prüfbare Quelle zurückführen. Deshalb nennen wir hier keine.
Der Lockout-Chip
Nintendo hatte aus dem Crash gelernt: Zu viele schlechte Spiele hatten den Markt kaputtgemacht. Deshalb steckt im NES der Chip 10NES. Er sorgt dafür, dass nur Module laufen, die Nintendo freigegeben hat. So behielt Nintendo die Kontrolle, welche Spiele erschienen.
Dazu gehörte das "Seal of Quality", das Qualitätssiegel auf jeder Verpackung. Fremdfirmen durften zwar Spiele fürs NES entwickeln, brauchten dafür aber eine Lizenz von Nintendo. Das klingt heute streng, hat damals aber das Vertrauen der Händler und Eltern zurückgebracht.
Derselbe Chip ist schuld am berühmten Blinken, mehr dazu unten.
PAL-A und PAL-B: Wichtig für Sammler in Deutschland
In Europa gab es zwei NES-Regionen. Der Lockout-Chip sperrt die jeweils andere Region, auch wenn der Fernseher das Bild eigentlich darstellen könnte. Den PAL-A-Markt betreute anfangs die Spielzeugfirma Mattel, den PAL-B-Markt teilten sich mehrere Vertriebe wie Bienengräber.
| Region | Länder |
|---|---|
| PAL-A | Großbritannien und Irland, Italien, Australien und Neuseeland |
| PAL-B | übriges Kontinentaleuropa, auch Deutschland |
Für dich heißt das: Ein deutsches NES spielt deutsche Module ohne Weiteres. Ein britisches Modul läuft darauf nicht ohne Adapter oder Umbau. Beim Kauf auf eBay lohnt deshalb ein Blick auf die Region, die auf der Modulrückseite oder der Verpackung steht.
Noch ein Unterschied betrifft das Tempo. Das PAL-NES arbeitet mit 50 Bildern pro Sekunde, das amerikanische mit 60. Auch der Prozessor taktet langsamer. Viele Spiele rechnen ihre Abläufe pro Bild. Hat ein Entwickler das für Europa nicht angepasst, läuft das Spiel hier entsprechend gemächlicher. Wer die US-Versionen kennt, merkt das sofort.
Technik: Was im grauen Kasten steckt
Das Herz des NES ist der Ricoh 2A03. Er basiert auf dem 6502, dem Prozessor, der auch im Apple II und in abgewandelter Form im C64 steckt. Ricoh hat den Soundchip gleich mit in dasselbe Gehäuse gepackt.
Die PPU: der Grafikchip
Für das Bild sorgt die PPU (Picture Processing Unit), in der NTSC-Version der Ricoh 2C02. Sie setzt das Bild aus kleinen Kacheln von 8 × 8 Pixeln zusammen. Dazu kommen bis zu 64 Sprites, also frei bewegliche Figuren wie Mario oder Gegner. Aus einer Palette von 54 nutzbaren Farben kann das NES 25 gleichzeitig darstellen. Die Grenzen erkennst du beim Spielen: Stehen zu viele Figuren auf einer Höhe, fangen sie an zu flackern.
Fünf Kanäle für den Sound
Der typische NES-Klang kommt aus fünf Kanälen. Zwei Rechteckwellen spielen meist Melodie und Begleitung, eine Dreieckwelle den Bass. Ein Rauschkanal liefert Schlagzeug und Explosionen. Der fünfte Kanal (DPCM) spielt kurze, grobe Samples ab, etwa Sprachfetzen oder kräftigere Drums. Mehr brauchte Koji Kondo nicht für die Musik von Super Mario Bros.
Mapper: Die heimlichen Helden im Modul
Das NES kann ohne Hilfe nur sehr wenig Spielspeicher direkt ansprechen: 32 KB für Programmcode und 8 KB für Grafik. Für größere Spiele bauten Nintendo und andere Firmen Zusatzchips in die Module, sogenannte Mapper oder MMC (Memory Management Controller). Sie schalten blitzschnell zwischen verschiedenen Speicherbereichen hin und her. Das nennt man Bank Switching.
| Chip | Was er kann | Bekannte Spiele |
|---|---|---|
| MMC1 | mehr Speicher, Batterie-Speicherstände | The Legend of Zelda, Metroid, Mega Man 2 |
| MMC2 | automatischer Grafikwechsel | Mike Tyson's Punch-Out!! |
| MMC3 | geteilter Bildschirm, feineres Scrolling | Super Mario Bros. 3, Mega Man 3 bis 6, Kirby's Adventure |
| MMC5 | der stärkste Nintendo-Mapper | Castlevania III: Dracula's Curse |
Deshalb sehen späte NES-Spiele so viel besser aus als frühe. Die Konsole blieb gleich, die Module wurden schlauer. Ein kleines Detail für Sammler: In Japan konnten Konami-Chips wie der VRC6 sogar zusätzliche Soundkanäle liefern. Auf dem NES funktionierte das nicht. Die japanische Fassung von Castlevania III klingt deshalb voller als die westliche.
Das Steuerkreuz: Kleines Plus, große Wirkung
Vor dem NES steuerten die meisten Konsolen mit Joysticks. Nintendo setzte auf ein flaches Kreuz unter dem linken Daumen, das Steuerkreuz oder D-Pad. Es tauchte zuerst 1982 beim Game-&-Watch-Spiel Donkey Kong auf. Die Idee wird oft Gunpei Yokoi zugeschrieben. Im US-Patent von 1987 für den "Multi-Directional Switch" steht Ichiro Shirai als Erfinder.
Das Kreuz war robust, flach und billig. Ein Controller, der auf dem Boden liegt und auf den jemand tritt, überlebt das eher als ein Joystick. Mit Steuerkreuz links, zwei Knöpfen rechts und Select und Start in der Mitte legte das NES das Grundmuster fest, das Gamepads bis heute haben. Nintendo bekam für das D-Pad später sogar einen Technik-Emmy.
Anders als beim Famicom sind die Controller beim NES abnehmbar. Das macht dir das Leben als Sammler leichter: Ein kaputtes Pad tauschst du einfach aus.
Zubehör: Von nützlich bis kurios
- Zapper: Die Lichtpistole für Duck Hunt, Hogan's Alley und Wild Gunman. Sie funktioniert nur an alten Röhrenfernsehern. An einem Flachbildschirm triffst du nichts, weil das Bild dort verzögert ankommt.
- R.O.B.: Der Robotic Operating Buddy war vor allem ein Verkaufstrick für die Händler. Er unterstützte genau zwei Spiele: Gyromite und Stack-Up. Heute ist er ein beliebtes Sammlerstück.
- NES Advantage: Ein Arcade-Stick von Asciiware, lizenziert von Nintendo und erschienen 1987. Mit Drehreglern stellst du Dauerfeuer für A und B ein. Die Zeitlupenfunktion drückt in Wahrheit nur sehr schnell auf Pause.
- Power Glove: Der Datenhandschuh von Mattel kam 1989 und kostete 75 Dollar. Er sah futuristisch aus, war aber sehr ungenau. Nur zwei Spiele wurden eigens dafür entwickelt: Super Glove Ball und Bad Street Brawler. Berühmt wurde er durch den Film The Wizard und den Satz "I love the Power Glove. It's so bad."
Mehr über Spiele als Teil unserer Kindheit und Popkultur liest du im Artikel Videospiele als Kultur.
Spiele, die du kennen solltest
Wie viele NES-Spiele gibt es?
Nintendo hat selbst gezählt. Für Famicom und NES erschienen laut Nintendos Statistik 1.047 Spiele in Japan, 679 in Amerika und 351 im Rest der Welt. Der Rest der Welt heißt für uns vor allem PAL-Europa. Mitgezählt sind nur lizenzierte Module. Spiele für das japanische Disk System fehlen in der Zählung, ebenso Module ohne Nintendo-Lizenz. Viele Titel erschienen in mehreren Regionen und tauchen deshalb in mehreren Spalten auf.
Für dich als Sammler in Deutschland heißt das: Das PAL-Angebot ist nur etwa halb so groß wie das amerikanische. Einige bekannte US-Spiele kamen nie nach Europa. Umgekehrt gibt es ein paar Spiele, die es nur hier gab, und genau die sind heute oft teuer.
Meilensteine
Die NES-Bibliothek ist riesig. Diese Titel haben Serien begründet oder Maßstäbe gesetzt. Die Jahreszahlen zeigen den ersten Erscheinungstermin und den Europastart.
| Spiel | Erstveröffentlichung | Europa | Warum wichtig |
|---|---|---|---|
| Super Mario Bros. | 1985 (Japan) | 1987 | über 40 Millionen verkaufte NES-Module, mehr als 20 Jahre lang das meistverkaufte Spiel |
| The Legend of Zelda | 1986 (Japan, Disk System) | 1987 | goldenes Modul, einer der ersten Titel mit Batterie-Speicher |
| Metroid | 1986 (Japan, Disk System) | 1988 | Passwortsystem, Überraschung am Ende: Samus ist eine Frau |
| Mega Man | 1987 (Japan und USA) | 1989 | Capcoms erstes eigens für Konsole entwickeltes Spiel |
| Super Mario Bros. 3 | 1988 (Japan) | 1991 | rund 18 Millionen verkauft, zeigt was der MMC3 kann |
Achte bei den Jahreszahlen auf die lange Wartezeit. Super Mario Bros. 3 kam fast drei Jahre nach Japan in deutsche Läden. Das war damals normal und ist ein Grund, warum viele Deutsche das NES eher mit den späten 80ern und frühen 90ern verbinden.
Die zehn meistverkauften NES-Spiele
Die Rangliste gehört komplett Nintendo. Zwei Dinge musst du beim Lesen wissen: Die Zahlen gelten weltweit, und die ersten drei Spiele lagen oft der Konsole bei. Wer ein NES kaufte, bekam Super Mario Bros. oder Duck Hunt häufig gleich dazu.
| Platz | Spiel | Erstes Jahr | Verkauft |
|---|---|---|---|
| 1 | Super Mario Bros. | 1985 | 40,24 Mio. (oft im Paket) |
| 2 | Duck Hunt | 1984 | 28,31 Mio. (oft im Paket) |
| 3 | Super Mario Bros. 3 | 1988 | 18,00 Mio. (teils im Paket) |
| 4 | Tetris | 1989 | 8,00 Mio. |
| 5 | Super Mario Bros. 2 | 1988 | 7,46 Mio. |
| 6 | The Legend of Zelda | 1986 | 6,51 Mio. |
| 7 | Dr. Mario | 1990 | 4,85 Mio. |
| 8 | Zelda II: The Adventure of Link | 1987 | 4,38 Mio. |
| 9 | Excitebike | 1984 | 4,16 Mio. |
| 10 | Golf | 1984 | 4,01 Mio. |
Quelle: Wikipedia-Liste der meistverkauften NES-Spiele. Sie stützt sich auf das CESA Games White Paper 2021 des japanischen Branchenverbands, bei Tetris auf eine BBC-Dokumentation von 2004. Erstes Jahr heißt: erste Veröffentlichung, meist in Japan.
Das erfolgreichste Spiel eines anderen Herstellers folgt direkt dahinter: Teenage Mutant Ninja Turtles von Konami mit rund 4 Millionen Exemplaren. Für dich als Käufer ist die Liste nützlich. Was sich millionenfach verkauft hat, findest du heute leicht und meist günstig.
Teure Sammlerstücke: Diese PAL-Module sind gesucht
Teuer wird ein NES-Spiel selten wegen seiner Qualität. Meist ist es knapp, weil es spät erschien, nur in wenigen Ländern oder in kleiner Stückzahl. Diese sechs PAL-Module stammen alle von großen Herstellern der damaligen Zeit und gehören heute zu den teuersten in Europa.
| Spiel | Hersteller | Warum gesucht | Modul / komplett |
|---|---|---|---|
| Mr. Gimmick | Sunsoft | erschien 1993 nur in Skandinavien, über Bergsala in kleiner Menge; in den USA gar nicht | um 1.000 $ / gut 4.000 $ |
| Stadium Events | Bandai | Nintendo kaufte die Laufmatte, machte daraus das Power Pad und brachte das Spiel als World Class Track Meet neu heraus | um 600 $ / um 2.000 $ |
| Stack-Up | Nintendo | eins von nur zwei Spielen für den Roboter R.O.B. | um 350 $ / über 1.500 $ |
| Mighty Final Fight | Capcom | kam in Europa im August 1993, als das Super Nintendo schon im Handel war | um 350 $ / um 700 $ |
| Gargoyle's Quest II | Capcom | erschien in Europa erst im Juni 1993 | um 200 $ / 800 bis 1.000 $ |
| Devil World | Nintendo | wegen religiöser Motive als Modul nie in Nordamerika erschienen, nur in Japan und Europa | um 160 $ / um 1.000 $ |
Größenordnungen gerundet nach PriceCharting (Rubrik PAL NES, US-Dollar), abgerufen am 30.09.2026. Komplett heißt: Modul, Karton und Anleitung.
Nimm diese Zahlen als grobe Orientierung. Von Mr. Gimmick wechseln laut PriceCharting nur eine Handvoll Exemplare im Jahr den Besitzer. Ein einziger Verkauf in Topzustand kann den Durchschnitt deshalb kräftig verschieben. Was ein Modul wirklich bringt, siehst du bei eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel". Such dort gezielt nach der PAL-Fassung.
PAL und NTSC sind zwei Märkte
Die Region macht beim Preis einen riesigen Unterschied. Stadium Events ist das beste Beispiel: Die amerikanische Fassung gilt als eines der teuersten NES-Spiele überhaupt, ein Exemplar ging laut Wikipedia für bis zu 35.100 Dollar weg. Die europäische kostet einen Bruchteil davon. Umgekehrt sind Spiele, die es nur in Europa gab, in PAL-Fassung teuer und in den USA schlicht unbekannt. Vergleiche also immer gleiche Region mit gleicher Region.
Gerade von teuren Spielen wie Mr. Gimmick sind Nachdrucke mit neuen Etiketten im Umlauf, sogenannte Repros. Woran du sie erkennst, steht in der NES-Kaufberatung im Abschnitt zu Fälschungen.
Warum die rote Lampe blinkt
Fast jeder kennt es: Modul rein, Power an, die rote Lampe blinkt und der Bildschirm bleibt grau oder flackert. Die Ursache ist fast immer schlechter Kontakt zwischen Modul und Konsole.
Das liegt an der Mechanik des Videorekorder-Tricks. Beim Herunterdrücken werden die Kontakte im 72-Pin-Stecker jedes Mal ein wenig verbogen. Nach Jahrzehnten greifen sie nicht mehr sauber. Der Lockout-Chip erkennt das Modul dann nicht und setzt die Konsole immer wieder zurück.
- Reinigen: Modulkontakte und Stecker säubern hilft oft schon.
- Stecker aufbereiten: Die Kontakte vorsichtig nachbiegen.
- Stecker tauschen: Ein neuer oder aufbereiteter 72-Pin-Stecker ist die dauerhafte Lösung und kostet nicht viel. (bei Amazon ansehen*)
Und das Pusten ins Modul? Unter Sammlern gilt als Faustregel: Es hilft vor allem, weil du das Modul dabei neu einsetzt. Die Feuchtigkeit aus dem Atem tut den Kontakten auf Dauer eher nicht gut.
Wie du den Stecker prüfst und was ein Tausch an Aufwand bedeutet, steht in der NES-Kaufberatung.
Modelle und Revisionen
Das klassische NES mit der Klappe vorne heißt NES-001. Im Oktober 1993 brachte Nintendo in den USA eine kleinere, günstigere Version für 49,99 Dollar heraus, den Top-Loader NES-101. Die Module steckst du dort von oben ein, wie beim Famicom. Das Blinkproblem gibt es dadurch kaum.
Zum Top-Loader gehörte ein neuer, abgerundeter Controller, den Fans wegen seiner Form "Dogbone" nennen, also Hundeknochen. Offiziell erschien das Modell in Nordamerika und Australien. In Japan gab es zur gleichen Zeit mit dem AV Famicom eine ähnliche Neuauflage mit abnehmbaren Controllern. Nach Deutschland kam der Top-Loader offiziell nicht. Ein US-Gerät arbeitet mit der amerikanischen Fernsehnorm NTSC, die nicht jeder ältere deutsche Fernseher darstellt. Einen Lockout-Chip hat der Top-Loader übrigens nicht mehr, Nintendo hat ihn zum Sparen weggelassen.
Der Top-Loader hat allerdings einen Haken: Er gibt das Bild nur über den Antennenausgang aus. Das originale NES-001 hat dagegen einen Composite-Ausgang mit den typischen Cinch-Buchsen, der meist ein saubereres Bild liefert.
| Modell | Nummer | Erschienen | Was anders ist |
|---|---|---|---|
| Famicom | HVC-001 | 1983, Japan | rot-weiß, feste Controller, Mikrofon im zweiten Pad, nur Antennenausgang, Module mit 60 Kontakten, kein Lockout-Chip |
| NES (Front-Loader) | NES-001 | 1985 USA, ab 1986 Europa | Modul vorne, 72 Kontakte, Lockout-Chip, Antenne und Composite |
| NES PAL-A und PAL-B | NES-001 | ab 1986 | PAL-Chips 2A07 und 2C07 mit 50 Hz, je Region eigener Lockout-Chip |
| NES für Frankreich | NES-001 | 1987 | kein Antennen- und kein Cinch-Ausgang, stattdessen hinten eine Buchse mit RGB-Signal für SCART, das intern aus Composite gewandelt wird |
| NES (Top-Loader) | NES-101 | Oktober 1993, USA; auch Australien | Modul oben, kein Lockout-Chip, nur Antennenausgang, Dogbone-Controller |
| AV Famicom | HVC-101 | Dezember 1993, Japan | abnehmbare Controller, Composite-Ausgang, kein Lockout-Chip |
| NES Classic Mini | keine Module | November 2016 | Emulation, HDMI, 30 eingebaute Spiele |
Innerhalb des NES-001 gibt es viele Platinenrevisionen. Für Spieler sind sie kaum spürbar, für Umbauten können sie eine Rolle spielen.
Nachfolger und NES Classic Mini
1990 erschien in Japan der Nachfolger, das Super Famicom, im Westen als Super Nintendo bekannt. Auch hier war Uemura der Chefentwickler. Das NES lief trotzdem noch jahrelang weiter. In den USA endete die Produktion 1995, das Famicom in Japan hielt sogar bis 2003 durch.
2016 holte Nintendo den grauen Kasten zurück, in klein. Das NES Classic Mini erschien im November 2016 mit 30 fest eingebauten Spielen, HDMI-Ausgang und einem Nachbau des Original-Controllers. Die Emulation, also die Nachbildung der alten Hardware per Software, stammt von Nintendos europäischem Entwicklerteam. Jedes Spiel lässt sich jederzeit speichern.
Das Gerät war ein Überraschungshit. Bis April 2017 verkaufte Nintendo 2,3 Millionen Stück und stellte die Produktion dann überraschend ein. Die Preise bei Wiederverkäufern schossen hoch. Im Juni 2018 kam das Classic Mini noch einmal in die Läden, Ende 2018 war endgültig Schluss.
Für wen lohnt sich was? Das Mini ist ideal, wenn du einfach am modernen Fernseher ein paar Klassiker spielen willst. Die Controllerkabel sind allerdings kurz. Wenn du Module sammeln, den Zapper benutzen oder das echte Gefühl vom Einlegen haben willst, führt am Original kein Weg vorbei.
Heute ein NES kaufen
Zum Kauf gibt es einen eigenen, ausführlichen Artikel. Die drei wichtigsten Punkte vorab:
- Region prüfen: In Deutschland willst du PAL-B, passend zu deinen Modulen.
- Vor Ort mit einem Modul testen. Blinkt es, nicht gleich abwinken, aber den Preis drücken.
- Preis einschätzen: Aktuelle Preise schwanken stark. Schau bei eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel", was Konsolen und Module wirklich bringen.
Welches Modell, welches Kabel für deinen Fernseher, woran du Fälschungen erkennst und mit welchen Spielen du anfängst: Das alles steht in NES kaufen 2026: Modell, Anschluss und die ersten Spiele.
Viele gute NES-Funde machst du auf dem Flohmarkt. Worauf du dort achten musst, steht im Flohmarkt-Check. Und wenn dich eher Handhelds reizen, schau in den Game Gear Recap.
Häufige Fragen zum NES
Läuft ein NES an einem modernen Fernseher?
Oft ja, über Composite oder den Antennenausgang. Manche neue Fernseher haben diese Eingänge aber nicht mehr, und das Bild wirkt auf großen Flachbildschirmen unscharf. Dann hilft ein Adapter oder ein Umbau.
Kann ich amerikanische Module auf einem deutschen NES spielen?
Nicht direkt. Das liegt am Lockout-Chip und an der anderen Fernsehnorm. Mit einem Adapter oder einer umgebauten Konsole geht es. Selbst dann können Tempo und Bild abweichen.
Was ist der Unterschied zwischen NES und Famicom?
Technisch sind beide fast gleich. Das Famicom nutzt kleinere Module mit 60 Kontakten, das NES größere mit 72. Beim Famicom sind die Controller fest verbaut, und es gab Zusatzhardware wie das Disk System, das im Westen nie erschien.
Funktioniert der Zapper an einem Flachbildfernseher?
Nein. Der Zapper verlässt sich auf das exakte Timing eines Röhrenfernsehers. Für Duck Hunt brauchst du also eine alte Röhre.
Warum blinkt mein NES, obwohl das Modul sauber ist?
Dann ist meist der 72-Pin-Stecker in der Konsole ausgeleiert. Ein neuer Stecker löst das Problem in den meisten Fällen.
Ist das NES Classic Mini ein echtes NES?
Nein. Im Inneren arbeitet ein moderner Chip, der die alte Hardware per Software nachbildet. Originalmodule passen nicht hinein.
Quellen
- Wikipedia (englisch): Nintendo Entertainment System
- Wikipedia (deutsch): Nintendo Entertainment System
- ComputerBase: 8-Bit-Spielkonsole wird 40
- ntower: Nintendo-Konsolen: Nintendo Entertainment System (NES)
- Nintendo IR: Consolidated Sales Transition by Region (PDF, Stand 31.12.2016)
- Nintendo IR: Number of Software Titles Released (PDF)
- VGSales Wiki: Third generation of video games (Schätzung Screen Digest für Westeuropa)
- Wikipedia (englisch): List of best-selling NES video games
- Wikipedia (englisch): Family Computer
- NESdev Wiki: Famicom (Modellnummern HVC-001 und HVC-101)
- Wikipedia (englisch): New-Style NES
- Wikipedia (englisch): Masayuki Uemura
- Wikipedia (englisch): Video game crash of 1983
- The NES Page: Nintendo Test Market Consoles
- Nintendo: Unternehmensgeschichte
- NESdev Wiki: Cycle reference chart (NTSC und PAL)
- NESdev Wiki: CIC lockout chip
- Wikipedia (englisch): Memory management controller
- Wikipedia (englisch): D-pad
- Wikipedia (englisch): R.O.B.
- Wikipedia (englisch): NES Advantage
- Wikipedia (englisch): Power Glove
- Wikipedia (englisch): Super Mario Bros.
- Wikipedia (englisch): The Legend of Zelda
- Wikipedia (englisch): Metroid
- Wikipedia (englisch): Mega Man
- Wikipedia (englisch): Super Mario Bros. 3
- Wikipedia (englisch): Gimmick!
- Wikipedia (englisch): Stadium Events
- Wikipedia (englisch): Devil World
- Wikipedia (englisch): Mighty Final Fight
- Wikipedia (englisch): Gargoyle's Quest II
- PriceCharting: PAL NES, sortiert nach Preis (abgerufen 30.09.2026)
- PriceCharting: Mr. Gimmick (PAL NES)
- Wikipedia (englisch): NES Classic Edition
- ConsoleMods Wiki: NES Model Differences
- Wikipedia (englisch): NES Zapper
- RetroGame Start: Fix the NES Blinking Red Light
- J2Games: How to Fix the NES Blinking Red Light
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