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Ratgeber · Gebraucht kaufen

Retro-Konsolen auf Kleinanzeigen kaufen: Suche, Preis, Abholung und Bezahlen

Der Nintendo 64 aus dem Kinderzimmer, die Spielekiste vom Dachboden, die halbe Sammlung aus einem Nachlass: Auf Kleinanzeigen tauchen jeden Tag solche Angebote auf. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du sie findest, den Preis einschätzt, fair verhandelst, sicher bezahlst und dabei Betrügern aus dem Weg gehst.

Stand 03.10.2026 · ca. 18 Min. Lesezeit
Suchauftrag · 21:47 Uhr · 12 km entferntKleinanzeigen-Jagd
Foto Gebrauchte Famicom- und Game-Boy-Module: Ominae, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Auf einen Blick

FrageKurze Antwort
Für wen?Alle, die gebrauchte Konsolen, Spiele und Zubehör von privat kaufen wollen
Sicherster WegAbholen, vor Ort testen, bar zahlen
Beim Versand"Sicher bezahlen" in der App oder PayPal "Waren und Dienstleistungen"
NiemalsPayPal "Freunde und Familie" an Fremde, Zahlungslinks aus WhatsApp oder E-Mail, zugeschickte QR-Codes
PreisreferenzeBay mit Filter "Verkaufte Artikel", keine Angebotspreise auf Kleinanzeigen
Größte ChanceKonvolute, Nachlässe und Dachbodenfunde von Leuten, die keine Sammler sind

Kleinanzeigen ist für Retro-Sammler die digitale Fortsetzung des Flohmarkts. Viele Grundregeln aus unserem Flohmarkt-Check gelten hier genauso. Dieser Artikel geht tiefer: Wie du gezielt suchst, wie du Preise einordnest, wie du schreibst und wie du bezahlst, ohne dein Geld zu verlieren.

Kleinanzeigen 2026: kurz eingeordnet

Viele sagen noch "eBay Kleinanzeigen". Seit Mai 2023 heißt die Plattform nur noch Kleinanzeigen. eBay hat das Portal 2021 an den Konzern Adevinta verkauft. Der alte Name durfte nach dem Verkauf nicht dauerhaft bleiben. Laut Adevinta nutzen mehr als 36 Millionen Menschen im Monat das Portal, mit über 50 Millionen Anzeigen. Kleinanzeigen und eBay sind also zwei getrennte Plattformen mit eigenen Regeln. Wie du bei eBay sicher kaufst, liest du in unserem eBay-Ratgeber.

Für dich als Käufer zählen drei Entwicklungen der letzten Jahre:

  • Bewertungen: Seit 2024 gibt es Sterne mit Freitext. Du siehst also, wie andere Käufer einen Verkäufer erlebt haben.
  • Sicher bezahlen: Die eingebaute Bezahlfunktion mit Käuferschutz. Seit Juli 2026 gehört laut onlinemarktplatz.de auch Klarna Sofort zu den Zahlarten. Abgewickelt wird weiter über den Zahlungsdienstleister Adyen.
  • Mehr Händler: Gewerbliche Anbieter mit Pro-Konto sind sichtbarer geworden. Seit Dezember 2025 dürfen Händler in den teureren Paketen laut Giga Nutzer anschreiben, die ihren Artikel auf der Merkliste haben. Begrenzt ist das auf drei Nachrichten im Monat.

Der Unterschied zwischen privat und gewerblich ist wichtig. Kaufst du bei einem Händler, hast du mehr Rechte. Mehr dazu im Abschnitt Gewährleistung.

Suchtechnik: so findest du, was andere übersehen

Die besten Angebote sind oft nach Minuten weg. Wer zuerst schreibt, hat die besten Karten. Gute Suche ist deshalb die halbe Miete.

Umkreis bewusst wählen

Für Abholung lohnt ein kleiner Umkreis von 10 bis 30 Kilometern. Dort findest du die Angebote, die du am selben Abend holen kannst. Für seltene Stücke darfst du den Radius weiter aufziehen, dann aber mit Versand im Blick. Ein einfacher Trick: Leg zwei Suchen an, eine eng für Abholung und eine bundesweit mit dem Filter für Versand.

Suchaufträge anlegen

Kleinanzeigen kann Suchen speichern und dich bei neuen Treffern benachrichtigen. Nutze das für alles, was du wirklich suchst. Lieber zehn schmale Suchaufträge als einen breiten, der dich mit Handyhüllen und PS5-Spielen flutet. Schalte Push-Nachrichten in der App ein. Bei begehrten Sachen entscheidet oft die erste Viertelstunde (Erfahrungswert).

Schreibvarianten und Tippfehler

Privatleute schreiben, wie sie sprechen. Genau da liegen die Chancen, weil viele Sammler nur nach der korrekten Schreibweise suchen. Probier mehrere Varianten:

SystemVarianten zum Ausprobieren
Game BoyGameboy, Game Boy, Gameboy Color, GBA, Gameboy Advance, Gamboy
Nintendo 64N64, Nintendo 64, Nintendo64, Nintento
Super NintendoSNES, Super Nintendo, Super Nes, Nintendo alt
Mega DriveSega Mega Drive, Megadrive, Sega Konsole, Sega Spiele
PlayStationPS1, PSX, PSone, Playstation 1, Playstaion
GameCubeGamecube, Game Cube, Nintendo Würfel

Die Tippfehler in der Tabelle sind Beispiele. Achte beim Stöbern darauf, welche Fehler dir selbst begegnen, und speichere sie als eigenen Suchauftrag.

Die Zauberwörter

Manche Begriffe deuten auf Verkäufer hin, die keine Sammler sind und schnell Platz brauchen:

  • Konvolut: Ein Paket aus vielen Teilen zu einem Preis. Oft stecken wertvolle Einzelstücke zwischen Massenware.
  • Nachlass und Haushaltsauflösung: Erben wollen eine Wohnung leer bekommen. Zeitdruck ist hier echt.
  • Dachbodenfund und Kellerfund: Oft lange unberührte Sachen. Rechne mit Staub, Feuchtigkeit und ausgelaufenen Batterien.
  • Alte Spielekonsole, Videospiele alt, Kinderzimmer, aus Jugendzeit: So beschreiben Laien, was sie gefunden haben.
  • Defekt oder für Bastler: Interessant, wenn du reparieren kannst. Oft ist nur ein Laufwerk verschmutzt oder ein Kontakt oxidiert.

Such auch ohne Kategorie. Eltern stellen Konsolen gern unter Spielzeug ein. Und schau in die Rubrik zum Verschenken und Tauschen. Dort landet manchmal eine Kiste mit Kabeln, in der ein Controller steckt.

Preisgefühl: was ist fair?

Auf Kleinanzeigen steht der Preis, den sich jemand wünscht. Was eine Konsole wirklich wert ist, zeigen abgeschlossene Verkäufe. Die beste frei zugängliche Quelle dafür ist eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel". Am Rechner findest du ihn in der Seitenleiste unter "Nur anzeigen", in der App unter "Filtern". Laut Giga siehst du dort die Verkäufe der letzten 90 Tage. Die erzielten Preise erscheinen grün.

So nutzt du die Liste richtig:

  • Gleichen Zustand vergleichen: Ein loses Modul ist etwas anderes als ein Spiel mit Schachtel und Anleitung. Sammler sagen dazu "loose" und "CIB", also "complete in box".
  • Gleiche Region vergleichen: PAL-Spiele aus Europa und NTSC-Spiele aus den USA oder Japan haben oft ganz andere Preise.
  • Ausreißer ignorieren: Ein einzelner sehr hoher oder sehr niedriger Preis sagt wenig. Schau auf die Mitte der letzten zehn bis zwanzig Verkäufe (Erfahrungswert).
  • Versand mitdenken: eBay-Preise enthalten oft Versand. Bei Abholung sparst du den, der Verkäufer aber auch.

Ein Angebot auf Kleinanzeigen, das weit unter diesem Niveau liegt, ist entweder ein echtes Schnäppchen oder ein Warnsignal. Bei Pokémon-Spielen und gesuchten Sammlertiteln ist es oft eine Fälschung. Woran du die erkennst, steht in unserem Ratgeber Fälschungen erkennen.

Anzeigen lesen: gute Zeichen, schlechte Zeichen

Eine Anzeige verrät viel über den Verkäufer. Mit etwas Übung siehst du in Sekunden, ob sich eine Nachricht lohnt.

Gutes ZeichenWarnzeichen
Eigene Fotos, gern unordentlich im echten ZimmerGlatte Katalogbilder oder Fotos aus anderen Anzeigen
Konsole läuft auf einem Foto am Fernseher"Konnte ich nicht testen" bei einem teuren Gerät
Profil mit Geschichte und BewertungenProfil von heute, aber viele teure Angebote
Abholung möglich"Nur Versand", obwohl der Standort nah ist
Ehrliche Mängel genanntPreis weit unter dem Marktniveau, dazu Zeitdruck

"Nicht getestet" ist nicht automatisch schlecht. Bei Nachlässen weiß der Verkäufer es oft wirklich nicht. Dann gehört das Risiko aber in den Preis. Und: Ein altes Profil schützt nicht vor Betrug. Laut t3n kapern Kriminelle auch echte Konten, gerade weil die vertrauenswürdig wirken.

Erstkontakt und Verhandeln

Viele Verkäufer bekommen Dutzende Nachrichten, die meisten davon lieblos. Eine freundliche, konkrete Nachricht hebt dich ab. Bleib dabei im Chat von Kleinanzeigen. Das rät die Plattform selbst, und dort laufen die Betrugsfilter mit. Wer sofort auf WhatsApp oder E-Mail wechseln will, ist verdächtig.

Vorlagen zum Anpassen

Erste Nachricht, Abholung

Hallo, ich interessiere mich für deinen Nintendo 64. Ist er noch zu haben? Kannst du mir noch ein Foto vom Typenschild unten und von einem laufenden Spiel am Fernseher schicken? Ich könnte am Samstagvormittag vorbeikommen und vor Ort kurz testen. Viele Grüße

Erste Nachricht, Versand

Hallo, ist das Game-Boy-Paket noch da? Funktionieren Ton, alle Tasten und der Bildschirm ohne tote Zeilen? Ich würde gern mit "Sicher bezahlen" kaufen und das Paket versichert mit Sendungsnummer bekommen. Geht das für dich?

Preisvorschlag mit Begründung

Danke für die Fotos. Mir fehlen der Originalcontroller und das Netzteil, die muss ich extra besorgen. Wäre für dich 70 Euro in Ordnung? Ich kann heute Abend abholen und bar zahlen.

Etikette

  • Kein "Was letzte Preis?": Wer nur eine Zahl schreibt, wird oft ignoriert. Ein Satz mit Begründung wirkt.
  • VB heißt Verhandlungsbasis. Handeln ist erwünscht. Bei "Festpreis" fragst du höchstens einmal höflich.
  • Realistisch bleiben: Ein Angebot bei einem Drittel des Preises beleidigt. Zehn bis zwanzig Prozent unter VB sind meist gesprächsbereit (Erfahrungswert).
  • Argumente statt Druck: Fehlende Kabel, vergilbtes Gehäuse, Kratzer auf Discs oder ein Display mit Pixelfehlern sind faire Gründe.
  • Paketpreis anfragen: Wer mehrere Spiele nimmt, bekommt eher Rabatt. Der Verkäufer spart Zeit.
  • Zusagen halten: Wenn du absagst, sag es. Ein kurzes "Ich hab mich anders entschieden" ist fair.

Fühlt sich etwas komisch an, ist Abbrechen erlaubt. Es gibt immer eine nächste Anzeige.

Abholung: Treffpunkt, Sicherheit und Test vor Ort

Abholen ist der sicherste Weg. Du siehst die Ware, testest sie und zahlst erst dann. Die Verbraucherzentrale nennt die persönliche Übergabe mit Barzahlung als sicherste Variante.

Treffpunkt und Sicherheit

  • Triff dich bei Tageslicht. Bei größeren Summen nimm eine zweite Person mit.
  • Sag jemandem, wohin du fährst, und schick den Link zur Anzeige mit.
  • Für Konsolen mit Fernseher-Test ist die Wohnung des Verkäufers praktisch. Bei Handhelds und Spielen tut es auch ein öffentlicher Ort, etwa ein Café oder ein belebter Parkplatz.
  • Nimm nur so viel Bargeld mit, wie du brauchst. Den Rest lass im Auto oder zu Hause.
  • Kommt dir die Situation seltsam vor, geh. Du schuldest niemandem einen Kauf.

Was du mitnimmst

  • Bargeld in kleinen Scheinen, passend zum vereinbarten Preis
  • AA- und AAA-Batterien für Game Boy, Game Gear und ähnliche Handhelds
  • Ein Spiel, das sicher läuft: ein Modul oder eine Disc aus deiner Sammlung
  • Handy mit vollem Akku für Taschenlampe, Fotos und Preisvergleich
  • Eine Kiste oder Tasche mit Polsterung für den Transport
  • Optional einen kleinen Monitor mit passendem Kabel, falls kein Fernseher bereitsteht

Was du testest

  1. Anschauen und riechen

    Prüf Gehäuse, Schrauben und Typenschild. Fehlende oder vermurkste Schrauben zeigen, dass jemand das Gerät geöffnet hat. Riecht es nach Rauch oder Keller, wirst du das schwer wieder los.

  2. Einschalten und laufen lassen

    Lass ein Spiel ein paar Minuten laufen. Achte auf Bildstörungen, Ton und Abstürze. Bei Disc-Konsolen startest du mehrere Discs, auch eine von dir.

  3. Bedienung prüfen

    Drück jede Taste am Controller und am Handheld. Schau beim Analogstick des N64, ob die Figur gerade steht und sauber läuft.

  4. Speichern testen

    Bei Modulen mit Batterie legst du kurz einen Spielstand an. Ist er nach dem Aus- und Einschalten weg, ist die Batterie leer. Das ist reparierbar, gehört aber in den Preis.

  5. Zubehör abgleichen

    Zähl Controller, Kabel und Spiele nach. Prüf beim Netzteil die Spannung auf dem Etikett. Ein falsches Netzteil kann die Konsole zerstören.

Systemtypische Schwächen findest du in unseren Kaufberatungen, etwa für den Game Boy, den Nintendo 64, den GameCube und die PlayStation 2.

Versand und Bezahlen: welche Zahlart wann?

Liegt der Verkäufer zu weit weg, bleibt der Versand. Dann entscheidet die Zahlart, ob du bei Problemen eine Chance hast.

ZahlartSchutz für dichKosten für dichEinsatz
Bar bei AbholungDu prüfst vorher selbstkeineErste Wahl bei Abholung
Sicher bezahlenKäuferschutz von Kleinanzeigen, Geld wird treuhänderisch verwahrtServicegebühr, wird vor dem Bezahlen angezeigtErste Wahl bei Versand
PayPal Waren und DienstleistungenPayPal-Käuferschutzfür Käufer meist keine, der Verkäufer zahltGute Alternative bei Versand
PayPal Freunde und Familiekein KäuferschutzkeineNur für Menschen, die du kennst
Überweisung, Vorkassepraktisch keinerkeineNur bei Verkäufern, denen du wirklich vertraust

So läuft "Sicher bezahlen" ab

  1. Kaufen oder Angebot machen

    Du startest den Kauf direkt in der Anzeige oder schickst einen Preisvorschlag. Der Verkäufer muss die Anfrage annehmen. Die Funktion gibt es nur bei privaten Verkäufern, die sie anbieten.

  2. In der App bezahlen

    Du zahlst per Karte, Apple Pay, Google Pay, Überweisung oder Klarna Sofort. Das Geld geht nicht direkt an den Verkäufer. Ein Zahlungsdienstleister verwahrt es treuhänderisch.

  3. Versand mit Sendungsnummer

    Der Verkäufer verschickt das Paket nachverfolgbar. Der Käuferschutz gilt laut monsterdealz nur für Versand innerhalb Deutschlands.

  4. Sofort prüfen

    Pack direkt aus und teste. Passt etwas nicht, meldest du das in der App, bevor du den Erhalt bestätigst. Mach Fotos vom Paket und vom Inhalt.

  5. Erhalt bestätigen

    Erst dann bekommt der Verkäufer sein Geld. Bestätigst du nicht, wird es nach Ablauf einer Frist automatisch ausgezahlt. Danach ist der Schutz vorbei.

Was kostet das? Kleinanzeigen selbst spricht auf der Infoseite nur von einer kleinen Gebühr, die vom Preis abhängt und im Kaufprozess angezeigt wird. Laut aktuellen Berichten von mydealz und monsterdealz zahlt der Käufer 0,50 Euro plus 4,5 Prozent vom Kaufpreis. Bei einem Spiel für 40 Euro wären das 2,30 Euro. Ältere Quellen nennen 0,35 Euro plus 4,5 Prozent. Prüf die Summe deshalb im Bezahlschritt. Für Verkäufer ist die Funktion kostenlos.

Der Schutz greift, wenn die Ware nicht kommt oder erheblich von der Beschreibung abweicht, also etwa fehlt, unvollständig oder gefälscht ist. Er greift laut monsterdealz nicht mehr, wenn du die Ware schon angenommen und das Geld freigegeben hast. Auch normale Gebrauchsspuren, die in der Anzeige erkennbar waren, sind kein Fall für den Käuferschutz. Bei Abholung gilt er nicht.

Wichtig

"Sicher bezahlen" startest du immer selbst in der App oder auf kleinanzeigen.de. Kleinanzeigen schickt dir keine Bezahllinks per WhatsApp, SMS oder E-Mail und bietet keinen eigenen Kurierdienst an. Jeder solche Link ist Betrug.

PayPal: Waren und Dienstleistungen gegen Freunde und Familie

Bei "Waren und Dienstleistungen" zahlt der Verkäufer eine Gebühr. Für Privatverkäufe in Deutschland sind das laut PayPal 2,49 Prozent plus 0,35 Euro. Dafür hast du den PayPal-Käuferschutz. Du kannst ein Problem bis 180 Tage nach der Zahlung melden. Abgedeckt sind nicht erhaltene Ware und Ware, die erheblich von der Beschreibung abweicht. Ausgeschlossen sind laut PayPal persönliche Abholungen und Zahlungen über "Freunde und Familie".

"Freunde und Familie" ist für Privatleute kostenlos. Deshalb schlagen manche Verkäufer es vor, oft mit dem Satz "spart uns beiden die Gebühr". Die Verbraucherzentrale warnt: Kommt die Ware nicht, ist das Geld weg. Bei Fremden auf Kleinanzeigen hat diese Option nichts zu suchen. Biete lieber an, die Gebühr zu teilen oder ein paar Euro mehr zu zahlen. Ein ehrlicher Verkäufer nimmt das an.

Beachte: PayPal gehört nicht zu "Sicher bezahlen". Wenn du über PayPal zahlst, hilft dir der Käuferschutz von Kleinanzeigen nicht. Es gilt nur der von PayPal.

Überweisung und Vorkasse

Eine Überweisung an Fremde ist das größte Risiko. Eine Echtzeitüberweisung ist in Sekunden beim Empfänger und praktisch nicht zurückzuholen. Seit dem 9. Oktober 2025 gleicht deine Bank bei Euro-Überweisungen den Namen des Empfängers mit der IBAN ab. Passt der Name nicht zum Konto, siehst du eine Warnung. Nimm sie ernst. Brich ab, wenn der Name nicht zum Verkäufer passt. Gegen einen Betrüger mit eigenem Konto hilft diese Prüfung aber nicht.

Vorkasse ist nur sinnvoll bei Leuten, die du kennst, etwa aus einem Sammlerforum mit langer Geschichte. Und zahl niemals vorab für "Versicherung", "Transport" oder "Zoll". Davor warnt die Verbraucherzentrale Hamburg ausdrücklich.

Typische Betrugsmaschen 2025 und 2026

Viele Maschen zielen auf Verkäufer. Für dich als Sammler sind sie trotzdem wichtig, spätestens wenn du die Reste eines Konvoluts weiterverkaufst. Die Kriminalpolizei Ansbach hat im April 2026 erneut vor Phishing auf Kleinanzeigen-Portalen gewarnt. Die Verbraucherzentralen führen eigene Übersichten, zuletzt aktualisiert 2025 und 2026.

MascheSo läuft sieSo erkennst du sie
Phishing-LinksDu bekommst per WhatsApp, SMS oder E-Mail einen Link zu "Sicher bezahlen" oder einer Bestätigungsseite. Sie sieht echt aus und fragt Karten- oder Bankdaten ab.Jeder Bezahllink außerhalb der App ist falsch. Laut Kleinanzeigen arbeiten Betrüger oft mit Drohungen wie "Konto wird in 12 Stunden gesperrt".
Gefälschte ZahlungsbestätigungEin Screenshot oder eine E-Mail zeigt angeblich eine Zahlung. Du sollst sofort verschicken.Geld ist erst da, wenn es auf deinem Konto oder im echten PayPal-Konto steht.
QR-CodesEin Bild mit QR-Code soll die Zahlung bestätigen. Der Code führt auf eine Betrugsseite.Scanne keine zugeschickten QR-Codes.
Dreiecksbetrug, Variante 1Der Betrüger kopiert eine echte Anzeige. Du überweist an den echten Verkäufer, der schickt die Ware an den Betrüger.Name im Chat, Kontoinhaber und Profil passen nicht zusammen. Die Lieferadresse ist nicht deine.
Dreiecksbetrug, Variante 2Der Betrüger kassiert dein Geld und bestellt die Ware auf Rechnung in deinem Namen in einem Onlineshop. Später kommt die Mahnung des Shops.Das Paket kommt von einem Shop statt von einer Privatperson. Laut Verbraucherzentrale Niedersachsen: Anzeige erstatten, Shop informieren, Ware zurückschicken.
Lieferdienst-MaschenAngebliche Kuriere, Speditionen oder "DHL-Zahlungen" verlangen Gebühren oder Kartendaten, teils mit gefälschten Mails.Kleinanzeigen bietet keinen Kurierdienst außerhalb von "Sicher bezahlen". Zahl nie für Versicherung oder Transport vorab.
Freunde und FamilieDer Verkäufer will PayPal ohne Käuferschutz, meist mit Rabatt als Köder.Ablehnen. Ein ehrlicher Verkäufer bietet eine Alternative an.
Mitleid und ZeitdruckLaut t3n arbeiten Betrüger mit Geschichten über Krankheit, Umzug oder Auslandseinsatz.Mitleid und Eile sind Gründe, langsamer zu werden.

Reingefallen? Das tust du sofort

  • Sperr deine Karte und ruf deine Bank an, wenn du Karten- oder Bankdaten eingegeben hast.
  • Ändere dein Kleinanzeigen-Passwort und das deines E-Mail-Kontos.
  • Sichere Screenshots vom Chat, von der Anzeige und von Zahlungsbelegen.
  • Erstatte Anzeige bei der Polizei, das geht in vielen Bundesländern online.
  • Melde den Fall bei Kleinanzeigen und, wenn betroffen, bei PayPal oder deinem Zahlungsdienst.

Die Plattform Vinted kämpft mit ähnlichen Maschen. Die Grundregel ist überall gleich: Bezahlt wird nur im System der Plattform.

Konvolute bewerten: rechnen statt hoffen

Konvolute sind der Grund, warum viele Sammler täglich auf Kleinanzeigen schauen. Eine Kiste mit Konsole, Controllern und zwanzig Spielen zu einem Preis. Darin stecken oft ein paar gute Titel und viel Massenware. Mit etwas Rechnen erkennst du, ob sich der Kauf lohnt.

  1. Inhalt erfassen

    Bitte um Fotos, auf denen jeder Titel lesbar ist, auch die Rückseiten der Module. Schreib eine Liste. Frag nach, was fehlt und was nicht getestet ist.

  2. Die wertvollen Stücke finden

    Prüf jedes Teil kurz im eBay-Filter "Verkaufte Artikel". Meist machen wenige Stücke den Großteil des Werts aus (Erfahrungswert). Die schaust du dir besonders genau an, auch auf Fälschungen.

  3. Zustand abziehen

    Rechne bei losen, verkratzten oder ungetesteten Teilen vorsichtig. Für Ersatzteile, Reinigung oder eine neue Modulbatterie ziehst du die Kosten gleich ab.

  4. Den Rest realistisch bewerten

    Was du nicht behalten willst, musst du verkaufen. Das kostet Zeit, Verpackung und Versand. Massenware wie Sportspiele verkauft sich oft nur im Paket und zäh. Setz diesen Teil deshalb deutlich unter dem eBay-Niveau an.

  5. Deine Grenze festlegen

    Die Frage lautet: Würde ich den Preis auch zahlen, wenn ich nur die Stücke behalte, die ich wirklich will? Wenn ja, ist das Konvolut ein guter Kauf. Alles aus dem Weiterverkauf ist dann Bonus.

Beim Verhandeln hilft deine Liste. Viele Verkäufer kennen nur den Gesamtpreis, den sie sich vorstellen. Ein freundliches "Ich hab mal nachgeschaut, die meisten Spiele bringen einzeln nur ein paar Euro" kommt besser an als Feilschen ohne Grund. Verrate dabei nicht, welches Stück dich eigentlich reizt. Und sei fair. Bei einem Nachlass verkauft jemand vielleicht die Sachen eines verstorbenen Angehörigen.

Wer viele Reste weiterverkauft, sollte eine Regel kennen: Seit 2023 melden Plattformen wie Kleinanzeigen Verkäufer an das Finanzamt, die im Jahr mindestens 30 Verkäufe oder mehr als 2.000 Euro Umsatz haben. Eine Meldung heißt laut ING nicht automatisch, dass Steuern fällig sind. Wer regelmäßig mit Gewinn handelt, fragt aber besser eine Steuerberatung.

Gebrauchte Spiele und Konsolen auf einer MesseFoto: Raffi Asdourian, Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Gewährleistung beim Privatkauf

Auch ein privater Verkäufer haftet grundsätzlich für Sachmängel, also für Fehler, die die Ware schon beim Kauf hatte. Privatleute dürfen diese Haftung aber ausschließen. In vielen Anzeigen steht deshalb "Privatverkauf, keine Garantie, keine Rücknahme" oder ein ähnlicher Satz. Das kennst du schon aus unserem Flohmarkt-Check.

Der Ausschluss hat Grenzen. Er gilt nicht, wenn der Verkäufer einen Mangel arglistig verschwiegen hat. Er gilt auch nicht für Eigenschaften, die der Verkäufer ausdrücklich beschreibt. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass ein Gewährleistungsausschluss eine solche Beschaffenheitsangabe nicht aushebelt. Steht in der Anzeige "voll funktionsfähig, alle Tasten gehen", ist das mehr als Werbung. Mach deshalb Screenshots von der Anzeige, bevor sie gelöscht wird. Im Streit musst du in der Regel beweisen, dass der Fehler schon beim Kauf da war.

Bei einem gewerblichen Anbieter gelten die Regeln für Verbraucher. Er darf die Gewährleistung für Gebrauchtware nicht ausschließen. Er darf die Frist laut § 476 BGB nur auf ein Jahr verkürzen, wenn er dich vorher ausdrücklich darauf hinweist und es gesondert vereinbart wird. Kaufst du bei einem Händler per Versand, hast du in der Regel auch ein Widerrufsrecht von 14 Tagen. Achte auf den Hinweis "Gewerblicher Anbieter" in der Anzeige. Wer erkennbar viele gleiche Konsolen anbietet, aber als privat auftritt, ist zumindest eine Nachfrage wert.

Das ist eine allgemeine Einordnung und keine Rechtsberatung. Bei einem konkreten Streitfall hilft dir eine Verbraucherzentrale oder ein Anwalt.

Häufige Fehler

  • Angebotspreise als Maßstab: Was andere auf Kleinanzeigen verlangen, ist kein Marktwert. Vergleich mit verkauften Artikeln.
  • Zu schnell zahlen: Ein Schnäppchen, das in fünf Minuten bezahlt sein muss, ist meist keins.
  • Chat verlassen: Mit dem Wechsel zu WhatsApp verlierst du Betrugsfilter und Nachweise.
  • Erhalt zu früh bestätigen: Erst testen, dann bestätigen. Danach ist der Käuferschutz weg.
  • Nicht vor Ort testen: Zehn Minuten Test sparen dir Wochen Ärger.
  • Konvolut nach Gefühl kaufen: Ohne Liste überschätzt man die Masse und übersieht die Fälschung im Stapel.
  • Gebühr sparen wollen: Drei Euro für Käuferschutz sind billiger als fünfzig Euro Verlust.

Checkliste vor dem Kauf

  • Preis mit eBay "Verkaufte Artikel" verglichen, gleicher Zustand und gleiche Region?
  • Eigene Fotos, am besten mit laufendem Gerät?
  • Profil, Bewertungen und Standort plausibel?
  • Kommunikation nur im Kleinanzeigen-Chat?
  • Bei Abholung: Tageslicht, Begleitung oder Bescheid gegeben, Testmaterial dabei?
  • Bei Versand: "Sicher bezahlen" oder PayPal "Waren und Dienstleistungen"?
  • Kein Link, kein QR-Code, keine Vorkasse für Versicherung oder Transport?
  • Bei Überweisung: Empfängername passt zum Verkäufer?
  • Anzeige als Screenshot gesichert?
  • Nach Erhalt: sofort testen, dann erst bestätigen?
  • Bei teuren Spielen: auf Fälschungen geprüft?

FAQ

Ist Kleinanzeigen dasselbe wie eBay?

Nein. Die Plattform hieß früher eBay Kleinanzeigen, gehört aber seit 2021 zu Adevinta und heißt seit Mai 2023 nur Kleinanzeigen. Konten, Regeln und Käuferschutz sind getrennt.

Wer zahlt die Gebühr bei "Sicher bezahlen"?

Der Käufer. Laut aktuellen Berichten sind es 0,50 Euro plus 4,5 Prozent vom Kaufpreis. Die genaue Summe zeigt dir die App, bevor du bezahlst.

Gilt der Käuferschutz auch bei Abholung?

Nein. "Sicher bezahlen" ist für den Versand gedacht, und auch PayPal schließt persönliche Abholungen aus. Bei Abholung schützt dich nur dein eigener Test vor dem Bezahlen.

Der Verkäufer will nur "Freunde und Familie". Was jetzt?

Schlag "Sicher bezahlen" oder "Waren und Dienstleistungen" vor und biete an, die Gebühr zu übernehmen. Lehnt er ab, lass es. Die Verbraucherzentrale rät klar davon ab, Fremde so zu bezahlen.

Wie schnell muss ich bei einem guten Angebot sein?

Bei begehrten Konsolen und Konvoluten oft sehr schnell. Ein Suchauftrag mit Push-Nachricht und eine vorbereitete Nachricht helfen. Schnell schreiben ist gut, schnell zahlen ohne Prüfung nicht.

Lohnt sich ein Kauf mit "defekt"?

Für Bastler oft ja. Viele Fehler sind Schmutz, oxidierte Kontakte oder eine leere Modulbatterie. Zahl aber nur so viel, dass du auch mit einem echten Totalschaden leben kannst.

Quellen