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Geschichte · Magnavox Odyssey

Magnavox Odyssey: die erste Spielkonsole der Welt und ihr Erfinder aus der Pfalz

Drei Lichtpunkte, eine Linie, Folien auf dem Fernseher und kein einziger Chip mit Programm: Die Odyssey von 1972 war die erste Konsole fürs Wohnzimmer. Hier steht, wie Ralph Baer sie erfunden hat, warum Magnavox sie kaum verkauft bekam, wie sie als "Odyssee" nach Deutschland kam und warum Atari am Ende zahlen musste.

Stand 30.09.2026 · ca. 14 Min. Lesezeit
Sept. 1972Start in den USA für 99,95 Dollar
ca. 350.000Odyssey weltweit verkauft (Angabe von Ralph Baer)
28Spiele auf 11 verschiedenen Spielkarten
1972 · Magnavox · 1. GenerationMagnavox Odyssey
Foto Magnavox Odyssey: Evan-Amos, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Steckbrief

HerstellerMagnavox, nach Plänen von Sanders Associates
ErfinderRalph H. Baer mit Bill Harrison und Bill Rusch
Generation1. Konsolengeneration
Vorgestellt22. Mai 1972 in New York
NordamerikaSeptember 1972, 99,95 US-Dollar
Großbritannien1973
Deutschlandals "Odyssee" von ITT Schaub-Lorenz, rund 400 DM, Start 1973/74 (Quellen uneinig)
Technikdiskrete Bauteile, rund 40 Transistoren und 40 Dioden, kein Prozessor
Bildschwarz-weiß, drei Punkte und eine Linie, kein Ton
Spiele28 Spiele auf 11 verschiedenen Spielkarten
Strom6 Batterien Größe C (Baby), Netzteil optional
Verkauft weltweitrund 350.000 (Baer), 367.000 (laut Wikipedia nach Fritsche)
Produktionsende1975

Die Idee an der Bushaltestelle

Die Geschichte der Odyssey beginnt in der Pfalz. Ralph Baer kam am 8. März 1922 als Rudolf Heinrich Baer in Rodalben zur Welt. 1938 floh seine jüdische Familie nach New York, zwei Monate vor den Novemberpogromen. Mehr zu seiner Jugend steht im Artikel Wie alles begann.

In den USA wurde Baer Ingenieur für Fernsehtechnik. 1949 schloss er am American Television Institute of Technology in Chicago ab. Ab 1951 arbeitete er bei der Elektronikfirma Loral. Laut Wikipedia hatte er dort schon die Idee, auf einem Fernseher zu spielen. Loral hatte daran kein Interesse.

1956 wechselte Baer zu Sanders Associates in New Hampshire, einer Firma, die vor allem Elektronik fürs Militär baute. Zehn Jahre später leitete er dort eine Abteilung für Geräteentwicklung. Im August 1966 wartete er auf einen Bus, und die alte Idee kam zurück. Am nächsten Morgen schrieb er laut Wikipedia ein vierseitiges Konzept für eine "Game Box", die man an den Fernseher anschließt und die rund 25 Dollar kosten sollte.

Sein Gedanke war einfach: In fast jedem amerikanischen Haushalt stand ein Fernseher. Man konnte damit aber nur schauen, was die Sender schickten. Baer wollte, dass die Familie selbst etwas auf den Bildschirm bringt.

Von TV Game #1 zur Brown Box

Im Dezember 1966 lief der erste Prototyp, TV Game #1. Er zeigte nur eine senkrechte Linie. Das reichte, um den Forschungsleiter von Sanders, Herbert Campman, zu überzeugen. Er gab laut Wikipedia 2.000 Dollar für Arbeitszeit und 500 Dollar für Material frei.

Im Februar 1967 kam der Techniker Bill Harrison dazu und baute die nächsten Versionen. Schon im Mai 1967 entstanden erste Spiele, darunter ein Wettbewerb, bei dem zwei Spieler um die Wette auf Knöpfe drückten. Im Sommer 1967 stieß Bill Rusch zum Team. Laut Wikipedia fand er einen Weg, einen dritten Punkt anzuzeigen, den die Konsole selbst bewegt, und schlug ein Ping-Pong-Spiel vor. Dieser Punkt wurde zum Ball. Der vierte Prototyp vom November 1967 konnte schon Ping-Pong, eine Verfolgungsjagd und ein Spiel mit Lichtgewehr.

1968 geriet Sanders in Geldnot, das Projekt stockte, Rusch musste gehen. Ab September 1968 arbeiteten Baer und Harrison weiter. Bis Januar 1969 entstand der siebte Prototyp. Weil Baer das Gehäuse mit Holzfolie beklebt hatte, heißt er heute "Brown Box". Die Spiele wählte man an einem Drehschalter aus, und die Brown Box konnte bereits Farbe darstellen.

Gut zu wissen

Die Brown Box steht heute im National Museum of American History der Smithsonian Institution in Washington, zusammen mit TV Game #1.

Nachbau der „Brown Box“ von Ralph Baer in einer AusstellungFoto: WMrapids, Wikimedia Commons, gemeinfrei (CC0)

Die Suche nach einem Käufer

Sanders baute selbst keine Geräte für Verbraucher. Baer brauchte also einen Partner. Zuerst versuchte er es bei Kabelfernsehfirmen. TelePrompTer zeigte Interesse, sprang aber im April 1968 wegen Geldproblemen ab.

Danach führte Baer die Brown Box mehreren Fernsehherstellern vor. Nur RCA wollte kaufen, die Verhandlungen scheiterten aber. Dann wechselte ein RCA-Manager, Bill Enders, zu Magnavox und brachte die Idee mit. Nach einer Vorführung im Juli 1969 setzte sich Magnavox-Vizepräsident Gerry Martin für das Gerät ein. Im Januar 1971 unterschrieben Sanders und Magnavox den Lizenzvertrag.

Magnavox baute das Gerät um. Das Team von George Kent gab ihm ein neues Gehäuse in Weiß und Schwarz und strich die Farbe. Farbfernseher galten damals noch als Luxus, und Farbe hätte das Gerät teurer und die Entwicklung länger gemacht. Statt am Drehschalter wählte man die Spiele jetzt mit Steckkarten aus. Dazu kamen Spielgeld, Spielkarten, Würfel und Chips, also Zubehör wie bei einem Brettspiel. Der Preis stieg auf 99,95 Dollar.

Der Start in den USA

Am 22. Mai 1972 stellte Magnavox die Odyssey in New York vor, im Restaurant Tavern on the Green am Central Park. Der Verkauf begann im September 1972, anfangs nur bei Magnavox-Händlern in 18 Großräumen der USA.

Das war ein Problem. Laut Wikipedia glaubte Baer, die schwachen Verkäufe am Anfang lagen am hohen Preis, am Verkauf nur über Magnavox-Händler und daran, dass Magnavox den Eindruck erweckte, die Odyssey laufe nur an Magnavox-Fernsehern. Werbung und Verkaufsfilme sagten allerdings ausdrücklich, dass jeder Fernseher geht, schwarz-weiß oder in Farbe. Spätere Kartons druckten den Hinweis gut sichtbar auf.

Ende 1973 startete die landesweite Werbung. Magnavox senkte den Preis, wer einen Fernseher mitkaufte, bekam die Odyssey laut Wikipedia für 50 Dollar. Die Firma sponserte sogar das Fernsehspecial "Ol' Blue Eyes Is Back" von Frank Sinatra, mit Werbespots für die Odyssey.

Magnavox Odyssey mit Zubehör im KartonFoto: The History of How We Play, Wikimedia Commons, gemeinfrei (CC0)

Die Odyssee in Deutschland

Nach Deutschland kam die Konsole unter dem Namen Odyssee. Den Vertrieb übernahm ITT Schaub-Lorenz, damals eine große Marke für Fernseher und Radios. Laut Techbook wurde sie 1973 auf der Funkausstellung in Berlin gezeigt und kostete rund 400 DM.

Beim genauen Starttermin sind sich die Quellen nicht einig. Die deutsche Wikipedia nennt Oktober 1973. Die englische Wikipedia spricht von 1974 für Kontinentaleuropa. Laut der Sammlerseite pong-story.com gab es Anfang 1974 eine kleine erste Serie von wenigen tausend Geräten. Danach folgte die Exportversion, von der 1974 und 1975 rund 10.000 Stück nach Deutschland gingen. Eine italienische Sammlerseite schreibt sogar, die ITT-Geräte seien erst 1976 gebaut worden. Sicher ist nur: Die Odyssee war in Deutschland ein seltenes und teures Gerät.

Die Exportversion hatte laut Wikipedia nur 10 statt 12 Spielen im Karton, darunter Fußball nach europäischer Art (Soccer) statt American Football. Die Spielkarten waren laut der italienischen Odyssey-FAQ dreisprachig beschriftet. Neben Deutschland ging die Exportversion laut Wikipedia unter anderem nach Australien, Belgien, Frankreich, Griechenland, Israel, Italien, in die Schweiz, die Sowjetunion und nach Venezuela. Großbritannien bekam die Odyssey schon 1973.

Offen gesagt

Eine belastbare Zahl, wie viele Odyssee-Geräte in Deutschland tatsächlich verkauft wurden, gibt es nicht. Die rund 10.000 Exportgeräte von pong-story.com sind die einzige Angabe, die wir gefunden haben, und sie beschreibt ausgelieferte Geräte, keine Verkäufe.

Verkaufszahlen

Magnavox bestellte zuerst 50.000 Geräte und erhöhte dann. Für 1972 schwanken die Zahlen stark. Produziert wurden laut pong-story.com über 130.000 Konsolen. Wie viele davon im ersten Jahr verkauft wurden, wird unterschiedlich angegeben: Die deutsche Wikipedia nennt zwischen 69.000 und etwa 100.000 Stück, Techbook "knapp 100.000".

JahrVerkauftQuelle
197269.000 bis etwa 100.000Wikipedia (de), Techbook
197389.000Wikipedia
1974129.000 (laut einer anderen Angabe 150.000)Wikipedia
197580.000Wikipedia (en)
Gesamtrund 350.000 (Baer) bis 367.000Wikipedia

Zum Vergleich: Der Atari 2600 verkaufte später rund 30 Millionen Geräte. Die Odyssey gilt deshalb nicht als großer Erfolg. Ihre Bedeutung liegt woanders, dazu unten mehr. Das Lichtgewehr verkaufte sich laut Wikipedia 1972 rund 20.000 Mal.

Modelle und Varianten

Äußerlich sehen fast alle Odyssey-Konsolen gleich aus. Die Unterschiede stecken in der Modellnummer auf dem Typenschild und im Zubehör.

ModellJahrWas anders ist
1TL200BLAK1972 bis 1974US-Original, 12 Spiele im Karton
1TL200BK121974 bis 1975spätere US-Serie
1TL200BK131975Version für Brasilien
YE7100BK111974 bis 1975Exportversion, auch für Deutschland (ITT Odyssee), 10 Spiele
YE7100BK14um 1975/76"Odissea" für Italien, Vertrieb G.B.C. Italia
OdiseaunklarVersion für Mexiko, laut pong-story.com rund 4.000 Stück

Modellnummern laut pong-story.com. Die Jahresangaben sind dort teils nur grob.

Technik: kein Prozessor, nur Bauteile

In der Odyssey steckt kein Mikroprozessor und kein Speicher. Die ganze Schaltung besteht laut pong-story.com aus rund 40 Transistoren und 40 Dioden, dazu Widerstände und Kondensatoren. Fachleute nennen das Dioden-Transistor-Logik, kurz DTL. Die Bauteile erzeugen direkt das Fernsehsignal.

Auf dem Bildschirm erscheinen höchstens drei weiße Quadrate und eine senkrechte Linie. Zwei Quadrate sind die Spieler, das dritte ist der Ball. Die Linie dient als Netz oder Wand und lässt sich in der Höhe verändern. Ton gibt es nicht, Punkte zählt man selbst.

Controller

Jeder der beiden Controller ist ein flacher Kasten mit drei Drehknöpfen. Zwei steuern den Spielerpunkt waagrecht und senkrecht. Der dritte heißt "English" und gibt dem Ball einen Drall, er lenkt ihn also im Flug. Dazu kommt eine Taste "Reset", mit der man den Ball neu ins Spiel bringt.

Spielkarten statt Module

Die Spiele stecken nicht auf den Karten. Eine Odyssey-Karte ist eine kleine Platine, die im Inneren der Konsole bestimmte Verbindungen schließt. pong-story.com nennt sie einfach Drahtbrücken-Sätze. Je nach Karte verhalten sich Punkte, Ball und Linie anders. Deshalb laufen auf einer Karte oft mehrere Spiele, die sich nur durch Overlay und Regeln unterscheiden.

Overlays

Farbe kam über Folien. Diese Overlays sind durchsichtige Kunststofffolien, die man auf den Bildschirm legt. Sie zeigen ein Tennisfeld, ein Spukhaus oder eine Landkarte der USA. Laut dem Sammler-Wiki von Fandom gab es sie nur für zwei Bildschirmgrößen.

Strom und Anschluss

Die Odyssey läuft mit sechs Batterien der Größe C, in Deutschland Baby-Zellen genannt. Laut deutscher Wikipedia braucht sie nur 15 Milliampere, die Batterien halten also über 100 Stunden. Ein Netzteil gab es als Zubehör. An den Fernseher kam sie über ein fest angeschlossenes Kabel und einen Umschaltkasten am Antenneneingang, das Bild lag auf Kanal 3 oder 4.

Das Lichtgewehr

Das Zubehörpaket "Shooting Gallery" enthielt das erste Lichtgewehr für eine Heimkonsole. Es registriert einen Treffer, wenn es auf eine Lichtquelle zielt, etwa den Punkt auf dem Bildschirm. Laut Wikipedia hat Nintendo das Gewehr entwickelt und gebaut, auf Basis seines Spielzeugs Beam Gun von 1970. In den USA kostete das Paket laut pong-story.com 25 Dollar.

Spielkarte (Cartridge) der Magnavox OdysseyFoto: Allstone, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Spiele und Spielkarten

Laut Wikipedia erschienen 28 Spiele auf 11 verschiedenen Spielkarten. Die Karten tragen Nummern von 1 bis 12. Eine Karte 11 kam nie heraus. Laut Game Tech Wiki war sie für Basketball geplant, Magnavox nahm dann Karte 8.

Eine Top 10 der meistverkauften Spiele gibt es bei der Odyssey nicht. Die meisten Spiele lagen dem Gerät bei, einzelne Verkaufszahlen hat Magnavox nie veröffentlicht. Stattdessen hier die vollständige Liste:

SpielKarteWie erhältlich
Table Tennis1im Karton, USA und Export
Ski2im Karton, USA und Export
Simon Says2im Karton, USA und Export
Tennis3im Karton, USA und Export
Analogic3im Karton, USA und Export
Hockey3im Karton, USA und Export
Football3, 4im Karton, nur USA
Cat and Mouse4im Karton, nur USA
Haunted House4im Karton, nur USA
Submarine5im Karton, USA und Export
Roulette6im Karton, nur USA
States6im Karton, nur USA
Soccer3im Karton, nur Export
Wipeout5Export im Karton, USA einzeln (1972)
Volleyball7Export im Karton, USA einzeln (1972)
Fun Zoo2einzeln (1972)
Baseball3einzeln (1972)
Invasion4, 5, 6einzeln (1972)
Handball8einzeln (1972)
Prehistoric Safari9Shooting Gallery
Dogfight!9Shooting Gallery
Shootout!9Shooting Gallery
Shooting Gallery10Shooting Gallery
Brain Wave3einzeln (1973)
W.I.N.4einzeln (1973)
Basketball8einzeln (1973)
Interplanetary Voyage12einzeln (1973)
Percepts2kostenlose Werbebeigabe

Karten und Vertriebsweg laut Wikipedia (englisch). Die Einzelspiele gab es laut pong-story.com einzeln oder im Sechserpack.

Viele Spiele erinnern eher an Brettspiele als an Videospiele. Bei States etwa beantwortet man Fragen zu den US-Bundesstaaten, bei Roulette dreht sich der Punkt über ein Roulette-Overlay. Würfel, Karten und Spielgeld aus dem Karton gehören fest dazu. Laut einer italienischen Odyssey-FAQ lagen über 300 Einzelteile bei.

Teure Sammlerstücke

Bei der Odyssey bringen vor allem vollständige Sets viel Geld. Ein paar Einzelspiele aus Magnavox' eigener Produktion sind aber deutlich gesuchter als andere. Die Zahlen unten stammen von PriceCharting (US-Markt, Dollar, abgerufen Oktober 2026). Es gibt dort nur wenige Verkäufe pro Monat, die Werte schwanken also stark.

SpielGrößenordnung loseGrößenordnung mit Karton
Brain Wave (1973)gut 200 Dollarrund 500 Dollar
Interplanetary Voyage (1973)knapp 200 Dollarbis rund 1.000 Dollar
Shooting Gallery mit Gewehrrund 100 Dollarrund 500 Dollar
Basketball (1973)keine Angabegut 250 Dollar
W.I.N. (1973)weniggut 200 Dollar
Perceptsrund 60 Dollargut 200 Dollar

Auffällig: Die Spiele von 1973 sind am teuersten. Sie erschienen erst, als die Konsole schon schwächelte, und wurden entsprechend selten verkauft. Mit Karton steigen die Preise oft auf ein Vielfaches, weil Hüllen und Overlays fast immer fehlen.

Für deutsche Käufer gilt: Die Werte gelten für den US-Markt. Geräte und Spiele der deutschen ITT Odyssee tauchen so selten auf, dass es keine verlässlichen Vergleichswerte gibt. Prüf echte Preise bei eBay mit dem Filter "Verkaufte Artikel" und achte darauf, ob es um ein US-Gerät oder eine Exportversion geht.

Der Patentstreit mit Atari

Im Mai 1972 sah Nolan Bushnell bei einer Vorführung das Tischtennis-Spiel der Odyssey. Kurz darauf ließ er bei Atari von Allan Alcorn Pong bauen. Pong wurde der große Automaten-Hit, die Odyssey blieb ein Nischengerät. Laut Wikipedia sagte Baer später, Pong habe sogar Odysseys verkauft: Kunden wollten Tischtennis zu Hause spielen, weil sie Pong aus der Kneipe kannten.

Baers Patente gehörten Sanders, Magnavox hatte die Lizenz. Im April 1974 verklagte Magnavox Atari, dazu Allied Leisure, Bally Midway und den Automatenhändler Empire. Atari einigte sich im Juni 1976 außergerichtlich und zahlte laut Wikipedia 1,5 Millionen Dollar. Anfang 1977 entschied Richter John Grady, Baers Patent sei "das bahnbrechende Patent der Videospielkunst".

Danach folgten über zwanzig Jahre weitere Verfahren, unter anderem gegen Coleco, Mattel, Seeburg und Activision. Laut Wikipedia holte Magnavox insgesamt mehr als 100 Millionen Dollar aus Klagen und Vergleichen, bis die Patente Anfang der 90er ausliefen. 1985 versuchte Nintendo, das Patent mit Tennis for Two von 1958 zu kippen. Das Gericht wies das ab: Tennis for Two lief auf einem Oszilloskop und nutzte kein Videosignal.

Mehr dazu

Wie Pong die Spielhallen eroberte und was Tennis for Two war, steht im Artikel Wie alles begann: Videospiele vor dem NES.

Ende und Nachfolger

Magnavox stellte die Odyssey 1975 ein. Laut Wikipedia waren die Herstellungskosten von rund 37 auf 47 Dollar gestiegen. Neue Spiele gab es schon seit 1973 nicht mehr. Magnavox selbst gehörte ab Mitte der 70er zum niederländischen Konzern Philips.

Die Zukunft lag in Chips. Im Mai 1974 schloss Magnavox einen Vertrag mit Texas Instruments über integrierte Schaltungen. Im November 1975 kamen die Odyssey 100 für 69,95 Dollar mit Tennis und Hockey und die Odyssey 200 für 109,95 Dollar mit zusätzlich Handball und Punktanzeige auf dem Bildschirm. Beide hatten ihre Spiele fest eingebaut, Karten gab es nicht mehr. Bis 1978 folgten laut Wikipedia elf solcher Odyssey-Geräte mit festen Spielen.

1978 erschien die Odyssey² mit Prozessor und Wechselmodulen. In Deutschland kennt man sie als Philips Videopac G7000. Sie kam in Europa Ende 1978 auf den Markt und hatte eine eingebaute Folientastatur. Mit der ersten Odyssey hat sie technisch nichts mehr zu tun.

GerätJahrBesonderheit
Odyssey1972Spielkarten, Overlays, keine Chips
Odyssey 1001975Tennis und Hockey fest eingebaut, 69,95 Dollar
Odyssey 2001975zusätzlich Handball, Punktanzeige, 109,95 Dollar
Odyssey² / Philips G70001978Prozessor Intel 8048, Module, Tastatur

Das Vermächtnis

Kommerziell war die Odyssey ein Flop. Historisch ist sie der Anfang von allem, was später im Wohnzimmer stand. Sie war die erste Heimkonsole, sie hatte austauschbare Spiele und das erste Lichtgewehr. Bis zum Fairchild Channel F von 1976 gab es keine andere Heimkonsole mit separat verkauften Spielen.

Ralph Baer erhielt am 13. Februar 2006 von US-Präsident George W. Bush die National Medal of Technology. 1978 erfand er mit Howard Morrison noch das Merkspiel Simon, in Deutschland als Senso bekannt. Er starb am 6. Dezember 2014 in Manchester, New Hampshire. Das Museum of Modern Art in New York nahm die Odyssey 2013 in seine Sammlung auf.

Für uns in Deutschland hat die Geschichte einen besonderen Dreh: Der Mann, der die Videospielkonsole erfunden hat, stammt aus einer Kleinstadt in der Pfalz. Wie Spiele vom Laborgerät zum Kulturgut wurden, steht im Artikel Videospiele als Kultur.

Kaufberatung

Du überlegst, dir eine Odyssey ins Regal zu stellen? In der Odyssey-Kaufberatung steht, worauf du bei Vollständigkeit, Batteriefach und Anschluss an einen deutschen Fernseher achten musst.

Häufige Fragen zur Magnavox Odyssey

War die Odyssey wirklich die erste Spielkonsole?

Ja, sie gilt als erste Heimkonsole für den Fernseher. Sie kam im September 1972 in den USA in den Handel.

Wer hat die Odyssey erfunden?

Ralph Baer, geboren 1922 in Rodalben in der Pfalz. Er entwickelte sie ab 1966 bei Sanders Associates mit Bill Harrison und Bill Rusch.

Gab es die Odyssey in Deutschland?

Ja, als "Odyssee" von ITT Schaub-Lorenz für rund 400 DM. Ob sie Ende 1973 oder erst 1974 in die Läden kam, geben die Quellen unterschiedlich an.

Hatte die Odyssey Module?

Nicht im heutigen Sinn. Die Spielkarten enthalten keine Software, sie schalten nur Verbindungen in der Konsole um.

Wie viele Spiele gibt es für die Odyssey?

Laut Wikipedia 28 Spiele auf 11 verschiedenen Karten. 12 lagen dem US-Gerät bei, 10 der Exportversion.

Hat Atari Pong von der Odyssey abgeschaut?

Nolan Bushnell sah die Odyssey im Mai 1972, kurz bevor Pong entstand. Atari zahlte Magnavox 1976 im Vergleich 1,5 Millionen Dollar.

Quellen