Der Atari 7800: Die Konsole, die zwei Jahre im Lager wartete
Fertig entwickelt 1984, angekündigt, im Testmarkt verkauft und dann eingelagert: Der Atari 7800 hatte das Pech, genau zwischen zwei Firmen zu fallen. Als er 1986 doch noch erschien, regierte bereits das NES. Hier steht, wie GCC die Konsole baute, warum Jack Tramiel sie zurückhielt, wann sie nach Deutschland kam, was im Inneren steckt und welche Module heute gesucht sind.
Steckbrief
| Hersteller | entwickelt von General Computer Corporation (GCC) für Atari, Inc., veröffentlicht von der Atari Corporation |
|---|---|
| Name | Atari 7800 ProSystem, als Projekt zuerst Atari 3600 |
| Generation | 3. Konsolengeneration, wie NES und Sega Master System |
| Ankündigung | 21. Mai 1984, danach Testmarkt in Kalifornien |
| Nordamerika | landesweit im Mai 1986, laut Wikipedia für 79,95 US-Dollar |
| Europa | laut englischer Wikipedia 1987, das PAL-Gerät laut ConsoleMods Wiki und atarimuseum.de erst ab 1989, Großbritannien September 1989 für 69,95 Pfund |
| Deutschland | laut Happy Computer 10/1986 für Januar 1987 angekündigt, 198 DM mit Joystick |
| Japan | kein offizieller Start |
| Prozessor | SALLY, eine angepasste 6502-Variante (von Atari "6502C" genannt), 1,79 MHz |
| Arbeitsspeicher | 4 KB |
| Grafik und Ton | Grafikchip MARIA, Ton über den TIA aus dem Atari 2600 |
| Verkauft | 3,77 Millionen ausgelieferte Geräte 1986 bis 1990 laut internen Atari-Unterlagen |
| Spiele | 59 offizielle Titel |
| Ende | 1992 offiziell eingestellt, PAL-Produktion bis 1993 |
Atari, GCC und Ms. Pac-Man
Die Geschichte des 7800 beginnt mit einem Streit. Anfang der 80er tüftelten in Massachusetts ein paar junge Entwickler an Umbausätzen für Spielautomaten. Ihre Firma hieß General Computer Corporation, kurz GCC. Laut Wikipedia gründeten Doug Macrae, John Tylko und Kevin Curran sie 1981. Ein Umbausatz für Ataris Missile Command brachte ihnen eine Klage von Atari ein. Ein anderer machte sie berühmt: Aus ihrem Pac-Man-Umbau "Crazy Otto" wurde bei Midway der Nachfolger Ms. Pac-Man.
Atari erkannte das Talent. Statt weiter zu streiten, einigte man sich: GCC sollte künftig für Atari arbeiten und keine Umbausätze ohne Erlaubnis mehr bauen. Laut Wikipedia entwickelte GCC danach Automaten wie Food Fight, Umsetzungen für den Atari 2600 und mehr als die Hälfte aller Module für den Atari 5200.
Der 5200 war Ataris Versuch, den alternden 2600 abzulösen. Er hatte aber ein großes Problem: Er spielte keine 2600-Module ab, und seine Analog-Joysticks galten als unpräzise und anfällig. 1983 bekam GCC deshalb den Auftrag für eine neue Konsole. Sie sollte günstiger sein als der 5200, mehr können und die riesige Sammlung an 2600-Modulen weiter nutzen. Der Projektname lautete zuerst Atari 3600. Laut Wikipedia war es die erste Atari-Konsole, die eine fremde Firma entwickelte.
Das Herzstück war ein neuer Grafikchip namens MARIA. Laut Atari Museum entwarfen ihn Art Ng, Steve Golson und weitere Chip-Entwickler von GCC mit Hilfe der Firma VLSI. Was MARIA so besonders macht, steht weiter unten im Abschnitt Technik.
Ankündigung und Testmarkt 1984
Am 21. Mai 1984 stellte Atari den 7800 offiziell vor. Laut Wikipedia sollten die ersten Geräte im Juli ausgeliefert werden. Für den Start kündigte Atari 13 Spiele an: Ms. Pac-Man, Pole Position II, Centipede, Joust, Dig Dug, Nile Flyer (später Desert Falcon), Robotron: 2084, Galaga, Food Fight, Ballblazer, Rescue on Fractalus!, Track & Field und Xevious. Rescue on Fractalus! wurde später gestrichen.
Geplant war noch mehr. Ein High Score Cartridge sollte die Bestenlisten von bis zu 65 Spielen speichern. Eine Tastatur mit Anschluss für einen Kassettenrekorder sollte die Konsole zum Computer machen. Und an der linken Seite der ersten Geräte sitzt ein Erweiterungsanschluss, gedacht unter anderem für Laserdisc-Spieler. Nichts davon kam auf den Markt.
Laut deutscher Wikipedia kam die Konsole im Juni 1984 erstmals in Kalifornien in den Handel. Das war ein Testmarkt, also ein Verkauf in wenigen Regionen, um die Nachfrage zu prüfen. Ältere Fassungen der englischen Wikipedia sprechen von Südkalifornien. In Sammlerforen wie AtariAge ist umstritten, welche Städte genau beliefert wurden, genannt werden auch Los Angeles und New York. Sicher ist: Es waren sehr wenige Geräte, und Spiele außer dem beiliegenden Pole Position II gab es kaum.
Tramiel und die zwei Jahre im Lager
Dann änderte sich alles. Am 2. Juli 1984 verkaufte Warner Communications die Heimsparte von Atari an Jack Tramiel, den Gründer von Commodore. Wie der Atari-2600-Artikel beschreibt, zahlte Tramiel dafür 240 Millionen Dollar. Seine neue Atari Corporation setzte auf Heimcomputer wie den späteren Atari ST.
Laut Wikipedia stoppte Tramiel zunächst alle Projekte, um sie zu prüfen. Das Problem: GCC hatte für die Entwicklung des 7800 noch kein Geld gesehen. Warner und Tramiel stritten darüber, wer zahlen muss. Erst im Mai 1985 lenkte Tramiel ein und bezahlte GCC. Laut Atari Museum ging es um eine Einmalzahlung von 3,2 Millionen Dollar für die Rechte am MARIA-Chip.
Die schon gebauten Konsolen lagen derweil in Lagerhallen. Laut Wikipedia blieb die erste Produktion dort, bis Atari die Konsole im Januar 1986 neu vorstellte. Der Grund für den Sinneswandel hieß Nintendo. Das NES hatte ab Herbst 1985 in New York gezeigt, dass Videospiele nach dem Crash von 1983 wieder verkäuflich waren. Wie Nintendo das schaffte, liest du im NES-Artikel.
Der Start in den USA 1986
Im Mai 1986 kam der 7800 landesweit in die US-Läden. Der Preis ist in den Quellen nicht einheitlich. Laut Wikipedia-Fließtext kostete die Konsole 79,95 Dollar, atarimuseum.de nennt 79 Dollar für Juni 1986. Die Infobox der englischen Wikipedia, die Seite Retro Isle und der Video Game Critic nennen dagegen 140 Dollar. Wir halten 79,95 Dollar für den Startpreis 1986, weil diese Angabe im Fließtext belegt ist. Im Karton lagen zwei ProLine-Joysticks, Netzteil, Antennenumschalter und das Modul Pole Position II.
Zeitgleich brachte Atari auch den kleinen Atari 2600 Jr. in den USA heraus. Beide Konsolen teilen sich die flache Bauform mit Regenbogenstreifen.
Der Start war zäh. Laut Wikipedia gab es Ende 1986 erst 10 Spiele für den 7800. Sega hatte für das Master System 20, Nintendo für das NES 36. Galaga kam im August 1986, Xevious im November. Auch beim Werbegeld lag Atari weit hinten. Laut Wikipedia gab die Atari Corporation einen Betrag "im niedrigen Millionenbereich" aus. Sega investierte 9 Millionen Dollar, Nintendo 16 Millionen.
Dazu kam der Ruf der Spiele. Viele Starttitel waren Umsetzungen von Automaten aus den Jahren 1980 bis 1983. 1984 wären sie aktuell gewesen, 1986 wirkten sie neben Super Mario Bros. altmodisch. Laut Wikipedia meldete das Magazin Computer Entertainer im Februar 1987 rund 100.000 verkaufte 7800 in den USA, mitgezählt die Geräte aus dem Lager. Das Master System kam auf 125.000, das NES auf 1,1 Millionen.
Europa und Deutschland
Beim Start in Europa widersprechen sich die Quellen deutlich. Wir stellen sie hier nebeneinander.
Im Oktober 1986 berichtete die Zeitschrift Happy Computer unter dem Titel "Comeback der Videospiele": "Sehr überraschend und mit zwei Jahren Verspätung erscheint das Atari-7800-System im Januar 1987 in Deutschland." Das System sollte zusammen mit dem Joystick 198 DM kosten. Im Karton sollten Konsole, Joystick, Netzteil, Fernsehkabel und Antennenumschalter liegen. Zum Start waren acht bis zehn Module geplant, die Preise schätzte das Heft auf 60 bis 80 DM pro Modul. Die englische Wikipedia nennt passend dazu 1987 als Startjahr für PAL-Länder.
Andere Quellen setzen später an. Das ConsoleMods Wiki datiert das PAL-Modell auf 1989 bis 1993. Die deutsche Sammlerseite atarimuseum.de schreibt, die Konsole sei erst im Frühsommer 1989 auch in Europa erschienen. In Großbritannien kam sie laut Wikipedia im September 1989 für 69,95 Pfund in den Handel, mit zwei Joypads. Möglich ist, dass es 1987 einen kleinen ersten Verkauf gab und Atari die Konsole 1989 in neuer Ausstattung breiter angeboten hat. Belegen konnten wir das nicht.
Klar ist, wie die europäische Konsole aussieht: Sie hat einen breiten, aufgelackierten Regenbogenstreifen, eine grüne Betriebsleuchte und das Spiel Asteroids fest eingebaut. Statt Joysticks lagen ihr zwei Joypads bei, die es in den USA nicht gab. Mehr dazu im Abschnitt Controller.
Wie es im Laden aussah, beschreibt Paul Hartmann auf Videospielgeschichten.de. Er kaufte seinen 7800 im Dezember 1989 in einem Videospielgeschäft in Worms für 129 DM. Dort standen nur drei Exemplare, und Spiele waren kaum nachzubestellen. Später gab es den 7800 laut Hartmann auch in Quelle-Läden. In Europa wurden laut Wikipedia die letzten Restbestände noch bis Sommer oder Herbst 1995 verkauft.
Verkaufszahlen: weltweit, USA und Deutschland
Beim 7800 gibt es keine offizielle Endzahl von Atari. Die belastbarste Angabe stammt aus internen Unterlagen der Atari Corporation, die Curt Vendel vom Atari History Museum öffentlich machte. Matt Matthews hat sie 2009 für Gamasutra ausgewertet.
| Stand | Zahl | Quelle |
|---|---|---|
| Februar 1987 | rund 100.000 verkauft (USA, inklusive Lagerbestand von 1984) | Computer Entertainer, laut Wikipedia |
| Juni 1988 | über 1 Million verkauft | Wikipedia |
| 1986 bis 1990 | 3,77 Millionen ausgeliefert, weniger als 152.000 Rückläufer | interne Atari-Unterlagen, Gamasutra 2009 |
| gesamt | ca. 2 Millionen | atarimuseum.de, ohne genaue Herkunft |
Die 3,77 Millionen sind Lieferungen an Händler, keine Verkäufe an Kunden. Im AtariAge-Forum wird die Zahl als Wert für Nordamerika diskutiert. Die Jahre 1991 und 1992 fehlen darin.
Wir nennen die 3,77 Millionen als beste verfügbare Zahl, mit diesen Einschränkungen. Für Europa haben wir keine belastbare Zahl gefunden. Für Deutschland auch nicht: Weder Atari noch Branchenverbände haben eine Zahl veröffentlicht, die wir prüfen konnten. Erfahrungsberichte und die späte Einführung mit wenig Werbung sprechen eher für kleine Stückzahlen hierzulande. Retro Isle nennt die Konsole in Europa "selten" und in den USA "häufiger".
Technik kurz erklärt: MARIA und SALLY
Der Prozessor heißt SALLY. Er ist eine angepasste Version des 6502, den du aus Atari 2600, NES und C64 kennst. Atari nannte ihn manchmal "6502C", laut Wikipedia ist er aber nicht identisch mit dem offiziellen 6502C von MOS. Er läuft mit 1,79 MHz in NTSC-Geräten und 1,77 MHz in PAL-Geräten. Greift er auf die alten 2600-Bausteine zu, bremst er auf rund 1,19 MHz ab. Dazu kommen 4 KB Arbeitsspeicher, über 30-mal so viel wie beim 2600.
Spannender ist MARIA. Der 2600 musste jede Bildzeile in Echtzeit berechnen, das Verfahren heißt "Racing the Beam" und ist im Atari-2600-Artikel erklärt. MARIA arbeitet anders. Der Chip liest aus dem Speicher eine sogenannte Display-Liste, eine Liste aller Objekte mit Position und Aussehen, und baut das Bild daraus selbst zusammen. Laut Wikipedia ähnelt das Spielautomaten der Zeit.
Der Vorteil: viele Sprites. Sprites sind bewegliche Grafikobjekte wie Spielfiguren und Geschosse. Laut Wikipedia schafft MARIA bis zu 30 Sprites pro Zeile und bis zu 100 auf dem ganzen Bild. Das NES flackert schon bei mehr als acht Sprites in einer Zeile. Die Palette umfasst 256 Farben, bis zu 25 davon passen in eine Zeile. Die Auflösung liegt bei 160 oder 320 Bildpunkten Breite und 240 Zeilen in NTSC, 288 in PAL.
Die Schwäche ist der Ton. Für den Klang nutzt der 7800 den TIA, den Bild- und Tonchip des Atari 2600. Im 7800-Modus übernimmt er nur noch den Ton. Der klingt deshalb ungefähr wie beim 2600, der Video Game Critic nennt ihn "dürftig". Für besseren Ton konnten Hersteller einen zweiten Chip namens POKEY ins Modul einbauen. Den kennst du aus den Atari-Heimcomputern. Laut Wikipedia taten das aber nur sehr wenige Spiele, darunter Ballblazer und Commando. Für die meisten Module war der Chip zu teuer.
Die digitale Signatur
Eine Lehre aus dem Crash von 1983 steckt im Startprogramm der Konsole, dem BIOS. Laut Wikipedia mussten 7800-Module digital signiert sein. Beim Einschalten berechnet das BIOS eine Signatur des Moduls und vergleicht sie mit der im Modul gespeicherten. Stimmen sie überein, läuft die Konsole im 7800-Modus. Sonst schaltet sie in den 2600-Modus. So sollte niemand ohne Atari Spiele veröffentlichen können. In PAL-Geräten fehlt diese Prüfung laut Wikipedia wegen Exportbeschränkungen. Dort erkennt das BIOS 2600-Module über andere Merkmale.
Abwärtskompatibel zum Atari 2600
Der 7800 gilt laut Wikipedia als erste Konsole, die die Spiele ihres Vorgängers abspielt. Du steckst ein 2600-Modul ein, und die Konsole schaltet um. Im 2600-Modus läuft der Prozessor mit 1,19 MHz wie der 6507 im 2600, der Speicher ist auf 128 Byte begrenzt. Auch 2600-Joysticks und Paddles passen.
Laut Happy Computer liefen 1986 "alle 2600-Spiele auch auf dem 7800". Ganz stimmt das nicht. Laut AtariAge laufen einige Module auf späteren Konsolen nicht: Robot Tank, Decathlon, Space Shuttle, Time Pilot, Kool-Aid Man und der Supercharger. Das ConsoleMods Wiki erklärt den Grund: Ab Mitte 1987 bekam die Hauptplatine eine Zeitschaltung, die Probleme mit Kung-Fu Master und Dark Chambers behebt. Genau diese Schaltung stört aber einige Activision-Spiele. Außerdem ist der Modulschacht laut Video Game Critic so schmal, dass manche 2600-Module von Drittanbietern nicht hineinpassen.
Die Kompatibilität war für Atari ein starkes Verkaufsargument. In Deutschland war der 2600 noch 1987 laut deutscher Wikipedia die meistverkaufte Konsole des Jahres. Wer schon Module besaß, konnte sie weiter nutzen.
ProLine-Joystick und europäisches Joypad
In den USA lag dem 7800 der ProLine-Joystick CX24 bei. Er hat einen Griffknüppel und an jeder Seite einen orangefarbenen Feuerknopf. Laut Wikipedia funktionieren die beiden Knöpfe nur in manchen 7800-Spielen getrennt, sonst machen beide dasselbe. Beliebt war er nicht. AtariAge nennt die Form "unbequem", der Video Game Critic schreibt, bei Spielen mit vielen Tastendrücken werde er schnell "schmerzhaft". Auch Paul Hartmann fand die Originalcontroller seiner Konsole "extrem ungenau".
In Europa ging Atari einen anderen Weg. Der europäische 7800 kam mit dem Joypad CX78, einem flachen Steuerkreuz-Pad im Stil von NES und Master System. Laut Wikipedia und AtariAge gab es dieses Pad in den USA nicht. In Europa ist es entsprechend häufig, einzeln verpackte Exemplare sind laut AtariAge aber sehr schwer zu finden. Für viele deutsche Spieler ist das Joypad deshalb das typische 7800-Bild, ganz anders als für Amerikaner.
Dazu kommen ein paar Besonderheiten. Fast alle 2600-Controller passen, etwa der Joystick CX40. Sega-Pads haben dieselbe Steckerform, funktionieren laut Wikipedia aber nicht im Zwei-Knopf-Modus des 7800. Die Lichtpistole XG-1, die dem Atari XEGS beilag, funktioniert ebenfalls. Atari brachte dafür fünf Spiele: Alien Brigade, Barnyard Blaster, Crossbow, Meltdown und Sentinel.
Modelle und Revisionen
Optisch sehen alle 7800 ähnlich aus. Die Unterschiede stecken im Detail, vor allem beim Erweiterungsanschluss und bei der Fernsehnorm.
| Modell | Jahre | Was anders ist |
|---|---|---|
| CX7800 NTSC mit Erweiterungsanschluss (Platine C025233-001) | 1984 bis 1987 | Anschluss an der linken Seite, nie genutzt, frühe Geräte teils mit Blende von Rot nach Lila, sonst Gelb nach Grün |
| CX7800 NTSC mit Platine C025233-002 | ab Mitte 1987 | neue Zeitschaltung für 2600-Spiele, dadurch Probleme mit einigen Activision-Modulen |
| CX7800 NTSC ohne Erweiterungsanschluss | 1987 bis 1992 | Anschluss zum Sparen weggelassen, auf der Platine noch vorgesehen, am Gehäuse oft eine Delle oder kleine Markierung, gebaut in Taiwan und China |
| CX7800 PAL (Platine C300633-001) | 1989 bis 1993 | breiter aufgelackierter Regenbogenstreifen, grüne Betriebsleuchte, Asteroids eingebaut, keine Signaturprüfung, zwei Joypads CX78 |
| PAL Frankreich | wie PAL | zusätzlich 13-poliger DIN-Anschluss mit RGB-Signal |
| späte PAL-Geräte | um 1992 | laut atarimuseum.de mit aufgelacktem statt gebürstetem Atari-Logo |
Jahre und Unterschiede laut ConsoleMods Wiki, ergänzt um Wikipedia und atarimuseum.de. Die Jahresangaben überschneiden sich, weil Geräte parallel gebaut wurden.
Laut AtariAge legte Atari in Australien und Neuseeland ein Modul mit 32 Spielen bei. Was die Modelle für deinen Kauf bedeuten, steht in der Kaufberatung.
Spiele: wie viele und welche
Laut Wikipedia erschienen zwischen 1986 und 1990 genau 59 offizielle Spiele für den 7800. Das ist wenig. Der Video Game Critic hält es deshalb für machbar, fast die komplette Bibliothek zu sammeln. Elf dieser Spiele brachten laut Wikipedia drei Drittanbieter unter eigenem Namen heraus: Absolute Entertainment, Activision und Froggo. Den Rest veröffentlichte Atari selbst, entwickelt von GCC und Studios wie Imagineering, BlueSky Software oder Sculptured Software. Dazu kommen Dutzende neue Spiele von Hobbyprogrammierern, sogenannte Homebrews, und seit 2024 zehn neue Titel für den Atari 7800+.
Nicht jedes Spiel kam in alle Regionen. Robotron: 2084, Summer Games, Winter Games, Rampage und Touchdown Football erschienen laut Wikipedia-Liste nur in Nordamerika. Sentinel gab es dagegen nur in PAL-Ländern.
Keine Top 10 mit Verkaufszahlen
Für den 7800 gibt es keine belastbare Liste der meistverkauften Spiele. Wikipedia nennt nur das beiliegende Pole Position II als Bestseller, ohne Zahl. Statt erfundener Zahlen zeigen wir dir die Spiele, die für die Konsole stehen:
| Spiel | Entwickler, Jahr | Warum wichtig |
|---|---|---|
| Pole Position II | GCC, 1986 | Beilage in den USA, laut Wikipedia meistverkauftes Spiel |
| Asteroids | GCC, 1986 | in PAL-Konsolen fest eingebaut |
| Ms. Pac-Man | GCC, 1986 | Starttitel, und GCC erfand das Spiel einst selbst |
| Galaga | GCC, 1986 | zeigt, was MARIA bei vielen Sprites kann |
| Food Fight | GCC, 1986 | Umsetzung von GCCs eigenem Automaten |
| Ballblazer | GCC, 1988 | eines der wenigen Spiele mit POKEY-Chip |
| Commando | Sculptured Software, 1989 | POKEY-Ton, eines der stärksten späten Spiele |
| Crossbow | Imagineering, 1989 | Lichtpistolenspiel, für Paul Hartmann der Kaufgrund |
| Ninja Golf | BlueSky Software, 1990 | schräge Mischung aus Golf und Kampfspiel |
Entwickler und Jahre laut Wikipedia-Liste der 7800-Spiele. Bei späten Titeln nennt die Liste teils abweichende Jahre für Nordamerika und Europa.
Die letzte Welle kam 1990: Alien Brigade, Basketbrawl, Fatal Run, Meltdown, Midnight Mutants, Motor Psycho, Ninja Golf, Planet Smashers und Scrapyard Dog. Viele dieser späten Spiele sehen deutlich besser aus als die Starttitel, kamen aber zu spät.
Teure Sammlerstücke
Die teuersten 7800-Module bei PriceCharting sind heute Homebrews, also neue Spiele von Hobbyentwicklern. Die lassen wir bewusst weg, ebenso Tank Command und Water Ski vom kleinen Anbieter Froggo. Diese Liste zeigt gesuchte Module von Atari und Activision. Die Preise sind grobe Größenordnungen aus PriceCharting, abgerufen im Oktober 2026. Sie schwanken stark und hängen vom Zustand ab.
| Spiel | Hersteller | Warum gesucht | Größenordnung |
|---|---|---|---|
| Sentinel (PAL) | Atari, um 1991 | nur in PAL-Ländern, Lichtpistolenspiel, laut einer 7800-FAQ eines der seltensten Module | lose um 85 Dollar, wenige erfasste Verkäufe |
| Mat Mania Challenge (PAL) | Atari, 1990 | späte Veröffentlichung in kleiner Stückzahl | lose um 80 Dollar |
| Commando | Atari, 1989 | beliebt, mit POKEY-Chip | NTSC lose über 100 Dollar, komplett deutlich mehr |
| Ikari Warriors | Atari, 1990 | spätes Spiel, kleine Auflage | NTSC lose über 100 Dollar |
| Midnight Mutants | Atari, 1990/91 | spätes Spiel, kleine Auflage | NTSC lose um 110 Dollar |
| Alien Brigade | Atari, 1990/91 | Lichtpistolenspiel aus der letzten Welle | NTSC lose um 90 Dollar, komplett fast das Doppelte |
| Rampage | Activision, 1989 | nur in Nordamerika erschienen | NTSC lose um 80 Dollar, komplett mehrere Hundert |
Quellen: PriceCharting (NTSC-U und PAL), Hersteller und Jahre laut Wikipedia-Liste, Seltenheit von Sentinel laut der Atari-7800-FAQ (Stand 2005).
Für PAL-Sammler gilt: Für viele europäische Module hat PriceCharting gar keine Verkaufsdaten, weil sie so selten gehandelt werden. US-Preise sind für PAL-Ware nur ein grober Anhaltspunkt. Schau für echte Preise immer bei eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel" und achte darauf, ob PAL oder NTSC angeboten wird. Ein Modul mit Karton und Anleitung kostet oft ein Mehrfaches des losen Moduls. Und denk daran: PAL-Module laufen nicht auf US-Konsolen, das erklärt die Kaufberatung.
Nintendo, Lizenzen und das Ende
Gegen das NES kam der 7800 in den USA nie an. Ein Grund war Nintendos Lizenzpolitik. Viele Spielefirmen hatten Verträge, die ihnen Umsetzungen für andere Konsolen erschwerten. Laut Atari Museum stand Atari dadurch im Nachteil und landete auf Platz drei hinter Nintendo und Sega. Die Atari Corporation zog vor Gericht und forderte laut UPI 160 Millionen Dollar Schadenersatz. Am 1. Mai 1992 meldete UPI das Urteil: Die Jury sah zwar Marktmacht bei Nintendo, aber keine illegale Monopolisierung und keinen Schaden für Atari.
Atari selbst verteilte seine Kräfte. 1987 kam der Atari XEGS, eine Mischung aus Konsole und 8-Bit-Computer, 1989 der Handheld Lynx. Laut atariarchive.org endete der 7800 in den USA nach dem Weihnachtsgeschäft 1991. 1992 kündigte die Atari Corporation laut Wikipedia offiziell das Ende von 7800, 2600 und der 8-Bit-Computer an. In Europa lief die Produktion laut ConsoleMods Wiki bis Mitte 1993, Restbestände gab es laut Wikipedia bis 1995.
Einen echten Nachfolger bekam der 7800 nicht. Die geplante Konsole Atari Panther wurde gestrichen. 1993 erschien stattdessen der Jaguar, Ataris letzte Heimkonsole.
Das Vermächtnis
Der 7800 ist vor allem ein Lehrstück über Timing. 1984 wäre er mit Automatenumsetzungen und günstiger Technik eine starke Konsole gewesen. 1986 war er ein Gerät mit alten Spielen gegen ein NES mit Super Mario Bros. Trotzdem hat er Spuren hinterlassen. Er war die erste Konsole mit Abwärtskompatibilität, ein Prinzip, das später Game Boy Advance, PlayStation 2 und viele andere übernahmen. Und die digitale Signatur der Module ist ein früher Vorläufer heutiger Sperren gegen fremde Software.
Für Sammler hat der 7800 eine besondere Stärke: Die Bibliothek ist klein und überschaubar. Seit 2001 die Software zum Signieren von Modulen auf der Classic Gaming Expo auftauchte, entstehen laut Wikipedia neue Spiele. Im Juli 2009 veröffentlichte das Atari Museum den Quellcode von 13 Spielen und des Betriebssystems. Die Homebrew-Szene ist heute erstaunlich aktiv.
Auch Atari selbst erinnert sich. 2004 erschien der Atari Flashback im Look eines kleinen 7800 mit fünf 7800- und fünfzehn 2600-Spielen. Laut Wikipedia steckte darin aber NES-Nachbautechnik, und das Ergebnis wurde kritisiert. Am 29. November 2024 kam der Atari 7800+ von Atari und Plaion, eine verkleinerte Neuauflage nach dem Vorbild des europäischen Modells. Laut t-online kostete er 119,99 Euro. Er spielt originale 2600- und 7800-Module per Emulation ab und wird per HDMI angeschlossen. Wie alles mit Pong und den ersten Konsolen anfing, liest du in Wie alles begann.
Du willst dir einen Atari 7800 holen? In der Atari-7800-Kaufberatung steht, welches Modell zu dir passt, welches Netzteil du brauchst, welche 2600-Module laufen und wie die Konsole an den modernen Fernseher kommt.
Häufige Fragen zum Atari 7800
Wann kam der Atari 7800 nach Deutschland?
Happy Computer kündigte ihn im Oktober 1986 für Januar 1987 an, zum Preis von 198 DM mit Joystick. Das PAL-Modell mit Joypads datieren Sammlerquellen auf 1989. Ein genaues Startdatum für Deutschland konnten wir nicht belegen.
Wie viele Atari 7800 wurden verkauft?
Laut internen Atari-Unterlagen wurden von 1986 bis 1990 rund 3,77 Millionen Geräte an Händler ausgeliefert. Das sind Lieferungen, keine Verkäufe an Kunden. Für Deutschland gibt es keine belastbare Zahl.
Laufen Atari-2600-Spiele auf dem 7800?
Ja, fast alle. Ausnahmen sind laut AtariAge Robot Tank, Decathlon, Space Shuttle, Time Pilot, Kool-Aid Man und der Supercharger auf späteren Konsolen.
Warum hat der europäische 7800 ein Joypad?
Atari legte der europäischen Version das Joypad CX78 bei, im Stil von NES und Master System. Warum, ist nicht dokumentiert. In den USA gab es das Pad nicht, dort war der ProLine-Joystick Standard.
Warum kam der 7800 erst 1986?
Nach dem Verkauf der Heimsparte an Jack Tramiel im Juli 1984 stritten Warner und Tramiel darüber, wer GCC für die Entwicklung bezahlt. Erst im Mai 1985 zahlte Tramiel, und erst der Erfolg des NES machte Videospiele wieder interessant.
Wie viele Spiele gibt es für den Atari 7800?
59 offizielle Spiele zwischen 1986 und 1990, dazu viele Homebrews und zehn neue Titel für den Atari 7800+ von 2024.
Quellen
- Wikipedia (englisch): Atari 7800
- Wikipedia (deutsch): Atari 7800
- Wikipedia (englisch): List of Atari 7800 games
- Wikipedia (englisch): General Computer Corporation
- Happy Computer 10/1986: Comeback der Videospiele (stcarchiv.de)
- Matt Matthews, Gamasutra (2009): Atari 7800 sales figures 1986 to 1990
- AtariAge-Forum: Atari sales numbers research thread
- AtariAge-Forum: Diskussion zum Testmarkt 1984
- Atari Museum (Curt Vendel): The Atari 7800 ProSystem
- atarimuseum.de: Atari 7800 ProSystem
- ConsoleMods Wiki: Atari 7800 Model Differences
- AtariAge: Atari 7800 Hardware
- atariarchive.org: Atari 7800 Release-Daten
- Paul Hartmann, Videospielgeschichten.de: Die Kunst, ein Atari 7800 Fan zu sein
- The Video Game Critic: Atari 7800
- Retro Isle: Atari 7800 ProSystem
- Atari 7800 FAQ (Stand März 2005)
- PC Games Hardware: Der vorletzte Versuch, Atari 7800 (PCGH-Retro)
- UPI (1. Mai 1992): Nintendo wins antitrust suit
- t-online: Atari 7800+ bringt Kultkonsole zurück
- PriceCharting: Atari 7800 (NTSC-U), sortiert nach Preis
- PriceCharting: PAL Atari 7800, sortiert nach Preis