NES blinkt? 72-Pin-Stecker reinigen, nachbiegen oder tauschen
Modul rein, Power an, und die rote Lampe blinkt im Sekundentakt. Beim grauen Front-Loader ist das fast immer ein Kontaktproblem. Diese Anleitung zeigt, wie du Modul und Konsole prüfst, das Gehäuse öffnest, den 72-Pin-Stecker reinigst oder nachbiegst und welche Ersatzlösungen es gibt.
Überblick: Für wen ist diese Anleitung?
Die Anleitung gilt für den grauen Front-Loader NES-001, also das Modell mit der Klappe vorne. In Deutschland ist das fast immer die PAL-B-Version. Die Anleitungen in unseren Quellen beziehen sich meist auf US-Geräte. Gehäuse, Schlitten und Stecker sind beim europäischen NES-001 aber nach demselben Prinzip aufgebaut. Den Top-Loader NES-101 betrifft das Thema kaum: Dort steckt das Modul von oben, und einen Lockout-Chip hat er nicht. Mehr zu den Modellen steht in der NES-Kaufberatung.
| Arbeit | Schwierigkeit | Zeitaufwand (Erfahrungswert) |
|---|---|---|
| Modulkontakte reinigen | leicht | 10 bis 20 Minuten pro Modul |
| Konsole öffnen, Stecker reinigen und nachbiegen | mittel, kein Löten | 1 bis 2 Stunden |
| Stecker auskochen | mittel, kein Löten | Arbeit wie oben, dazu ein Tag Trocknen |
| Stecker tauschen | leicht bis mittel, kein Löten | 30 bis 60 Minuten |
Die Zeiten sind grobe Erfahrungswerte. Beim ersten Mal brauchst du länger. Einen Lötkolben brauchst du für keinen dieser Schritte.
Warum die rote Lampe blinkt
Im NES-001 steckt ein Prüfchip namens 10NES, auch CIC genannt. Ein Gegenstück sitzt in jedem Modul. Beim Einschalten tauschen beide Chips Daten aus. Klappt das nicht, setzt der Chip in der Konsole den Prozessor laut NESdev Wiki mit einer Frequenz von 1 Hz immer wieder zurück. Genau das siehst du: Lampe und Bild blinken einmal pro Sekunde. Warum Nintendo diesen Chip eingebaut hat, erzählt unser Artikel Das NES: Der graue Kasten, der das Videospiel gerettet hat.
Der Chip selbst ist dabei selten kaputt. Er bekommt nur keine sauberen Daten, weil der Kontakt zwischen Modul und Konsole schlecht ist. Schuld ist die Mechanik. Du schiebst das Modul leicht schräg nach hinten und drückst es dann flach nach unten. Dabei werden die federnden Kontakte im 72-Pin-Stecker jedes Mal ein Stück gebogen. RetroGameStart und das ConsoleMods Wiki beschreiben zwei Folgen: Die Federn verlieren mit den Jahren ihre Spannung, und auf den Kontakten sammeln sich Schmutz und Oxid.
Pusten hilft übrigens nur scheinbar. Laut RetroGameStart verbessert die Feuchtigkeit im Atem kurzfristig den Kontakt, fördert auf Dauer aber Oxidation an Modul und Stecker.
Erst prüfen: Modul oder Konsole?
Bevor du schraubst, grenzt du den Fehler ein. Das kostet fünf Minuten und spart dir im besten Fall die ganze Zerlegung.
- Mehrere Module testen: Blinkt nur ein bestimmtes Spiel, liegt es wahrscheinlich am Modul. Blinken alle, ist eher der Stecker in der Konsole dran.
- Region prüfen: Ein britisches PAL-A- oder ein US-Modul startet auf einem deutschen PAL-B-NES grundsätzlich nicht und blinkt. Das ist kein Defekt. Die Regionskürzel stehen in der Kaufberatung.
- Wackeltest: RetroGameStart schlägt vor, das Modul eingeschoben, aber nicht heruntergedrückt zu lassen, es leicht zurückzuziehen und seitlich zu bewegen. Ändert sich dabei irgendetwas, etwa ein kurzes Spielbild oder verwürfelte Grafik, hast du ein Kontaktproblem.
- Lampe bleibt dunkel: Dann ist das Thema ein anderes. Prüf zuerst das Netzteil. Die Kaufberatung nennt die passenden Werte.
Werkzeug und Material
- Kreuzschlitz-Schraubendreher, Größe PH2, für alle Gehäuse- und Platinenschrauben (bei Amazon ansehen*)
- 3,8-mm-Gamebit, falls du Module öffnen willst (bei Amazon ansehen*)
- Isopropanol mit mindestens 90 Prozent (bei Amazon ansehen*)
- Wattestäbchen und ein fusselfreies Mikrofasertuch
- Eine alte Plastikkarte, etwa eine abgelaufene Kundenkarte
- Weißer Kunststoff-Radierer, kein rosa Gummi- oder Tintenradierer (bei Amazon ansehen*)
- Große Sicherheitsnadel, Nadel, Dentalhaken oder schmale Pinzette zum Nachbiegen (bei Amazon ansehen*)
- Taschenlampe oder Lupenleuchte
- Kleine Schalen oder ein Magnettablett für die Schrauben
- Handy für Fotos von jedem Zwischenschritt
- Optional: Kontaktreiniger für stärkere Oxidation, ein Ersatzstecker
Den PH2-Schraubendreher nennt die iFixit-Anleitung. Ganz frühe Module haben noch normale Schrauben statt Sicherheitsschrauben.
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Sicherheit
- Strom: Zieh vor jedem Schritt das Netzteil aus der Steckdose und aus der Konsole. Auch Antennen- oder Cinch-Kabel und Controller kommen ab.
- Isopropanol: Es ist leicht entzündlich, der Flammpunkt liegt laut Wikipedia bei 12 °C. Arbeite gut gelüftet, fern von offenen Flammen und Zigaretten. Gerät erst einschalten, wenn alles komplett trocken ist. Die Dämpfe wirken betäubend, Spritzer reizen die Augen.
- Heißes Wasser: Wenn du den Stecker auskochst, gilt Küchensicherheit. Kochendes Wasser verbrüht, Zange oder Sieb nehmen, nicht die Finger. Kinder und Haustiere fernhalten.
- Spitzes Werkzeug: Nadel und Dentalhaken rutschen leicht ab. Arbeite vom Körper weg und mit guter Beleuchtung.
- Knopfzellen in Modulen: Module mit Speicherfunktion haben eine kleine Batterie. Wenn du so ein Modul öffnest, berühr die Batterie nicht mit Metallwerkzeug, sonst gibt es einen Kurzschluss.
Schritt 1: Modulkontakte reinigen
Fang immer bei den Modulen an. Ein verdrecktes Modul verschmutzt auch einen frisch gereinigten oder neuen Stecker. Das ist der einfachste und günstigste Teil der Reparatur.
Mit Isopropanol vorreinigen
Wattestäbchen in Isopropanol tauchen und kräftig über beide Seiten der Kontaktleiste reiben. Wiederholen, bis die Watte sauber bleibt. Racketboy hält Alkohol in den allermeisten Fällen für ausreichend. Da er schnell verdunstet, gelöster Schmutz aber zurückbleiben kann, wischst du am Ende noch einmal mit einem frischen Stäbchen nach.
Hartnäckige Stellen radieren
Bleiben dunkle Stellen, hilft ein weißer Kunststoff-Radierer. Racketboy rät ausdrücklich zu weichen Vinyl-Radierern. Tintenradierer wirken wie Schleifpapier und tragen die dünne Goldschicht ab. Danach die Krümel mit Isopropanol entfernen.
Bei Bedarf öffnen
Für sehr verschmutzte Module löst du die Schrauben mit dem Gamebit und nimmst die Platine heraus. Dann kommst du an alle Kontakte heran. Dreamcast.nu zählt drei bis fünf Schrauben, je nach Modul.
Platine eines NES-Moduls mit KontaktleisteFoto: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei Trocknen lassen
Erst wieder einsetzen, wenn das Isopropanol komplett verdunstet ist. Ein paar Minuten reichen bei Wattestäbchen meist aus.
Schleifpapier, Metallpolitur und Schmutzradierer aus Melaminharz nennt das ConsoleMods Wiki ausdrücklich als schädlich. Sie können die Goldschicht ganz abtragen und die Kontakte dauerhaft beschädigen. Racketboy warnt außerdem vor Reinigern, die Rückstände hinterlassen.
Schritt 2: Konsole öffnen und Stecker ausbauen
Laufen saubere Module immer noch nicht zuverlässig, geht es an den Stecker. Hauptregel: Schrauben nach Schritt sortieren. Mehrere sehen ähnlich aus, sind aber unterschiedlich lang.
Alles abstecken
Netzteil, Bildkabel, Controller und Modul entfernen. Konsole auf eine weiche, saubere Unterlage legen.
Gehäusedeckel abnehmen
Konsole umdrehen und die sechs Kreuzschlitzschrauben an der Unterseite lösen. Das sagen iFixit, RetroGameStart und die Kaufberatung übereinstimmend. Konsole wieder richtig herum drehen und den Deckel nach oben abheben.
Abschirmblech lösen
Das Metallblech über der Platine schützt vor Funkstörungen. Es hält mit sieben Schrauben, auch hier sind sich iFixit und RetroGameStart einig. RetroGameStart rät, die zwei Schrauben direkt am Modulschlitten zunächst drin zu lassen. Blech abheben.
Modulschlitten ausbauen
Jetzt löst du die Schrauben des Schlittens. Hier zählen die Quellen unterschiedlich: iFixit nennt zwei lange silberne und zwei kürzere bronzefarbene, RetroGameStart sechs Schrauben, davon zwei extra lang. Einig sind sich beide: Zwei Schrauben sind länger und müssen später wieder an dieselbe Stelle. Fotografier deshalb, wo welche saß. Dann den Schlitten zu dir nach vorne schieben und abheben.
Mainboard anheben
Die restlichen Schrauben des Mainboards lösen. RetroGameStart nennt zwei, iFixit drei. Willst du das Board ganz herausnehmen, ziehst du die drei Kabelstecker ab: Controller 1, Controller 2 und Strom. iFixit empfiehlt, die Kabel vorher zu markieren.
Stecker abziehen
Der 72-Pin-Stecker sitzt auf einer Kante des Mainboards. Er ist nicht gelötet, nur aufgesteckt. Zieh ihn mit festem, gleichmäßigem Druck gerade ab. Nicht verkanten und nicht hebeln, sonst leidet die Platinenkante.
NES-Mainboard mit 72-Pin-SteckerFoto: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei
Schau dir den ausgebauten Stecker im hellen Licht an. Kontakte, die tiefer liegen als ihre Nachbarn, oder einzelne verbogene Federn zeigen dir, wo du ansetzen musst.
Schritt 3: Stecker reinigen und Pins nachbiegen
Die schonendste Methode für den Originalstecker: reinigen, dann vorsichtig nachbiegen. Im Racketboy-Forum heißt es dazu, den eigenen Stecker zu pflegen sei meist besser, als einen neuen zu kaufen.
Reinigen mit der Kartenmethode
Das ConsoleMods Wiki beschreibt einen einfachen Trick. Du feuchtest ein Mikrofasertuch mit Isopropanol an und wickelst es halb um eine alte Plastikkarte. Dann schiebst du die Karte mit der Tuchseite mehrfach zwischen die Kontaktreihen. Danach drehst du die Karte und reinigst die andere Seite. Wiederhole das an einer frischen Stelle des Tuchs, bis kein Schmutz mehr kommt. Bei stärkerer Oxidation empfiehlt Racketboy einen Kontaktreiniger. J2Games legt den Stecker alternativ in Isopropanol ein und bürstet ihn weich nach.
Pins nachbiegen
Jetzt holst du die Federspannung zurück. Du arbeitest auf der Seite, in die das Modul gesteckt wird.
- Leg den Stecker so hin, dass du gut auf die Kontakte schaust. Gutes Licht ist Pflicht.
- Schieb die Nadel oder den Dentalhaken unter einen Kontakt und biege ihn nur ein kleines Stück zur Mitte des Schlitzes. RetroGameStart betont: wirklich nur ein bisschen und sehr langsam.
- Arbeite dich Pin für Pin durch beide Reihen. Am Ende sollen alle Kontakte auf einer Höhe stehen. Ein einzelner Ausreißer stört genauso wie ein durchhängender.
- Prüf das Ergebnis von der Seite. Die Reihe sollte eine gerade Linie bilden.
Das ConsoleMods Wiki warnt: Ziehst du einen Pin zu weit heraus, kann er aus dem Stecker springen und abbrechen. Lieber zweimal wenig biegen als einmal zu viel. Ein abgebrochener Kontakt heißt in der Regel: neuer Stecker.
Auskochen: beliebt, aber umstritten
Kaum ein NES-Tipp wird so oft weitergegeben und so heftig diskutiert wie das Auskochen. Der Stecker kommt mit der Öffnung nach unten in kochendes Wasser. Danach lässt man ihn abkühlen und vollständig trocknen. Bei der Kochzeit gehen die Angaben weit auseinander:
| Quelle | Kochzeit | Besonderheit |
|---|---|---|
| RetroGameStart | etwa 10 bis 15 Minuten | einige dünne Kunststoffstege waren danach leicht beschädigt |
| NES-Kaufberatung auf dieser Seite | 10 bis 15 Minuten | danach Kontakte vorsichtig nachbiegen |
| TinkerDifferent (Erfahrungsbericht) | 6 Minuten | mit etwas Natron im Wasser |
| ConsoleMods Wiki | 30 Minuten | danach mit Isopropanol spülen und 24 Stunden trocknen |
Was dafür und was dagegen spricht
Viele berichten von Erfolgen. Ein Nutzer im Racketboy-Forum lobt, dass das typische Gefühl beim Einsetzen erhalten bleibt. Der Autor bei TinkerDifferent nennt ein so behandeltes NES „erstaunlich zuverlässig“. Das ConsoleMods Wiki begründet die Methode damit, dass das Material durch die Wärme in seine ursprüngliche Form zurückkehre.
Genau das bezweifeln andere. Ein erfahrener Bastler im Racketboy-Forum kann sich nicht vorstellen, dass Kochen bereits verbogenen Federn ihre Spannung zurückgibt. Er warnt außerdem vor Korrosion durch Restwasser. Ein anderer Nutzer berichtet, der gekochte Stecker habe beim Spielwechsel wieder versagt.
Unsere Einordnung
Eine belastbare Messung, die zeigt, was das Kochen mit den Federn macht, haben wir nicht gefunden. Sicher ist: Heißes Wasser löst Schmutz. Ob die Federn dabei wirklich Spannung zurückgewinnen, bleibt offen. Wenn du kochst, dann gründlich trocknen lassen, die Kontakte trotzdem prüfen und bei Bedarf nachbiegen. Nimm dafür einen Topf, den du danach gründlich spülst. Und rechne damit, dass der Kunststoff leiden kann. Wer das Risiko scheut, bleibt bei Reinigen und Nachbiegen.
Schritt 3b: Stecker tauschen
Ist der Stecker beschädigt, sind Pins abgebrochen oder hält die Reparatur nicht, tauschst du ihn. Weil der Stecker nur aufgesteckt ist, brauchst du dafür keinen Lötkolben. Es gibt vier Wege.
| Lösung | Was es ist | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|---|
| Aufbereiteter Originalstecker | gebrauchter Nintendo-Stecker, gereinigt und nachgebogen, meist von Händlern oder auf eBay | Original-Gefühl, Module lassen sich normal einsetzen und entnehmen | Qualität hängt vom Aufbereiter ab, die Mechanik verschleißt mit der Zeit wieder |
| Neuer Nachbau-Stecker | neu gefertigter Stecker aus Fernost | leicht zu bekommen, Kontakte sind frisch | oft „Death Grip“: Module sitzen bombenfest, Qualität schwankt stark |
| Blinking Light Win (Arcade Works) | Stecker samt neuem Schlitten, seit Ende 2014 | Modul wird waagerecht eingeschoben, nicht mehr heruntergedrückt, kein Löten | eigener Lockout-Chip umgeht den der Konsole, verändert das Original, laut Forenberichten anfangs eng |
| Neuere Projekte wie Ninten-drawer oder NES Slotmaster | Bastlerprojekte mit modernem Stecker | gehen das „Death Grip“-Problem gezielt an | teils Löten nötig, Verfügbarkeit und Langzeiterfahrung begrenzt |
Aufbereiteter Originalstecker
RetroGameStart empfiehlt erfahrene Verkäufer, die Original-Nintendo-Stecker aufbereiten. Auch bei TinkerDifferent fiel die Wahl darauf. Das ConsoleMods Wiki hält so einen Stecker für besser als Nachbauten. Auch er braucht aber irgendwann wieder Pflege, denn das Grundproblem liegt in der Mechanik der Konsole.
Neuer Nachbau
Nachbau-Stecker lösen das Blinken oft sofort. Vintage Computing hat das getestet: Die Lampe blieb ruhig, aber das Modul ging nur mit viel Kraft hinein und mit noch mehr Kraft wieder heraus. Der Autor vergab sechs von zehn Punkten. RetroGameStart berichtet von Nachbauten, die gar nicht oder nur unzuverlässig funktionieren oder eben den „Death Grip“ ausüben. Das deckt sich mit unserer Kaufberatung. Wenn du einen Nachbau einbaust, prüf beim Test, ob sich die Module noch ohne Gewalt entnehmen lassen. *
Blinking Light Win
Der Blinking Light Win, kurz BLW, kommt laut ConsoleMods Wiki von Arcade Works und erschien Ende 2014. Er ersetzt Stecker und Schlitten. Das Modul wird waagerecht eingeschoben und nicht mehr heruntergedrückt. Der Einbau klappt mit Schraubendreher. Wichtig: Für die hinteren Schrauben des neuen Schlittens nicht die langen Originalschrauben nehmen. Den alten Stecker hebst du auf, dann kannst du zurückbauen.
Der BLW bringt einen eigenen Lockout-Chip mit, der den Chip der Konsole umgeht und sich laut ConsoleMods per Aus- und Einschalten auf verschiedene Regionen einstellen lässt. Wie das in einem PAL-B-Gerät aussieht, beschreiben unsere Quellen nicht. Frag vor dem Kauf beim Händler nach, auch zur Verfügbarkeit. In Foren berichten Nutzer von jahrelang zuverlässigem Betrieb, aber auch von anfangs strammem Sitz und Problemen mit dem Game Genie. *
Neuere Projekte
Time Extension stellte Anfang 2024 den Ninten-drawer von RockerGaming und reventlow vor, einen ausziehbaren Ersatzstecker gegen den „Death Grip“. Damals suchten die Entwickler noch Tester. Der NES Slotmaster von Merlin Shaw ist ein Open-Source-Projekt mit modernem 72-Pin-Stecker, eigener Platine und 3D-gedruckter Halterung. Laut Time Extension musst du dafür löten. Beides ist eher etwas für experimentierfreudige Bastler.
Für ein Original-Gefühl ist der aufbereitete Originalstecker die naheliegende Wahl. Wer das Herunterdrücken ganz loswerden will, schaut sich den BLW an. Nachbau-Stecker funktionieren, aber prüf den Sitz der Module. Keine Lösung ist für alle die beste.
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Schritt 4: Einbauen und testen
Stecker aufsetzen
Den gereinigten oder neuen Stecker wieder gerade auf die Kante des Mainboards schieben. Richtung mit deinem Foto vergleichen. Er muss gleichmäßig und vollständig sitzen.
Mainboard einsetzen
Board zurücklegen, die Kabel für Controller und Strom anstecken und die Schrauben des Mainboards eindrehen.
Schlitten montieren
An der Unterseite des Schlittens sitzt eine kleine Lasche. Laut iFixit und RetroGameStart muss sie unter die Vorderkante des Mainboards greifen. Erst dann die Schrauben eindrehen, die langen an ihren alten Platz.
Probelauf
Teste möglichst, bevor du alles verschraubst. So empfiehlt es auch die BLW-Anleitung. Netzteil und Bildkabel anstecken, ein sauberes Modul einsetzen, einschalten. Die Lampe soll dauerhaft leuchten. Fass keine Bauteile an, solange Strom anliegt, und leg kein Werkzeug auf die Platine.
Abschirmblech und Deckel
Strom wieder trennen. Blech auflegen, auf die Kunststoffstifte zur Ausrichtung achten und die sieben Schrauben eindrehen. Deckel aufsetzen, Konsole umdrehen, sechs Schrauben unten. Nicht mit Gewalt festziehen, die Gewinde sitzen im Kunststoff.
Ausführlich testen
Probier mehrere gereinigte Module, jedes mehrmals hintereinander. Lass ein Spiel eine Weile laufen. Prüf, ob sich die Module ohne Kraft einsetzen und entnehmen lassen. Wenn ja: geschafft.
Siehst du danach noch Grafikfehler bei einzelnen Spielen, geh zurück zu den Modulen. Oft ist eines noch nicht sauber.
Der Pin-4-Umbau: kurz eingeordnet
In vielen Anleitungen taucht ein weiterer Tipp auf: den Prüfchip in der Konsole abschalten. Laut NESdev Wiki trennt man dafür Pin 4 des 10NES-Chips von der Platine. Die englische Wikipedia nennt das eine häufige Modifikation. Danach setzt der Chip die Konsole nicht mehr zurück, und das Blinken hört auf.
Zwei Dinge solltest du dazu wissen. Erstens behebt der Umbau keinen schlechten Kontakt. Ben Heck unterscheidet im element14-Forum klar zwischen dem Blinken durch den Prüfchip und Kontaktproblemen am Stecker. Letztere zeigen sich nach dem Umbau als grauer oder verwürfelter Bildschirm. Reinigen und Nachbiegen bleiben also nötig. Zweitens ist der Umbau vor allem für Sammler interessant, die eigene Originalmodule aus anderen Regionen spielen wollen, etwa britische PAL-A-Spiele. Das NESdev Wiki nennt ihn wegen der Aufteilung in PAL-A und PAL-B gerade bei PAL-Konsolen nützlich.
Was der Umbau bringt und was du bei US-Modulen beachten musst, steht in der Kaufberatung. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt es hier bewusst nicht. Es geht uns um deine eigenen Originalmodule, nicht um Kopien. Rechtsberatung ist dieser Abschnitt nicht.
Häufige Fehler
- Nur den Stecker gemacht: Verdreckte Module bringen den frischen Stecker sofort wieder durcheinander. Immer zuerst die Module reinigen.
- Falsches Reinigungsmittel: Schleifpapier, Metallpolitur, Tintenradierer oder Schmutzradierer tragen die Goldschicht ab.
- Zu stark gebogen: Pins brechen, oder einzelne stehen höher als der Rest. Gleichmäßig und in kleinen Schritten arbeiten.
- Schrauben vertauscht: Die langen Schrauben des Schlittens gehören an ihren alten Platz. Beim BLW gelten eigene Regeln für die hinteren Schrauben.
- Lasche vergessen: Greift die Lasche am Schlitten nicht unter das Mainboard, sitzt der Schlitten falsch und der Kontakt bleibt schlecht.
- Zu früh eingeschaltet: Nach dem Auskochen oder einer Isopropanol-Dusche braucht der Stecker Zeit zum Trocknen. Das ConsoleMods Wiki nennt nach dem Kochen 24 Stunden.
- Region verwechselt: Ein PAL-A- oder US-Modul blinkt auf einem deutschen NES auch mit perfektem Stecker.
Wann du es lieber lässt oder einen Profi fragst
Die Reparatur ist eine der einsteigerfreundlichsten am NES. Trotzdem gibt es Fälle, in denen du besser stoppst.
- Die Lampe bleibt dunkel, die Konsole wird heiß oder riecht verbrannt. Dann liegt das Problem woanders, etwa bei Netzteil oder Spannungsregler.
- Das Mainboard zeigt Korrosion, Brandspuren oder abgerissene Leiterbahnen.
- Die Kontakte an der Platinenkante, auf der der Stecker sitzt, sind beschädigt.
- Ein teures oder seltenes Modul läuft auf keinem Gerät. Dann frag lieber jemanden mit Erfahrung, bevor du daran herumarbeitest.
- Du willst den Pin-4-Umbau, hast aber noch nie gelötet. Üb erst an etwas Einfachem. Wie Löten an einem Retro-Gerät aussieht, zeigt unser Game Gear Recap.
Viele Retro-Läden und Reparaturdienste bieten den Steckertausch an. Wenn du ein NES auf dem Flohmarkt kaufst, rechne den Aufwand gleich ein. Wie du vor Ort prüfst und verhandelst, steht im Flohmarkt-Check. Und warum es sich lohnt, alte Hardware am Laufen zu halten, erklärt unser Artikel Videospiele als Kultur.
FAQ
Muss ich für die Reparatur löten?
Nein. Der 72-Pin-Stecker ist nur aufgesteckt. Öffnen, reinigen, nachbiegen und tauschen gehen komplett ohne Lötkolben. Löten brauchst du erst für Umbauten wie den Pin-4-Umbau mit angehobenem Beinchen oder einzelne Bastelprojekte.
Wie oft muss ich den Stecker reinigen?
Das hängt davon ab, wie viel du spielst und wie sauber deine Module sind. Das ConsoleMods Wiki geht davon aus, dass auch ein gut aufbereiteter Originalstecker irgendwann wieder Pflege braucht. Saubere Module verlängern die Zeit spürbar.
Schadet der Blinking Light Win meiner Konsole?
Laut ConsoleMods wird er nur geschraubt und lässt sich mit dem alten Stecker zurückbauen. Er verändert aber das Original: Das Modul wird anders eingesetzt, und der Lockout-Chip der Konsole wird umgangen. Für reine Originalsammler spricht das dagegen.
Hilft Isopropanol mit 70 Prozent auch?
Racketboy schreibt, 70 Prozent funktionieren ausreichend, empfiehlt aber 99 Prozent. Das ConsoleMods Wiki nennt mindestens 91 Prozent. Je höher der Anteil, desto weniger Wasser bleibt auf den Kontakten.
Blinkt der Top-Loader auch?
Kaum. Er hat keinen Lockout-Chip, und das Modul wird einfach von oben eingesteckt. Ein verschmutztes Modul kann aber auch dort Bildfehler verursachen.
Quellen
- iFixit: Nintendo Entertainment System 72-Pin Connector Replacement
- RetroGame Start: Fix the NES Blinking Red Light (illustrated guide)
- J2Games: How to Fix the NES Blinking Red Light
- ConsoleMods Wiki: NES 72 Pin Connector Refurbishment
- ConsoleMods Wiki: NES Blinking Light Win
- Arcade Works: Blinking Light Win (Produktseite)
- Vintage Computing and Gaming: No More Blinkies, Replacing the NES’s 72-Pin Cartridge Connector
- Racketboy Forum: NES 72 Pin Connector, Boil vs. Clean vs. Bending Pins
- Racketboy Forum: So how unreliable are NES 72-pin connectors, really?
- Racketboy Forum: Anyone installed a Blinking Light Win NES replacement slot?
- AtariAge Forum: Question about Blinking Light Win
- TinkerDifferent: Restoration Nintendo Entertainment System
- Racketboy: Game Cart Contact Cleaning Guide (The Right Way)
- Dreamcast.nu: How to clean a NES cartridge
- NESdev Wiki: CIC lockout chip
- Wikipedia (englisch): CIC (Nintendo)
- element14 Community: Viewer Challenge, Fixing the Blinking NES
- Time Extension: NES Modders Fix The Sin Committed By Nintendo 39 Years Ago (Ninten-drawer)
- Time Extension: The NES Slotmaster Is An Open-Source Replacement For The 72-Pin Cartridge Slot
- Hackster: NES Slotmaster Is an Open Source Solution to the Original NES’ Flawed Cartridge Connector
- Wikipedia: 2-Propanol