Der Atari 2600: Die Konsole, mit der alles anfing
Ein Holzfurnier, sechs Kippschalter und ein Joystick mit einem einzigen Knopf: Der Atari 2600 brachte Ende der 70er die Spielhalle ins Wohnzimmer. Er machte Wechselmodule zum Standard, schuf die ersten Drittanbieter und stand am Ende mitten im großen Crash. Hier steht, wie er entstand, wie er nach Deutschland kam, wie viele Geräte verkauft wurden und welche Module heute richtig Geld kosten.
Steckbrief
| Hersteller | Atari, Inc. (ab 1976 Teil von Warner Communications), ab 1984 Atari Corporation |
|---|---|
| Name | zuerst Atari Video Computer System (VCS), ab November 1982 Atari 2600 |
| Generation | 2. Konsolengeneration |
| Nordamerika | September 1977, meist mit 199 US-Dollar angegeben (englische Wikipedia: 189,95 Dollar) |
| Europa | 1978 laut englischer Wikipedia |
| Deutschland | eigene Niederlassung ab März 1980 in Hamburg, Preis zunächst 340 DM, später 379 DM |
| Japan | Oktober 1983 als Atari 2800 |
| Prozessor | MOS Technology 6507, rund 1,19 MHz |
| Arbeitsspeicher | 128 Byte |
| Grafik und Ton | TIA (Television Interface Adaptor), entworfen von Jay Miner |
| Datenträger | ROM-Module, anfangs 2 KB, später meist 4 KB und mehr |
| Verkauft weltweit | rund 30 Millionen |
| Produktionsende | 1992 (deutsche Wikipedia: Ende 1991) |
Cyan Engineering und das Projekt Stella
Die Vorgeschichte kennst du vielleicht aus unserem Artikel Wie alles begann: Nolan Bushnell und Ted Dabney gründeten Atari, Allan Alcorn baute 1972 Pong, und das Spiel machte Videospiele zum Massenphänomen. Mitte der 70er verkaufte Atari Pong auch als Heimgerät. Diese Geräte hatten aber ein Problem: Die Spiele waren fest verdrahtet. Wer etwas Neues spielen wollte, brauchte ein neues Gerät.
Die Lösung kam aus einem kleinen Ort in Kalifornien. 1974 kaufte Atari die Firma Cyan Engineering in Grass Valley, gegründet von Steve Mayer und Larry Emmons. Mayer und der Ingenieur Ron Milner hatten eine Idee: eine Heimkonsole mit einem programmierbaren Mikroprozessor, die Ataris Automatenspiele auf den Fernseher bringt. Ein Mikroprozessor ist ein Rechenchip, der beliebige Programme ausführen kann. Damit reicht ein neues Modul für ein neues Spiel.
Der Haken war der Preis. Prozessoren kosteten damals viel Geld. Im September 1975 stellte MOS Technology den 6502 vor, für nur 25 Dollar. Mayer und Milner trafen auf der Messe Wescon den Entwickler Chuck Peddle. MOS bot ihnen danach eine abgespeckte Variante an, den 6507, zusammen mit einem Zusatzchip namens RIOT für 12 Dollar pro Paar. Erst damit wurde die Konsole bezahlbar.
Im Dezember 1975 stieß Joe Decuir dazu und brachte den ersten Prototypen zum Laufen. Er gab dem Projekt auch seinen Codenamen: Stella, nach der Marke seines Fahrrads. Im März 1976 entwarf Jay Miner den wichtigsten Chip der Konsole, den Television Interface Adaptor, kurz TIA. Er erzeugt Bild und Ton. Miner wurde später als Vater des Amiga bekannt.
Der Verkauf an Warner
Atari hatte eine Idee und einen Prototypen, aber zu wenig Geld für eine Massenproduktion. Bushnell wollte nicht von Geldgebern abhängig sein. Laut Wikipedia bekam Atari 1975 nur kleinere Investitionen und dachte Anfang 1976 über einen Verkauf an eine größere Firma nach.
Im Oktober 1976 kaufte Warner Communications Atari für 28 Millionen Dollar. Warner steckte laut Wikipedia danach rund 120 Millionen Dollar in die Firma, um die Konsole schnell auf den Markt zu bringen. Zu Warner gehörten damals auch Filmstudio und Plattenfirma. Für Atari bedeutete das Geld und Marketingmacht, für Bushnell aber den Verlust der Kontrolle.
Das ging nicht lange gut. Bushnell fürchtete, die Technik des VCS werde bald veralten, und wollte Geld in eine bessere Konsole stecken. Warner sah das anders. Anfang 1979 verlor Bushnell seine Posten als Chef und Vorsitzender. Er übernahm die Rechte an Pizza Time Theatre, der späteren Kette Chuck E. Cheese. Seine Sorge um die Technik erwies sich übrigens als unbegründet: Gerade in den Jahren nach seinem Abgang verkaufte sich die Konsole am besten.
Der Start 1977: holprig und dann ein Hit
Im September 1977 kam das Atari Video Computer System in den USA in den Handel. Die meisten Quellen nennen 199 Dollar als Preis, die englische Wikipedia 189,95 Dollar. Im Karton lagen zwei Joysticks, zwei Paddles und das Modul Combat. Paddles sind Drehregler, mit denen du zum Beispiel einen Schläger hin und her bewegst.
Neun Spiele gab es zum Start: Air-Sea Battle, Basic Math, Blackjack, Combat, Indy 500, Star Ship, Street Racer, Surround und Video Olympics. Parallel verkaufte das Kaufhaus Sears die Konsole unter eigenem Namen als Tele-Games Video Arcade. Für Sears entstanden sogar drei exklusive Spiele: Steeplechase, Stellar Track und Submarine Commander.
Der Start war zäh. 1977 verkaufte Atari laut Wikipedia nur 350.000 bis 400.000 Geräte. Es gab Lieferprobleme, und viele Kunden kannten das Prinzip mit den Wechselmodulen noch nicht. 1978 baute Atari 800.000 Konsolen, verkaufte aber nur 550.000. Warner musste finanziell aushelfen.
Die Wende kam 1980 mit Space Invaders. Atari hatte die Lizenz für den Automatenhit von Taito gekauft, und plötzlich gab es einen Grund, die Konsole zu kaufen. 1980 gingen über 1,25 Millionen Geräte über die Ladentheke, 1982 waren es 5,5 Millionen in einem Jahr. Im November 1982 benannte Atari das VCS in Atari 2600 um, passend zur neuen Atari 5200. Die Zahl stammt aus der Teilenummer CX2600.
Der Atari in Deutschland
Nach Europa kam die Konsole laut englischer Wikipedia 1978. Richtig los ging es in Deutschland aber erst mit einer eigenen Niederlassung. Im März 1980 gründete Atari in Hamburg die Atari Elektronik Vertriebsgesellschaft mbH, eine der ersten Niederlassungen in Europa. Das steht in der deutschen Wikipedia.
Der Preis lag dort zunächst bei 340 DM, später bei 379 DM. Die deutsche Wikipedia stützt sich dabei auf zeitgenössische Zeitschriften: das Heft "Video" von 1980 und das Elektronik-Magazin ELO vom Dezember 1982. Zum Vergleich: Das Interton VC 4000 aus Köln kostete Ende 1978 rund 298 bis 398 DM.
Atari setzte auf große Werbung. Die Agentur BBDO entwarf den Slogan "Atari. Mit uns können Sie was erleben!", Anzeigen liefen in Stern und Playboy, und für Fernsehwerbung gab Atari laut deutscher Wikipedia bis zu 20 Millionen DM aus. 1980 verkaufte Atari in der Bundesrepublik etwa 25.000 Geräte und setzte sich damit vor Interton und Philips an die Spitze.
Eine deutsche Besonderheit war das Versandhaus Quelle. Es verkaufte Atari-kompatible Spiele unter der Hausmarke Universum, teils an deutsche Verhältnisse angepasst. Auch die Computer-Erweiterung Compumate von Spectravideo gab es hierzulande über Quelle.
Ein weiteres Stück deutscher Geschichte: Am 19. Dezember 1984 setzte die damalige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) das Activision-Spiel River Raid auf den Index. Begründet wurde das laut deutscher Wikipedia mit "kriegsverherrlichenden" Eigenschaften. Erst 2003 wurde es wieder vom Index gestrichen.
Interessant ist das späte Leben der Konsole hierzulande. Im Herbst 1984 gab es laut Happy Computer die kleine 2600 Junior zusammen mit Centipede für etwa 349 DM. 1987, als in den USA längst das NES regierte, war der Atari 2600 laut deutscher Wikipedia die meistverkaufte Videospielkonsole des Jahres in der Bundesrepublik. Er kostete da nur noch etwa 130 DM.
Für viele in Deutschland war der Atari die erste Konsole überhaupt, oft gekauft im Kaufhaus oder bestellt aus dem Quelle-Katalog.
Verkaufszahlen: weltweit, USA und Deutschland
Die meistzitierte Zahl lautet: rund 30 Millionen Atari 2600 wurden weltweit verkauft. Eine offizielle Endabrechnung von Atari mit Stichtag gibt es nicht, die Zahl ist eine Schätzung aus Branchen- und Firmenangaben. Für die frühen Jahre in den USA nennt die englische Wikipedia diese Werte:
| Jahr | Verkauft (USA) | Anmerkung |
|---|---|---|
| 1977 | 350.000 bis 400.000 | Start mit Lieferproblemen |
| 1978 | 550.000 | von 800.000 gebauten Geräten |
| 1979 | rund 600.000 | 1,3 Millionen Geräte in Haushalten |
| 1980 | über 1,25 Millionen | Space Invaders als Zugpferd |
| 1981 | rund 3,1 Millionen | Schätzung |
| 1982 | 5,5 Millionen | Rekordjahr, 10 Millionen insgesamt in den USA |
Quelle: englische Wikipedia, Atari 2600. Die Zahlen beziehen sich auf die USA.
Für Europa gibt es nur einzelne Werte. Laut englischer Wikipedia standen in Westdeutschland bis 1984 rund 450.000 Geräte. Großbritannien kam 1980 auf 125.000 verkaufte Konsolen, Frankreich bis 1989 auf 600.000. Noch 1991 wurden in Europa 200.000 Atari 2600 verkauft.
Eine belastbare Gesamtzahl für Deutschland über die ganze Laufzeit haben wir nicht gefunden. Weder Atari noch Branchenverbände haben eine solche Zahl veröffentlicht, die wir prüfen konnten. Sicher ist nur: 25.000 Geräte im Jahr 1980, rund 450.000 bis 1984 und die meistverkaufte Konsole des Jahres 1987.
Modelle und Lizenzgeräte
In 15 Jahren hat Atari den 2600 mehrmals umgebaut, meist um Kosten zu sparen. Sammler haben den Modellen Spitznamen gegeben, und die sind heute geläufiger als die offiziellen Bezeichnungen.
| Modell | Jahre | Was anders ist |
|---|---|---|
| "Heavy Sixer" (CX2600) | 1977 bis 1978 | dickes, schweres Kunststoffgehäuse, sechs Schalter vorn, Holzfront, anfangs in Sunnyvale gebaut, heute selten |
| "Light Sixer" (CX2600) | 1978 bis 1982 | dünneres Gehäuse und leichtere Abschirmung, sonst gleich, gebaut in Sunnyvale, Taiwan und Hongkong |
| Vierschalter "Woody" (CX2600A) | 1980/81 bis 1983 | nur noch vier Schalter vorn, die beiden Schwierigkeitsschalter wandern nach hinten, Holzfront bleibt, eine statt zwei Platinen, häufigstes Modell |
| "Vader" | 1982/83 bis 1985, in Frankreich bis 1990 | ganz schwarz ohne Holz, erstmals offiziell "Atari 2600", späte Version CX-2600CR mit nur einem Joystick und ohne Spiel |
| Atari 2600 Jr. | 1984 (PAL), 1986 (NTSC) bis 1991/92 | klein und flach im Stil des Atari 7800, Aluminiumblende mit Regenbogenstreifen, Taster statt Kippschalter für Select und Reset |
| Jr. "Unicorn" | 1988 bis 1989 | alle drei Hauptchips in einem einzigen Chip von Ricoh, außen nicht zu erkennen, sehr selten |
Jahre und Unterschiede laut ConsoleMods Wiki und englischer Wikipedia. Die Angaben zu den Jahren überschneiden sich, weil Modelle parallel gebaut wurden.
Sears, Japan und Nachbauten
Neben Ataris eigenen Modellen gab es Varianten unter anderem Namen. Sears verkaufte ab 1977 die Tele-Games Video Arcade, technisch ein Atari 2600 mit eigenem Schriftzug. Ende 1982 folgte die Video Arcade II mit eigenem, flachem Gehäuse und vier Controller-Anschlüssen. Im Kern ist sie baugleich mit dem japanischen Atari 2800, das im Oktober 1983 in Japan erschien. Für die 2800 kamen laut Wikipedia rund 35 Spiele heraus.
Dazu kamen Nachbauten anderer Firmen, etwa der Coleco Gemini von 1983. Laut ConsoleMods Wiki ist er schlichter verarbeitet und nutzt einen nachgebauten Grafikchip. In Frankreich gab es außerdem eine SECAM-Version des 2600, weil dort ein anderes Fernsehsystem galt. Was die Modelle für deinen Kauf bedeuten, steht in der Kaufberatung.
Technik kurz erklärt: Racing the Beam
Der Atari 2600 ist ein Sparwunder. Der Prozessor 6507 ist eine abgespeckte Version des 6502, der auch im Apple II und später leicht abgewandelt im NES und C64 steckt. Er läuft mit rund 1,19 MHz und kann nur 8 KB Speicher direkt ansprechen. Der Arbeitsspeicher ist winzig: 128 Byte. Das ist weniger, als dieser Absatz Zeichen hat.
Die Spiele kamen auf ROM-Modulen. Combat hatte 2 KB, bald wurden 4 KB Standard. Mit einem Trick namens Bankswitching ging es weiter: Das Modul schaltet zwischen mehreren 4-KB-Blöcken hin und her. Laut Wikipedia nutzte die Umsetzung von Asteroids 1981 das als Erste und kam so auf 8 KB. Späte Spiele wie Fatal Run haben 32 KB.
Das Besondere ist der Grafikchip TIA. Moderne Konsolen bauen ein Bild komplett im Speicher auf, in einem sogenannten Bildspeicher oder Framebuffer, und schicken es dann an den Fernseher. Der Atari hat keinen. Speicher war zu teuer. Darum muss das Programm jede einzelne Bildzeile genau in dem Moment berechnen, in dem der Elektronenstrahl des Röhrenfernsehers sie zeichnet. Programmierer nennen das "Racing the Beam", ein Wettrennen mit dem Strahl. Die eigentliche Spiellogik läuft in den kurzen Pausen, in denen der Strahl unsichtbar zurückspringt.
Pro Zeile kann der TIA nur wenige Objekte zeigen: einen Hintergrund, der nur die linke Bildhälfte abdeckt und gespiegelt oder wiederholt wird, zwei Spielfiguren mit 8 Bildpunkten Breite, zwei Geschosse und einen Ball. Alles andere ist Programmierkunst. Das Buch "Racing the Beam" von Nick Montfort und Ian Bogost, 2009 bei MIT Press erschienen, erklärt das an Spielen wie Combat, Pitfall! und Yars' Revenge.
Die Fernsehnorm macht einen Unterschied. Laut Wikipedia zeigt die NTSC-Version 192 sichtbare Zeilen mit 60 Hz und 128 Farben. Die PAL-Version für Deutschland kommt auf 228 Zeilen mit 50 Hz, aber weniger Farben. Die französische SECAM-Version hat nur 8 Farben.
Activision und die ersten Drittanbieter
Atari nannte seine Programmierer nicht. Kein Name stand auf den Packungen. Warren Robinett, der 1980 das Spiel Adventure schrieb, versteckte deshalb einen geheimen Raum mit dem Text "Created by Warren Robinett". Laut Wikipedia verdiente er rund 22.000 Dollar im Jahr und bekam keine Beteiligung, obwohl sich Adventure über eine Million Mal verkaufte. Ein Jugendlicher fand den Raum, und Atari machte daraus eine Tugend. Solche Verstecke heißen seitdem Easter Eggs.
Andere Programmierer gingen weiter. Im Mai 1979 verlangten David Crane, Alan Miller und Bob Whitehead von Atari-Chef Ray Kassar mehr Anerkennung und eine Beteiligung am Umsatz. Kassar nannte sie laut Wikipedia "Handtuch-Designer" und meinte, jeder könne ein Modul bauen. Die drei kündigten und gründeten am 1. Oktober 1979 mit dem Manager Jim Levy die Firma Activision.
Activision war die erste Firma, die Spiele für eine fremde Konsole entwickelte. Die ersten Titel kamen Mitte 1980: Dragster, Fishing Derby, Checkers und Boxing. Die Packungen waren bunt, und in den Anleitungen standen die Namen der Entwickler. Atari klagte 1980 wegen angeblich gestohlener Geschäftsgeheimnisse. Der Streit endete 1982 mit einem Vergleich: Activision zahlte Lizenzgebühren an Atari. Damit war das Prinzip der Drittanbieter anerkannt, und es gilt bis heute.
Danach öffneten sich die Schleusen. Imagic, Parker Brothers, Coleco, CBS, Mattel mit seiner Marke M Network und viele andere brachten Spiele heraus. Laut Wikipedia arbeiteten 1982 schon 16 Firmen an VCS-Spielen, und Drittanbieter machten die Hälfte der verkauften Spiele aus. Das war der Anfang vom Ende, aber dazu gleich mehr.
Spiele: wie viele und welche
Die englische Wikipedia-Liste zählt 407 Spiele, die während der Laufzeit offiziell erschienen. Spiele von Hobbyprogrammierern nach 1992 sind dort getrennt aufgeführt. Die deutsche Wikipedia nennt eine viel höhere Zahl: Atari selbst habe über 130 Spiele produziert, mit Drittanbietern seien es über 1000 Titel. Der Unterschied kommt vermutlich daher, wie Varianten, Umbenennungen und regionale Ausgaben gezählt werden. Die Datenbank PriceCharting führt allein über 500 Einträge für PAL-Module. Nimm die 407 als vorsichtige Untergrenze.
Einige Spiele erschienen nur in PAL-Ländern, darunter Klax, Fatal Run und My Golf. Klax kam laut Wikipedia Mitte 1990 in Großbritannien heraus und war eines der letzten lizenzierten Spiele für den 2600.
Die Top 10 der meistverkauften Spiele
| Platz | Spiel | Hersteller, Jahr | Verkauft | Quelle der Zahl |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Pac-Man | Atari, 1982 | 8.095.586 | Wikipedia-Liste |
| 2 | Space Invaders | Atari, 1980 | 6.252.229 | Wikipedia-Liste |
| 3 | Donkey Kong | Coleco, 1982 | 4.000.000 | Wikipedia-Liste |
| 4 | Pitfall! | Activision, 1982 | 4.000.000 | Wikipedia-Liste |
| 5 | Asteroids | Atari, 1981 | 3.832.886 | Wikipedia-Liste |
| 6 | Defender | Atari, 1982 | 3.040.684 | Wikipedia-Liste |
| 7 | E.T. the Extra-Terrestrial | Atari, 1982 | 2.740.232 | Wikipedia-Liste (ausgeliefert, viele Rückläufer) |
| 8 | Ms. Pac-Man | Atari, 1983 | 2.311.428 | Wikipedia-Liste |
| 9 | Demon Attack | Imagic, 1982 | 2.000.000 | Wikipedia-Liste |
| 10 | Night Driver | Atari, 1980 | 1.990.643 | Wikipedia-Liste |
Quelle: englische Wikipedia, List of best-selling Atari 2600 video games. Die genauen Zahlen bei Atari-Titeln stammen aus internen Verkaufsunterlagen, die runden Zahlen der Drittanbieter sind Firmenangaben. Weltweite Zahlen, keine getrennten Werte für Deutschland.
Auffällig: Sieben der zehn Titel sind Umsetzungen von Automaten oder Lizenzen. Pitfall! von David Crane ist die große Ausnahme. Das Dschungelabenteuer mit Harry an der Liane gilt als einer der Wegbereiter der Jump'n'Runs und ist bis heute das bekannteste Activision-Spiel der Zeit.
Pac-Man, E.T. und der Crash von 1983
1982 schien Atari unschlagbar. Die Konsole kostete in der Herstellung laut Wikipedia rund 40 Dollar und wurde im Schnitt für 125 Dollar verkauft. Ein Modul kostete 4,50 bis 6 Dollar in der Herstellung. Atari hatte 1982 rund 58 Prozent des Hardwaremarkts in Nordamerika. Dann kamen zwei Spiele, die bis heute für den Absturz stehen.
Pac-Man
Tod Frye programmierte die Umsetzung des Automatenhits allein, laut Wikipedia in sechs Monaten mit 80-Stunden-Wochen. Er hatte nur 4 KB Platz, der Automat hatte 16 KB. Das Ergebnis: Die Geister flackern, weil die Konsole pro Bild nur einen davon zeigen kann. Ein Kritiker taufte das Spiel "Flickerman". Trotzdem wurde Pac-Man mit über 8 Millionen Modulen das meistverkaufte Spiel der Konsole. Viele Käufer waren aber enttäuscht.
E.T.
Für die Lizenz zum Spielberg-Film zahlte Atari laut Wikipedia 20 bis 25 Millionen Dollar. Programmierer Howard Scott Warshaw hatte nur gut fünf Wochen Zeit, denn das Spiel musste am 1. September 1982 fertig sein, um im Weihnachtsgeschäft zu stehen. Atari ließ rund 4 Millionen Module herstellen.
Wie viele davon wirklich verkauft wurden, ist umstritten. Die Wikipedia-Seite zum Atari 2600 nennt rund 1,5 Millionen verkaufte Module, so steht es auch in unserem Artikel Wie alles begann. Die Bestsellerliste führt 2,7 Millionen, die Seite zum Spiel selbst über 2,6 Millionen bis Ende 1982. Diese höheren Zahlen meinen ausgelieferte Module, und viele davon kamen von Händlern zurück. Laut Wikipedia gingen 1983 mindestens 669.000 Rückläufer ein. Einig sind sich alle Quellen: E.T. war ein teurer Fehlschlag.
Der Absturz
Im Dezember 1982 musste Warner seine Gewinnprognose drastisch senken, weil Atari schwächer verkaufte. Der Markt war mit Konsolen und schnell produzierten Spielen überschwemmt. Am 26. September 1983 ließ Atari Lastwagen voller unverkaufter Module und Geräte auf einer Deponie in Alamogordo im US-Bundesstaat New Mexico vergraben. Lange galt das als Legende. Bei einer Grabung am 26. April 2014 kamen tatsächlich Module ans Licht, laut einem früheren Atari-Manager lagen dort rund 728.000 Stück.
Atari meldete für 1983 einen Verlust von 536 Millionen Dollar. Der nordamerikanische Videospielmarkt brach zusammen. Wie Nintendo zwei Jahre später mit dem NES den Neustart schaffte, liest du im NES-Artikel.
Teure Sammlerstücke
Die teuersten Atari-Module stammen oft von winzigen Firmen, die nur ein oder zwei Spiele herausbrachten. Die lassen wir hier bewusst weg, genauso wie Homebrews, also neue Spiele von Hobbyprogrammierern. Diese Liste zeigt seltene Module großer Firmen der Zeit. Die Preise sind grobe Größenordnungen aus PriceCharting, abgerufen im Oktober 2026, für US-Module in US-Dollar. Sie schwanken stark und hängen vom Zustand ab.
| Spiel | Hersteller | Warum selten | Größenordnung |
|---|---|---|---|
| Pepsi Invaders | Atari für Coca-Cola, 1983 | nur 125 Stück für Coca-Cola-Manager, die meisten weggeworfen | lose um 2.000 Dollar, mit Verpackung mehr |
| Atlantis II | Imagic, 1982 | nur Preis für die besten Spieler eines Wettbewerbs | laut Retro Dodo 800 bis über 20.000 Dollar |
| Swordquest: Waterworld | Atari, 1984 | nur für Mitglieder des Atari Club | lose in den unteren Hunderten, komplett deutlich mehr |
| Quadrun | Atari, 1983 | Versand über den Atari Club, nur rund 10.000 Stück | lose um 200 Dollar, komplett vierstellig |
| Crazy Climber | Atari, 1982/83 | nur über den Atari-Fanclub | lose um 100 Dollar, komplett mehrere Hundert |
| Superman (Tele-Games-Etikett mit Bild) | Sears/Atari | seltene Sears-Variante | lose um 900 Dollar |
| Asterix (NTSC) | Atari, 1983 | in Europa normal erhältlich, in Nordamerika nur wenige Module | laut Hardcore Gaming 101 mehrere Hundert Dollar, PAL deutlich günstiger |
| Klax (PAL) | Atari Corp., 1990 | nur in PAL-Ländern, eines der letzten Spiele | so selten, dass PriceCharting keine Verkäufe erfasst hat |
Quellen: PriceCharting (NTSC-U und PAL), Retro Dodo (Dezember 2022), Hardcore Gaming 101, Hintergründe laut Wikipedia und AtariProtos.
Für PAL-Sammler gilt: Viele US-Raritäten gab es in Europa gar nicht. Umgekehrt sind manche PAL-Titel in Europa normal, in den USA aber gesucht, Asterix ist das beste Beispiel. Schau für echte Preise immer bei eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel" und achte darauf, ob PAL oder NTSC angeboten wird. Ein Modul mit Originalkarton und Anleitung kostet oft ein Vielfaches des losen Moduls.
Das lange Ende
Im Juli 1984 verkaufte Warner die Heimsparte von Atari für 240 Millionen Dollar an Jack Tramiel, den Gründer von Commodore. Seine neue Atari Corporation setzte auf Heimcomputer wie den Atari ST. Neue 2600-Spiele stoppte Tramiel zunächst.
Ganz tot war die Konsole aber nicht. Die kleine 2600 Jr. kam 1984 in PAL-Ländern und 1986 in den USA, beworben als Konsole für unter 50 Dollar mit dem Slogan "The fun is back!". Der eigentliche Nachfolger, der Atari 7800, erschien 1986 und spielte auch 2600-Module ab. Gegen das NES hatte Atari in den USA aber keine Chance.
In Europa lief es länger. Ende 1991 stellte Atari laut deutscher Wikipedia die Produktion ein, die englische Wikipedia nennt 1992 als Ende. Verkauft wurden Restbestände in Europa laut englischer Wikipedia noch bis 1995. Die letzten offiziellen Spiele waren Secret Quest und Fatal Run um 1989/90 und das PAL-exklusive Klax von 1990. Damit lief der Atari 2600 rund 14 Jahre.
Das Vermächtnis
Kaum eine Konsole hat die Branche so geprägt. Der Atari 2600 machte Mikroprozessor und Wechselmodul zum Standard, brachte Automatenhits ins Wohnzimmer und ließ mit Activision die ersten Drittanbieter entstehen. Er zeigte aber auch, was passiert, wenn niemand auf Qualität achtet. Nintendos strenge Lizenzregeln beim NES gelten als Antwort darauf.
2007 wurde der Atari 2600 in die National Toy Hall of Fame im Museum The Strong in Rochester aufgenommen. IGN wählte ihn 2009 auf Platz 2 der besten Konsolen aller Zeiten. Den Joystick CX40 erkennen bis heute auch Menschen, die nie einen Atari hatten.
Auch neue Geräte greifen ihn auf. Es gab zahlreiche Flashback-Konsolen mit eingebauten Spielen. Am 17. November 2023 erschien der Atari 2600+, eine verkleinerte Neuauflage mit HDMI-Ausgang, die originale 2600- und 7800-Module abspielt. Er arbeitet mit Software-Emulation, darum laufen laut Wikipedia nicht alle Module. Warum alte Spiele heute ins Museum und ins Regal gehören, steht in unserem Artikel über Videospiele als Kultur.
Du willst dir einen Atari 2600 holen? In der Atari-2600-Kaufberatung steht, welches Modell zu dir passt, wie du ihn an einen modernen Fernseher bringst und worauf du bei Joystick, Schaltern und Netzteil achten musst.
Häufige Fragen zum Atari 2600
Wann kam der Atari 2600 nach Deutschland?
Nach Europa kam er laut englischer Wikipedia 1978. Richtig durchgestartet ist er in Deutschland ab März 1980, als Atari in Hamburg eine eigene Niederlassung gründete. Er kostete zunächst 340 DM, später 379 DM.
Wie viele Atari 2600 wurden verkauft?
Rund 30 Millionen weltweit. In Westdeutschland waren es laut englischer Wikipedia bis 1984 rund 450.000. Eine Gesamtzahl für Deutschland über die ganze Laufzeit gibt es nicht.
Was ist der Unterschied zwischen VCS und 2600?
Keiner, es ist dieselbe Konsole. Bis November 1982 hieß sie Atari Video Computer System, kurz VCS. Danach nannte Atari sie nach der Teilenummer CX2600 um.
Was bedeuten Heavy Sixer, Woody und Vader?
Das sind Spitznamen von Sammlern. Heavy Sixer ist das erste, schwere Modell mit sechs Schaltern vorn. Woody ist die Version mit vier Schaltern und Holzfront. Vader ist das ganz schwarze Modell ab 1982/83.
Was war das meistverkaufte Atari-2600-Spiel?
Pac-Man mit gut 8 Millionen Modulen, obwohl die Umsetzung schon damals als schwach galt. Dahinter folgen Space Invaders mit gut 6 Millionen sowie Donkey Kong und Pitfall! mit je rund 4 Millionen.
Wurden die E.T.-Module wirklich in der Wüste vergraben?
Ja. Am 26. September 1983 landeten unverkaufte Module und Geräte auf einer Deponie in Alamogordo, New Mexico. Eine Grabung 2014 hat das bestätigt.
Quellen
- Wikipedia (englisch): Atari 2600
- Wikipedia (deutsch): Atari 2600
- Wikipedia (englisch): Nolan Bushnell
- Wikipedia (englisch): Activision
- Wikipedia (englisch): Adventure (1980)
- Wikipedia (englisch): List of Atari 2600 games
- Wikipedia (englisch): List of best-selling Atari 2600 video games
- Wikipedia (englisch): Pac-Man (Atari 2600)
- Wikipedia (englisch): E.T. the Extra-Terrestrial (Videospiel)
- Wikipedia (englisch): Atari video game burial
- Wikipedia (deutsch): River Raid
- Wikipedia (englisch): Klax
- Wikipedia (englisch): Racing the Beam
- Wikipedia (englisch): Atari 2600+
- Wikipedia (englisch): Pepsi Invaders
- Wikipedia (englisch): Atlantis (Atlantis II)
- Wikipedia (englisch): Swordquest
- Wikipedia (englisch): Quadrun
- AtariProtos: Crazy Climber
- Hardcore Gaming 101: Astérix / Taz (Atari 2600)
- ConsoleMods Wiki: Atari 2600 Model Differences
- Retro Dodo: Rare Atari Games (Dezember 2022)
- PriceCharting: Atari 2600 (NTSC-U), sortiert nach Preis
- PriceCharting: PAL Atari 2600, sortiert nach Preis