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Ratgeber · Sammeln

Originale erkennen: gefälschte Spiele, Module und Konsolen entlarven

Ein Pokémon-Modul für einen Bruchteil des üblichen Preises, ein Game Boy Advance SP wie frisch aus dem Laden: Manchmal ist das ein Glücksfund, oft ist es eine Fälschung. Dieser Ratgeber zeigt dir System für System, woran du Originale erkennst, was beim Öffnen auffällt und was du tust, wenn du doch reingefallen bist.

Stand 03.10.2026 · ca. 15 Min. Lesezeit
Alle Systeme · RatgeberOriginal oder Fälschung?
Foto Game-Boy-Modulplatine: Kungfuman, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Auf einen Blick

FrageAntwort
Für welche Geräte?Game Boy, Game Boy Color, Game Boy Advance, Nintendo DS, NES, Super Nintendo, Nintendo 64, Mega Drive, Game Gear, PlayStation 1 und 2
SchwierigkeitLeicht bis mittel. Sichtprüfung kann jeder, Öffnen braucht Spezialwerkzeug (Erfahrungswert)
ZeitaufwandSichtprüfung etwa 2 Minuten, Modul öffnen und prüfen etwa 10 Minuten (Erfahrungswert)
Größtes RisikoPokémon-Spiele für Game Boy, Color und Advance sowie teure Sammlertitel

Gefälscht wird, was Geld bringt. Ganz vorne liegen die Pokémon-Teile, dazu gesuchte Titel wie EarthBound oder seltene N64-Spiele. Faustregel: Je teurer ein Titel, desto genauer schaust du hin.

Fälschung, Repro, Nachbau: die Begriffe

Diese Wörter begegnen dir in Anzeigen und Foren:

BegriffWas gemeint ist
Fälschung, BootlegEin Nachbau, der sich als Original ausgibt. Oft in Fabriken in großer Stückzahl hergestellt.
ReproKurz für Reproduktion. Ein Nachbau, der offen als solcher verkauft wird, etwa ein Spiel, das in Europa nie erschienen ist.
Nachbau-GehäuseEin neues Gehäuse für ein echtes Innenleben. Oft in Farben, die es nie offiziell gab.
ErsatzetikettEin nachgedrucktes Etikett auf einem echten Modul. Ehrlich angegeben ein Reparaturteil, verschwiegen ein Ärgernis.
KlonEine eigene Konsole, die ein Original nachahmt, etwa Nachbauten des NES. Kein Nintendo- oder Sega-Produkt.

Der Knackpunkt: Ein ehrlich verkauftes Repro kann Jahre später auf dem Flohmarkt als Original landen. Der Verkäufer weiß das dann oft selbst nicht. Für Sammler hat beides praktisch keinen Wert.

Werkzeug und Material

  • Gamebit 3,8 mm * für Module von Game Boy, Game Boy Color, NES, Super Nintendo und Nintendo 64
  • Gamebit 4,5 mm * für Mega-Drive-Module
  • Tri-Wing-Schraubendreher * für Game-Boy-Advance-Module, also eine Spitze mit drei Flügeln in Y-Form
  • Taschenlampe oder Handylicht, um durch den Modulschlitz auf die Platine zu schauen
  • Lupe * mit etwa zehnfacher Vergrößerung für Druckraster und eingeprägte Ziffern
  • Referenzfotos von sicher echten Exemplaren, am besten aus abgeschlossenen Auktionen
  • Optional eine Küchenwaage: Nachbauten sind oft leichter (Erfahrungswert)

Gamebits sind Sicherheitsschraubendreher mit hohlem Kopf für die Spezialschrauben von Nintendo und Sega. Viele Sets enthalten beide Größen.

* Werbelink: Wenn du über einen markierten Link kaufst, bekommen wir eine kleine Provision. Dein Preis ändert sich dadurch nicht.

Sicherheit

  • Knopfzellen: Viele Module enthalten eine Batterie. Berühr nie beide Pole gleichzeitig mit Metallwerkzeug, sonst gibt es einen Kurzschluss. Lose Knopfzellen gehören außer Reichweite von Kindern.
  • Statische Ladung: Fass die Platine an den Kanten an und nicht an Chips oder Kontakten.
  • Kunststoff: Alte Gehäuse werden spröde. Zieh die Hälften nicht mit Gewalt auseinander. Bei GBA-Modulen hilft ein Plektrum.
  • Reinigen: Isopropanol ist leicht entzündlich. Nutze es sparsam, bei offenem Fenster und weit weg von Lötkolben oder Kerzen.
  • Netzteile: Ein Nachbau-Netzteil mit falscher Spannung kann die Konsole zerstören. Prüf die Angaben auf dem Etikett, bevor du einsteckst.

Prüfen in fünf Schritten

Dieser Ablauf funktioniert für fast alle Module. Die Details je System folgen weiter unten.

  1. Preis und Angebot einordnen

    Vergleich den Preis mit dem eBay-Filter "Verkaufte Artikel". Ein seltenes Spiel weit unter dem üblichen Endpreis ist ein Warnzeichen. Laut Nintendo Life sind auch viele identische Angebote mit Versand aus Fernost und reine Katalogbilder verdächtig.

  2. Etikett unter die Lupe nehmen

    Echte Etiketten sind laut Kotaku im Offsetdruck scharf gedruckt, maschinell gestanzt und haben abgerundete Ecken. Unscharfe Siegel, schiefe Texte und von Hand geschnittene Kanten sind Warnzeichen.

  3. Gehäuse und Schraube prüfen

    Stimmen Farbe, Prägung und Schraubentyp? Eine normale Kreuzschlitzschraube ist bei Nintendo-Modulen laut ConsoleMods und Cheaper Gamer ein klares Zeichen für eine Fälschung.

  4. Durch den Schlitz leuchten

    Bei vielen Modulen siehst du mit der Taschenlampe schon von außen den Nintendo-Schriftzug über den Kontakten. Fehlt er oder sieht er schief aus, wird es spannend.

  5. Öffnen und Platine ansehen

    Erst das Innenleben bringt Gewissheit. Achte auf Herstellername, Platinenkennung, die Größe der Platine und schwarze Harzkleckse über den Chips. Frag bei Online-Käufen vorher nach einem Foto der offenen Platine. Seriöse Verkäufer machen das mit.

Game Boy und Game Boy Color

Hier sitzen die meisten Fälschungen, allen voran Pokémon Rot, Blau, Gelb, Gold, Silber und Kristall. Die Merkmale:

  • Eingeprägte Nummer: Originale haben eine kleine Zahl, die in das Etikett gepresst ist, meist zwei Ziffern oder eine Ziffer und ein Buchstabe. Laut ConsoleMods und The Old School Game Vault fehlt sie bei Fälschungen meist. Achtung: Auch Ersatzetiketten haben sie nicht.
  • Prägung oben: Auf der Griffmulde steht "Nintendo GAME BOY™", bei Color-Modulen "GAME BOY COLOR". Fälschungen haben dort laut iMore oft nichts oder nur einen Teil.
  • Rückseite: Originale tragen laut Epilogue den Nintendo-Schriftzug oder "Made in Japan".
  • Farbe: Gelb ist gelb, Kristall durchsichtig blau. Europäische Pokémon-Spiele in grauen Modulen gibt es laut iMore nicht.
  • Etikett: Die Etiketten von Gold, Silber und Kristall haben laut ConsoleMods einen metallischen Effekt und glänzen nicht wie Fotopapier.
  • Schraube: Originale sind mit einer 3,8-mm-Gamebit-Schraube verschlossen.

Die Platine verrät fast alles

Eine echte Platine füllt laut The Old School Game Vault das ganze Gehäuse aus. Viele Fälschungen nutzen eine halb so große Platine, die von Kunststoffnasen gehalten wird. Original-Platinen tragen den Nintendo-Schriftzug und eine Kennung, bei Pokémon Gelb etwa DMG-A02-01. Die Kontakte glänzen goldfarben. Laut Epilogue haben originale Kontakte keine Löcher, und Platinen sind nie übereinandergestapelt.

Der bekannteste Hinweis ist der schwarze Klecks aus Kunstharz über dem Chip, englisch "glob top". Bei Pokémon bedeutet er laut iMore und The Old School Game Vault immer eine Fälschung. Ganz allgemein ist er ein starkes Warnzeichen, aber kein Beweis: Laut ConsoleMods haben einige frühe Game-Boy-Spiele wie Tetris ab Werk solche Kleckse. Bei der Konsole selbst sind Kleckse ebenfalls normal, wie die Game-Boy-Kaufberatung erklärt.

Speicherfähige Spiele brauchen eine Knopfzelle. Fehlt sie bei Pokémon, ist das Modul nicht echt. Welche Zelle in welchem Modul steckt, hängt von Spiel und Region ab. Die Liste findest du in der Anleitung Modul-Batterie tauschen.

Gefälschtes Game-Boy-Modul: Platine mit wenigen ChipsFoto: David Couzelis, Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Game Boy Advance

Auch beim GBA trifft es vor allem Rubin, Saphir, Smaragd, Feuerrot und Blattgrün. Die Prüfung von außen:

  • Etikett: Rechts steht ein kleiner eingeprägter Code aus zwei oder drei Zeichen.
  • Rückseite: Eingeprägt sind der Nintendo-Schriftzug und die Modellnummer AGB-002. Fälschungen prägen laut ConsoleMods oft zu tief.
  • Schlitz: Mit der Taschenlampe siehst du laut Kotaku den Nintendo-Schriftzug auf der Platine über den Kontakten.
  • Farbe: Rubin, Saphir und Smaragd sind laut iMore tief durchscheinend, Feuerrot und Blattgrün eher deckend.
  • Schraube: Originale haben eine Y-förmige Sicherheitsschraube. Kreuzschlitz bedeutet Fälschung.

Platinenkennung und Speicherchip

Innen steht in weißer Schrift eine Kennung, die mit AGB beginnt. Bei Rubin, Saphir und Smaragd ist das laut iMore AGB-E05-01, bei Feuerrot und Blattgrün AGB-E02-20 oder AGB-E02-30. Bei Feuerrot und Blattgrün sitzen außerdem vier kleine goldene Rechtecke links auf der Platine. Laut Nintendo Life haben Fälschungen dort helle goldene Kreise.

Spannend ist der Speicher. Originale GBA-Spiele sichern je nach Titel in SRAM mit Batterie, in FRAM, in EEPROM oder in Flash-Speicher. Die letzten drei brauchen laut Epilogue keine Batterie. Rubin, Saphir und Smaragd haben eine Knopfzelle nur für die Uhr, Feuerrot und Blattgrün haben gar keine. Fälschungen nutzen dagegen laut Epilogue oft wiederbeschreibbare Speicherchips. Manche stecken den Spielstand in denselben Chip wie das Spiel, andere bekommen eine Knopfzelle, wo im Original keine sitzt. Typische Folge sind verlorene Spielstände. Mehr zur Konsole und zum SP steht in der GBA-Kaufberatung.

Nintendo DS

DS-Karten sind klein, und gute Fälschungen sind schwer zu erkennen. Diese Merkmale nennen iMore und Nintendo Life:

  • Code auf dem Etikett: Unten steht NTR, eine vierstellige Produktnummer und die Region, bei uns EUR.
  • Prägung hinten: Normale Karten tragen NTR-005, Karten mit Infrarot wie HeartGold, SoulSilver, Schwarz und Weiß NTR-031.
  • Farbe: Die Infrarot-Karten wirken schwarz, schimmern im hellen Licht aber dunkel rötlich-violett. Eine graue HeartGold ist falsch.
  • Siegel: PAL-Karten haben ein rundes Nintendo-Siegel und das CE-Zeichen.
  • Kontakte: Originale sind goldfarben. Fälschungen nutzen laut iMore oft billigeres Zinn.

Flashkarten wie die R4 sehen aus wie DS-Spiele, sind aber kein Nintendo-Produkt und wurden vor allem für Raubkopien genutzt. Sie steigern den Wert eines Konvoluts nicht. Die rechtliche Einordnung steht in der DS-Kaufberatung. Wir gehen hier nicht weiter darauf ein.

NES, Super Nintendo und Nintendo 64

Bei den Heimkonsolen geht es selten um Massenfälschungen. Häufiger sind Repros teurer Titel, die später als Original weiterverkauft werden. Kotaku nennt drei Prüfpunkte, die für alle drei Systeme gelten:

  • Etikett: scharfe Schrift, saubere Stanzkanten, richtige Schriftart, mittig aufgeklebt.
  • Platine: Chips mit rundem Fenster, sogenannte EPROMs, handgelötete Drähte oder Harzkleckse kommen auf Original-Platinen so gut wie nie vor.
  • Codes: Die Nummer auf dem Speicherchip passt zum Etikett.

Unmögliche Fassungen

Der schnellste Test: Gab es das Spiel in dieser Fassung überhaupt? EarthBound und Chrono Trigger sind nie in Europa erschienen. Ein Modul mit PAL-Aufdruck ist deshalb immer ein Nachbau. Umgekehrt nennt Kotaku amerikanische Module von Terranigma, das es offiziell nur in Japan und Europa gab.

Was je System auffällt

SystemOriginalWarnzeichen
NESPlatinenkennung beginnt mit NES, etwa NES-TLROM. Gamebit-Schrauben bei späteren Modulen.Glob Tops, Fenster-Chips, weiße Kartoninnenseite
SNESProduktcode auf dem Etikett, bei deutschen Modulen etwa SNSP-4M-NOE. Zwei Gamebit-Schrauben aus Metall, Nintendo-Logo hinten eingeprägt.Laut Nintendo Life Kunststoffschrauben, fehlender Warnhinweis hinten
N64Produktcode mit NUS und Länderkürzel, Nintendo-Schriftzug auf der PlatineUnscharfes oder glänzendes Etikett, klaffende Gehäusehälften (Erfahrungswert)

Bei Kartons und Anleitungen hilft ein Blick nach innen. Originale NES- und SNES-Kartons sind laut Kotaku innen grau. Weiße Innenseiten und Anleitungen mit Fotopapier-Glanz sind verdächtig. Billige SNES-Nachbauten können laut Console Artisan außerdem Bildstörungen wie Schnee verursachen, weil ihnen die passende Anpassung an den 5-Volt-Bus fehlt. Details findest du in den Kaufberatungen zu NES, Super Nintendo und Nintendo 64.

Mega Drive und Game Gear

Beim Mega Drive gibt es viele Nachbauten: Module, Controller, Kabel und ganze Klon-Konsolen. Für Module gilt als Erfahrungswert:

  • Schraube: Laut Stone Age Gamer brauchst du den 4,5-mm-Gamebit. Einzelne Module sind anders verschraubt. Die Schraube allein beweist hier wenig.
  • Platine: Originale tragen den Sega-Schriftzug oder den Namen des Herstellers. Moderne Chips oder Datumsangaben aus den 2000ern verraten einen Nachbau.
  • Speicher: Speichert ein Spiel im Original mit Knopfzelle und das Modul hat keine, ist Vorsicht angebracht. Ausnahme: Sonic 3 speichert im Original ohne Batterie.
  • Hülle: Europäische Spiele kamen in Kunststoffhüllen mit Papiereinleger. Achte auf Druckschärfe und Farben des Einlegers (Erfahrungswert).

Beim Game Gear sind gefälschte Spiele zum Glück selten. Häufiger sind Geräte in neuen Gehäusen. Mehr dazu in den Kaufberatungen zu Mega Drive und Game Gear.

PS1- und PS2-Discs

Bei Discs geht es meist um gebrannte Kopien und nachgedruckte Hüllen. Die wichtigsten Merkmale:

  • PS1-Datenseite: Originale sind unten schwarz. Laut TheGamer wollte Sony damit Raubkopien erschweren. Eine grüne, goldene oder silberne Unterseite spricht für einen Rohling.
  • PS2-Datenseite: Frühe Spiele auf CD-ROM haben laut Wikipedia eine blau getönte Unterseite, DVD-Spiele eine silberne.
  • Rohlinge: Die Farbe kommt vom Farbstoff im Rohling. Laut Wikipedia sind Rohlinge mit Cyanin meist grün, mit Phthalocyanin silbern, golden oder hellgrün und mit Azo-Farbstoff dunkelblau. Hersteller kaschieren die Farbe aber teilweise.
  • Katalognummer: PAL-Spiele tragen meist eine Nummer mit SCES oder SLES am Anfang.
  • Booklet und Inlay: Blasse Farben, falsches Papier oder unscharfer Druck sind Hinweise auf einen Nachdruck (Erfahrungswert).
Neu seit 2024

Schwarz allein beweist nichts mehr. Laut Time Extension berichtete der Modder Voultar im September 2024 von gefälschten PS1-Spielen, die auf dunkle Discs gepresst werden. Optisch sind sie kaum zu unterscheiden. Auf einer unveränderten PlayStation starten sie aber nicht. Teste teure Spiele deshalb auf einer Konsole ohne Umbau.

Platinum-Fassungen sind offizielle Neuauflagen von Sony und keine Fälschungen. Mehr dazu in den Kaufberatungen zu PlayStation 1 und PlayStation 2.

PS2-Spiel auf blauer DiscFoto: Cstrikeur, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Konsolen-Fälschungen und Nachbau-Gehäuse

Komplett gefälschte Konsolen sind seltener als gefälschte Spiele. Viel häufiger steckt ein echtes Innenleben in einem neuen Gehäuse. Das ist kein Betrug, solange der Verkäufer es sagt. Für Sammler zählt aber das Originalgehäuse.

Game Boy Advance SP

gbasp.ru nennt den Abstand um Start und Select als zuverlässigstes Merkmal. Beim Nachbau ist dort sehr wenig Platz, beim Original deutlich mehr. Dazu kommen schiefe, unterschiedlich große Lautsprecherlöcher, ein raueres Gehäuse und dickere, leicht erhabene Aufdrucke. Ein SP, der als AGS-101 mit hellem Bildschirm angeboten wird, kann auch ein älteres Modell mit nachgerüstetem Display sein. Wie du das prüfst, steht in der GBA-Kaufberatung.

Game Boy Color

Laut The Vintage Gamers ist die Prägeschrift auf Nachbau-Gehäusen dünner und weniger scharf. Der Kunststoff ist etwas heller und durchsichtiger. Am Batteriedeckel fehlen kleine Zusatznasen, und die Fugen zwischen den Teilen sind teils wellig. Statt der originalen Y-Schrauben liegen oft andere Schrauben bei, und die Abdeckung des Infrarot-Fensters fehlt.

Weitere Fälle

Auch ein DS Lite, der wie neu aussieht, kann in einem Nachbau-Gehäuse stecken. Bei Game Boy und Game Gear ist eine Farbe, die es nie offiziell gab, fast immer ein Umbau. Dazu kommen Klon-Konsolen, die NES oder Mega Drive nachahmen.

Zubehör: Controller und Speicherkarten

Ein Controller eines Fremdherstellers ist legal. Ärgerlich wird es, wenn er als Original verkauft wird.

  • Controller: Nachbauten wiegen oft weniger, das Steuerkreuz fühlt sich schwammig an, und der Aufdruck ist unsauber (Erfahrungswert). Prüf die Modellnummer auf dem Etikett: SCPH-1200 beim DualShock der PS1, SCPH-10010 beim DualShock 2, NUS-005 beim N64-Controller.
  • PS1-Memory-Card: Die offizielle Karte fasst 128 KB, also 15 Blöcke. Aufschriften wie "8 MB" sind laut PS1 Developer Wiki technisch nicht vorgesehen.
  • PS2-Memory-Card: Sonys Standard waren laut PS Collectables 8 MB. Eine angebliche Sony-Karte mit 16, 32 oder 64 MB ist falsch. Rechtschreibfehler, raue Kanten und schief sitzende Etiketten sind weitere Hinweise.
  • N64-Expansion-Pak: Das Original trägt die Modellnummer NUS-007. Von Nachbauten rät RetroRGB ab, weil sie Abstürze verursachen können.

Teste jede PS2-Karte im Browser der Konsole: Speichern, kopieren und löschen sollte in beiden Schächten klappen. Für wichtige Spielstände nimm eine Originalkarte.

Rechtliches: Repro, Fälschung, Weiterverkauf

Dieser Abschnitt ist eine allgemeine Einordnung und keine Rechtsberatung.

Kaufen

Der Kauf von Fälschungen für den privaten Gebrauch ist laut Verbraucherzentrale Niedersachsen in Deutschland nicht verboten. Bei Bestellungen aus Ländern außerhalb der EU kann der Zoll verdächtige Ware aber beschlagnahmen, wenn er eine gewerbliche Einfuhr vermutet.

Verkaufen

Das Markengesetz untersagt in § 14, ohne Zustimmung des Markeninhabers im geschäftlichen Verkehr Waren unter dessen Zeichen anzubieten oder in den Verkehr zu bringen. Ein Repro mit Nintendo-Logo auf Etikett und Gehäuse fällt darunter. Ob ein Verkauf schon geschäftlich ist, hängt vom Einzelfall ab. Der Bundesgerichtshof stellte 2015 klar, dass der Verkauf von Dingen aus dem Privatbereich grundsätzlich nicht im geschäftlichen Verkehr stattfindet. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hält den vorsätzlichen Verkauf von Markenfälschungen trotzdem grundsätzlich für strafbar und rät vom Weiterverkauf ab.

Dazu kommt das Urheberrecht. Ein Repro enthält eine Kopie des Spiels. Nach § 69c Urhebergesetz hat allein der Rechteinhaber das Recht, ein Computerprogramm zu vervielfältigen und zu verbreiten. Die Aufschrift "Repro" ändert daran nichts. eBay verbietet in seinem Grundsatz zu Fälschungen außerdem Artikel, die den Eindruck erwecken, echt zu sein, ebenso nicht autorisierte Kopien. Wer verstößt, riskiert gelöschte Angebote und eine Kontosperre.

Für dich heißt das: Eine erkannte Fälschung verkaufst du nicht weiter, auch nicht mit Hinweis. Behalte sie als Anschauungsstück oder entsorge sie.

Fälschung gekauft: was jetzt?

  1. Beweise sichern

    Fotografiere Etikett, Rückseite, Schraube und die offene Platine. Leg ein Foto eines sicheren Originals daneben. Speichere die Anzeige als Screenshot, bevor der Verkäufer sie ändert.

  2. Verkäufer anschreiben

    Schildere sachlich, woran du die Fälschung erkennst, und bitte um Rücknahme. Bei eBay hat der Verkäufer laut eBay-Hilfe drei Werktage Zeit zu reagieren.

  3. eBay-Käuferschutz nutzen

    Der eBay-Käuferschutz greift laut eBay ausdrücklich, wenn es starke Anzeichen gibt, dass ein Artikel gefälscht ist. Den Fall meldest du innerhalb von 30 Kalendertagen nach dem voraussichtlichen oder tatsächlichen Lieferdatum.

  4. PayPal-Käuferschutz nutzen

    Laut PayPal gilt ein Artikel als erheblich abweichend, wenn er als echt beworben wurde, aber eine Produktfälschung ist. Den Konflikt eröffnest du innerhalb von 180 Tagen nach der Zahlung. Bei "Freunde und Familie" gibt es laut Verbraucherzentrale NRW keinen Käuferschutz.

  5. Gesetzliche Rechte prüfen

    Hast du bei einem gewerblichen Händler online gekauft, kannst du laut e-recht24 in der Regel 14 Tage ab Erhalt der Ware widerrufen, auch bei Auktionen. Bei Privatverkäufen gibt es kein Widerrufsrecht. Laut Verbraucherzentrale NRW reichen die gesetzlichen Rechte oft weiter als der Käuferschutz. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen nennt außerdem eine Strafanzeige als Möglichkeit.

Auf dem Flohmarkt sieht es schlechter aus. Dort gilt meist "gekauft wie gesehen". Was dann noch geht, steht im Flohmarkt-Check.

Häufige Fehler

  • Einem Merkmal blind vertrauen: Ersatzetiketten gibt es mit Originalcode, gute DS-Fälschungen haben inzwischen die richtige Prägung. Erst mehrere Merkmale zusammen ergeben ein Bild.
  • Jeden Klecks für eine Fälschung halten: In Konsolen und einigen frühen Modulen sind Harzkleckse ab Werk verbaut.
  • Offizielle Sonderfassungen verwechseln: Platinum-Spiele, Player's-Choice-Module und "Not for Resale"-Discs sind echt.
  • Sicherheitsschrauben zerkratzen: Mit einer Zange statt Gamebit sieht das Modul danach selbst verdächtig aus.
  • Zu spät reklamieren: Die Fristen beim Käuferschutz laufen. Prüf neue Käufe sofort nach dem Auspacken.

Wann du lieber einen Profi fragst

Versiegelte Spiele öffnest du nicht selbst, denn ein gebrochenes Siegel vernichtet den Sammlerwert. Frag dann mit guten Fotos in einem Fachforum oder bei einem erfahrenen Händler nach. Das gilt auch, wenn die Platine original aussieht, aber einzelne Chips getauscht wirken. Umgebaute Originale sind schwerer zu erkennen als billige Massenfälschungen.

Checkliste vor dem Kauf

  • Preis mit eBay "Verkaufte Artikel" verglichen?
  • Eigene Fotos statt Katalogbilder im Angebot?
  • Gab es das Spiel in dieser Region überhaupt?
  • Etikett scharf, gestanzt, mit eingeprägter Nummer?
  • Prägung auf Griffmulde und Rückseite vollständig?
  • Richtige Schraube: Gamebit oder Y-Schraube, keine Kreuzschlitzschraube?
  • Nintendo- oder Sega-Schriftzug auf der Platine?
  • Kein Harzklecks, keine Fenster-Chips, keine Drähte?
  • Batterie da, wo eine hingehört, und nirgends sonst?
  • Bei Discs: Farbe der Datenseite und Katalognummer passend?
  • Bezahlung mit Käuferschutz, nicht über "Freunde und Familie"?

FAQ

Funktioniert ein gefälschtes Spiel trotzdem?

Oft ja, zumindest am Anfang. Laut Epilogue haben Fälschungen aber häufiger Probleme beim Speichern. Bei Pokémon kann das einen Spielstand nach vielen Stunden kosten.

Kann ein Fake-Modul meine Konsole beschädigen?

Console Artisan hält Schäden am Modul selbst für gut belegt. Einen Schaden an der Konsole hält die Seite für möglich, aber nicht nachgewiesen. Bildstörungen auf manchen SNES-Modellen sind dagegen dokumentiert.

Ist ein Modul mit Ersatzetikett eine Fälschung?

Nein, wenn Platine und Gehäuse original sind. Es ist ein repariertes Original und weniger wert als eines mit Originaletikett. Der Verkäufer sollte es angeben.

Darf ich ein Repro für meine eigene Sammlung kaufen?

Der Kauf für den privaten Gebrauch ist laut Verbraucherzentrale Niedersachsen nicht verboten. Weiterverkaufen solltest du es nicht, siehe Abschnitt Rechtliches.

Muss ich jedes Modul öffnen?

Nein. Bei günstigen Spielen reicht die Sichtprüfung. Öffnen lohnt sich bei Pokémon und allen Titeln, die deutlich mehr kosten als ein Standardspiel.

Quellen