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Geschichte · Nintendo 64

Das Nintendo 64: Wie Nintendo mit Silicon Graphics in die dritte Dimension sprang

Ein Supercomputer-Hersteller aus Kalifornien, ein Controller mit drei Griffen und die Entscheidung für Module statt CDs: Das N64 war mutig, teuer und manchmal stur. Hier steht, wie die Konsole entstand, wie sie sich in Deutschland geschlagen hat und welche Spiele heute richtig Geld kosten.

Stand 30.09.2026 · ca. 16 Min. Lesezeit
01.03.1997Start in Deutschland und Europa, für 399 DM
32,93 Mio.verkaufte Konsolen weltweit laut Nintendo
388Spiele weltweit, davon rund 240 in Europa
1996 · Nintendo · 64 BitNintendo 64
Foto Nintendo 64: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Steckbrief

Japan23. Juni 1996, 25.000 Yen
Nordamerika29. September 1996, 199,99 Dollar
Europa und Deutschland1. März 1997, 399 DM (ab Anfang Mai 1997: 299 DM)
Frankreich1. September 1997
ProzessorNEC VR4300, 93,75 MHz, 64 Bit
Grafik und SoundReality Coprocessor (RCP) von SGI, 62,5 MHz
Arbeitsspeicher4 MB RDRAM, mit Expansion Pak 8 MB
Auflösungmeist 320 × 240 Pixel, maximal 640 × 480
SpeichermediumModule mit 4 bis 64 MB
Verkauft32,93 Millionen Konsolen, 224,97 Millionen Spiele
Produktionsende2002, laut einigen Quellen bis 2003

Project Reality: Nintendo und Silicon Graphics

Anfang der 90er baute die US-Firma Silicon Graphics, kurz SGI, teure Workstations für 3D-Grafik. Firmengründer Jim Clark wollte diese Technik so weit verkleinern, dass sie in eine Spielkonsole passt. Zuerst klopfte er bei Sega an. Sega-of-America-Chef Tom Kalinske war nach eigener Aussage "quite impressed", doch Segas Ingenieure in Japan lehnten den Entwurf wegen technischer Bedenken ab.

Nintendo erzählt die Geschichte etwas anders. Demnach wollte Sega die Technik exklusiv, Nintendo gab sich mit einer nicht exklusiven Lizenz zufrieden. Anfang 1993 stellte Clark das Konzept Nintendo-Präsident Hiroshi Yamauchi vor. Im August 1993 gaben beide Firmen ihre Zusammenarbeit bekannt. Der Arbeitstitel: Project Reality.

Der Plan war ehrgeizig. 1994 sollte die Technik in Spielhallen-Automaten starten, bis Ende 1995 dann als Heimkonsole für unter 250 Dollar. Die Grafik- und Soundeinheit, den Reality Coprocessor, entwickelte SGI zusammen mit dem Chipdesigner MIPS Technologies. Den Hauptprozessor lieferte NEC.

Weil es noch keine fertige Konsole gab, arbeiteten die ersten Studios auf SGI-Rechnern vom Typ Onyx. Diese Maschinen simulierten die spätere Leistung und kosteten bis zu 250.000 Dollar pro Stück. Parallel dazu schloss Nintendo 1994 einen Vertrag mit dem Automatenhersteller Williams. Unter dem Namen "Ultra 64" liefen danach Automaten wie Killer Instinct und Cruis'n USA in den Spielhallen.

Von Ultra 64 zum Nintendo 64

Ursprünglich sollte die Konsole in Japan "Ultra Famicom" heißen und im Rest der Welt "Nintendo Ultra 64". Lange hielt sich das Gerücht, ein Markenstreit mit Konamis Label Ultra Games habe die Umbenennung erzwungen. Nintendo bestreitet das und nennt als Grund den Wunsch nach einem weltweit einheitlichen Namen. Der endgültige Name "Nintendo 64" stammt von Shigesato Itoi, dem Erfinder der Rollenspielreihe EarthBound. Ein Überbleibsel findest du bis heute auf jedem Typenschild: Die Modellnummern beginnen mit NUS, was vermutlich für "Nintendo Ultra Sixty-four" steht.

Im April 1995 stellte Nintendo sein "Dream Team" vor, eine Gruppe ausgewählter Entwicklerstudios: Acclaim, Angel Studios, DMA Design, GameTek, Midway, Paradigm, Rare, Sierra On-Line und Spectrum HoloByte. Wirklich prägend wurden davon vor allem Rare, Acclaim und Midway.

Der Zeitplan hielt nicht. Eigentlich sollte die Konsole Weihnachten 1995 erscheinen. Im Mai 1995 verschob Nintendo den Start auf den 21. April 1996, weil Software und Drittentwickler mehr Zeit bräuchten. Am 24. November 1995 zeigte Nintendo das N64 auf der Hausmesse Shoshinkai erstmals spielbar. Danach rutschte der Termin noch einmal: Nintendo konnte bis April schlicht nicht genug Geräte bauen. Neuer Starttermin war der 23. Juni 1996.

Modul statt CD: Die folgenreichste Entscheidung

Sony und Sega setzten in dieser Generation auf CDs. Nintendo hatte selbst mit Sony und Philips an einem CD-Laufwerk für das Super Nintendo gearbeitet, beide Projekte scheiterten aber, ohne dass ein Spiel erschien. Für das N64 blieb Nintendo beim Steckmodul, bei Nintendo "Game Pak" genannt. Die Gründe klangen vernünftig:

  • Keine Ladezeiten: Ein Modul liefert Daten sofort, eine CD muss erst gelesen werden.
  • Robuster: Module überleben Kinderhände und Staub besser als Discs.
  • Kopierschutz: CDs ließen sich leichter raubkopieren.

Die Nachteile waren aber gewaltig. Ein Modul kostete in der Herstellung teils über 30 Dollar, eine CD rund einen Dollar. N64-Spiele kosteten im Laden deshalb meist 55 bis 70 Dollar, PlayStation-Spiele 20 bis 50 Dollar. Nachpressen dauerte bei Modulen mindestens zwei Wochen. Und der Platz war knapp: Die größten Module fassten 64 MB, eine CD dagegen rund 650 MB.

Das kostete Nintendo wichtige Partner. Square brachte Final Fantasy VII auf die PlayStation, Enix später Dragon Warrior VII. Auch Konami veröffentlichte deutlich weniger N64-Spiele als PlayStation-Titel. Am Ende erschienen 388 N64-Spiele, für die PlayStation waren es 4.105.

Für Sammler hat die Entscheidung heute auch eine gute Seite: Module sind deutlich robuster als CDs. Nur die Kontakte können mit den Jahren oxidieren und brauchen dann eine Reinigung. Warum physische Spiele sich lohnen, steht in unserem Artikel "Die Disc stirbt. Wir heben sie auf."

Start in Japan und den USA

Am 23. Juni 1996 kam das N64 in Japan für 25.000 Yen in die Läden. Zum Start gab es genau drei Spiele: Super Mario 64, Pilotwings 64 und das Schachspiel Saikyō Habu Shōgi. Am ersten Tag gingen 300.000 Konsolen weg, vom 26. bis 30. Juni lieferte Nintendo weitere 200.000 aus, fast alle vorbestellt.

In Nordamerika startete das N64 am 29. September 1996. Geplant waren 250 Dollar, doch weil Sega Saturn und PlayStation im Sommer auf 199,99 Dollar gefallen waren, zog Nintendo mit. Im Regal standen nur zwei Spiele: Super Mario 64 und Pilotwings 64. Das Rennspiel Cruis'n USA hatte Nintendo keinen Monat vor dem Start wegen mangelnder Qualität zurückgezogen. Trotzdem waren in den ersten drei Tagen 350.000 der 500.000 verfügbaren Konsolen verkauft.

Die Presse war begeistert. Das US-Magazin Time kürte das N64 zur "Machine of the Year" 1996. Super Mario 64 zeigte, wie sich eine Spielfigur frei in einer 3D-Welt bewegen kann, gesteuert mit einem Analogstick. Das war der Moment, auf den Project Reality hingearbeitet hatte.

Das N64 in Deutschland

Europa musste warten. Nintendo hatte laut eigenen Vertretern einen weltweit gleichzeitigen Start geplant, doch die Nachfrage war größer als die Produktion. Am 1. März 1997 war es dann so weit, in Deutschland, Großbritannien und den meisten anderen Ländern. Frankreich folgte erst am 1. September 1997.

In Deutschland kostete das N64 zum Start 399 DM. In Großbritannien waren es 249,99 Pfund. Lange hielt der Preis nicht: Nach rund acht Wochen, ab dem 2. Mai 1997, senkte Nintendo ihn auf 299 DM. Wer früher gekauft hatte, bekam laut ntower als Ausgleich ein Spiel geschenkt. Zum Start gab es unter anderem Super Mario 64, Pilotwings 64 und Star Wars: Shadows of the Empire. Turok: Dinosaur Hunter folgte am 4. März.

PAL: langsamer und mit Balken

Europäische Fernseher arbeiteten mit der Norm PAL und 50 Bildern pro Sekunde, in den USA und Japan waren es 60. Die meisten Entwickler passten ihre Spiele nicht aufwendig an. Das Ergebnis: Viele PAL-Spiele liefen rund ein Sechstel langsamer und hatten schwarze Balken oben und unten. Nintendo Life nennt Wave Race 64 und Pilotwings 64 als besonders schwache Umsetzungen. Spätere Titel, vor allem von Rare, waren deutlich sorgfältiger angepasst.

GoldenEye: der Bestseller, den es hier nicht gab

Eine deutsche Besonderheit betrifft das dritterfolgreichste N64-Spiel. Nintendo verzichtete darauf, GoldenEye 007 in Deutschland zu veröffentlichen. In Österreich und der Schweiz erschien es mit deutschem Handbuch. Die damalige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) setzte das Spiel trotzdem auf den Index, laut Wikipedia ein Präzedenzfall. Erst im Oktober 2021 wurde die Indizierung aufgehoben. Wer hierzulande GoldenEye im Regal hat, besitzt deshalb eine Fassung aus dem Ausland.

Nintendo 64 mit ControllerFoto: JCD1981NL, Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Verkaufszahlen: weltweit und in Deutschland

Laut Nintendo wurden weltweit 32,93 Millionen N64 verkauft, dazu 224,97 Millionen Spiele (Stand der Nintendo-Übersicht: Juni 2026). Die Verteilung zeigt, wo das N64 stark war:

RegionVerkaufte Konsolen
Amerika20,63 Millionen
Japan5,54 Millionen
Übrige Welt, vor allem Europa und Australien6,75 Millionen
Gesamt32,93 Millionen

In Nordamerika war das N64 ein großer Erfolg, in Japan und Europa blieb es hinter den Erwartungen. Die PlayStation verkaufte sich insgesamt deutlich besser, das N64 lag aber vor dem Sega Saturn. Laut dem Heinz Nixdorf MuseumsForum waren bis März 1999 schon 23 Millionen Konsolen verkauft.

Für Deutschland gibt es keine offizielle Gesamtzahl von Nintendo. Die einzige Zahl, die wir finden konnten, stammt vom damaligen Branchenverband VUD. Laut einer Meldung von Telecompaper vom April 1999 wurden in Deutschland 1998 rund 1,3 Millionen N64 verkauft, im selben Zeitraum 2,5 Millionen PlayStation. Aus der kurzen Meldung geht nicht eindeutig hervor, ob das nur die Verkäufe im Jahr 1998 sind oder der Bestand bis Ende 1998. Eine eigene Zahl nur für Europa hat Nintendo ebenfalls nicht veröffentlicht, sie steckt in den 6,75 Millionen für die übrige Welt.

Technik kurz erklärt

Die 64 im Namen steht für den 64-Bit-Prozessor. Der NEC VR4300 basiert auf einem MIPS-Chip und taktet mit 93,75 MHz. Spiele nutzten die vollen 64 Bit allerdings selten, weil 32-Bit-Rechnungen schneller waren.

Der Reality Coprocessor

Die eigentliche Arbeit für Bild und Ton macht der Reality Coprocessor (RCP) mit 62,5 MHz. Er besteht aus zwei Teilen. Der Signal Processor (RSP) berechnet die 3D-Geometrie und den Sound. Einen eigenen Soundchip hat das N64 nicht. Der Display Processor (RDP) zeichnet dann die Pixel auf den Bildschirm.

Wenig Platz für Texturen

Texturen sind die Bilder, die auf 3D-Flächen geklebt werden, etwa ein Ziegelmuster auf einer Wand. Dafür hat der Grafikchip nur 4 KB schnellen Speicher. Texturen mussten deshalb klein sein und wurden stark gestreckt. Gleichzeitig war das N64 die erste Heimkonsole mit trilinearer Filterung, einem Verfahren, das Texturen glättet. Die PlayStation zeigte Texturen dagegen pixelig. Beides zusammen ergibt den typischen, weichen und leicht verwaschenen N64-Look.

Als Arbeitsspeicher dienen 4 MB RDRAM, ein schneller Speichertyp der Firma Rambus. Mit dem Expansion Pak werden daraus 8 MB. Die meisten Spiele laufen in 320 × 240 Pixeln, einige schaffen bis zu 640 × 480.

Der Controller: drei Griffe, ein Stick

Der N64-Controller sieht aus wie ein großes M. Nintendo R&D3 hat ihn gestaltet, mit Tonmodellen und vielen Tests in Spielergruppen. Er entstand parallel zu Super Mario 64. Du kannst ihn auf drei Arten halten: außen für 2D-Spiele mit Steuerkreuz, mittig rechts für 3D-Spiele mit Stick oder mittig links für Shooter.

Die große Neuerung war der Stick in der Mitte. Nintendo war der erste Hersteller, der einen Daumenstick zur Standardausstattung machte. Die Erfindung wird Genyo Takeda zugeschrieben, einem langjährigen Nintendo-Ingenieur. Technisch funktioniert der Stick wie eine alte Kugelmaus: Zahnräder drehen kleine Lochscheiben, die einen Lichtstrahl unterbrechen. Ein Sensor zählt die Unterbrechungen. Dazu kommen vier C-Knöpfe für die Kamera und der Z-Trigger auf der Rückseite.

Vier Controller-Anschlüsse hatte Nintendo laut Shigeru Miyamoto eingebaut, weil das N64 als erste Konsole stark genug für Viererspiele mit geteiltem Bildschirm war. Mario Kart 64 und GoldenEye 007 machten das zum Partyabend.

Die Schwachstelle war der Stick selbst. Bei viel Gebrauch wird er locker und ungenau. Bei Mario Party mussten Spieler den Stick in manchen Minispielen schnell kreisen lassen. Das führte laut Berichten zu Reibungsverletzungen an den Händen. Nach einer Einigung mit dem Generalstaatsanwalt von New York verteilte Nintendo Schutzhandschuhe. Wie du einen ausgeleierten Stick erkennst und reparierst, steht in der Kaufberatung.

Die Paks: Zubehör für Controller und Konsole

Unten am Controller sitzt ein Schacht für Erweiterungen. Nintendo nannte sie Paks. Ein weiterer Schacht sitzt oben auf der Konsole unter einer Klappe.

PakModellnummerWofür
Controller PakNUS-004Speicherkarte mit 32 KB, gepuffert durch eine Knopfzelle (CR2032). 123 Seiten, maximal 16 Spielstände.
Rumble PakNUS-013Vibration. Japan April 1997, Europa Oktober 1997 im Paket mit Lylat Wars. Braucht zwei AAA-Batterien.
Transfer PakNUS-019Verbindet Game-Boy-Module mit dem N64. Japan 1998, Europa 2000 mit Pokémon Stadium.
Expansion PakNUS-007Verdoppelt den Arbeitsspeicher auf 8 MB. Erschien Ende 1998.
Jumper PakNUS-008Platzhalter im Speicherschacht, ab Werk eingesteckt.

Das Rumble Pak war ein Meilenstein. Vibration im Controller wurde innerhalb einer Konsolengeneration zum Standard und steckt heute in fast jedem Gamepad.

Das Expansion Pak wurde später für einige Spiele Pflicht. Donkey Kong 64 lag es deshalb bei. Auch The Legend of Zelda: Majora's Mask läuft nur damit, bei Perfect Dark ist ohne Pak ein Großteil des Spiels gesperrt. Das Jumper Pak wirkt unscheinbar, ist aber wichtig: Es schließt den Speicherbus ab. Fehlt es und steckt auch kein Expansion Pak drin, startet die Konsole nicht.

Modelle, Farben und Sondereditionen

Im Grundaufbau hat Nintendo das N64 nie verändert. Es gab keine Slim-Version. Dafür kamen im Lauf der Jahre viele Farben und Sondermodelle.

ModellJahrRegionWas ist anders
Nintendo 64 (NUS-001)1996, Europa 1997weltweitGrundmodell in Anthrazit, grauer Controller, Jumper Pak ab Werk
Farbige Konsolen ("Funtastic")1999/2000USA, Europa, Japan (je nach Farbe)Durchscheinende Gehäuse, zum Beispiel Grün (Jungle Green) oder Blau (Ice Blue). Die PAL-Versionen gelten als ab Werk ohne S-Video.
Pikachu-Edition2000Japan (Blau, Orange), USA und Europa (Blau-Gelb)Pikachu-Figur auf dem Gehäuse, Pokéball als Einschalter, Pikachus Fuß als Reset-Knopf. Europa: November 2000.
Goldene Edition1999Japan, USAGoldenes Gehäuse. In Europa gab es nur den goldenen Controller.
64DD (NUS-010)1999nur JapanDiskettenlaufwerk, das an der Unterseite der Konsole angeschlossen wird
iQue Player2003nur ChinaN64-Technik steckt im Controller, 14 Spiele

In Südkorea verkaufte Hyundai das N64 unter dem Namen Comboy 64. Für Sammler in Deutschland spielen vor allem das Grundmodell, die farbigen PAL-Konsolen und die Pikachu-Edition eine Rolle.

Das 64DD: nur in Japan

Schon 1995, vor dem Start der Konsole, kündigte Nintendo ein Zusatzlaufwerk an: das 64DD. Es wird an der Unterseite des N64 angeschlossen und liest magnetische Disks mit 64 MB. Bis zu 38 MB davon lassen sich beschreiben, zum Beispiel mit eigenen Inhalten.

Das Laufwerk verspätete sich immer wieder. Sogar The Legend of Zelda: Ocarina of Time war ursprünglich für das 64DD geplant, erschien dann aber auf Modul. Im Dezember 1999 kam das 64DD schließlich in Japan heraus, vor allem per Versand über den Online-Dienst Randnet. Im Paket lag ein Expansion Pak, das für alle 64DD-Titel nötig ist.

Es erschienen nur rund zehn Disks, darunter die Kreativ-Reihe Mario Artist, das F-Zero X Expansion Kit, Doshin the Giant und SimCity 64. Verkauft wurden etwa 15.000 Laufwerke. Anfang 2001 war schon wieder Schluss. Außerhalb Japans ist das 64DD nie offiziell erschienen, heute ist es ein Sammlerstück für Importfans.

Spiele: 388 Titel und die Top 10

Für das N64 erschienen weltweit 388 Spiele. Laut Nintendo64EVER kamen 196 davon in Japan heraus, 296 in den USA und 242 in Europa und Australien. Die deutsche Wikipedia zählt 239 Titel für Europa. Zum Vergleich: Das Super Nintendo kam auf 1.755 Spiele.

Die Bibliothek ist also klein, aber voller Klassiker. Nintendo und Rare haben den Großteil der Bestseller geliefert:

PlatzSpielErschienenVerkauft
1Super Mario 64199611,91 Mio.
2Mario Kart 6419969,87 Mio.
3GoldenEye 00719978,09 Mio.
4The Legend of Zelda: Ocarina of Time19987,60 Mio.
5Super Smash Bros.19995,55 Mio.
6Pokémon Stadium19995,46 Mio.
7Donkey Kong 6419995,27 Mio.
8Diddy Kong Racing19974,88 Mio.
9Star Fox 64 (bei uns: Lylat Wars)19974,00 Mio.
10Banjo-Kazooie19983,65 Mio.

Verkaufszahlen weltweit laut Wikipedia-Liste der meistverkauften N64-Spiele, die sich auf die CESA Games White Papers 2021 und 2023 stützt. Abgerufen am 30.09.2026. Jahr = Erstveröffentlichung.

Auffällig: Alle zehn stammen von Nintendo selbst oder von Studios, die damals eng mit Nintendo verbunden waren, etwa Rare und HAL Laboratory. Warum diese Spiele bis heute als Kulturgut gelten, liest du in Videospiele als Kultur.

Teure Sammlerstücke

Die großen Bestseller sind bezahlbar geblieben, weil sie in hohen Stückzahlen verkauft wurden. Faustregel unter Sammlern: Je später ein PAL-Spiel erschien, desto seltener ist es heute, weil die Auflagen zum Ende der Konsole kleiner wurden. Diese PAL-Spiele großer Publisher sind heute besonders gesucht:

Spiel (PAL)PublisherStart EuropaGrößenordnung lose / komplett
Conker's Bad Fur DayRare, in Europa THQApril 2001um 150 $ / knapp 400 $
Paper MarioNintendoOktober 2001um 130 $ / um 320 $
Castlevania: Legacy of DarknessKonamiMärz 2000gut 100 $ / um 300 $
Mystical Ninja 2 Starring GoemonKonamiJuni 1999gut 100 $ / um 370 $
Kirby 64: The Crystal ShardsNintendoJuni 2001um 90 $ / um 400 $
Mario Party 3NintendoNovember 2001um 85 $ / um 360 $

Werte in US-Dollar für PAL-Versionen laut PriceCharting, abgerufen am 30.09.2026. "Lose" heißt nur Modul, "komplett" mit Karton und Anleitung. Bei seltenen Titeln beruhen die Werte auf wenigen Verkäufen und schwanken stark.

Conker's Bad Fur Day ist der bekannteste Fall. Das Spiel kam spät, brauchte ein teures 64-MB-Modul und richtete sich mit derbem Humor an Erwachsene. Nintendo of Europe wollte es nicht selbst herausbringen, deshalb übernahm THQ. Mystical Ninja 2 ist außerdem interessant, weil es in Europa früher erschien als in den USA.

Bei NTSC-Spielen sieht die Liste anders aus. Stunt Racer 64 von Midway und ClayFighter: Sculptor's Cut von Interplay sind nur in Nordamerika erschienen und gehören laut PriceCharting zu den teuersten regulären US-Modulen. Für eine deutsche Konsole brauchst du dafür aber einen Adapter.

Preise prüfen

Die Tabelle zeigt nur eine grobe Richtung. Was ein Spiel wirklich bringt, siehst du auf eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel". Achte dabei auf die Region: PAL-, US- und Japan-Fassungen desselben Spiels liegen oft weit auseinander. Und prüf bei teuren Modulen, ob es ein Original ist.

Ende, Nachfolger und Vermächtnis

Der Nachfolger GameCube erschien am 14. September 2001 in Japan, am 18. November 2001 in Nordamerika und am 3. Mai 2002 in Europa. Das N64 lief langsam aus. Das letzte eigene Nintendo-Spiel in Japan war am 14. April 2001 Dōbutsu no Mori, der Beginn der Reihe Animal Crossing. In Europa kam Mario Party 3 im November 2001 als einer der letzten Titel. Das allerletzte N64-Spiel erschien in Nordamerika: Tony Hawk's Pro Skater 3 am 20. August 2002. Laut dem Heinz Nixdorf MuseumsForum endete die Produktion am 30. April 2002, andere Quellen sprechen von 2003.

In China lebte die Technik noch einmal auf. Ab November 2003 gab es dort den iQue Player, einen Controller mit eingebauter N64-Technik und Spielen wie Super Mario 64 und Ocarina of Time.

Was bleibt

  • Der Analogstick: Mit dem N64 wurde der Daumenstick zum Standard. Microsoft und Sony haben die Idee übernommen.
  • Vibration: Das Rumble Pak machte Force Feedback zur Grundausstattung jedes Controllers.
  • Vier Spieler: Vier Anschlüsse ab Werk machten Mehrspieler-Abende auf dem Sofa zur Normalität.
  • 3D-Spieldesign: Super Mario 64, GoldenEye 007 und Ocarina of Time gelten bis heute als einige der besten Spiele überhaupt.

Seit dem 26. Oktober 2021 kannst du ausgewählte N64-Spiele im Abo Nintendo Switch Online + Erweiterungspaket spielen. Dazu gibt es einen kabellosen Nachbau des N64-Controllers für die Switch. Das Original mit Modulen bleibt trotzdem ein eigenes Erlebnis. Wer den Vorgänger kennenlernen will, findet alles über das NES in unserem eigenen Artikel.

Kaufberatung

Du willst dir ein N64 zulegen? Welche Konsole passt, worauf du beim Controller achten musst und wie das Bild auf den modernen Fernseher kommt, steht in der Kaufberatung zum Nintendo 64.

Häufige Fragen zum Nintendo 64

Warum hat Nintendo beim N64 keine CDs genommen?

Als Gründe gelten kurze Ladezeiten, Haltbarkeit und Kopierschutz. Der Preis dafür waren teurere Spiele, weniger Speicherplatz und der Verlust wichtiger Partner wie Square.

Wie viele N64 wurden verkauft?

Laut Nintendo weltweit 32,93 Millionen. Davon gingen 20,63 Millionen nach Amerika und 5,54 Millionen nach Japan. Eine offizielle Zahl für Deutschland gibt es nicht.

Wie viele Spiele gibt es für das N64?

Weltweit 388. In Europa sind je nach Zählung rund 240 erschienen.

Kam das 64DD auch nach Deutschland?

Nein. Das Laufwerk erschien nur in Japan und wurde dort nur rund 15.000 Mal verkauft.

Warum gab es GoldenEye 007 nicht in Deutschland?

Nintendo hat das Spiel hier nicht veröffentlicht. Die BPjS indizierte es trotzdem. Seit Oktober 2021 steht es nicht mehr auf dem Index.

Was bedeutet die 64 im Namen?

Sie steht für den 64-Bit-Prozessor NEC VR4300. In der Praxis rechneten die meisten Spiele aber mit 32 Bit, weil das schneller war.

Quellen