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Geschichte · Microsoft Xbox 360

Xbox 360: Erster Start der HD-Ära, roter Ring und Kinect-Rekord

Microsoft kam als Neuling mit der ersten Xbox und verlor Milliarden. Beim zweiten Anlauf war Microsoft ein Jahr schneller als Sony und Nintendo, erlebte mit dem Red Ring of Death eine der teuersten Pannen der Konsolengeschichte und verkaufte am Ende trotzdem rund 84 Millionen Geräte. Hier steht, wie die Xbox 360 das geschafft hat.

Stand 30.09.2026 · ca. 17 Min. Lesezeit
02.12.2005Start der Xbox 360 in Deutschland und Europa
84 Mio.verkaufte Xbox 360 weltweit (Stand Juni 2014)
2.155Xbox-360-Spiele laut Wikipedia-Liste, Download-Titel eingeschlossen
2005 · Microsoft · 7. GenerationXbox 360
Foto Xbox 360: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Steckbrief

HerstellerMicrosoft
Generation7. Konsolengeneration, Konkurrenz: PlayStation 3 und Nintendo Wii
Nordamerika22. November 2005, 299,99 Dollar (Core) und 399,99 Dollar (Premium)
Europa und Deutschland2. Dezember 2005, 299,99 Euro (Core) und 399,99 Euro (Premium mit 20-GB-Festplatte)
Japan10. Dezember 2005
ProzessorXenon von IBM, drei Kerne mit je 3,2 GHz
GrafikXenos von ATI, 500 MHz, mit 10 MB schnellem Zusatzspeicher (eDRAM)
LaufwerkDVD, 12-fach
Verkauft weltweit84 Millionen (Stand 9. Juni 2014, letzte Angabe von Microsoft)
Verkauft in Deutschlandkeine offizielle Zahl gefunden
Spiele2.155 laut Wikipedia-Liste, mit Download- und Arcade-Titeln
Produktionsende20. April 2016
NachfolgerXbox One, ab 22. November 2013

Die Vorgeschichte: Die erste Xbox

Die Xbox 360 ist Microsofts zweite Konsole. Die erste Xbox entstand Ende der 90er aus einer Idee von vier Ingenieuren aus dem DirectX-Team: Seamus Blackley, Kevin Bachus, Otto Berkes und Ted Hase. DirectX ist die Schnittstelle, über die Windows-Spiele mit der Grafikkarte reden. Die vier wollten Sony nicht das Wohnzimmer überlassen und bauten im Kern einen PC in Konsolenform.

Die Xbox kam am 15. November 2001 in Nordamerika auf den Markt, am 14. März 2002 in Europa. Das Zugpferd war Halo: Combat Evolved. Im November 2002 startete Xbox Live, Microsofts Online-Dienst für Konsolen. Insgesamt verkaufte Microsoft 24 Millionen Xbox, davon 16 Millionen in Nordamerika. In Japan kam die Konsole auf nur rund 475.000 Geräte.

Wirtschaftlich war die Xbox ein Desaster. Microsoft verlor zum Start laut Wikipedia rund 125 Dollar an jedem verkauften Gerät und über die ganze Laufzeit etwa 4 Milliarden Dollar. Teure Fremdbauteile wie der Grafikchip von Nvidia ließen sich kaum günstiger einkaufen. Für den Nachfolger wollte Microsoft deshalb vor allem eines: die Chips selbst in der Hand haben.

Projekt Xenon: Ein Jahr vor Sony

Die Arbeit an der neuen Konsole begann Anfang 2003 unter dem Codenamen Xenon. Im Februar 2003 übernahm Microsoft-Manager J Allard die Planung der Software-Plattform. Im selben Jahr wechselte Peter Moore, vorher Chef von Sega of America, zu Microsoft. Er wurde später zum bekanntesten Gesicht der Xbox 360. Die Gesamtverantwortung für den Unterhaltungsbereich trug Robbie Bach.

Bei den Chips ging Microsoft neue Wege. Am 12. August 2003 unterschrieb ATI für den Grafikchip, den Prozessor lieferte IBM. Beide Chips wurden über die Jahre immer weiter verkleinert. Das machte die Konsole sparsamer, kühler und günstiger in der Herstellung.

Der Plan war klar: Microsoft wollte zuerst auf dem Markt sein. Das gelang. Die Xbox 360 erschien ein Jahr vor PS3 und Wii. Die Kehrseite dieser Eile sollte sich bald zeigen.

Enthüllung im Musikfernsehen

Vorgestellt wurde die Konsole am 12. Mai 2005, ungewöhnlicherweise in einer eigenen Sendung auf MTV mit dem Titel "Xbox: The Next Generation Revealed". Microsoft wollte damit ein junges Publikum jenseits der Fachpresse erreichen. Die Details folgten kurz danach auf der Spielemesse E3. Am 17. August 2005 nannte Microsoft die Preise für Europa und Nordamerika.

Der Start im Winter 2005

Am 22. November 2005 kam die Xbox 360 in Nordamerika in die Läden, am 2. Dezember 2005 folgte Europa, am 10. Dezember Japan. Microsoft nannte den fast gleichzeitigen Start in drei Regionen eine Premiere in der Branche.

Es gab zwei Varianten:

  • Core System für 299,99 Euro: Konsole, kabelgebundener Controller, einfaches AV-Kabel. Keine Festplatte.
  • Premium für 399,99 Euro: mit abnehmbarer 20-GB-Festplatte, kabellosem Controller, Komponentenkabel für HD-Bild, Headset und Fernbedienung.

Die Nachfrage war größer als das Angebot. Laut GameSpot waren die Konsolen in Europa am ersten Tag vielerorts ausverkauft. In Großbritannien wurde die Xbox 360 laut den Marktforschern von Chart Track zur am schnellsten verkauften Heimkonsole bis dahin. Bis Ende 2005 setzte Microsoft weltweit rund 1,5 Millionen Geräte ab: 900.000 in Nordamerika, 500.000 in Europa und 100.000 in Japan. Zum Start in Europa erschienen je nach Quelle 13 oder 15 Spiele, darunter Call of Duty 2.

Japan blieb ein schwieriger Markt. Erst im März 2009 meldete Microsoft dort eine Million verkaufte Konsolen, am Ende waren es laut Wikipedia rund 1,62 Millionen. Zum Vergleich: In den USA standen am Schluss 42,7 Millionen Geräte.

Weiße Xbox 360 mit ControllerFoto: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Der Red Ring of Death

Kein Begriff ist so eng mit der Xbox 360 verbunden wie der Red Ring of Death, kurz RROD. Um den Einschaltknopf sitzt ein Ring aus vier Lichtern. Leuchten drei Viertel davon rot, meldet die Konsole einen allgemeinen Hardwarefehler. Danach ging bei vielen Geräten gar nichts mehr.

Wie viele Konsolen ausfielen, hat Microsoft nie offiziell gesagt. Die Schätzungen gehen weit auseinander. Der Garantieversicherer SquareTrade kam 2009 auf 23,7 Prozent, eine Leserumfrage des Magazins Game Informer auf 54,2 Prozent. Laut Wikipedia war schon in der frühen Produktion ein großer Teil der Geräte bei Werkstests durchgefallen.

Eine Milliarde Dollar für drei Jahre Garantie

Am 5. Juli 2007 zog Microsoft die Notbremse. Peter Moore kündigte in einem offenen Brief an, die Garantie für den roten Ring weltweit auf drei Jahre ab Kaufdatum zu verlängern. Robbie Bach sagte dazu, die Zahl der Reparaturen sei "inakzeptabel" gewesen. Microsoft buchte dafür eine Belastung von 1,05 bis 1,15 Milliarden Dollar. 2009 dehnte Microsoft die drei Jahre auch auf den Fehlercode E74 aus, ein anderes Bild von Ausfällen, das oft dieselbe Ursache hatte.

Die Ursache

Lange galt bleifreies Lot als Schuldiger, also das Material, das Chips mit der Platine verbindet. So sah es auch Peter Moore. Laut Wikipedia kam die eigentliche Ursache erst 2021 in einer Dokumentation von Microsoft ans Licht: Winzige Lötpunkte im Inneren des Grafikchips rissen durch das ständige Aufheizen und Abkühlen. Das Füllmaterial um diese Lötpunkte wurde bei normalen Betriebstemperaturen zu weich.

Microsoft besserte über die Jahre nach, mit zusätzlichen Kühlkörpern, Klebepunkten an den Chips und neuen Chip-Generationen. Laut Wikipedia waren ab Mitte 2008 gebaute Falcon-Konsolen und die folgende Jasper-Platine mit verbesserten Grafikchips ausgestattet. Die Xbox 360 S von 2010 hatte deutlich weniger Ausfälle und bekam die erweiterte Garantie deshalb nicht mehr. Was das heute für deinen Kauf heißt, steht in der Kaufberatung.

Kurios

Ein zweites, kleineres Problem betraf alle Modelle: Wer die Konsole bewegte, während eine Disc lief, konnte die Scheibe zerkratzen. Laut Wikipedia wussten Microsoft-Ingenieure schon im Herbst 2005 davon und verzichteten aus Kostengründen auf kleine Puffer im Laufwerk, die etwa 50 Cent gekostet hätten.

Modelle und Revisionen

Bei der Xbox 360 musst du zwei Dinge auseinanderhalten: die Modelle, die im Laden standen, und die Platinen-Revisionen im Inneren. Ein Modell wie die Elite gab es mit mehreren Revisionen. Sammler nennen die erste Bauform "Fat", die zweite "Slim" oder S.

Die Modelle

ModellStart EuropaWas anders ist
CoreDezember 2005weiß, ohne Festplatte, kabelgebundener Controller, 299,99 Euro
Premium (später Pro)Dezember 2005weiß, 20-GB-Festplatte, ab 2008 60 GB
Elite24. August 2007schwarz, 120-GB-Festplatte, HDMI, 449,99 Euro
Arcade26. Oktober 2007ersetzt Core, HDMI, 256-MB-Speicherkarte, kabelloser Controller, fünf Download-Spiele, 279 Euro
Xbox 360 S (Slim)16. Juli 2010rund 30 Prozent kleiner, leiser, WLAN eingebaut, Kinect-Anschluss, 250 GB oder 4 GB
Xbox 360 E2013 (USA ab 10. Juni 2013)zweifarbiges Gehäuse im Stil der Xbox One, ein USB-Anschluss weniger als die S

Daten nach Wikipedia, Gameswelt und Game Developer. Die Euro-Preise sind Startpreise in Deutschland. Am 24. August 2007 senkte Microsoft zudem die Preise für Premium auf 349,99 und Core auf 279,99 Euro.

Die Platinen-Revisionen

CodenameAbNetzteilWas anders ist
XenonNovember 2005203 WattUr-Version, kein HDMI, höchstes RROD-Risiko
ZephyrApril 2007203 WattHDMI kommt dazu, erste Elite
FalconSeptember 2007175 WattProzessor im 65-nm-Verfahren, sparsamer und kühler
JasperNovember 2008150 Wattauch der Grafikchip in 65 nm, letzte und robusteste Fat
TrinityJuni 2010135 WattXbox 360 S, Prozessor und Grafik auf einem Chip in 45 nm
CoronaJuni 2011135 Wattspätere S und erste E, weitere Bauteile zusammengelegt
WinchesterAugust 2014kleinerspäte E, noch sparsamer

Nach Wikipedia (Xbox 360 hardware). Dazwischen gab es noch die seltene Opus, eine Ersatzplatine für Reparaturen. Die Nanometer-Zahl (nm) beschreibt die Strukturgröße der Chips: kleiner heißt meist sparsamer und kühler.

Technik in aller Kürze

Im Inneren arbeitet der Xenon-Prozessor von IBM mit drei Kernen bei 3,2 GHz. Jeder Kern bearbeitet zwei Aufgaben gleichzeitig, macht zusammen sechs. Der Grafikchip Xenos von ATI läuft mit 500 MHz. Eine Besonderheit war der "vereinheitlichte" Speicher: 512 MB GDDR3 teilen sich Prozessor und Grafik. Dazu kommen 10 MB eDRAM, ein extrem schneller Zwischenspeicher direkt am Grafikchip. Er half zum Beispiel bei der Kantenglättung.

Für Entwickler war die Xbox 360 vergleichsweise zugänglich. Die Werkzeuge ähnelten denen für Windows-PCs. Als Laufwerk diente ein DVD-Laufwerk, kein Blu-ray. Das hielt die Kosten niedrig, führte aber bei großen Spielen zu mehreren Discs.

Die Xbox 360 spielt auch ausgewählte Spiele der ersten Xbox ab, per Software-Emulation und nur mit Festplatte. Wie gut das klappt und welche Teile du dafür brauchst, steht in der Kaufberatung.

Das HD-DVD-Laufwerk

Im Formatkrieg um den DVD-Nachfolger stand Microsoft auf der Seite von HD DVD. Statt ein Laufwerk einzubauen, verkaufte Microsoft ab dem 7. November 2006 in Nordamerika ein externes HD-DVD-Laufwerk für 199,99 Dollar. Es wurde per USB angeschlossen, lag mit einer Fernbedienung und dem Film King Kong im Karton und spielte nur Filme ab, keine Spiele.

Als Toshiba im Februar 2008 aufgab und Blu-ray gewann, war auch das Zubehör am Ende. Für Sammler ist das weiße Laufwerk heute ein Kuriosum. Filme spielt es noch ab, doch HD-DVD-Filme gibt es nur noch gebraucht. Wie Sony mit der PS3 den Krieg gewann, steht in der Geschichte der PS3.

Xbox Live, Achievements und Arcade

Die vielleicht wichtigste Stärke der Xbox 360 war ihr Online-Dienst. Xbox Live gab es in zwei Stufen: Silver war kostenlos, mit Gold für 59,99 Dollar im Jahr kam der Online-Mehrspielermodus dazu. Laut Wikipedia hatte Xbox Live im Januar 2011 über 30 Millionen Mitglieder.

Neu waren die Achievements, also Erfolge für bestimmte Leistungen in Spielen. Jeder Erfolg brachte Punkte für den sogenannten Gamerscore, der in deinem Profil stand. Sony zog 2008 mit Trophäen nach. Zum zehnten Geburtstag 2015 meldete Microsoft über 26 Milliarden freigeschaltete Erfolge.

Xbox Live Arcade

Xbox Live Arcade, kurz XBLA, war ein Shop für kleine Download-Spiele. Es startete schon 2004 auf der ersten Xbox, wurde aber erst mit der 360 zum Erfolg. Anfangs durften Spiele höchstens 50 MB groß sein, später bis zu 2 GB. Frühe Hits waren Geometry Wars: Retro Evolved und Uno. Uno war im März 2007 das erste XBLA-Spiel mit über einer Million Downloads.

Ab dem 30. Juli 2008 brachte Microsoft jeden Sommer im "Summer of Arcade" mehrere große Download-Spiele heraus. Braid, Castle Crashers, Shadow Complex und Limbo erschienen so. Viele heute bekannte Indie-Studios bekamen hier ihre große Bühne. Bis Oktober 2016 kamen 709 Arcade-Spiele für die 360 zusammen. Seit der Store-Schließung am 29. Juli 2024 lassen sich keine neuen mehr kaufen.

Kinect: Spielen ohne Controller

Als Nintendo mit der Wii Erfolge feierte, antwortete Microsoft mit einer Kamera. Auf der E3 2009 zeigte die Firma "Project Natal", geleitet von Alex Kipman. Die Technik für die Tiefenkamera kam von der israelischen Firma PrimeSense. Kinect erkennt deinen ganzen Körper und reagiert auf Sprache. Du brauchst also keinen Controller in der Hand.

Kinect kam am 4. November 2010 in Nordamerika und am 10. November 2010 in Europa heraus. In Europa kostete es 149,99 Euro, das Spiel Kinect Adventures lag bei. Der Erfolg war enorm: Laut Guinness World Records verkaufte Microsoft in den ersten 60 Tagen 8 Millionen Kinect, im Schnitt 133.333 pro Tag. Damit war Kinect das am schnellsten verkaufte Elektronikgerät für Verbraucher bis dahin. Insgesamt kam Kinect laut Wikipedia auf 35 Millionen Geräte, die Version für die Xbox One eingerechnet.

Kinect verlängerte das Leben der Xbox 360 spürbar. Viele Familien kauften die Konsole wegen Kinect Sports oder Dance Central. Bei Kernspielern blieb die Kamera umstritten, weil viele Spiele ungenau reagierten. 2017 stellte Microsoft Kinect ein.

Verkaufszahlen: Weltweit, Europa, Deutschland

Die Xbox 360 legte einen langen Weg zurück. Die Meilensteine laut Microsoft und Wikipedia:

StandVerkaufte Xbox 360Gebiet
Ende 20051,5 Millionenweltweit
Dezember 20087 MillionenEuropa, laut GfK Chart-Track
31. März 201113,7 MillionenEuropa, Naher Osten und Afrika
November 2011über 57 Millionenweltweit, laut Microsoft Deutschland
Februar 201376 Millionenweltweit
9. Juni 201484 Millionenweltweit, letzte offizielle Zahl

Weitere Einzelwerte laut Wikipedia: 42,7 Millionen in den USA, 9 Millionen in Großbritannien und 1,62 Millionen in Japan. Damit liegt die Xbox 360 knapp hinter der PS3 mit 87,4 Millionen und klar hinter der Wii mit über 100 Millionen.

Und in Deutschland?

Hier wird es dünn. Eine offizielle Gesamtzahl für Deutschland haben wir nach ernsthafter Suche nicht gefunden, weder von Microsoft noch vom Branchenverband game. Microsoft meldete Europa-Zahlen meist für die ganze Region, oft zusammen mit dem Nahen Osten und Afrika. GameStar berichtete im Dezember 2008 von besonders starkem Wachstum in Frankreich, Spanien und Italien, ohne deutsche Zahl. Großbritannien war in Europa der wichtigste Xbox-Markt. Statista führt Zahlen zur Xbox, allerdings hinter einer Bezahlschranke und ohne öffentlich sichtbare Quelle. Eine belastbare Zahl für Deutschland gibt es also nicht, und wir schätzen auch keine.

Auch bei der Software war die 360 stark. Laut Wikipedia waren bis Dezember 2009 über 353 Millionen Spiele verkauft. Eine spätere Gesamtzahl hat Microsoft nicht veröffentlicht.

Spiele: Bibliothek und Bestseller

Die englische Wikipedia listet 2.155 Xbox-360-Spiele. Mitgezählt sind Disc-Spiele, reine Download-Spiele und Xbox Live Arcade. Davon sind laut derselben Quelle 632 auf Xbox One und Xbox Series spielbar. Die letzten offiziellen Disc-Spiele waren FIFA 19 und Just Dance 2019, beide von 2018.

Die Bestseller zeigt die Tabelle. Achtung: Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Quellen und Jahren. Bei mehreren Einträgen gibt die Wikipedia-Liste keinen Beleg an, dort fehlen also offizielle Herstellerzahlen pro Plattform.

#SpielJahrVerkauftQuelle und Stand
1Kinect Adventures!201024 Mio.Boy Genius Report, Februar 2013, meist mit Kinect gebündelt
2Grand Theft Auto V201322,95 Mio.Wikipedia-Liste, ohne Herstellerangabe
3Minecraft: Xbox 360 Edition201222 Mio.Entwickler 4J Studios, Mai 2022
4Call of Duty: Modern Warfare 3201114,72 Mio.Wikipedia-Liste, ohne Herstellerangabe
5Call of Duty: Black Ops201014,55 Mio.Wikipedia-Liste, nach Gamasutra 2011
6Halo 3200714,5 Mio.Halo Waypoint (Microsoft)
7Call of Duty: Black Ops II201213,7 Mio.Wikipedia-Liste, ohne Herstellerangabe
8The Elder Scrolls V: Skyrim201113,7 Mio.Wikipedia-Liste, nach Statistic Brain 2017
9Grand Theft Auto IV200811,01 Mio.Wikipedia-Liste, ohne Herstellerangabe
10Call of Duty: Ghosts201310,16 Mio.Wikipedia-Liste, ohne Herstellerangabe

Halo 3 verdient einen eigenen Satz. Am 25. September 2007 erschienen, spielte es laut Microsoft allein in den USA am ersten Tag 170 Millionen Dollar ein. Das war damals ein Rekord für die Unterhaltungsbranche. Gleich fünf Call-of-Duty-Teile in den Top 10 zeigen, wie sehr die 360 die Konsole der Online-Shooter war. Und mit Kinect Adventures führt ausgerechnet ein Beilagen-Spiel die Liste an.

Typische Exklusivspiele der Konsole waren Gears of War, die Halo-Reihe, Forza Motorsport, Fable II und die Rollenspiele Lost Odyssey und Blue Dragon. Welche davon sich heute als Einstieg lohnen, steht in der Kaufberatung. Warum solche Spiele ins Regal gehören, liest du in Videospiele als Kultur.

Teure Sammlerstücke

Gute Nachricht vorweg: Die allermeisten Xbox-360-Spiele sind heute günstig. Die Konsole verkaufte sich millionenfach, und viele Spiele lagen in riesigen Stückzahlen im Handel. Gesucht sind vor allem Titel, die aus den Download-Shops verschwunden sind, und Spiele, die in Europa nur in kleiner Auflage erschienen.

SpielPublisher, Europa-StartWarum gesuchtGrößenordnung PAL komplett
Asterix bei den Olympischen SpielenAtari, August 2008Spiel zum Kinofilm von 2008, wird nur selten verkauft, komplett besonders rarum 170 Dollar, lose um 60
Spider-Man: Web of ShadowsActivision, 2008seit Januar 2014 aus den Download-Shops entferntum 100 Dollar
Spider-Man: Shattered DimensionsActivision, 2010ebenfalls 2014 entferntum 75 Dollar
Need for Speed: Most WantedElectronic Arts, 2005Original von 2005, nicht die Neuauflage von 2012um 65 Dollar
DeadpoolActivision, 20132014 und endgültig im November 2017 aus den Shops entferntum 40 Dollar
Bully: Scholarship EditionRockstar Games, 2008komplett mit Karte gesucht, lose deutlich günstigerum 35 Dollar, lose um 15
X-Men Origins: WolverineActivision, Mai 2009seit 2014 nicht mehr digital erhältlichum 35 Dollar

Größenordnungen nach PriceCharting, abgerufen am 03.10.2026. PriceCharting wertet abgeschlossene Verkäufe aus und rechnet in US-Dollar. "Komplett" heißt mit Hülle und Anleitung (CIB, Complete in Box). Bei seltenen Titeln gibt es nur wenige Verkäufe im Jahr, die Werte schwanken deshalb stark.

Die Activision-Spiele haben eine gemeinsame Geschichte. Activision hielt lange die Lizenz für Marvel-Spiele. Als sie auslief, verschwanden am 2. Januar 2014 Deadpool, die Spider-Man-Spiele und Wolverine aus Xbox Live, dem PlayStation Store und Steam. Seitdem gibt es sie auf der 360 nur noch auf Disc.

Deutlich teurer sind Sammlereditionen großer Publisher. Bei PriceCharting liegen etwa die Legendary Edition von Halo 3, die Collector's Edition von Sonic Generations, die Collector's Edition von Fallout: New Vegas und die Special Edition von GTA IV komplett im Bereich von gut 100 bis über 250 Dollar. Auch Sonder-Konsolen wie die Halo-3-Edition sind gesucht. Prüf hier genau, ob alle Beigaben dabei sind.

Achte beim Vergleich immer auf die Region. Europäische PAL-Fassungen und amerikanische NTSC-Fassungen kosten oft sehr unterschiedlich viel. Bei der 360 kommt hinzu: Ob ein Spiel auf einer Konsole aus einer anderen Region läuft, entscheidet der Publisher. Mehr dazu in der Kaufberatung.

Preise richtig einschätzen

Feste Preise nennen wir bewusst nicht, sie ändern sich ständig. Such das Spiel auf eBay und setz den Filter "Verkaufte Artikel". Dann siehst du, was wirklich gezahlt wurde. Vergleiche nur gleiche Region und gleichen Zustand: lose Disc, komplett oder eingeschweißt. Wie du Mondpreise auf dem Flohmarkt erkennst, steht im Flohmarkt-Check.

Das Ende der Xbox 360

Am 22. November 2013 kam die Xbox One heraus, genau acht Jahre nach der 360.

Die Xbox 360 lief noch lange weiter. Am 20. April 2016 gab Microsoft das Ende der Produktion bekannt. Xbox-Chef Phil Spencer sagte, es werde immer schwieriger, ein über zehn Jahre altes Produkt zu fertigen. Neue Spiele erschienen noch bis 2018.

  • 12. November 2015: Die Abwärtskompatibilität startet. Ausgewählte 360-Spiele laufen auf der Xbox One.
  • 15. November 2021: Microsoft fügt die letzten Spiele hinzu. Mehr gehe aus lizenzrechtlichen, rechtlichen und technischen Gründen nicht.
  • 29. Juli 2024: Der Xbox-360-Store schließt. Neue Käufe sind nicht mehr möglich, gekaufte Inhalte lassen sich weiter laden.

Die Online-Dienste für Mehrspielerspiele blieben laut Microsoft nach der Store-Schließung bestehen. Die App für Filme und Serien funktioniert auf der 360 dagegen nicht mehr.

Das Vermächtnis der Xbox 360

Die Xbox 360 machte Microsoft endgültig zur festen Größe im Konsolenmarkt. Nach dem teuren Lehrgeld mit der ersten Xbox kam die Firma bis auf wenige Millionen an Sony heran. Was bleibt?

  • Online als Standard: Xbox Live zeigte, wie Freundeslisten, Sprachchat und Online-Spiele auf Konsolen funktionieren können.
  • Erfolge: Achievements gibt es bis heute, und fast jede Plattform hat sie kopiert.
  • Download-Spiele: Xbox Live Arcade gab kleinen Studios eine Bühne, lange bevor Indie-Spiele im Mainstream ankamen.
  • Eine Warnung: Der Red Ring of Death zeigt, was passiert, wenn ein Hersteller zu früh auf den Markt drängt. Der Preis war über eine Milliarde Dollar.

Für Sammler ist die 360 heute ein dankbares System. Konsolen und Spiele sind meist günstig, ein Teil der Bibliothek läuft zusätzlich auf neuen Xbox-Konsolen. Wer aber Spiele behalten will, die nur auf Disc überleben, sollte zugreifen, solange sie bezahlbar sind. Warum das wichtig ist, steht in unserem Artikel "Die Disc stirbt. Wir heben sie auf."

Kaufberatung

Du willst selbst eine Xbox 360? Welche Revision das geringste Risiko hat, warum Netzteile nicht zwischen den Modellen passen und worauf du beim Gebrauchtkauf achten musst, steht in unserer Xbox-360-Kaufberatung.

Häufige Fragen zur Geschichte der Xbox 360

Wann kam die Xbox 360 in Deutschland auf den Markt?

Am 2. Dezember 2005, zusammen mit dem übrigen Europa. Das Core System kostete 299,99 Euro, die Premium-Version mit Festplatte 399,99 Euro.

Wie oft wurde die Xbox 360 verkauft?

Weltweit 84 Millionen Mal, Stand Juni 2014. Eine offizielle Zahl für Deutschland haben wir nicht gefunden.

Was ist der Red Ring of Death?

Drei rot leuchtende Viertel um den Einschaltknopf zeigen einen schweren Hardwarefehler an. Ursache waren laut Wikipedia reißende Lötpunkte im Grafikchip. Microsoft verlängerte 2007 die Garantie auf drei Jahre und buchte dafür über eine Milliarde Dollar.

Welches ist das meistverkaufte Xbox-360-Spiel?

Kinect Adventures mit 24 Millionen, allerdings meist als Beigabe zu Kinect. Das meistverkaufte separat gekaufte Spiel ist laut Wikipedia-Liste GTA V.

Laufen Xbox-360-Spiele auf der Xbox One oder Series X?

Ein Teil davon, laut Wikipedia 632 Spiele. Discs dieser Spiele funktionieren auch im Laufwerk der neuen Konsolen. Die Liste ist seit November 2021 abgeschlossen.

Quellen