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Kaufberatung · Game Boy

Game Boy kaufen 2026: Original, Pocket oder Color?

Game Boys findest du auf fast jedem Flohmarkt und in vielen Kellerkisten. Mit dabei sind aber oft Displaystreifen, ausgelaufene Batterien und gefälschte Pokémon-Module. Hier liest du, welches Modell zu dir passt, was Pocket, Light und Color unterscheidet, worauf du beim Kauf achtest und wie du einen fairen Preis findest.

Stand 30.09.2026 · ca. 21 Min. Lesezeit
KaufberatungGame BoyGame Boy kaufen
Foto Game Boy: Evan-Amos (bearbeitet), Wikimedia Commons, gemeinfrei
4Handhelds: Original, Pocket, Light und Color
0Regionssperren: Module aus aller Welt laufen
CR1616oder CR2025: Knopfzellen in Modulen mit Speicher

Welcher Game Boy passt zu dir?

Die klassische Game-Boy-Familie besteht aus vier Handhelds: dem grauen Original (DMG-01), dem Pocket, dem Light und dem Color. Alle vier spielen die grauen Original-Module. Welcher zu dir passt, klärst du mit vier Fragen.

  1. Willst du auch Color-Spiele spielen?

    Dann brauchst du einen Game Boy Color. Durchsichtige Color-Module starten auf den älteren Modellen nicht. Das bekannteste Beispiel ist Pokémon Kristall.

  2. Geht es dir um das Gefühl von damals?

    Dann nimm das graue Original. Grünliches Display, spürbares Gewicht, Schiebeschalter oben am Gehäuse: So fühlte sich Game Boy 1990 an. Mit vier AA-Batterien hält das Original außerdem am längsten durch.

  3. Soll er klein sein und ein scharfes Bild haben?

    Dann schau dir den Pocket an. Sein Display zeigt echtes Schwarz-Weiß und zieht weniger Schlieren. Der Preis dafür: zwei AAA-Batterien, die laut ConsoleMods Wiki keine zehn Stunden halten.

  4. Willst du im Dunkeln spielen?

    Ab Werk kann das nur der Game Boy Light, und den gab es nur in Japan. Er ist das seltenste Modell der Familie. Die Alternative ist ein nachgerüstetes Display, mehr dazu weiter unten.

Kurz gesagt

Für die meisten Einsteiger ist der Game Boy Color die beste Wahl. Er spielt alles aus der Familie, läuft mit zwei AA-Batterien und färbt alte Spiele auf Wunsch ein. Wer das Gefühl von damals sucht, greift zum grauen Original.

Der Nachfolger Game Boy Advance spielt die alten Module ebenfalls. Er ist aber eine eigene Geschichte und hat einen eigenen Artikel: Game Boy Advance, SP und Micro.

Die Modelle im Vergleich

OriginalPocketLightColor
ModellnummerDMG-01MGB-001MGB-101CGB-001
Erschienen1989, in Deutschland 199019961998, nur Japan1998
Displaygrünlich, ohne Lichtschwarz-weiß, ohne Lichtschwarz-weiß, beleuchtetFarbe, ohne Licht
Batterien4 × AA2 × AAA2 × AA2 × AA
Laufzeit laut Herstellerca. 35 Std.ca. 8 Std.ca. 12 Std. mit Licht, ca. 20 Std. ohneca. 20 Std.
Netzteil6 Volt3 Volt3 Volt3 Volt
Link-Anschlussgroßkleinkleinklein, dazu Infrarot
Color-Spielenur schwarze Modulenur schwarze Modulenur schwarze Modulealle

Die Modellnummer steht auf der Rückseite. Die bunten Play-It-Loud-Geräte von 1995 sind technisch ein DMG-01 in anderem Gehäuse. Frühe Pocket-Geräte haben keine Betriebslampe, ab 1997 kam sie zurück. Die Laufzeiten sind japanische Herstellerangaben für Alkali-Batterien (maru-chang, Famitsu). Im Alltag sind sie oft kürzer, englische Quellen nennen etwa zehn Stunden für Pocket und Color.

Beim Game Boy Color hilft dir ein Trick beim Probespielen: Für über 90 alte Spiele hat Nintendo eigene Farbpaletten hinterlegt. Bei allen anderen wählst du beim Einschalten per Tastenkombination eine Palette. So bekommt auch ein graues Modul etwas Farbe. Links plus B zum Beispiel ergibt reine Graustufen. Alle zwölf Kombinationen stehen im Geschichts-Artikel.

Game Boy, Game Boy Pocket, Game Boy Light und Game Boy ColorFoto: MKFI, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Pocket, Light oder Color: die Entscheidungshilfe

Soll es kein graues Original sein, bleiben drei Kandidaten: Pocket, Light und Color. Sie unterscheiden sich vor allem bei drei Dingen, die im Alltag zählen: welche Module sie spielen, wie gut du das Bild siehst und wie leicht du an ein gutes Gerät kommst.

Was spielt was?

Entscheidend ist die Farbe des Moduls. Graue Module sind klassische Game-Boy-Spiele. Schwarze Module sind Dual-Mode-Spiele, die überall laufen und am Color in Farbe erscheinen. Durchsichtige Module laufen nur auf dem Color und seinen Nachfolgern.

ModulOriginalPocket und LightColorAdvance und SP
graujajaja, mit Farbpaletteja
schwarz (Dual Mode)ja, in Graustufenja, in Schwarz-Weißja, in Farbeja, in Farbe
durchsichtig (nur Color)nein, der Einschalter blockiertnein, nur eine Fehlermeldungjaja

Reine Color-Module haben oben rechts keine Kerbe, deshalb lässt sich der Schalter des Originals nicht umlegen (Wikipedia: Game Boy Game Pak). Der Game Boy Micro spielt gar keine Game-Boy- oder Color-Module. Die goldenen und silbernen Module von Pokémon Gold und Silber sind Dual-Mode-Spiele, Pokémon Kristall ist ein reines Color-Spiel.

Display: Wie gut siehst du etwas?

Keins der drei Modelle ist perfekt. Der Pocket zeigt ein klares Schwarz-Weiß-Bild mit deutlich weniger Schlieren als das Original, braucht aber Licht von außen. Der Light hat dasselbe Display mit Hintergrundlicht. Er ist das einzige Modell, mit dem du ab Werk im Dunkeln spielst.

Der Color nutzt ein reflektierendes Farbdisplay. Es wirft das Umgebungslicht zurück, also brauchst du Tageslicht oder eine helle Lampe. Bei schwachem Licht wirken die Farben schnell dunkel und blass. Schon zeitgenössische Tests bemängelten das fehlende Licht. Probier das Gerät beim Kauf deshalb auch mal im Schatten aus.

Die drei im Direktvergleich

PocketLightColor
ModellnummerMGB-001MGB-101CGB-001
DisplayFSTN, schwarz-weißFSTN, schwarz-weiß, beleuchtetFarb-TFT, reflektierend
Im Dunkelnneinjanein
Durchsichtige Moduleneinneinja
Infrarotneinneinja
Offiziell in Europajanein, nur Japanja
Stärkenklein, leicht, klares BildLicht ab Werk, AA-Batterienspielt alle Module, Farbe, Paletten für alte Spiele
Schwächenkurze Laufzeit, frühe Geräte ohne LampeImport, selten, japanisches Netzteilkein Licht, braucht helle Umgebung
  • Pocket: für dich, wenn du vor allem graue Module spielst und ein kleines Gerät für die Jackentasche suchst. Leg dir Ersatzbatterien bereit, zwei AAA-Zellen sind schnell leer.
  • Light: für Sammler und alle, die abends ohne Umbau spielen wollen. Rechne mit einem Import aus Japan. Echte Light-Gehäuse haben laut Console Artisan eingeprägte A- und B-Beschriftungen an den Tasten. Das hilft dir, Nachbaugehäuse zu erkennen.
  • Color: für fast alle anderen. Er spielt alle drei Modultypen und wurde in Europa offiziell verkauft. Wer im Dunkeln spielen will, plant ein IPS-Display ein.
Auch GBA-Spiele?

Willst du zusätzlich Game-Boy-Advance-Spiele spielen, lohnt ein Blick auf den Advance oder den SP. Beide spielen auch deine grauen, schwarzen und durchsichtigen Module. Der Micro kann das nicht. Welches Modell zu dir passt, steht in Game Boy Advance, SP und Micro.

Game Boy Color: typische Macken

Der Color ist das jüngste Modell der Familie. Nach über 25 Jahren hat trotzdem auch er seine Schwachstellen. Diese Punkte prüfst du zusätzlich zu den allgemeinen Tests weiter unten. Die Einschätzung des Aufwands ist ein Erfahrungswert aus Reparaturseiten.

MackeWoran du es erkennstAufwand
Zerkratzte oder gerissene DisplayscheibeKratzer oder Sprünge über dem Bild, Scheibe löst sich vom Rahmengering: neue Scheibe einkleben, es gibt sie auch aus Glas
Leiser oder knisternder LautsprecherTon rauscht, knistert oder fehlt ganzgering bis mittel: erst Kopfhörerbuchse und Einschalter reinigen, sonst Kondensator oder Lautsprecher tauschen
Korrosion im BatteriefachKrusten an den Kontakten, Gerät startet nicht oder nur mit Wackelngering bis mittel: reinigen, bei starkem Befall Kontakte tauschen
Fehlender BatteriedeckelBatterien liegen offengering: Ersatzdeckel
Gerät bleibt auskeine Lampe, kein Bildmittel: Einschalter, eine der beiden Sicherungen oder ein Kondensator
Dunkles, kontrastarmes BildBild bleibt auch bei gutem Licht blassmittel: oft ein gealterter Kondensator
Feine waagrechte LinienStreifen auf ruhigen Bilderngering: kleinen Drehregler auf der Platine nachstellen

Nach Console Artisan, Game Boy Resource und Retroregen. Console Artisan nennt die Bauteile konkret: Bleibt der Color aus, ist oft Kondensator C32 schuld, bei blassem Bild C35, bei leisem oder knisterndem Ton C38. Die Linien stellst du am Regler VR2 weg.

Lautsprecher: erst die Buchse prüfen

Bleibt der Lautsprecher stumm oder knistert er, liegt es oft an der Kopfhörerbuchse. In ihr sitzt ein kleiner Schalter, der den Lautsprecher abschaltet, sobald ein Stecker drin ist. Korrodiert dieser Kontakt, bleibt der Lautsprecher aus. Steck beim Probespielen ein paar Mal Kopfhörer ein und aus. Laut Console Artisan prüfst du zuerst Einschalter und Buchse, erst danach die Kondensatoren. Auch der Lautsprecher selbst nutzt sich mit den Jahren ab.

Ein Detail für alle, die viel mit Kopfhörern spielen: Laut Console Artisan rauschen frühe Platinen mit den Prozessoren CGB-CPU-01 bis CPU-03 stärker als spätere. CPU-06 gilt als die sauberste Version. Sehen kannst du das nur bei geöffnetem Gerät. Frag bei Fotos von innen danach.

Game Boy Color in Atomic PurpleFoto: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Ausblick: IPS beim Color

Das fehlende Licht ist die größte Schwäche des Color. Wie beim Original gibt es IPS-Nachrüstsätze. Laut Game Boy Resource braucht der beliebte laminierte Q5-Satz von FunnyPlaying ein passendes Gehäuse oder deutliche Schnitte im Originalgehäuse. Es gibt aber auch kleinere TN-Sätze, die ins Originalfenster passen und ohne Schnitte auskommen. Manche Sätze bringen ein Bildschirmmenü mit, etwa zum Ausrichten des Bildes.

Rechne mit kürzerer Laufzeit, denn die Beleuchtung braucht Strom. Für Sammler gilt dieselbe Faustregel wie beim Original: Ein unverbastelter Color im Originalgehäuse behält seinen Sammlerwert eher. Steht in der Anzeige "refurbished", frag nach, ob Gehäuse, Scheibe und Display original sind. Mehr zu Display-Umbauten allgemein steht im Abschnitt "Ausblick: Display-Mods".

Region, PAL und 50/60 Hz

Gute Nachricht: Beim Game Boy spielt die Region kaum eine Rolle. Die Konsole hat keine Regionssperre. Ein japanisches oder amerikanisches Modul läuft auf deinem deutschen Game Boy, und umgekehrt.

Auch 50 oder 60 Hz sind kein Thema. Beim NES laufen viele PAL-Spiele langsamer, weil sie sich nach der Fernsehnorm richten. Der Game Boy hat sein Display eingebaut, und die Hardware ist in allen Regionen gleich. Ein Spiel läuft in Tokio genauso schnell wie am Bodensee. Ein paar Unterschiede gibt es trotzdem:

  • Sprache: Japanische Module sind auf Japanisch. Bei Rollenspielen wie Pokémon ist das ein echtes Hindernis. Wenn du auf Deutsch spielen willst, achte auf die deutsche Ausgabe.
  • Codes auf Etikett und Karton: Ein Kürzel verrät den Markt. NOE steht für Nintendo of Europe und markiert die in Deutschland ausgegebene Version, EUR steht für europaweite Ausgaben, UKV für Großbritannien, USA für Nordamerika und JPN für Japan.
  • Netzteil: Offizielle Netzteile folgen der Stromnorm ihres Landes, also rund 100 Volt in Japan, 120 in Nordamerika und 230 in Europa. Ein Import-Netzteil gehört nicht an die deutsche Steckdose. Mit Batterien ist das egal.
  • Super Game Boy: Hier spielt die Region doch mit. Das Modul steckt im Super Nintendo und übernimmt dessen Takt. Laut Wikipedia läuft es an einem PAL-Gerät rund 1,5 Prozent zu schnell, an einem NTSC-Gerät 2,4 Prozent.

Für Sammler zählt die Region trotzdem. Viele legen Wert auf ein stimmiges Set, bei dem Konsole, Karton, Anleitung und Modul aus demselben Markt stammen. Und die Preise für US-, Japan- und PAL-Exemplare liegen teils weit auseinander.

Zustand prüfen

Ein Game Boy ist robust. Nach über 30 Jahren hat trotzdem fast jedes Gerät seine Macken. Nimm zum Kauf frische Batterien und ein Modul mit, das sicher funktioniert. Dann prüfst du in dieser Reihenfolge:

  1. Batteriefach öffnen

    Schau als Erstes ins Batteriefach. Weiße oder grünliche Krusten an den Kontakten stammen von ausgelaufenen Batterien. Leichte Spuren lassen sich reinigen. Ist die Korrosion schon über die Kontakte hinaus gewandert, hat sie vielleicht auch die Platine erreicht. Ein fehlender Batteriedeckel ist ärgerlich, lässt sich aber ersetzen.

  2. Einschalten und Display ansehen

    Beim Start scrollt das Nintendo-Logo nach unten. Achte auf fehlende senkrechte oder waagrechte Linien und auf schwarze Flecken im Bild. Dreh beim Original am Kontrastrad, bis das Bild klar ist.

  3. Tasten testen

    Spiel ein paar Minuten. Reagieren Steuerkreuz, A, B, Start und Select zuverlässig? Musst du einzelne Tasten fest drücken, sind die Gummikontakte darunter meist verschmutzt oder abgenutzt.

  4. Ton prüfen

    Dreh die Lautstärke langsam auf und ab. Knistern beim Drehen kommt oft vom verschmutzten Regler. Bleibt der Lautsprecher stumm, hilft ein kurzer Test mit Kopfhörern.

  5. Einschalter bewegen

    Schieb den Schalter leicht hin und her. Flackert die Lampe oder geht das Gerät aus, ist der Schalter verschmutzt. Laut der Reparaturübersicht von Console Artisan ist das die häufigste Ursache für Aussetzer in der ganzen Game-Boy-Familie.

  6. Schrauben und Gehäuse ansehen

    Das Gehäuse ist mit Tri-Wing-Schrauben verschlossen, also Schrauben mit drei Flügeln statt Kreuzschlitz. Normale Kreuzschrauben zeigen, dass schon jemand drin war. Das muss nichts Schlechtes heißen. Frag nach, was gemacht wurde.

Mehr Tipps für den Kauf am Stand stehen im Flohmarkt-Check.

Typische Defekte und was sie an Aufwand kosten

Die meisten Macken eines Game Boys lassen sich beheben. Die Frage ist nur, wie viel Aufwand du reinstecken willst. Die Einschätzung in der Tabelle ist ein Erfahrungswert aus Anleitungen und Reparaturseiten.

DefektWoran du es erkennstAufwand
Displaystreifen (Original, Pocket)senkrechte oder waagrechte Linien fehlenmittel: Lötkolben, etwas Übung
Display-Fäule ("screen rot")schwarze Flecken im Bildhoch: nur ein neues Display hilft
Korrosion im BatteriefachKrusten, Gerät startet nur mit Wackeln oder gar nichtgering bis mittel: reinigen, bei starkem Befall Kontakte tauschen
Verschmutzter EinschalterLampe flackert, Gerät geht aus, Knisterngering bis mittel: öffnen, Kontaktreiniger
Stummer LautsprecherKopfhörer gehen, Lautsprecher nichtgering: meist hängt der Schalter in der Kopfhörerbuchse
Kratzige LautstärkeKnacken beim Drehen am Reglergering: Kontaktreiniger reicht meist
Zerkratzte DisplayscheibeKratzer über dem Bildgering: Ersatzscheibe aufkleben
Alte KondensatorenTonaussetzer, Bildfehler, Startproblememittel: Tausch mit dem Lötkolben

Displaystreifen: der Klassiker

Fehlende Linien im Bild sind der bekannteste Game-Boy-Defekt. Das Flachbandkabel des Displays ist über eine Heißsiegel-Verbindung am Glas befestigt. Mit den Jahren verliert diese Verbindung den Kontakt. Drückst du leicht auf die Gummileiste unter dem Display, tauchen die Linien manchmal kurz wieder auf. Dann weißt du, woran es liegt.

Die übliche Reparatur: Gehäuse öffnen, Konsole einschalten und mit einem flachen Lötkolben bei etwa 250 bis 260 °C vorsichtig über die Verbindung fahren. Die Linien kommen oft zurück, während du arbeitest. Zu viel Hitze beschädigt allerdings das Kabel. Und manchmal kommen die Streifen nach einiger Zeit wieder. Wer keinen Lötkolben hat, lässt das von einem Bastler machen oder setzt gleich ein neues Display ein.

Korrosion: Essig statt Alkohol allein

Ausgelaufene Alkali-Batterien hinterlassen eine basische Kruste. Deshalb empfehlen erfahrene Bastler bei iFixit verdünnten Essig, um sie zu lösen. Danach spülst du mit Wasser nach und verdrängst die Feuchtigkeit mit Isopropanol (90 Prozent oder mehr). Sind die Kontakte zerfressen, tauschst du sie gegen neue aus. Auch dafür gibt es Ersatzteile.

Faustregel

Streifen im Display und leichte Korrosion sind Verhandlungsmasse. Schwarze Flecken im Display bedeuten ein neues Display. Ein Gerät, das gar nicht angeht, ist ein Bastelprojekt. Wie ein Kondensatortausch grundsätzlich abläuft, zeigt unser Game Gear Recap.

Module: Knopfzellen und Spielstände

Viele Spiele speichern deinen Fortschritt auf einem kleinen Chip im Modul. Der braucht dauerhaft Strom, auch wenn das Modul im Regal liegt. Den liefert eine Knopfzelle, je nach Spiel und Region meist vom Typ CR1616 oder CR2025. Europäische Pokémon-Module wie Rot, Blau und Gelb haben laut ConsoleMods und iMore eine CR1616. Welche Zelle wo steckt, steht in der Anleitung Spielstand-Batterie tauschen. Spiele ohne Speicherfunktion wie Tetris haben keine Batterie.

Irgendwann ist jede Zelle leer. Das Spiel läuft dann ganz normal, vergisst aber jeden Spielstand, sobald du ausschaltest. Besonders betroffen sind Pokémon Gold, Silber und Kristall. Ihre eingebaute Uhr braucht zusätzlich Strom und leert die Zelle schneller. Im Artikel "Preserving Pokémon" heißt es, fast alle Exemplare dieser drei Spiele ohne Batterietausch seien heute schon leer.

Beim Kauf testest du das so: Spiel starten, speichern, ausschalten, wieder einschalten. Ist der Spielstand noch da, hält die Batterie. Zumindest im Moment. Ein Hinweis wie "Batterie frisch getauscht" in der Anzeige ist ein Pluspunkt.

  1. Spielstand sichern

    Beim Tausch geht der Spielstand verloren. Wenn dir dein altes Team wichtig ist, sicherst du es vorher mit einem USB-Modul-Lesegerät am PC. Solche Geräte lesen den Speicher deines eigenen Moduls aus und schreiben ihn nach dem Tausch zurück.

  2. Modul öffnen

    Die Module sind mit einer Sicherheitsschraube verschlossen. Dafür brauchst du einen 3,8-mm-Gamebit, einen speziellen Schraubendreher-Einsatz.

  3. Alte Zelle auslöten

    Die Zelle ist mit Lötfahnen auf der Platine befestigt. Du lötest sie aus, am besten mit Entlötlitze oder Entlötpumpe. Achte darauf, die Leiterbahnen nicht zu beschädigen.

  4. Neue Zelle einlöten

    Anleitungen raten zu Zellen mit fertigen Lötfahnen. Achte auf die Polung. Alternativ gibt es kleine Halterungen, in die du später einfach eine neue Zelle steckst.

Kein Lötkolben zu Hause? Viele Retro-Händler und Bastler bieten den Batterietausch als Dienstleistung an.

Zubehör: Was du wirklich brauchst

  • Netzteil: Das Original braucht 6 Volt über einen Hohlstecker mit 3,5 × 1,35 mm, Minus innen. Laut Console Artisan nutzt das Netzteil des NEC TurboExpress denselben Stecker, liefert aber 7 Volt mit Plus innen. Eine Verwechslung kann deinen Game Boy beschädigen. Pocket, Light und Color brauchen 3 Volt über einen kleineren Stecker. Kauf Nachbau-Netzteile nur, wenn Spannung und Polung klar angegeben sind.
  • Batterien: Original 4 × AA, Pocket 2 × AAA, Light und Color 2 × AA. Nimm die Batterien raus, wenn das Gerät länger liegt. So läuft nichts aus.
  • Link-Kabel: Für zwei Original-Game-Boys brauchst du das Kabel DMG-04 mit großen Steckern. Pocket und Color haben einen kleineren Anschluss, dafür gibt es die Kabel MGB-008 und CGB-003. Willst du ein Original mit einem Color verbinden, hilft der Adapter DMG-14. Für bis zu vier Spieler gab es den Vierfach-Adapter DMG-07.
  • Kopfhörer: Über die 3,5-mm-Klinkenbuchse hörst du den Sound in Stereo. Der eingebaute Lautsprecher kann nur Mono.
  • Game Boy Camera und Printer: Die Kamera kam im Juni 1998 nach Europa. Sie macht Fotos mit 128 × 112 Pixeln in vier Graustufen. Mit dem Game Boy Printer druckst du sie auf Thermopapier aus. Frag beim Printer nach, ob Papier dabei ist.

Game Boy am modernen Fernseher

Ein Game Boy braucht keinen Fernseher. Trotzdem willst du manche Spiele vielleicht groß sehen oder zu zweit auf dem Sofa zuschauen. Dafür gibt es vier Wege.

WegSpieltVorteilHaken
Super Game Boy (Super Nintendo, Europa ab 24.09.1994)Game Boy, schwarze Color-Module im Game-Boy-ModusOriginalmodule, Rahmen und etwas Farbe bei unterstützten Spielenläuft am PAL-Gerät rund 1,5 Prozent zu schnell, am modernen Fernseher braucht das Super Nintendo oft selbst einen Adapter
Game Boy Player (GameCube, Europa ab 20.06.2003)Game Boy, Color und Advanceechte Hardware statt Emulationbraucht eine Start-Disc, wird unter den GameCube geschraubt, auch der GameCube braucht am modernen Fernseher oft einen Adapter
Analogue Pocket mit Dock (seit Dezember 2021)Originalmodule von Game Boy, Color und Advancescharfes Bild, HDMI über das DockFremdhersteller, Dock kostet extra
Nintendo Switch Online (seit 8. Februar 2023)ausgewählte Spiele digitaloffiziell, im Grundabo enthaltenkeine Module, nur Nintendos Auswahl, nur solange das Abo läuft

Das Super Game Boy macht aus manchen Spielen mehr. Donkey Kong von 1994 war das erste Spiel, das eigens dafür entwickelt wurde, und zeigt damit bis zu 13 Farben statt vier. Der Game Boy Player ist spannend, wenn du ohnehin einen GameCube im Regal hast. Er nutzt laut Wikipedia fast dieselbe Hardware wie ein Game Boy Advance und bildet nichts per Software nach.

Switch Online ist bequem, aber du besitzt dort nichts. Warum wir lieber Module und Discs ins Regal stellen, erklärt unser Artikel "Die Disc stirbt. Wir heben sie auf."

Fälschungen und Nachbauten erkennen

Besonders oft gefälscht werden Pokémon-Module. Die Nachfrage ist groß, und manche Fälschungen laufen auf den ersten Blick ganz normal. Mit diesen Merkmalen trennst du Original und Kopie:

  • Modulfarbe: Rot ist rot, Blau ist blau, Gelb ist gelb. Gold und Silber stecken in goldenem und silbernem Gehäuse, Kristall in eisblau durchsichtigem. Europäische und amerikanische Pokémon-Spiele in grauen Modulen gibt es laut iMore nicht. Grau gab es nur in Japan.
  • Prägung: Originale haben oben in der Griffmulde den Schriftzug "Nintendo GAME BOY™", Color-Module "GAME BOY COLOR". Fälschungen haben dort oft nichts oder nur einen Teil des Schriftzugs.
  • Etikett: Echte Etiketten sind seidenmatt, haben abgerundete Ecken und zwei eingeprägte Ziffern. Neben dem Nintendo-Schriftzug steht ein ™. Das Qualitätssiegel ist bei europäischen Spielen rund, bei amerikanischen oval. Ein US-Alterslogo der ESRB auf einem europäischen Modul ist verdächtig.
  • Schraube: Originale sind mit einer Sicherheitsschraube verschlossen. Laut Cheaper Gamer ist ein Modul mit normaler Kreuzschlitzschraube eine Fälschung.
  • Platine: Auf der Original-Platine steht ein Nintendo-Schriftzug, die Kontakte glänzen goldfarben. Ein schwarzer Klecks aus Kunstharz, unter dem der Chip versteckt ist, bedeutet bei Pokémon-Modulen laut iMore immer eine Kopie.
  • Batterie: Originale nutzen je nach Spiel eine CR1616 oder CR2025, festgelötet mit Lötfahnen. Mehr dazu unter Fälschungen erkennen.
Klecks ist nicht gleich Klecks

Bei der Konsole selbst ist ein Kunstharz-Klecks kein Warnzeichen. Späte Platinen des Originals und die bunten Play-It-Loud-Geräte haben Chips, die direkt unter solchen Klecksen auf der Platine sitzen. Das ist ab Werk so. Beim Pokémon-Modul dagegen ist der Klecks ein klares Zeichen für eine Fälschung.

Nachbau-Zubehör

Nicht nur Module werden nachgebaut. Nicht selten stecken Game Boys heute in Nachbau-Gehäusen, oft in Farben, die Nintendo nie verkauft hat. Dazu kommen Nachbau-Displayscheiben, Link-Kabel und Netzteile. Das ist kein Betrug, solange der Verkäufer es sagt. Für Sammler zählt aber das Originalgehäuse. Schau auf die Qualität des Nintendo-Schriftzugs, die Passform des Batteriedeckels und die Schrauben. Module, die offen als "Repro" verkauft werden, sind inoffizielle Nachbauten und für Sammler praktisch wertlos.

Eine bebilderte Anleitung zu echten und falschen Modulen findest du im Flohmarkt-Check.

Ausblick: Display-Mods

Das grünliche Original-Display ohne Licht ist nicht jedermanns Sache. Die Bastelszene hat dafür Lösungen entwickelt. Früher baute man eine Hintergrundbeleuchtung ein, oft zusammen mit einem sogenannten Bivert-Modul für mehr Kontrast. Laut Game Boy Resource entstehen dabei manchmal Newtonsche Ringe, also schillernde Ringe im Bild, die wie eingeschlossene Flüssigkeit aussehen.

Heute greifen die meisten zu IPS-Displays als Nachrüstsatz. IPS ist eine moderne LCD-Technik mit hellem, blickwinkelstabilem Bild. Solche Sätze gibt es für Original, Pocket, Light und Color, unter anderem von FunnyPlaying, RGRS und BennVenn. Beim Original ist der Einbau ein echter Eingriff. FunnyPlaying schreibt zu seinem DMG-Satz, dass das Gehäuse angepasst und der Lautsprecher gelötet werden muss. Ein neues Gehäuse liegt bei. Außerdem steigt der Stromverbrauch, und das Grundrauschen im Ton nimmt leicht zu.

Lohnt sich das? Zum Spielen ist ein Game Boy mit IPS-Display großartig, gerade abends auf dem Sofa. Faustregel für Sammler: Ein unverbastelter Original-Game-Boy behält seinen Sammlerwert eher. Wird dir ein Gerät mit IPS-Display angeboten, frag nach dem Hersteller des Satzes und ob das Originalgehäuse bearbeitet wurde. Eine Anleitung zum Umbau folgt als eigener Artikel.

Preisfindung: So findest du den fairen Preis

Konkrete Preise nennen wir hier bewusst nicht. Sie ändern sich ständig und hängen stark am Zustand. So findest du heraus, was ein Gerät wirklich wert ist:

  • eBay mit Filter: Such nach dem genauen Modell, etwa DMG-01, MGB-001 oder CGB-001, und setz den Filter "Verkaufte Artikel". So siehst du, was tatsächlich gezahlt wurde. Wunschpreise in laufenden Angeboten sagen wenig.
  • Gleiches mit Gleichem vergleichen: lose oder mit Karton, Display mit oder ohne Streifen, Batteriedeckel vorhanden, Original- oder Nachbaugehäuse, mit oder ohne IPS-Display.
  • Region beachten: NOE, EUR, USA oder JPN. Zum Spielen egal, für Sammler nicht.
  • Pokémon mit Vorsicht: Ein auffällig günstiges Angebot ist oft eine Fälschung. Frag nach Fotos von Rückseite und Platine.
  • Konvolute prüfen: Kisten mit Konsole, Spielen und Zubehör sind oft ein guter Deal. Prüf aber jedes Teil einzeln.
  • Import mitrechnen: Ein Game Boy Light kommt fast immer aus Japan. Rechne Versand und Einfuhrabgaben mit ein.

Einsteiger-Spiele: günstig und gut

Diese Spiele erschienen in großer Stückzahl. Deshalb findest du sie gebraucht meist leicht, und sie bieten viel Spiel fürs Geld. Die Verkaufszahlen stehen im Geschichts-Artikel.

SpielEuropaWarum
Tetris1990Lag dem Game Boy bei und ist entsprechend oft zu finden. Mit Link-Kabel zu zweit.
Super Mario Land1990Das Startspiel. Kurz, knackig, perfekt für zwischendurch.
Super Mario Land 2: 6 Golden Coins1993Größer, mit Speicherfunktion und dem ersten Auftritt von Wario.
Kirby's Dream Land1992Bewusst einsteigerfreundlich, mit schwererem Bonusmodus für Profis.
Dr. Mario1991Knobelspiel mit Pillen und Viren, mit Link-Kabel zu zweit.
Wario Land: Super Mario Land 31994Wario als Held, auf Schatzsuche und mit Helmen, die ihm neue Fähigkeiten geben.
Donkey Kong1994101 Level, beginnt als Automatenklassiker und wird zum Knobelspiel.

Europa = Erscheinungsjahr in Europa laut Wikipedia. Kirby's Dream Land kam im Dezember 1992 zuerst nach Großbritannien. Bei Spielen mit Speicherfunktion gilt: Knopfzelle testen.

Wer mehr Abenteuer will, greift zu The Legend of Zelda: Link's Awakening von 1993. Auch dort speichert eine Knopfzelle deinen Fortschritt. Pokémon ist natürlich ein Muss für viele, aber für Einsteiger wegen der Fälschungen und leeren Batterien der anspruchsvollste Kauf.

Checkliste vor dem Kauf

  • Frische Batterien und ein funktionierendes Testmodul mitnehmen.
  • Modellnummer auf der Rückseite prüfen: DMG-01, MGB-001, MGB-101 oder CGB-001.
  • Batteriefach öffnen: Korrosion? Deckel vorhanden?
  • Display prüfen: fehlende Linien, schwarze Flecken, Kratzer auf der Scheibe.
  • Alle Tasten und das Steuerkreuz ein paar Minuten testen.
  • Lautsprecher, Kopfhörerbuchse und Lautstärkeregler auf Knistern prüfen.
  • Einschalter leicht bewegen: flackert die Lampe?
  • Schrauben und Gehäuse ansehen: Originalgehäuse oder Nachbau, schon geöffnet?
  • Bei Modulen mit Speicher: speichern, ausschalten, einschalten.
  • Bei Pokémon: Modulfarbe, Prägung, Etikett und Schraube prüfen, im Zweifel Platinenfoto verlangen.
  • Netzteil: Spannung und Polung passend zum Modell?
  • Umbauten: IPS-Display ja oder nein, Gehäuse bearbeitet?
  • Beim Color: Displayscheibe auf Kratzer und Risse prüfen, Bild auch im Schatten ansehen, Kopfhörer ein- und ausstecken.
  • Beim Light: Beleuchtung einschalten. Leuchtet das Bild gleichmäßig? Liegt ein passendes Netzteil für 230 Volt bei oder nur ein japanisches?
  • Preis vorher bei eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel" einschätzen.
Mehr zur Geschichte

Wer den Game Boy erfunden hat, warum Tetris im Karton lag und welche Module heute richtig teuer sind, steht in unserem Artikel Der Game Boy: Wie ein grauer Ziegel die Welt eroberte.

Aktuelle Angebote

Gebrauchte Geräte findest du zum Beispiel auf eBay: Nintendo Game Boy auf eBay*. Was zuletzt wirklich bezahlt wurde, zeigen die verkauften Angebote*. Vergleich immer Geräte im gleichen Zustand.

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Häufige Fragen

Welcher Game Boy ist der beste für Einsteiger?

Für die meisten der Game Boy Color. Er spielt alle Module der Familie und läuft mit zwei AA-Batterien. Wer Nostalgie sucht, nimmt das graue Original.

Laufen amerikanische oder japanische Spiele auf meinem deutschen Game Boy?

Ja. Der Game Boy hat keine Regionssperre, und das Tempo ist überall gleich. Japanische Spiele sind allerdings auf Japanisch.

Kann ich Game-Boy-Color-Spiele auf dem Pocket spielen?

Nur die schwarzen Module. Durchsichtige Module laufen nur auf dem Color.

Warum speichert mein Pokémon-Spiel nicht mehr?

Meist ist die Knopfzelle im Modul leer. Bei Gold, Silber und Kristall passiert das wegen der eingebauten Uhr besonders oft. Ein Batterietausch löst das Problem, der alte Spielstand ist dann aber weg, wenn du ihn nicht vorher sicherst.

Kann ich einen Game Boy direkt an den Fernseher anschließen?

Nein. Der Game Boy hat keinen Bildausgang. Über das Super Game Boy, den Game Boy Player oder einen Analogue Pocket mit Dock kommen die Spiele trotzdem auf den Fernseher.

Lohnt sich ein IPS-Display?

Zum Spielen ja, das Bild ist hell und scharf. Für Sammler ist ein unverbastelter Original-Game-Boy meist die bessere Wahl.

Quellen