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Geschichte · Nintendo Wii

Nintendo Wii: Die Konsole, die das ganze Wohnzimmer zum Spielen brachte

Mitte der 2000er lag Nintendo mit dem GameCube abgeschlagen hinter Sony und Microsoft. Dann kam eine kleine weiße Konsole mit einem Controller wie eine TV-Fernbedienung, und plötzlich kegelten Eltern und Großeltern vor dem Fernseher. Hier steht, wie die Wii entstand, was drinsteckt, welche Modelle es gibt und welche Spiele Sammler heute suchen.

Stand 30.09.2026 · ca. 17 Min. Lesezeit
08.12.2006Start der Wii in Europa und Deutschland
101,63 Mio.verkaufte Wii weltweit (Stand 31.03.2016)
1.200+Wii-Spiele auf Disc (laut Nintendo, Stand Februar 2013)
2006 · Nintendo · 7. GenerationNintendo Wii
Foto Nintendo Wii: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Steckbrief

CodenameRevolution (daher das Kürzel RVL in allen Modellnummern)
Nordamerika19. November 2006, 249,99 US-Dollar
Japan2. Dezember 2006, 25.000 Yen
Europa und Deutschland8. Dezember 2006, 249 Euro mit Wii Remote, Nunchuk und Wii Sports
ProzessorIBM "Broadway", PowerPC, 729 MHz
GrafikATI "Hollywood", 243 MHz
Arbeitsspeicher88 MB (24 MB 1T-SRAM und 64 MB GDDR3)
Interner Speicher512 MB Flash, dazu SD- und SDHC-Karten
Beste Bildausgabe480p über Komponentenkabel, kein HDMI
Verkauft weltweit101,63 Millionen (Stand 31.03.2016)
Ende in EuropaOktober 2013 (Wii mini lief weiter)
NachfolgerWii U, in Europa ab 30. November 2012

Project Revolution: Nintendo in der Klemme

Um die Wii zu verstehen, musst du beim GameCube anfangen. Nintendos Würfel verkaufte sich weltweit 21,74 Millionen Mal. Das war weit weniger als bei der PlayStation 2, und auch Microsofts Xbox war ein ernsthafter Konkurrent geworden. Im Wettrennen um die stärkste Technik hatte Nintendo schlechte Karten.

Im Mai 2002 übernahm Satoru Iwata den Chefposten von Hiroshi Yamauchi. Der frühere Programmierer wollte das Rennen um Rechenleistung gar nicht erst mitlaufen. Seine Frage war eine andere: Wie bekommt man Menschen zum Spielen, die bisher nie einen Controller angefasst haben?

Die Arbeit an der neuen Konsole begann schon kurz nach dem Start des GameCube. 2001 tat sich Nintendo mit der US-Firma Gyration zusammen, die Patente auf Bewegungssensoren hielt. Gyration hatte ihre Technik vorher Sony und Microsoft angeboten, beide hatten abgelehnt. 2003 gab Iwata dem Hardware-Chef Genyo Takeda eine klare Ansage: Er solle den üblichen Technik-Fahrplan verlassen. Die neue Konsole sollte klein, leise und sparsam sein und auch Menschen ansprechen, die mit Spielen nichts am Hut hatten. Ausdrücklich gehörten Mütter zur Zielgruppe.

Shigeru Miyamoto, der Erfinder von Mario und Zelda, dachte noch radikaler. "Ursprünglich wollte ich eine Maschine, die 100 Dollar kostet", sagte er später. Alles Geld sollte in die Bedienung und die Software fließen, nichts in teure Technik.

Der Einfluss des Nintendo DS

Ende 2004 kam der Nintendo DS auf den Markt, ein Handheld mit Touchscreen. Er erreichte genau die Leute, die Nintendo mit der neuen Heimkonsole wollte. Designer Ken'ichiro Ashida erinnerte sich, dass das Team den DS ständig im Kopf hatte. Es gab sogar einen Prototyp mit Touch-Bedienung, den Nintendo aber verwarf, um den DS nicht zu kopieren. Miyamoto meinte später: Wäre der DS gefloppt, hätte man die Wii womöglich noch einmal ganz neu geplant.

Vom Codenamen zur Wii

Auf der Spielemesse E3 2004 nannte Iwata erstmals den Codenamen Revolution. Ein Jahr später zeigte Nintendo auf der E3 2005 die Konsole selbst, hielt den Controller aber geheim. Den präsentierte Iwata erst im September 2005 auf der Tokyo Game Show. Am 27. April 2006 folgte der endgültige Name: Wii. Er klingt wie das englische "we", also "wir". Die beiden kleinen i sollen zwei Menschen darstellen, die nebeneinander stehen.

Im Netz kursierten schnell Witze über den Namen. Nintendo-Amerika-Chef Reggie Fils-Aimé verteidigte ihn: kurz, unverwechselbar und in jeder Sprache leicht auszusprechen.

Blauer Ozean statt Wettrüsten

Die Wii gilt heute als Paradebeispiel für eine "Blue Ocean"-Strategie. Der Begriff stammt aus einem Managementbuch von W. Chan Kim und Renée Mauborgne. Ein "roter Ozean" ist ein umkämpfter Markt, in dem sich alle um dieselben Kunden streiten. Ein "blauer Ozean" ist ein neuer Markt, auf dem noch niemand fischt.

Übertragen auf Konsolen heißt das: Sony und Microsoft kämpften mit PS3 und Xbox 360 um die gleichen Spieler, mit HD-Grafik und immer mehr Rechenleistung. Nintendo suchte sich neue Kunden. Iwata sprach offen von einer solchen Strategie. Die Wii sollte Familien und Gelegenheitsspieler erreichen, dazu Menschen, die bis dahin gar keine Konsole besaßen.

Der Plan hatte einen schönen Nebeneffekt. Weil die Technik günstig war, verdiente Nintendo an jeder verkauften Konsole Geld. Ein Analyst schätzte den Gewinn pro Gerät im Jahr 2007 auf 13 Dollar in Japan, 49 Dollar in den USA und 74 Dollar in Europa.

Später erschien allerdings auch eine Fallstudie mit dem Titel "The Blue Ocean that disappeared", auf Deutsch "Der blaue Ozean, der verschwand". Sicher ist: Der Nachfolger Wii U konnte an den Erfolg nicht anknüpfen. Mehr dazu, welchen Platz Spiele wie Wii Sports in unserer Kultur einnehmen, liest du im Artikel Videospiele als Kultur.

Wii Remote, Nunchuk und die Sensorleiste

Das Herz der Wii ist die Wii Remote, von Fans meist Wiimote genannt. Sie sieht aus wie eine Fernbedienung und liegt in einer Hand. Miyamoto ließ sich für die Form von Handys und von Bedienteilen für Autonavis inspirieren. Einer der frühen Prototypen hieß "Gyropod": ein klassisches Gamepad, dessen rechte Hälfte man abnehmen und frei bewegen konnte. Die Idee, den Controller zu teilen, steckt später im Paar aus Wii Remote und Nunchuk.

So erkennt die Wii deine Bewegungen

  • Beschleunigungssensor: Ein kleiner Chip misst, wie schnell und in welche Richtung du die Remote bewegst, und zwar in drei Achsen. Damit schwingst du den Tennisschläger oder wirfst die Bowlingkugel.
  • Infrarotkamera: Vorne in der Remote sitzt eine kleine Kamera, die Infrarotlicht sieht. Damit zeigst du auf den Bildschirm wie mit einem Laserpointer.
  • Bluetooth: Die Remote funkt kabellos zur Konsole. Bis zu vier Remotes funktionieren gleichzeitig, auf bis zu zehn Meter Entfernung.
  • Extras: Ein eingebauter Lautsprecher, Vibration und zwei AA-Batterien als Stromquelle.

Die Sensorleiste wird oft missverstanden. Sie ist rund 24 Zentimeter lang und enthält zehn Infrarot-Leuchtdioden, fünf an jedem Ende. Sie sendet keine Daten und empfängt auch keine. Sie leuchtet einfach nur, für das Auge unsichtbar. Die Kamera in der Remote sieht die beiden Lichtpunkte und berechnet daraus, wohin du zeigst.

In den Anschluss unten an der Remote steckst du den Nunchuk. Er hat einen Analogstick, zwei Tasten namens C und Z und einen eigenen Bewegungssensor. Für ältere Spiele aus der Virtual Console gab es zusätzlich den Classic Controller, der an ein Super-Nintendo-Pad erinnert.

Gerissene Schlaufen und Silikonhüllen

Direkt nach dem Start gab es Ärger. Manche Spieler holten bei Wii Sports so kräftig aus, dass die Handschlaufe riss und die Remote durchs Zimmer flog. Im Dezember 2006 tauschte Nintendo die Schlaufen kostenlos gegen eine dickere Version aus. Ab Oktober 2007 lag jeder neuen Remote außerdem eine Silikonhülle bei, das Wii Remote Jacket.

MotionPlus und Balance Board

Im Juni 2009 kam in Europa Wii MotionPlus heraus. Der kleine Aufsatz enthält einen Gyrosensor. Der misst Drehungen und macht die Steuerung deutlich genauer. Ab November 2010 gab es die Wii Remote Plus, in der MotionPlus schon eingebaut ist. Das Balance Board erschien in Europa im April 2008 zusammen mit Wii Fit. Es funktioniert ähnlich wie eine Personenwaage und misst, wie du dein Gewicht verlagerst.

Wii Remote mit NunchukFoto: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Der Start 2006: Lange Schlangen und leere Regale

Die Wii kam zuerst in Nordamerika in den Handel, am 19. November 2006 für 249,99 Dollar. Japan folgte am 2. Dezember, Australien am 7. Dezember. In Europa und damit auch in Deutschland ging es am 8. Dezember 2006 los. Die Konsole kostete hier 249 Euro. Im Karton lagen eine Wii Remote, ein Nunchuk und das Spiel Wii Sports. Neue Spiele sollten laut damaliger Ankündigung zwischen 49 und 59 Euro kosten.

In Japan lag Wii Sports nicht bei. In Amerika, Japan, Europa und Australien war die Wii der bis dahin größte Konsolenstart in Nintendos Geschichte. Bis Ende 2006 hatte Nintendo weltweit fast 3,2 Millionen Konsolen ausgeliefert. Für 2007 erhöhte die Firma die Produktion auf 17,5 Millionen Stück, trotzdem war die Wii das ganze Jahr über knapp.

Den Preis hielt Nintendo lange stabil. Erst im Herbst 2009 sank er in Deutschland auf rund 200 Euro, im Mai 2011 dann auf rund 150 Euro. Dazwischen kamen Sondermodelle in anderen Farben:

  • Schwarz: ab November 2009 in Europa.
  • Rot: ab 29. Oktober 2010 zum 25. Geburtstag von Super Mario Bros., mit vorinstalliertem Donkey Kong, New Super Mario Bros. Wii und Wii Sports.
  • Blau: ab 18. November 2011, im Paket mit Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen London 2012.

Wii Sports und Wii Fit: Spiele für alle

Wii Sports war der Grund, warum die Wii in so vielen Wohnzimmern stand. Das Spiel stammt von Nintendos interner Entwicklungsabteilung EAD, Produzent war Katsuya Eguchi. Es enthält fünf Sportarten: Tennis, Baseball, Bowling, Golf und Boxen. Profisportler und realistische Grafik fehlen bewusst, damit wirklich jeder mitspielen kann.

Wii Sports war auch das erste Spiel mit Miis. Das sind kleine Figuren, die du im Mii-Kanal der Wii selbst gestaltest. Deine Familie und deine Freunde tauchten plötzlich als Tennispartner oder im Publikum auf. Laut Nintendo kam Wii Sports auf 82,79 Millionen verkaufte Exemplare (Stand 30.09.2016), später genannte Zahlen liegen bei rund 82,9 Millionen. Mitgezählt sind die Exemplare, die der Konsole beilagen. Damit ist es das meistverkaufte Spiel, das es nur für eine einzige Konsole gibt.

Der zweite große Hit für neue Zielgruppen war Wii Fit. Es erschien in Europa am 25. April 2008 zusammen mit dem Balance Board. Yoga, Balance-Spiele und Muskeltraining im Wohnzimmer: Das sprach viele Menschen an, die sonst nie eine Konsole gekauft hätten. Wii Fit und Wii Fit Plus kamen zusammen auf 43,8 Millionen Exemplare (Stand März 2022).

Verkaufszahlen: Welt, Europa, Deutschland

Nintendo nennt für die Wii weltweit 101,63 Millionen verkaufte Konsolen. Diese Zahl steht seit dem Geschäftsjahr bis 31. März 2016 fest und wird auch im Juni 2026 noch so auf Nintendos Investorenseite geführt. Dazu kommen 921,85 Millionen verkaufte Spiele. Zum Vergleich: Der GameCube schaffte 21,74 Millionen, also nicht einmal ein Viertel.

Region laut NintendoVerkaufte Wii
Japan12,75 Millionen
Amerika (Nord- und Südamerika)48,64 Millionen
Übrige Welt (darunter Europa)40,23 Millionen
Gesamt101,63 Millionen

Stand 31.03.2016, Nintendo Investor Relations. Europa weist Nintendo nicht getrennt aus, es steckt in "übrige Welt" zusammen mit Australien und anderen Ländern.

Europa

Für Europa gibt es Zwischenstände aus Pressemitteilungen. Allein 2008 verkaufte Nintendo hier 8,3 Millionen Wii. Das war laut Nintendo der höchste Jahresabsatz, den eine Heimkonsole in Europa bis dahin erreicht hatte. Ende 2008 standen über 14,2 Millionen Wii in europäischen Haushalten. Bis zum 31. Dezember 2009 waren es mehr als 20 Millionen, nach nur drei Jahren. Eine offizielle Endzahl nur für Europa haben wir nicht gefunden.

Deutschland

Nintendo hat für Deutschland keine Gesamtzahl veröffentlicht, und auch beim Branchenverband game (früher BIU) haben wir keine belastbare Endzahl gefunden. Belegt ist ein früher Zwischenstand: heise berichtete 2007 unter Berufung auf die Marktforscher der GfK von 222.000 verkauften Wii in Deutschland. Das Statistikportal Statista führt eine Jahresreihe für 2006 bis 2015, die Zahlen und die Quelle sind aber nur für zahlende Kunden sichtbar. Wir schätzen deshalb nicht und nennen keine Gesamtzahl für Deutschland.

Technik: Ein aufgebohrter GameCube

Unter der Haube ist die Wii ein naher Verwandter des GameCube. Der Prozessor "Broadway" von IBM basiert auf demselben PowerPC-Aufbau wie der "Gekko" im GameCube. Er taktet aber mit 729 MHz statt 486 MHz und wird in einem feineren, sparsameren Verfahren gefertigt. Der Grafikchip "Hollywood" von ATI ist eine überarbeitete Version des GameCube-Chips "Flipper" und läuft mit 243 MHz. Im Hollywood steckt zusätzlich ein kleiner ARM-Prozessor namens Starlet. Er kümmert sich um die Ein- und Ausgaben der Konsole.

Der Arbeitsspeicher umfasst 88 MB. Für Spielstände, Kanäle und Downloads gibt es 512 MB Flash-Speicher. Dazu kommen ein SD-Kartenschacht, WLAN, Bluetooth für die Remotes und zwei USB-Anschlüsse.

Kein HD

Die größte Einschränkung ist die Bildausgabe. Die Wii schafft höchstens 480p, also 480 Bildzeilen, die in einem Durchgang gezeichnet werden. PS3 und Xbox 360 gaben 720p oder 1080p aus. An Röhrenfernsehern fiel das kaum auf, an heutigen großen Flachbildschirmen dagegen sehr. Wie du das Beste aus dem Bild holst, steht in der Kaufberatung.

Discs und GameCube-Spiele

Wii-Spiele kommen auf 12-Zentimeter-Discs. Eine Schicht fasst 4,7 GB, zwei Schichten fassen 8,54 GB. Das erste Spiel auf einer zweischichtigen Disc war Super Smash Bros. Brawl. DVD-Filme spielt die Wii nicht ab, Nintendo hat das bewusst weggelassen.

Das Ursprungsmodell spielt auch GameCube-Spiele. Unter zwei Klappen am Gehäuse sitzen vier Anschlüsse für GameCube-Controller und zwei Schächte für GameCube-Speicherkarten. Im GameCube-Modus verhält sich die Wii genau wie ein GameCube. Du brauchst dann einen GameCube-Controller und eine GameCube-Speicherkarte, die Wii Remote funktioniert nicht.

Modelle und Revisionen

Äußerlich hat Nintendo die Wii nur zweimal verändert. Beide Male ging es ums Sparen. Die Modellnummer beginnt immer mit RVL, dem Kürzel für Revolution.

ModellJahr (Europa)Was anders ist
RVL-001 (Original)2006Stehend oder liegend, mit Standfuß. GameCube-Anschlüsse und -Speicherkartenschächte, SD-Schacht, WLAN, Bildausgabe bis 480p. Weiß, ab 2009 auch schwarz, 2010 rot.
RVL-101 ("Wii Family Edition")November 2011Für liegenden Betrieb gebaut, kein Standfuß. Alle GameCube-Anschlüsse fehlen, GameCube-Discs laufen nicht mehr. Sonst gleiche Funktionen. Weiß, schwarz und blau.
RVL-201 (Wii mini)15. März 2013 (Deutschland)Kleiner Toplader, bei dem du den Deckel öffnest und die Disc einlegst. Kein WLAN und kein Internet, kein SD-Schacht, nur ein USB-Anschluss, keine GameCube-Unterstützung. Nur Composite-Bild in 480i. Mattschwarz mit rotem Rand.

Die Wii mini erschien zuerst im Dezember 2012 in Kanada und kam erst im November 2013 in die USA. In Deutschland lag der Preis zum Start bei rund 100 Euro, ComputerBase nannte 109,99 Euro im Onlinehandel.

Auch innen hat sich beim RVL-001 einiges getan. Nintendo hat die Hauptplatine mehrfach überarbeitet. Spätere Versionen verbrauchen weniger Strom und haben laut ConsoleMods ein etwas saubereres Bild. Von außen erkennst du das nicht. Die roten und schwarzen RVL-001 stammen alle aus der späten Produktion.

Spiele: Über 1.200 Titel und die Top 10

Wie viele Wii-Spiele es genau gibt, hängt davon ab, wie man zählt. Nintendo sprach im Februar 2013 von "über 1.200 bisher auf Datenträgern erschienenen Wii-Titeln". Die englische Wikipedia listet 1.612 Einträge. Dort sind alle Regionen zusammengefasst, also auch Spiele, die nur in Japan oder nur in den USA erschienen. Nicht mitgezählt sind die Download-Spiele aus WiiWare und der Virtual Console, die es nur im Wii Shop gab.

Die Wii war eine Konsole der Millionenseller. Bis zum 31. März 2019 haben laut Wikipedia 103 Wii-Spiele mindestens eine Million Exemplare verkauft. Die Spitze gehört klar Nintendo:

PlatzSpielErstveröffentlichungVerkauft weltweit
1Wii Sports200682,79 Mio.
2Mario Kart Wii200836,83 Mio.
3Wii Sports Resort200932,99 Mio.
4New Super Mario Bros. Wii200929,90 Mio.
5Wii Play200628,02 Mio.
6Wii Fit200722,67 Mio.
7Wii Fit Plus200921,12 Mio.
8Super Smash Bros. Brawl200813,15 Mio.
9Super Mario Galaxy200712,72 Mio.
10Wii Party20109,24 Mio.

Quelle: Nintendo Investor Relations, Top Selling Title Sales Units Wii, Stand 30.09.2016. Die Zahlen enthalten Exemplare, die der Konsole beilagen. Spätere Angaben liegen teils etwas höher, etwa 82,90 Mio. für Wii Sports und 37,38 Mio. für Mario Kart Wii (laut Wikipedia-Liste). Nintendo zählt hier nur eigene Spiele. Das erfolgreichste Spiel eines anderen Herstellers war laut Guinness World Records Gamer's Edition 2015 Just Dance 3 von Ubisoft mit 9,92 Mio. (Stand 2014) und läge damit knapp vor Wii Party.

Auffällig ist, wie viele Spiele der Liste Zubehör oder Beilagen waren. Wii Play lag eine zusätzliche Wii Remote bei, Wii Fit das Balance Board, Wii Sports Resort der MotionPlus-Aufsatz. Viele Käufer holten sich das Spiel also auch wegen der Hardware.

Teure Sammlerstücke

Die meisten Wii-Spiele sind heute günstig. Bei über 900 Millionen verkauften Discs ist das kein Wunder. Einige Titel sind aber gesucht. Meist sind es späte Rollenspiele, Limited Editions mit Beilagen oder Spiele, die es in manchen Regionen nie gab. Die folgende Auswahl beschränkt sich auf Spiele großer, etablierter Firmen aus der Wii-Zeit.

Spiel (PAL)PublisherEuropaWarum gesuchtGrößenordnung komplett
Fire Emblem: Radiant DawnNintendo2008Strategie-Rollenspiel einer beliebten Serie, Nachfolger von Path of Radiance (GameCube)grob 80 bis 90 US-Dollar
A Shadow's TaleHudson Soft2010Jump 'n' Run mit ungewöhnlicher Idee: Du steuerst den Schatten eines Jungengrob 90 US-Dollar
The Last Story (Limited Edition)Nintendo2012Rollenspiel von Final-Fantasy-Erfinder Hironobu Sakaguchi, die Limited Edition mit Artbook und Soundtrack-CDgrob 120 US-Dollar (normale Fassung etwa die Hälfte)
Pandora's Tower (Limited Edition)Nintendo2012Spätes Wii-Rollenspiel, die Limited Edition mit Steelbook und Artbookgrob 100 US-Dollar (normale Fassung etwa 70)
Xenoblade Chronicles (Limited Edition)Nintendo2011Mit rotem Classic Controller Pro im Paketgrob 75 US-Dollar
Project Zero 2: Wii EditionNintendo (Entwicklung Tecmo Koei)2012Horrorspiel, nie in Nordamerika erschienengrob 70 bis 75 US-Dollar
Metroid Prime TrilogyNintendo2009Alle drei Prime-Teile auf einer Disc, im Steelbookgrob 70 US-Dollar
Silent Hill: Shattered MemoriesKonami2010Neu erzählter Serienauftakt mit Wii-Remote-Taschenlampegrob 75 bis 80 US-Dollar

Größenordnungen laut PriceCharting (Bereich PAL Wii, Preise in US-Dollar für "komplett", also Disc, Hülle und Anleitung), abgerufen am 30.09.2026. Solche Werte schwanken stark und sagen wenig über den deutschen Markt. Was Spiele hier wirklich bringen, siehst du bei eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel".

PAL oder NTSC: Warum die Region den Preis macht

Bei der Wii sind PAL-Fassungen manchmal leichter zu bekommen als amerikanische. Xenoblade Chronicles, The Last Story und Pandora's Tower erschienen in Europa früher als in Nordamerika. Die Fan-Kampagne "Operation Rainfall" setzte sich damals dafür ein, dass die drei Spiele überhaupt nach Amerika kommen. Bei Metroid Prime Trilogy stellte Nintendo of America die Produktion schon im Januar 2010 ein, in Europa blieb das Spiel länger im Handel. Project Zero 2: Wii Edition gibt es dagegen nur in Japan und den PAL-Regionen.

Vergleich deshalb immer Preise für die PAL-Fassung, und achte bei Limited Editions auf Vollständigkeit: Steelbook, Artbook, Soundtrack-CD oder der rote Controller machen den Unterschied zur normalen Fassung aus.

Online-Dienste: Wie die Lichter ausgingen

Die Wii war Nintendos erste Heimkonsole mit eingebautem WLAN. Im Wii Shop gab es WiiWare-Spiele und Klassiker für die Virtual Console. Über WiiConnect24 luden Kanäle wie Wetter und Nachrichten im Hintergrund neue Daten, über die Nintendo Wi-Fi Connection spielte man online.

  • Juni 2013: WiiConnect24 wird abgeschaltet, Wetter- und Nachrichtenkanal verstummen.
  • Mai 2014: Ende der Nintendo Wi-Fi Connection, die offiziellen Online-Modi der Spiele sind damit weg.
  • 26. März 2018: Wii Points lassen sich nicht mehr kaufen.
  • 30. Januar 2019: Der Wii Shop schließt.

Bereits gekaufte Spiele ließen sich danach noch erneut herunterladen. Nintendo hat aber angekündigt, dass auch das irgendwann endet. Verlassen kannst du dich darauf nicht. Alles, was es nur als Download gab, ist für neue Käufer verloren. Genau deshalb heben wir Discs auf, mehr dazu in "Die Disc stirbt. Wir heben sie auf."

Ende, Nachfolger und Vermächtnis

Der Nachfolger Wii U erschien in Europa am 30. November 2012, als die Wii noch in den Läden stand. Sie spielt Wii-Discs in einem eigenen Wii-Modus ab und versteht Wii Remote, Nunchuk, Classic Controller und Balance Board. GameCube-Spiele laufen darauf nicht mehr. Der Erfolg blieb aus: Die Wii U verkaufte sich nur 13,56 Millionen Mal.

Im Oktober 2013 stellte Nintendo die Produktion der Wii für Japan ein. Kurz darauf bestätigte Nintendo, dass auch Europa keinen Nachschub mehr bekommt. Nur die Wii mini wurde noch eine Weile weiter hergestellt.

Was von der Wii bleibt

  • Bewegungssteuerung für alle: Sony und Microsoft zogen 2010 mit PlayStation Move und Kinect nach. Die Joy-Con der Switch haben wieder Bewegungssensoren, der rechte sogar eine Infrarotkamera.
  • Miis: Die kleinen Figuren leben auf 3DS, Wii U und Switch weiter.
  • Spielen als Familiensache: Die Wii hat gezeigt, dass Konsolen auch Eltern und Großeltern erreichen können.

Für Sammler ist die Wii dankbar: Geräte und die meisten Spiele gibt es in riesiger Zahl. Wer früher mit dem NES angefangen hat, findet hier die gleiche Nintendo-Idee wieder: einfache Bedienung, Spiele für jedes Alter.

Kaufberatung

Du willst dir eine Wii holen? Welches Modell sich lohnt, wie du sie am modernen Fernseher anschließt und worauf du beim Gebrauchtkauf achten musst, steht in der Kaufberatung zur Nintendo Wii.

Häufige Fragen zur Wii

Wann kam die Wii nach Deutschland, und was hat sie gekostet?

Am 8. Dezember 2006, für 249 Euro. Im Paket waren eine Wii Remote, ein Nunchuk und Wii Sports.

Was bedeutet der Name Wii?

Er klingt wie das englische "we", also "wir". Die beiden i stehen für zwei Menschen, die nebeneinander spielen. Vor der Namensgebung im April 2006 hieß das Projekt Revolution.

Kann die Wii GameCube-Spiele abspielen?

Nur das Ursprungsmodell RVL-001. Du brauchst dafür einen GameCube-Controller und eine GameCube-Speicherkarte. Die Wii Family Edition, die Wii mini und die Wii U können das nicht.

Ist die Wii eine HD-Konsole?

Nein. Mehr als 480p gibt die Wii nicht aus, und das nur mit Komponentenkabel. Einen HDMI-Anschluss hat sie nicht.

Kann ich im Wii Shop noch Spiele kaufen?

Nein. Der Wii Shop ist seit dem 30. Januar 2019 geschlossen. Spiele gibt es heute nur noch gebraucht auf Disc.

Quellen