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Geschichte · Game Boy Advance

Der Game Boy Advance: 32 Bit für die Hosentasche

2001 legte Nintendo den Game Boy quer, sprang von 8 auf 32 Bit und brachte Super-Nintendo-Spiele in die Hosentasche. Aus einem Gerät ohne Licht wurde eine ganze Familie: das Original, zwei Varianten des aufklappbaren SP und der winzige Micro. Hier liest du, wie der Game Boy Advance entstand, worin sich die Modelle unterscheiden, wie oft er verkauft wurde und welche PAL-Module heute richtig Geld kosten.

Stand 30.09.2026 · ca. 19 Min. Lesezeit
22.06.2001Start in Europa und Deutschland
81,51 Mio.GBA-Familie weltweit, alle Modelle (Nintendo)
1.538lizenzierte Spiele laut Wikipedia-Liste
2001 · Nintendo · 32 BitGame Boy Advance
Foto Game Boy Advance: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Steckbrief

Entwickelt vonNintendo, Handheld-Abteilung unter Satoru Okada. Gehäuse von Gwénaël Nicolas (Curiosity Inc.)
Japan21. März 2001, 9.800 Yen
Nordamerika11. Juni 2001, 99,99 Dollar
Europa und Deutschland22. Juni 2001, laut GamePro 250 DM (rund 127 Euro)
Prozessor32-Bit-ARM7TDMI mit 16,78 MHz, dazu ein 8-Bit-Prozessor für alte Game-Boy-Spiele
Speicher32 KB schneller und 256 KB normaler Arbeitsspeicher, 96 KB Videospeicher
Display2,9 Zoll, 240 × 160 Pixel, bis zu 32.768 Farben, beim Original ohne Beleuchtung
StromOriginal: 2 × AA, bis zu 15 Stunden. SP und Micro: eingebauter Akku
ModelleAGB-001 (2001), SP AGS-001 (2003), SP AGS-101 (2005), Micro OXY-001 (2005)
Verkauft81,51 Millionen, alle Modelle zusammen (Nintendo)
Spiele1.538 lizenzierte Spiele laut Wikipedia-Liste
ProduktionsendeAmerika 2008, weltweit bis Ende 2010

Vorgeschichte: Project Atlantis

Der Game Boy war Ende der 90er ein Phänomen, aber technisch ein Oldtimer. Wie er von 1989 an die Welt eroberte, steht in unserem Artikel über Game Boy und Game Boy Color. Bei Nintendo dachte man schon lange über einen Nachfolger nach.

Laut Wikipedia experimentierte ein Team unter Satoru Okada bereits in den 90ern mit einem Handheld mit Farbdisplay und einem 32-Bit-Prozessor der britischen Firma ARM. Der Codename lautete Project Atlantis. Okada hatte schon am ersten Game Boy die Technik verantwortet. Das Team war mit dem Ergebnis aber nicht zufrieden, und spätestens 1997 lag das Projekt auf Eis.

Dann kam Konkurrenz. SNK brachte den Neo Geo Pocket, Bandai den WonderSwan. Nintendo reagierte und nahm die Farbdisplay-Technik aus Atlantis für ein Zwischenmodell, kombiniert mit einem aufgebohrten 8-Bit-Prozessor. So entstand 1998 der Game Boy Color. Der eigentliche Sprung auf 32 Bit war damit nur verschoben.

Entwicklung und Design: Der Game Boy wird quergelegt

Erste Details sickerten Ende August 1999 rund um Nintendos Hausmesse Space World durch. Am 1. September 1999 kündigte Nintendo den Game Boy Advance offiziell an. Geplant war damals ein Start in Japan im August 2000, Nordamerika und Europa sollten zum Jahresende folgen. Daraus wurde nichts. Die fertige Form zeigte Nintendo erst am 24. August 2000 auf der Space World 2000.

Die größte Überraschung war das Format. Alle Game Boys davor waren Hochkant-Geräte, der Bildschirm oben, die Tasten darunter. Der Advance liegt quer in der Hand, links das Steuerkreuz, rechts A und B, oben zwei Schultertasten L und R. Diese Form stammt laut Wikipedia vom französischen Designer Gwénaël Nicolas und seinem Tokioter Studio Curiosity Inc. Nintendo-Online nennt als Leiter der Gestaltung bei Nintendo Kenichi Sugino.

Das Display wurde breiter: 240 × 160 Pixel statt 160 × 144 beim Game Boy. Als Herz wählte Nintendo laut Wikipedia einen ARM7-Prozessor, weil er viel Leistung bei geringem Stromverbrauch bot. Das Gerät wog laut Nintendo-Online rund 140 Gramm.

Game Boy Advance, das Original im QuerformatFoto: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Der Start 2001: Japan, USA und Europa

Am 21. März 2001 kam der Game Boy Advance in Japan in die Läden, für 9.800 Yen. Laut Wikipedia standen dort zum Start 25 Spiele bereit. Nordamerika folgte am 11. Juni 2001 mit einem Preis von 99,99 Dollar und 17 Startspielen. In der ersten Woche verkaufte Nintendo dort 500.000 Geräte. Damit war der GBA zu diesem Zeitpunkt die am schnellsten verkaufte Konsole in den USA.

Europa war am 22. Juni 2001 dran, also nur elf Tage nach den USA. Wikipedia zählt 15 Startspiele. Darunter waren Super Mario Advance, F-Zero: Maximum Velocity, Castlevania: Circle of the Moon, Rayman Advance und Tony Hawk's Pro Skater 2. In Großbritannien gingen in der ersten Woche 81.000 Geräte über den Ladentisch. Das war mehr als der bisherige Rekord der PlayStation 2.

Was kostete der GBA in Deutschland?

Laut GamePro kostete der Game Boy Advance in Deutschland zur Markteinführung 250 DM, umgerechnet rund 127 Euro. Bezahlt wurde damals noch in Mark. Das Euro-Bargeld kam laut Bundesbank erst am 1. Januar 2002. Zum Vergleich: Der erste Game Boy kostete 1990 in Deutschland 169 DM. Eine zweite zeitgenössische Quelle für den Preis von 2001 haben wir nicht gefunden.

Das dunkle Display

Ein Punkt trübte die Freude. Das Display des Originals hat keine Beleuchtung und reflektiert nur das Licht, das von außen darauf fällt. Das ConsoleMods Wiki schreibt, der Bildschirm sei in allem außer direktem Licht sehr schwer zu erkennen. Bald gab es Nachrüstsätze von Drittanbietern. Am bekanntesten wurde der Afterburner, ein Frontlicht zum Einbauen, das laut Wikipedia trotz Garantieverlust sehr beliebt war. Nintendo hatte das Problem verstanden. Die Antwort kam zwei Jahre später.

Technik: Was im Advance steckt

Das Herz ist ein ARM7TDMI mit 16,78 MHz. Er rechnet mit 32 Bit, beherrscht aber auch einen sparsamen 16-Bit-Befehlssatz namens Thumb, der nur halb so viel Speicher braucht. Dazu kommen 32 KB sehr schneller Arbeitsspeicher, 256 KB langsamerer Arbeitsspeicher und 96 KB Videospeicher.

Für alte Spiele steckt ein zweiter Prozessor im Gerät, ein Sharp SM83 wie im Game Boy Color. Er läuft mit 4,2 oder 8,4 MHz. Beide Prozessoren arbeiten laut der Technik-Analyse von Rodrigo Copetti nie gleichzeitig. Ein Schalter im Modulschacht erkennt, ob ein altes Game-Boy-Modul steckt, und schaltet den Advance in den passenden Modus. Mit L und R wechselst du bei alten Spielen zwischen dem Originalbild und einer auf die volle Breite gestreckten Ansicht.

Grafik und Ton

Das Display zeigt 240 × 160 Pixel und bis zu 32.768 Farben. Die Grafik baut sich aus bis zu vier Hintergrundebenen und frei beweglichen Figuren auf. Hintergründe und Figuren lassen sich drehen und skalieren, ähnlich wie beim berühmten Mode 7 des Super Nintendo.

Beim Ton kombiniert der GBA zwei Kanäle für digitale Samples mit dem alten Klangchip des Game Boy. Ein leises Brummen und Rauschen gehört zum Gerät. Console Artisan nennt es ausdrücklich eine Eigenschaft der Konstruktion und keinen Defekt.

Module und Spielstände

Die Module sind kleiner als Game-Boy-Module und können bis zu 32 MB Spieldaten fassen. Für Spielstände nutzen die Hersteller verschiedene Chips: batteriegestütztes SRAM, Flash-Speicher oder EEPROM. Flash und EEPROM brauchen keine Batterie. Viele GBA-Spielstände hängen deshalb nicht an einer Knopfzelle, anders als bei vielen alten Game-Boy-Modulen.

Modelle und Revisionen

Die GBA-Familie besteht aus vier Handhelds. Alle spielen die Advance-Module, aber bei Licht, Strom, Anschlüssen und alten Spielen gibt es große Unterschiede. Die Tabelle zeigt sie auf einen Blick.

Game Boy AdvanceGBA SPGBA SPGame Boy Micro
ModellnummerAGB-001AGS-001AGS-101OXY-001
Japan21.03.2001, 9.800 Yen14.02.2003, 12.500 Yenoffiziell nicht erschienen13.09.2005, 12.000 Yen
Nordamerika11.06.2001, 99,99 Dollar23.03.2003, 99,99 Dollar19.09.200519.09.2005, 99,99 Dollar
Europa und Deutschland22.06.2001, rund 250 DM28.03.2003, 129,99 Euro2006, nur kleine Stückzahl04.11.2005, 99 Euro
Display2,9 Zoll, reflektierend, ohne Licht2,9 Zoll, Frontlicht zum Ein- und Ausschalten2,9 Zoll, Hintergrundlicht, zwei Helligkeitsstufen2 Zoll, Hintergrundlicht, fünf Helligkeitsstufen
Strom2 × AA, bis zu 15 StundenAkku AGS-003, 10 Stunden mit Licht, 18 ohneAkku AGS-003Akku OXY-003, 5 bis 8 Stunden
Kopfhörer3,5-mm-Buchsekeine Buchse, Adapter für den Ladeanschlusskeine Buchse, Adapter für den Ladeanschluss3,5-mm-Buchse
Game Boy und Colorjajajanein, nur GBA-Module
Link-KabelAGB-005, Wireless Adapter AGB-015, GameCube-Kabel DOL-011wie das Originalwie das Originaleigenes Kabel OXY-008, Wireless Adapter OXY-004, kein GameCube-Kabel
Sondereditionen (Auswahl)viele Farben, Sondermodelle vor allem in JapanNES-Edition, goldene Zelda-Edition (Europa), Pokémon-EditionenEuropa: Surf Blue, Pink und Tribal EditionFamicom-Farben (außerhalb Japans als 20th Anniversary Edition), Pokémon und Mother 3 (Japan), wechselbare Blenden
Verkauft (Nintendo)rechnerisch gut 35 Mio.43,57 Mio., beide SP-Modelle zusammen2,42 Mio. (Stand 31.03.2007)

Preise: Japan und USA laut Wikipedia und Nintendo-Online, Deutschland 2001 laut GamePro, SP Europa laut Wikipedia und Hartware, Micro laut GameSpot. Für den AGS-101 haben wir keinen belegten Startpreis gefunden. Die Zahl für das Original ergibt sich aus der Gesamtzahl minus SP und Micro und ist deshalb nur eine Näherung.

Game Boy Advance (AGB-001, 2001)

Das Original ist das einzige Modell mit normalen AA-Batterien. Zwei Stück reichen laut Wikipedia für bis zu 15 Stunden. Ein Netzteil-Anschluss fehlt. Nintendo bot dafür Zubehör an, das in das Batteriefach gesteckt wird. Das Gerät spielt Game-Boy-, Game-Boy-Color- und GBA-Module und hat eine normale Kopfhörerbuchse. Sein großer Schwachpunkt ist das unbeleuchtete Display.

Für Bastler wichtig: Im Lauf der Produktion wechselte die Hauptplatine. Laut ConsoleMods Wiki haben die Platinen CPU-01 bis CPU-04 einen 40-poligen Displayanschluss, die ab 2002 gebaute CPU-10 einen 32-poligen. Das spielt eine Rolle, wenn du später ein modernes Display einbauen willst. Mehr dazu in der Kaufberatung.

Game Boy Advance SP (AGS-001, 2003)

Der SP erschien am 14. Februar 2003 in Japan und am 28. März 2003 in Europa, hier für 129,99 Euro. SP steht laut Wikipedia für "Special". Das Gerät klappt auf wie eine Puderdose, und im Display sitzt endlich ein Licht. Es ist ein Frontlicht, das von vorne auf den reflektierenden Bildschirm leuchtet. Du kannst es per Taste ein- und ausschalten. Statt Batterien steckt ein Lithium-Ionen-Akku im Gerät, der laut Wikipedia 10 Stunden mit Licht und 18 Stunden ohne hält und in drei Stunden wieder voll ist.

Der Preis für das kompakte Format: Die Kopfhörerbuchse fiel weg. Wer mit Kopfhörern spielen wollte, brauchte einen Adapter für den Ladeanschluss. Mit Nintendos Adapter ging Laden und Hören nicht gleichzeitig. Trotzdem wurde der SP zum erfolgreichsten Modell der Familie.

Game Boy Advance SP (AGS-101, 2005)

Äußerlich sieht der AGS-101 fast gleich aus. Innen steckt ein hintergrundbeleuchtetes Display mit deutlich besserem Bild. In Nordamerika kam er am 19. September 2005, nach Europa laut Wikipedia 2006 und nur in kleiner Stückzahl, etwa in Surf Blue, Pink und als Tribal Edition. In Japan erschien er offiziell nicht. Der wichtigste Unterschied im Alltag: Die Lichttaste schaltet beim AGS-101 zwischen zwei Helligkeitsstufen um. Ganz aus geht das Licht nie.

Zum Spielen ist er für viele heute das beste der drei großen Modelle. Wie du ihn sicher vom AGS-001 unterscheidest, steht in der Kaufberatung.

Game Boy Micro (OXY-001, 2005)

Den Micro stellte Reggie Fils-Aimé am 17. Mai 2005 auf der E3 vor. Er erschien am 13. September 2005 in Japan, am 19. September in Nordamerika und am 4. November 2005 in Europa, hier für 99 Euro. Er ist winzig, laut Nintendo-Online 50 × 101 × 17,2 mm bei 80 Gramm. Das 2-Zoll-Display ist hintergrundbeleuchtet und in fünf Stufen einstellbar. Die Kopfhörerbuchse ist zurück, und die Frontblende lässt sich tauschen.

Dafür spielt der Micro nur GBA-Module. Game-Boy- und Game-Boy-Color-Spiele laufen nicht. Auch die alten Link-Kabel und der Wireless Adapter passen nicht, weil Link- und Ladeanschluss zu einem neuen Stecker verschmolzen sind. Mit 2,42 Millionen Stück blieb der Micro das seltenste Modell der Familie. Genau das macht ihn heute zum Sammlerstück.

Sondereditionen

  • Original: Zum Start gab es Arctic (weiß), Black, Fuchsia (durchsichtig pink), Glacier (durchsichtig blau) und Indigo, in Japan zusätzlich Orange. Später folgten unter anderem Platinum und Red. Viele Sondermodelle, etwa aus den Pokémon Centern, gab es nur in Japan.
  • SP: Zum Start Platinum Silver und Cobalt Blue, später Flame Red und viele Editionen. Im Westen gab es eine Edition im Look von NES-Konsole und Controller. In Europa erschien eine goldene Zelda-Edition mit Triforce und Wappen der Königsfamilie von Hyrule, zusammen mit The Legend of Zelda: The Minish Cap.
  • Micro: In Europa zum Start in Silber, Grün, Blau und Pink. Die Famicom-Farben gab es in Japan, außerhalb Japans ab dem 4. Dezember 2005 als 20th Anniversary Edition. Nur in Japan erschienen eine rote Pokémon-Edition mit Pikachu-Silhouette und ein Paket mit Mother 3. Square Enix brachte eine Blende mit Motiven von Yoshitaka Amano zu Final Fantasy IV heraus.
Game Boy Advance SP aufgeklapptFoto: TylerMascola, Wikimedia Commons, gemeinfrei (CC0)

Zubehör und Erweiterungen

Link-Kabel und Wireless Adapter

Das Link-Kabel AGB-005 hat in der Mitte einen Verteiler, an den weitere Kabel passen. So spielen bis zu vier Leute gemeinsam. Alte Game-Boy-Color-Kabel funktionieren am GBA nur bei Game-Boy- und Color-Spielen. 2004 kam der Wireless Adapter AGB-015 dazu, zuerst im Paket mit Pokémon Feuerrot und Blattgrün. Er funktioniert laut Wikipedia mit 46 Spielen, alle aus den Jahren 2004 bis 2006. Nintendo empfahl, dass die Spieler höchstens rund drei Meter voneinander entfernt sitzen.

GameCube-Verbindung und Game Boy Player

Mit dem Kabel DOL-011 verbindest du den GBA mit dem GameCube. In Final Fantasy Crystal Chronicles braucht jeder Mitspieler einen eigenen GBA als Controller mit Zusatzbildschirm, ebenso in The Legend of Zelda: Four Swords Adventures. In Metroid Prime schaltest du über die Verbindung zu Metroid Fusion unter anderem den Fusion-Anzug frei.

Umgekehrt ging es auch. Der Game Boy Player (DOL-017) wird unter den GameCube geschraubt und spielt GBA-, Game-Boy- und Color-Module auf dem Fernseher. Er erschien am 21. März 2003 in Japan und am 20. Juni 2003 in Europa. Laut Wikipedia steckt darin fast dieselbe Hardware wie in einem Game Boy Advance, er emuliert also nichts. Zum Starten brauchst du eine Disc, die zur Region deines GameCube passen muss.

e-Reader, Play-Yan und GBA Video

Der e-Reader ist ein Aufsatz, der Karten mit aufgedruckten Punktcodes einliest. Die Technik dafür lizenzierte Nintendo von Olympus. Er erschien am 1. Dezember 2001 in Japan, am 16. September 2002 in Nordamerika und am 31. Oktober 2003 in Australien. Nach Europa kam er nie. Genutzt wurde er unter anderem für NES-Spiele auf Karten, Zusatzlevel für Super Mario Advance 4, Animal Crossing und Karten des Pokémon-Sammelkartenspiels.

Nach Europa kam dafür der Play-Yan, ein Adapter für Speicherkarten. Hier erschien er als Nintendo MP3 Player, ohne die Videofunktion der japanischen Version. Mit Game Boy Advance Video gab es außerdem Module mit Filmen und Zeichentrickfolgen.

Verkaufszahlen: Weltweit und in Europa

Nintendo nennt für die gesamte GBA-Familie 81,51 Millionen verkaufte Geräte und 377,42 Millionen verkaufte Spiele (offizielle Übersicht, Stand 30. Juni 2026). Anders als beim Game Boy weist Nintendo den SP getrennt aus.

RegionGBA-Familie gesamtdavon SP
Japan16,96 Mio.6,51 Mio.
Amerika41,64 Mio.24,00 Mio.
Übrige Welt (inklusive Europa)22,91 Mio.13,05 Mio.
Gesamt81,51 Mio.43,57 Mio.

Nintendo, Consolidated Sales Transition by Region (Stand 30. Juni 2016, seitdem unverändert). Nintendo rundet auf Zehntausend.

Der SP macht mehr als die Hälfte aller Geräte aus. Für den Micro nannte Nintendo laut Wikipedia zuletzt 2,42 Millionen Stück, Stand 31. März 2007. Davon entfielen 610.000 auf Japan, 950.000 auf Amerika und 870.000 auf den Rest der Welt. Zieht man SP und Micro ab, bleiben rechnerisch gut 35 Millionen für das Original. Die deutsche Wikipedia nennt ebenfalls über 35 Millionen.

Zum Vergleich: Game Boy und Game Boy Color kamen zusammen auf 118,69 Millionen, der Nachfolger Nintendo DS auf 154,02 Millionen. Der GBA verkaufte sich also sehr gut, stand aber zwischen zwei noch größeren Erfolgen.

Europa und Deutschland

Für Europa gibt es eine Zwischenzahl. Im Dezember 2003 meldete Nintendo laut Gameswelt mehr als zehn Millionen verkaufte Geräte in Europa, rund sieben Millionen Game Boy Advance und rund drei Millionen SP. Eine spätere Europazahl haben wir nicht gefunden. In Nintendos Tabelle steckt Europa in der Spalte "übrige Welt", zusammen mit Australien und weiteren Märkten.

Und Deutschland? Eine offizielle Zahl gibt es nicht. Wir haben in Nintendo-Veröffentlichungen und in der deutschen Fachpresse gesucht und nichts Belastbares gefunden. Schätzungen aus dem Netz nennen wir deshalb bewusst nicht.

Spiele: Wie viele und welche

Die Liste der englischen Wikipedia führt 1.538 lizenzierte Spiele für den Game Boy Advance, sortiert nach englischen Titeln. Module aus der Reihe Game Boy Advance Video sind nicht mitgezählt. Laut der Bestsellerliste haben 40 GBA-Spiele nachweislich mindestens eine Million Exemplare verkauft.

Die größten Hits kamen von Pokémon. Rubin und Saphir erschienen am 21. November 2002 in Japan und am 25. Juli 2003 in Europa. Sie hatten eine Uhr im Modul, die Ereignisse wie das Wachstum von Beeren steuert. Feuerrot und Blattgrün, Neuauflagen der ersten Generation, kamen am 1. Oktober 2004 nach Europa, im Paket mit dem Wireless Adapter. Smaragd folgte am 21. Oktober 2005.

Daneben lebte der GBA von Umsetzungen. Nintendo brachte unter dem Namen Super Mario Advance vier Mario-Klassiker neu heraus, dazu A Link to the Past, Donkey Kong Country und ab 2004 die Classic NES Series mit NES-Spielen in ihrer ursprünglichen Form. Neue Spiele wie Advance Wars, Golden Sun und WarioWare zeigten, dass der GBA auch eigene Ideen konnte.

Die zehn meistverkauften Spiele

#SpielJahrVerkauftQuelle
1Pokémon Rubin und Saphir200216,22 Mio.GameSpot
2Pokémon Feuerrot und Blattgrün200412,0 Mio.GameSpot
3Pokémon Smaragd20046,80 Mio.CESA
4Mario Kart: Super Circuit20015,91 Mio.Gizmodo
5Super Mario Advance 2: Super Mario World20015,69 Mio.Gizmodo
6Super Mario Advance20015,57 Mio.CESA
7Super Mario Advance 4: Super Mario Bros. 320035,43 Mio.CESA
8Namco Museum20012,96 Mio.The Magic Box
9Pac-Man Collection20012,94 Mio.Top 10 of Everything 2017 (Buch)
10Super Mario Advance 3: Yoshi's Island20022,83 Mio.CESA

Zahlen aus der Wikipedia-Liste der meistverkauften GBA-Spiele, Quellen laut den dortigen Einzelnachweisen. CESA ist der japanische Branchenverband, der jährlich ein Weißbuch mit Verkaufszahlen herausgibt. Jahr = Erstveröffentlichung. Knapp dahinter folgt The Legend of Zelda: A Link to the Past mit 2,82 Millionen.

Acht der zehn Spiele hat Nintendo veröffentlicht. Die Hälfte der Liste besteht aus Neuauflagen: vier Teile Super Mario Advance und Feuerrot und Blattgrün. Dazu kommen zwei Namco-Sammlungen mit Automatenklassikern. Für dich als Sammler hat das einen schönen Nebeneffekt: Diese Titel gibt es gebraucht in großer Zahl.

Teure Sammlerstücke

Die meisten GBA-Spiele sind gut zu bekommen. Ein paar PAL-Titel großer Publisher sind aber richtig teuer geworden. Meist liegt das an kleinen Auflagen, an einer späten Veröffentlichung oder am Karton. GBA-Kartons waren aus dünner Pappe, und komplette Exemplare mit Karton und Anleitung (Sammler sagen CIB, "complete in box") kosten oft ein Vielfaches des losen Moduls.

SpielPublisherEuropaPAL losePAL komplett
Pokémon SmaragdNintendo21.10.2005um 155 Dollarum 450 Dollar
Ninja Cop (in den USA: Ninja Five-O)Konami11.04.2003um 35 Dollarum 660 Dollar
Castlevania: Aria of SorrowKonami09.05.2003um 75 Dollarum 390 Dollar
Pokémon FeuerrotNintendo01.10.2004um 85 Dollarum 280 Dollar
Pokémon Pinball: Rubin und SaphirNintendo2003um 50 Dollarum 245 Dollar
Metroid: Zero MissionNintendo08.04.2004um 70 Dollarum 235 Dollar
Boktai 2: Solar Boy DjangoKonami10.06.2005um 115 Dollarum 220 Dollar

Dollarwerte: PriceCharting, PAL-Ausgaben, abgerufen am 30.09.2026, gerundet. PriceCharting wertet abgeschlossene Verkäufe aus. Bei seltenen Spielen gibt es nur wenige davon, die Werte schwanken dann stark. Die Zahlen sind nur ein Anhaltspunkt.

Drei Titel verdienen einen genaueren Blick. Ninja Five-O von Hudson Soft und Konami verkaufte sich trotz guter Kritiken schlecht. Laut Wikipedia gilt es heute als eines der gesuchtesten GBA-Spiele. Die US-Version kostet bei PriceCharting lose um 290 Dollar, komplett um 790 Dollar. In Europa hieß es Ninja Cop. Bei der PAL-Version liegen die Werte für loses Modul und komplettes Exemplar weit auseinander. Verlass dich hier besonders auf echte Verkäufe bei eBay.

Boktai 2 hat einen Lichtsensor im Modul, der echtes Sonnenlicht misst. Das Spiel will also draußen gespielt werden. Bei Pokémon treibt die Nachfrage den Preis, und genau deshalb sind diese Module die am häufigsten gefälschten. Ein auffällig günstiges Smaragd solltest du genau prüfen.

Bevor du kaufst oder verkaufst, schau bei eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel" nach, was wirklich gezahlt wurde. Achte dabei auf die Region. Der GBA hat keine Regionssperre, US-Module (NTSC) laufen auf deinem deutschen Gerät also genauso. Für den Sammlerwert macht es trotzdem einen großen Unterschied, ob du ein US-, ein japanisches oder ein PAL-Exemplar vor dir hast. Deutsche Ausgaben erkennst du oft am Kürzel NOE im Produktcode, bei Pokémon Rubin etwa AGB-AXVD-NOE.

Selbst einen kaufen?

Welches Modell zu dir passt, wie du einen AGS-101 sicher erkennst, woran du gefälschte Pokémon-Module entlarvst und was beim Akku des SP zu tun ist, steht in unserer Kaufberatung zum Game Boy Advance.

Ende, Nintendo DS und Vermächtnis

Am 21. November 2004 startete in Nordamerika der Nintendo DS, in Europa folgte er am 11. März 2005 für 149,99 Euro. Nintendo nannte ihn anfangs eine experimentelle "dritte Säule" neben der GBA-Familie und dem GameCube. Den GBA wollte man also noch nicht ersetzen. Tatsächlich erschienen 2005 noch der AGS-101 und der Micro.

Der DS hat unten einen zweiten Modulschacht und spielt darin GBA-Module. Game-Boy- und Color-Spiele laufen nicht, und einen Link-Anschluss gibt es auch nicht. Mehrspieler-Modi und die GameCube-Verbindung fallen bei GBA-Spielen also weg. Der DS Lite kam am 23. Juni 2006 nach Europa und behielt den Schacht. Laut Nintendo ragt das GBA-Modul dort ein Stück aus dem Gehäuse, weil das Gerät so kompakt ist. Erst der DSi verzichtete auf den GBA-Schacht.

Damit war das Ende eingeläutet. Laut Wikipedia stellte Nintendo alle GBA-Modelle 2008 in Amerika ein und weltweit bis Ende 2010. Satoru Okada, der die Handhelds von Game Boy bis DS technisch geprägt hatte, verließ Nintendo im Januar 2012.

Was bleibt

  • Switch Online: Seit dem 8. Februar 2023 gibt es GBA-Spiele bei Nintendo Switch Online, allerdings nur mit dem teureren Erweiterungspaket. Zum Start dabei waren unter anderem The Legend of Zelda: The Minish Cap und Mario Kart: Super Circuit.
  • Nachbauten: Der Analogue Pocket bildet die Hardware per FPGA-Chip nach und spielt auch GBA-Originalmodule.
  • Bastelszene: Für GBA und SP gibt es heute IPS-Displays, neue Gehäuse und Akkus zum Nachrüsten.

Mit der GBA-Familie endete der Name Game Boy. Die Reihe hatte 1989 mit einem grauen Ziegel begonnen. Warum solche Geräte und ihre Spiele ins Regal gehören, liest du in Videospiele als Kultur.

Häufige Fragen zum Game Boy Advance

Wann kam der Game Boy Advance nach Deutschland?

Am 22. Juni 2001. Laut GamePro kostete er 250 DM, umgerechnet rund 127 Euro. Das Euro-Bargeld gab es erst ab 2002.

Wie oft wurde der Game Boy Advance verkauft?

Laut Nintendo 81,51 Millionen Mal, alle Modelle zusammen. Davon sind 43,57 Millionen SP. Für den Micro nannte Nintendo 2,42 Millionen. Eine offizielle Zahl für Deutschland gibt es nicht.

Was ist der Unterschied zwischen AGS-001 und AGS-101?

Der AGS-001 hat ein Frontlicht, das du ein- und ausschalten kannst. Der AGS-101 hat eine Hintergrundbeleuchtung mit zwei Helligkeitsstufen und ein deutlich besseres Bild. Das Licht geht beim AGS-101 nie ganz aus.

Spielt der Game Boy Micro Game-Boy-Spiele?

Nein. Der Micro spielt nur GBA-Module. Für Game-Boy- und Color-Spiele brauchst du ein Original oder einen SP.

Hat der GBA SP einen Kopfhöreranschluss?

Nein, beide SP-Modelle nicht. Kopfhörer schließt du über einen Adapter am Ladeanschluss an. Das Original und der Micro haben eine normale 3,5-mm-Buchse.

Wofür steht SP?

Laut Wikipedia für "Special".

Quellen