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Geschichte · Nintendo Game & Watch

Nintendo Game & Watch: Wie ein Taschenrechner Nintendo veränderte

Ein gelangweilter Geschäftsmann, ein Taschenrechner und ein Nintendo-Ingenieur im Zug: Daraus entstand 1980 das Game & Watch. Ein Spiel, eine Uhr, zwei Knopfzellen. Elf Jahre und 60 Spiele später hatte Nintendo 43,4 Millionen Geräte verkauft, das Steuerkreuz erfunden und den Weg zum Game Boy geebnet. Hier liest du die ganze Geschichte, alle Serien im Überblick und welche Modelle heute richtig Geld kosten.

Stand 30.09.2026 · ca. 13 Min. Lesezeit
28.04.1980erstes Modell Ball in Japan
43,4 Mio.verkauft von 1980 bis 1991
60Spiele in elf Jahren
1980 · Nintendo · LCDGame & Watch
Foto Game & Watch Donkey Kong: Rogerdahl, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Steckbrief

HerstellerNintendo, Abteilung R&D1
ErfinderGunpei Yokoi, mit Satoru Okada
Erstes ModellBall (AC-01), Japan, 28. April 1980, 5.800 Yen
Letztes ModellMario the Juggler (MB-108), 14. Oktober 1991
Deutschlandvertrieben von Bienengräber, teils unter dem Namen "tricOtronic"
Prozessor4-Bit-Mikrocontroller von Sharp (Reihe SM5xx)
DisplaySegment-LCD, schwarz-weiß, bei späten Serien mit Farbfolien
Strommeist zwei Knopfzellen (LR43 oder LR44), Tabletop zwei Babyzellen
Verkauft43,4 Millionen, davon 12,87 Millionen in Japan
Spiele60 verschiedene Spiele in elf Gehäuseformen
NachfolgerGame Boy (1989)

Die Idee im Shinkansen

Ende der 70er war Nintendo eine Spielzeugfirma mit Problemen. Laut Wikipedia hatte die Firma vor dem Start des Game & Watch Schulden von 7 bis 8 Milliarden Yen. Einer der Männer, die das ändern sollten, war Gunpei Yokoi. Er leitete die Entwicklungsabteilung R&D1 und hatte für Nintendo schon Spielzeuge wie die Ultra Hand erfunden. Wie er dorthin kam, steht ausführlich im Game-Boy-Artikel.

Die Idee zum Game & Watch kam ihm auf einer Fahrt im Shinkansen, dem japanischen Hochgeschwindigkeitszug. Yokoi beobachtete einen gelangweilten Geschäftsmann, der zum Zeitvertreib auf seinem Taschenrechner herumdrückte. Der Rechner war flach, kaum größer als eine Kreditkarte, und hatte eine LCD-Anzeige. Yokoi dachte weiter: Wenn so ein Ding schon in jeder Aktentasche steckt, warum nicht ein kleines Spiel für Erwachsene, das man unauffällig in der Bahn spielen kann?

Die Gelegenheit, die Idee loszuwerden, kam auf ungewöhnliche Weise. Yokoi fuhr Nintendo-Präsident Hiroshi Yamauchi zu einem Geschäftstermin und erzählte ihm im Auto davon. Der Termin war ausgerechnet mit dem Chef von Sharp. Laut Wikipedia gaben Nintendo und Sharp innerhalb einer Woche grünes Licht für ein Spielgerät in Taschenrechnergröße.

Alte Technik, neue Idee

Dass das so schnell ging, lag am Markt. Sharp und Casio lieferten sich damals einen harten Preiskampf um Taschenrechner. Dadurch gab es LCD-Anzeigen und Chips in großer Menge und zu niedrigen Preisen. Yokoi nannte seine Arbeitsweise später "laterales Denken mit abgelagerter Technik". Gemeint ist: Nimm ausgereifte, billige Technik und mach etwas Neues daraus. Das Game & Watch ist das erste große Beispiel dafür, der Game Boy das berühmteste.

Die Konkurrenz setzte bei Taschenspielen damals auf Leuchtdioden (LED) oder Vakuum-Fluoreszenz-Anzeigen. Die leuchten hell, brauchen aber viel Strom und zeigen nur abstrakte Punkte und Striche. Das LCD von Sharp konnte dagegen echte kleine Figuren darstellen und lief mit Knopfzellen monatelang. Den Namen gab die Doppelfunktion: Spiel und Uhr in einem Gerät.

Game & Watch der Silver-Serie (Fire)Foto: xabi, Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Der Start mit Ball

Am 28. April 1980 erschien in Japan das erste Game & Watch: Ball, Modellnummer AC-01. Es kostete 5.800 Yen. Das Spielprinzip ist schnell erklärt. Eine Figur jongliert Bälle, und du bewegst ihre Arme mit zwei Knöpfen nach links und rechts. Fällt ein Ball herunter, ist das ein Fehler. Je länger du durchhältst, desto schneller wird es.

Ball verkaufte sich laut Wikipedia nur mäßig, aber gut genug, dass Nintendo weitere Spiele freigab. Noch 1980 folgten Flagman, Vermin, Fire und Judge. Zusammen bilden diese fünf Geräte die Silver-Serie, benannt nach der silbernen Metallfront.

Jedes Game & Watch hatte ein festes Spiel, meist in zwei Varianten. Über die Tasten "Game A" und "Game B" wählst du zwischen einer leichteren und einer schwereren Fassung. Eine dritte Taste zeigt die Uhrzeit. Ab der Gold-Serie 1981 kam ein Wecker dazu.

Amerika: erst Mego, dann Nintendo

In Nordamerika liefen die ersten Spiele zunächst über die Spielzeugfirma Mego, unter dem Namen "Time-Out". Ball hieß dort Toss-Up, Vermin hieß Exterminator und Fire hieß Fireman. Die Partnerschaft endete nach weniger als einem Jahr. Danach vertrieb Nintendo of America die Geräte selbst und unter den Originalnamen. Mego-Geräte sind heute eigene Sammlerstücke.

Game & Watch in Deutschland

In Deutschland und Österreich vertrieb die Firma Bienengräber die Game & Watch-Spiele, teils unter dem Namen "tricOtronic". Bienengräber ist vielen Sammlern auch vom NES bekannt, denn die Firma verkaufte in den 80ern auch Nintendos Heimkonsole hierzulande. Mehr dazu steht im NES-Artikel.

Einen genauen Starttermin für Deutschland und einen belegten Startpreis in DM haben wir nicht gefunden. Wir haben Wikipedia, Sammlerseiten und Zeitungsarchive durchsucht. Eine zeitgenössische Anzeige oder einen Katalog mit Preis konnten wir nicht prüfen. Deshalb nennen wir hier keine Zahl. Wenn du einen alten Katalog von Quelle, Neckermann oder einem Spielwarenhändler mit Preisangabe hast, wäre das eine schöne Ergänzung für diesen Artikel.

Für Sammler wichtig: Geräte für den deutschen Markt unterscheiden sich technisch nicht von anderen westlichen Versionen. Unterschiede gibt es bei Karton, Anleitung und manchmal bei Aufklebern. Ein Game & Watch hat keine Regionssperre, und es braucht keinen Fernseher. Japanische, amerikanische und europäische Geräte laufen also überall gleich.

Technik: so funktioniert das LCD

Im Inneren arbeitet ein 4-Bit-Mikrocontroller von Sharp aus der Reihe SM5xx. Ein Mikrocontroller ist ein kleiner Chip, der Prozessor, Speicher und Ein- und Ausgänge vereint. Laut Wikipedia hat er 1.792 Byte ROM für das Programm und nur sehr wenig Arbeitsspeicher. Mehr braucht ein einzelnes Spiel mit festen Grafiken nicht.

Segmente statt Pixel

Das Display ist ein Segment-LCD, genau wie bei einer Digitaluhr. Statt eines Rasters aus Pixeln gibt es feste Figuren, die schon bei der Herstellung auf das Glas gebracht werden. Jede Position einer Spielfigur ist ein eigenes Segment. Der Chip schaltet diese Segmente nur an oder aus. Deshalb "springen" die Figuren von Position zu Position, statt flüssig zu laufen. Diese ruckelige Bewegung ist das Markenzeichen des Game & Watch.

LCD steht für Liquid Crystal Display, also Flüssigkristallanzeige. Zwischen zwei Glasplatten sitzen Flüssigkristalle, die das Licht je nach Spannung durchlassen oder sperren. Damit das funktioniert, liegt auf dem Glas ein Polarisationsfilter. Dahinter sitzt bei den meisten Modellen ein Hintergrund, der das Umgebungslicht zurückwirft. Eine eigene Beleuchtung gibt es nicht. Du brauchst also Licht von außen, genau wie später beim Game Boy.

Farbe durch Tricks

Die Segmente sind immer schwarz. Farbe kam über Tricks ins Spiel. Ab der Gold-Serie zeigten bedruckte Hintergründe eine feste Kulisse. Die Tabletop- und Panorama-Geräte projizierten das Bild über Spiegel und farbige Folien. Die Super-Color-Serie legte Farbfilter über das hochkant stehende Display, und die Crystal-Screen-Serie hatte ein durchsichtiges LCD.

Strom

Die tragbaren Modelle laufen mit zwei Knopfzellen. Die frühen Serien nutzen LR43, die meisten späteren LR44. Einige späte Modelle verwenden eine Lithiumzelle CR2025. Die Tabletop-Geräte brauchen zwei große Babyzellen (LR14). Weil das LCD fast keinen Strom zieht, halten die Batterien lange. Genaueres zu den Batterietypen und warum die richtige Zelle wichtig ist, steht in der Kaufberatung.

Alle Serien im Überblick

Nintendo baute in elf Jahren 60 verschiedene Spiele in elf Gehäuseformen. Die Wikipedia zählt Vertical und Horizontal Multi Screen als zwei Formen. Fast jede Serie hat ein eigenes Merkmal, an dem du sie sofort erkennst. Die Modellnummer steht auf der Rückseite und besteht aus zwei Buchstaben und einer Zahl, zum Beispiel DK-52 für Donkey Kong.

SerieJahrMerkmalBeispiele
Silver1980silberne Metallfront, kleines Display, nur UhrBall, Flagman, Vermin, Fire, Judge
Gold1981goldene Front, Wecker, feste Hintergrundbilder, DrahtständerManhole, Helmet, Lion
Wide Screen1981 bis 1982rund 30 Prozent größeres DisplayParachute, Octopus, Chef, Mickey Mouse, Fire Attack
Multi Screen1982 bis 1989zwei Displays, zum AufklappenOil Panic, Donkey Kong, Green House, Safebuster, Zelda
New Wide Screen1982 bis 1991bunte Metallfronten, Wide-Screen-FormatDonkey Kong Jr., Mario's Cement Factory, Mario the Juggler
Tabletop1983Tischgerät, farbiges Bild über Spiegel und LichtfensterDonkey Kong Jr., Mario's Cement Factory, Snoopy, Popeye
Panorama1983 bis 1984klappbares Tabletop für unterwegs mit SpiegelMario's Bombs Away, Mickey Mouse, Donkey Kong Circus
Super Color1984hochkant, Farbfolien über dem DisplaySpitball Sparky, Crab Grab
Micro Vs. System1984zwei Steuerelemente für zwei SpielerBoxing, Donkey Kong 3, Donkey Kong Hockey
Crystal Screen1986durchsichtiges DisplaySuper Mario Bros., Climber, Balloon Fight

Serien, Jahre und Merkmale laut Wikipedia (englisch), Spiele und Modellnummern laut Wikipedia-Liste der Game & Watch-Spiele. Die drei Crystal-Screen-Spiele kamen 1988 als New-Wide-Screen-Fassung noch einmal heraus.

Multi Screen: zwei Bildschirme

Die bekannteste Serie ist Multi Screen. Das Gerät klappt auf wie ein Taschenbuch, oben und unten sitzt je ein Display. Bei Donkey Kong kletterst du unten los und erreichst oben den Affen. Bei Oil Panic fängst du oben Öltropfen und kippst sie unten in ein Fass. Die meisten Multi-Screen-Geräte klappen nach oben auf. Einige wenige öffnen sich seitlich, Wikipedia nennt sie Horizontal Multi Screen. Die Klappform kam Jahrzehnte später beim Game Boy Advance SP und beim Nintendo DS zurück.

Tabletop und Panorama: die Tischgeräte

1983 versuchte Nintendo, mit farbigen Tischgeräten gegen Konkurrenten wie Coleco anzutreten. Die Tabletop-Geräte sehen aus wie kleine Spielautomaten. Durch ein Fenster fällt Licht auf das LCD, und über einen Spiegel siehst du das Bild in Farbe. Die Panorama-Serie faltete dieses Prinzip zusammen, damit es in die Tasche passt. Beide Serien waren aufwendig und verkauften sich laut Wikipedia-Liste jeweils unter 250.000 Mal pro Modell. Genau das macht sie heute selten.

Game & Watch Donkey Kong II aufgeklapptFoto: madato, Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Das Steuerkreuz: eine Erfindung für Donkey Kong

1981 war Donkey Kong in den Spielhallen ein Riesenerfolg. Nintendo wollte das Spiel auch als Game & Watch bringen. Das Problem: In der Spielhalle steuerst du Mario mit einem Joystick, und ein Joystick ist für ein flaches Klappgerät zu groß und zu empfindlich.

Die Lösung war ein flaches Kreuz mit vier Richtungen, das in eine Vertiefung im Gehäuse passt. Es braucht kaum Platz, ist robust und erlaubt präzise Bewegungen. Das Multi Screen Donkey Kong (DK-52) erschien am 3. Juni 1982 in Japan und war damit das erste Nintendo-Gerät mit Steuerkreuz. Yokoi und sein Team übernahmen die Idee danach für weitere Game & Watch-Modelle.

Ein Jahr später bekam das Famicom einen Controller mit genau diesem Kreuz, und mit dem NES kam es in die ganze Welt. Seitdem hat praktisch jeder Controller ein Steuerkreuz. 2008 erhielt Nintendo dafür einen Technology & Engineering Emmy. Wie das Kreuz zum NES kam, liest du in Wie alles begann und im NES-Artikel.

Verkaufszahlen

Laut Wikipedia verkaufte Nintendo von 1980 bis 1991 insgesamt 43,4 Millionen Game & Watch. Davon gingen 12,87 Millionen in Japan über den Ladentisch und 30,53 Millionen im Rest der Welt. Das Game & Watch war im Ausland also deutlich erfolgreicher als in der Heimat. Laut Wikipedia hatte Nintendo 1981, vor allem dank des Game & Watch, seine Schulden bezahlt und rund 4 Milliarden Yen auf der Bank.

Zum Vergleich: Der Game Boy verkaufte sich später rund 119 Millionen Mal, zusammen mit dem Game Boy Color. Für ein Gerät mit nur einem Spiel sind 43,4 Millionen trotzdem gewaltig.

Deutschland und Europa

Eine Verkaufszahl für Deutschland haben wir nicht gefunden. Nintendo weist für das Game & Watch keine einzelnen Länder aus, nur Japan und "Übersee". Auch vom Vertrieb Bienengräber gibt es keine veröffentlichten Zahlen. Wir schätzen hier nichts.

Zahlen laut Wikipedia (englisch). Stand: gesamte Laufzeit 1980 bis 1991.

Top-Modelle: die meistverkauften Game & Watch

Eine offizielle Liste mit Verkaufszahlen pro Modell hat Nintendo nie veröffentlicht. Belegt ist eine einzelne Zahl: Donkey Kong (DK-52) wurde laut Wikipedia und Homecomputermuseum rund 8 Millionen Mal verkauft. Damit ist es das mit Abstand erfolgreichste Game & Watch. Für Japan allein nennt Games Asylum 1,2 Millionen Stück.

Die Wikipedia-Liste der Game & Watch-Spiele ordnet die übrigen Modelle nur in Größenklassen ein: unter 250.000, 250.000 bis 1 Million und über 1 Million. Die folgende Tabelle zeigt alle Modelle, die dort in der obersten Klasse stehen. Genaue Zahlen gibt es für sie nicht, deshalb ist die Reihenfolge chronologisch.

ModellSerieJapan-StartVerkauft
Donkey Kong (DK-52)Multi Screen3. Juni 1982rund 8 Millionen
Vermin (MT-03)Silver10. Juli 1980über 1 Million
Manhole (MH-06)Gold29. Januar 1981über 1 Million
Helmet (CN-07)Gold21. Februar 1981über 1 Million
Chef (FP-24)Wide Screen8. September 1981über 1 Million
Turtle Bridge (TL-28)Wide Screen1. Februar 1982über 1 Million
Fire Attack (ID-29)Wide Screen26. März 1982über 1 Million
Mario's Cement Factory (ML-102)New Wide Screen8. Juni 1983über 1 Million
Safebuster (JB-63)Multi Screen12. Januar 1988über 1 Million

Donkey Kong: Wikipedia (englisch) und Homecomputermuseum Helmond. Übrige Modelle: Größenklassen laut Wikipedia-Liste der Game & Watch-Spiele. Eine belastbare Top 10 mit exakten Zahlen existiert nicht, deshalb zeigen wir die neun belegten Modelle.

Für Käufer heißt das: Diese Modelle findest du heute am leichtesten. Wer günstig einsteigen will, fängt am besten hier an.

Teure Sammlerstücke

Die meisten Game & Watch sind bezahlbar, solange du auf Karton und Anleitung verzichtest. Ein paar Modelle kosten aber richtig Geld. Teuer sind vor allem späte Geräte mit kleiner Auflage, die aufwendigen Tisch- und Panorama-Geräte und Sondereditionen. Die folgende Tabelle zeigt Größenordnungen von PriceCharting.

ModellSerieWarum gesuchtGrößenordnung lose / komplett
Egg (EG-26)Wide ScreenFassung von Mickey Mouse mit Wolf statt Disney-Figur, seltenum 1.000 / um 2.300 Dollar
Super Mario Bros. (YM-901-S)Sondereditionlaut Wikipedia nur 10.000 Stück, das seltenste Modellum 750 / um 1.700 Dollar
Mario the Juggler (MB-108)New Wide Screenletztes Game & Watch von 1991um 950 / um 1.300 Dollar
Mickey Mouse (DC-95)PanoramaPanorama, Disney-Lizenzum 700 / um 1.300 Dollar
Donkey Kong Circus (MK-96)PanoramaPanorama, kleine Auflageum 700 / um 1.200 Dollar
Flagman (FL-02)Silverfrühes Silver-Modell, unter 250.000 Stückum 600 / um 1.650 Dollar
Climber (DR-802)Crystal Screendurchsichtiges Displayum 550 / um 1.050 Dollar
Super Mario Bros. (YM-801)Crystal Screendurchsichtiges Display, Marioum 500 / um 1.250 Dollar
Zelda (ZL-65)Multi Screenspätes Multi Screen, Zelda-Lizenzum 280 / um 700 Dollar
Lion (LN-08)Goldseltenstes der drei Gold-Modelleum 170 / um 280 Dollar

Dollarwerte: PriceCharting, Kategorie Game & Watch, abgerufen Anfang Oktober 2026, gerundet. "Lose" heißt nur das Gerät, "komplett" mit Karton und Anleitung. Bei seltenen Modellen gibt es nur wenige Verkäufe, die Werte schwanken dann stark. Auflagen und Serien laut Wikipedia.

Auffällig ist, wie stark Karton und Anleitung den Preis treiben. Ein Gerät in originaler Verpackung, kurz OVP, kostet oft das Doppelte oder mehr. Das macht Kartons leider auch für Fälscher interessant. Woran du nachgemachte Kartons erkennst, steht in der Kaufberatung.

Die Werte oben sind nur ein Anhaltspunkt. Was ein Modell in Deutschland gerade wirklich bringt, siehst du bei eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel". Beim Game & Watch spielt PAL oder NTSC keine Rolle, weil kein Fernseher im Spiel ist. Wichtig ist aber die Herkunft: Japanische Geräte, Mego-Versionen und westliche Fassungen werden unterschiedlich gehandelt. Wie du auf dem Flohmarkt echte Schnäppchen findest, steht im Flohmarkt-Check.

Ende und Game Boy

Mitte der 80er verlor das Game & Watch an Bedeutung. Nintendo hatte mit dem Famicom und dem NES ein neues Kerngeschäft. Neue Game & Watch-Modelle kamen seltener, und die meisten späten Geräte verkauften sich laut Wikipedia-Liste unter 250.000 Mal. Am 10. Juni 1987 bat Yamauchi um einen Nachfolger für das Game & Watch. Daraus wurde der Game Boy mit Wechselmodulen, der 1989 in Japan erschien.

Das Game & Watch lief trotzdem noch ein paar Jahre weiter. Das letzte Modell war Mario the Juggler (MB-108), erschienen am 14. Oktober 1991. Das Spiel ist eine Verbeugung vor dem ersten Gerät: Mario jongliert Bälle, genau wie die Figur in Ball elf Jahre zuvor. Produziert wurden Game & Watch laut deutscher Wikipedia noch bis Mitte der 90er.

Was bleibt

Das Game & Watch war Nintendos erster weltweiter Erfolg mit elektronischen Spielen. Es brachte Geld, das Steuerkreuz und eine Designsprache, die bis heute wirkt. Der Game Boy übernahm Yokois Idee von günstiger, robuster Technik. Der Nintendo DS übernahm die zwei Bildschirme der Multi-Screen-Geräte. Und Mr. Game & Watch, die schwarze Figur aus den Segmenten, kämpft seit 2001 in der Super-Smash-Bros.-Reihe mit.

Gunpei Yokoi verließ Nintendo 1996 und starb am 4. Oktober 1997 bei einem Verkehrsunfall. Seine ganze Geschichte steht im Game-Boy-Artikel. Warum wir Geräte wie diese lieber im Regal haben als nur digital, erklärt unser Artikel "Die Disc stirbt. Wir heben sie auf."

Neuauflagen

Nintendo hat das Game & Watch nie ganz vergessen. Hier die wichtigsten Neuauflagen in Kurzform.

  • Game & Watch Gallery: Ab 1995 erschienen Sammlungen für Game Boy, Game Boy Color und Game Boy Advance, mit den Originalen und modernisierten Mario-Fassungen.
  • Nintendo Mini Classics: Ab 1998 kleine LCD-Spiele mit Schlüsselanhänger, von Nintendo lizenziert. In Europa vertrieb sie vor allem die Firma Stadlbauer. Sie sind keine Originale, aber ein günstiger Einstieg.
  • Ball (Club Nintendo): 2010 gab es zum 30. Jubiläum einen Nachbau von Ball für Mitglieder des Club Nintendo, mit Stummschalter.
  • Game & Watch: Super Mario Bros.: Am 13. November 2020 erschien ein neues Gerät zum 35. Geburtstag von Super Mario. Es hat ein farbiges, beleuchtetes Display, einen Akku mit USB-C und enthält Super Mario Bros., The Lost Levels und eine Mario-Fassung von Ball. In den USA kostete es 49,99 Dollar.
  • Game & Watch: The Legend of Zelda: Am 12. November 2021 folgte die Zelda-Fassung mit The Legend of Zelda, Zelda II, Link's Awakening und einer Link-Version von Vermin, ebenfalls für 49,99 Dollar.

Die beiden neuen Geräte haben mit der alten Technik nur Namen und Form gemeinsam. Sie spielen echte NES- und Game-Boy-Spiele und keine LCD-Segmente. Für Sammler der Originale sind sie eine nette Ergänzung.

Selbst eins kaufen?

Welches Modell sich für den Einstieg eignet, wie du ein ausgeblichenes Display erkennst, welche Knopfzelle wirklich passt und woran du nachgemachte Kartons erkennst, steht in unserer Kaufberatung zum Game & Watch.

Häufige Fragen zum Game & Watch

Wann erschien das erste Game & Watch?

Am 28. April 1980 in Japan. Das Spiel hieß Ball und kostete 5.800 Yen.

Wie oft wurde das Game & Watch verkauft?

Laut Wikipedia 43,4 Millionen Mal von 1980 bis 1991, davon 12,87 Millionen in Japan. Eine Zahl für Deutschland gibt es nicht.

Welches Game & Watch war am erfolgreichsten?

Donkey Kong aus der Multi-Screen-Serie von 1982 mit rund 8 Millionen Geräten. Eine offizielle Nintendo-Liste pro Modell gibt es aber nicht.

Wer hat das Steuerkreuz erfunden?

Nintendo, für das Game & Watch Donkey Kong von 1982. Es gilt als Werk von Gunpei Yokois Abteilung. 2008 gab es dafür einen Technik-Emmy.

Wie viele Game & Watch-Spiele gibt es?

60 verschiedene Spiele, verteilt auf elf Gehäuseformen. Rechnet man Varianten wie die Mego-Fassungen oder Neuauflagen dazu, kommt man auf mehr Modelle.

Was ist das teuerste Game & Watch?

Laut PriceCharting gehören Egg, die Super-Mario-Sonderedition YM-901-S und Mario the Juggler zu den teuersten. Komplett mit Karton können sie über 1.000 Dollar kosten. Aktuelle Preise zeigt der eBay-Filter "Verkaufte Artikel".

Quellen