Interton VC 4000: die Spielkonsole aus Köln
Ein Hörgerätehersteller aus Köln baut 1978 eine Spielkonsole mit Mikroprozessor, analogen Joysticks und Tastenfeld. Das VC 4000 war seiner Zeit in manchen Punkten voraus, hatte aber gegen Atari keine Chance. Hier steht, wie Interton zu Videospielen kam, was in der Konsole steckt, warum es so viele kompatible Geräte gibt und welche Module du kennen solltest.
Steckbrief
| Hersteller | Interton-Electronic Hörgeräte GmbH, Köln |
|---|---|
| Generation | 2. Konsolengeneration, zusammen mit Atari 2600 und Intellivision |
| Vorstellung | 29. August 1977, Prototyp auf der Internationalen Funkausstellung Berlin |
| Deutschland | Ende 1978, 398 DM im Quelle-Katalog 1978/79, 1979 auf 298 DM gesenkt |
| Großbritannien | 129,95 Pfund |
| Weitere Länder | Österreich, Niederlande, Frankreich, Spanien, Australien |
| Japan und Nordamerika | kein offizieller Start |
| Prozessor | Signetics 2650A, 8 Bit, ca. 0,887 MHz |
| Grafik | Signetics 2636 (Programmable Video Interface) |
| Arbeitsspeicher | 37 Byte |
| Datenträger | Steckmodule mit ROM, von Interton "Kassetten" genannt |
| Spiele | 37 Module von Interton |
| Verkauft | unbekannt |
| Produktionsende | Mai 1983, Interton war in Konkurs |
Interton: Hörgeräte aus Köln
Interton ist kein Name, den du mit Videospielen verbindest. Das liegt daran, dass die Firma vor allem etwas ganz anderes gemacht hat. Laut Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) gründeten die Brüder Hellmuth und Hans-Herbert Türk die Interton-Electronic GmbH im Jahr 1962 in Köln. Das Kerngeschäft waren Hörgeräte.
Die Türks probierten aber gern Neues aus. 1968 brachte Interton laut HNF den "Frequenz-Protector" heraus, ein Gerät für 770 DM, das Abhörwanzen aufspüren oder stören sollte. Anfang der 70er folgten Taschenrechner, bei denen Interton laut HNF zeitweise Marktführer war. Später kamen ein Telefoncomputer namens TC 2100 (1979), der gespeicherte Nummern selbst wählte, und 1980 ein elektronisches Wörterbuch namens PIC 9000. Eine Firma, die kleine Elektronik in Serie baut, war für den Schritt zur Spielkonsole also gar nicht so schlecht aufgestellt.
Die Vorgänger: Video 2000 und Video 3000
Vor dem VC 4000 baute Interton schon Telespiele. So hießen in Deutschland die Geräte, auf denen man am Fernseher Tennis oder Fußball mit Strichen und einem Punkt spielte. Das Computerspielemuseum Berlin und das HNF schreiben beide, dass Interton diese Geräte ab Mitte der 70er in Lizenz baute.
Das erste war das Video 2000 von 1975. Laut der Spezialseite Pong-Story ist es eines der frühesten deutschen Pong-Geräte. Spannend: Es nutzte schon Steckmodule, damals ebenfalls "Kassetten" genannt. Ein Spiel steckte darin nicht als Programm, die Module verschalteten nur die Elektronik in der Konsole neu und legten so Spielregeln und Grafik fest. Fünf Module kamen in den Handel, darunter Tennis und Super Tennis. Steckte man ein Modul ein, schaltete sich das Gerät von selbst ein.
Danach folgten laut Game Tech Wiki und HNF weitere Telespiele mit Nummern wie Video 2400, 2501, 2800, 3000 und 3001. Das Video 3000 hatte einen Anschluss für eine Lichtpistole und nutzte die Schießspiele des Chips AY-3-8500. Das war ein fertiger Pong-Chip von General Instrument, mit dem damals viele Hersteller ihre Telespiele bauten. Sein Nachfolger Video 3001 erschien laut Wikipedia 1978 im gleichen Gehäuse mit sechs fest eingebauten Spielen. Die englische Wikipedia nennt das Video 3001 deshalb als direkten Vorgänger des VC 4000.
Der Unterschied zum VC 4000 ist riesig. Ein Pong-Chip kann nur die Spiele, die in ihm verdrahtet sind. Ein Mikroprozessor führt dagegen Programme aus. Neue Spiele brauchen dann nur ein neues Modul mit einem neuen Programm.
Die Entstehung: ein Chip von Signetics
Mitte der 70er beschloss Interton laut deutscher Wikipedia, eine eigene Konsole mit Mikroprozessor zu bauen. Als die Konstruktion 1976 begann, wählten die Entwickler den Prozessor Signetics 2650 als Grundlage. Signetics war ein US-Chiphersteller, der damals zu Philips gehörte. Laut Game Tech Wiki sicherte sich Interton bei Signetics die Rechte am Design, und viele andere Hersteller machten es danach genauso.
Hier wird es knifflig. Wer das Grunddesign zuerst hatte, ist nicht eindeutig geklärt. Die deutsche Wikipedia und das Museum comp:ex in Ratingen beschreiben das VC 4000 als in Deutschland entwickelte Konsole. Das Computerspielemuseum Berlin spricht von einer angeblich schon 1974 begonnenen Entwicklung und sieht das VC 4000 als Vorbild für viele baugleiche Geräte aus Hongkong. Das HNF und die englische Wikipedia sehen es umgekehrt: Dort basiert das VC 4000 auf dem "1292 Advanced Programmable Video System" der Hongkonger Firma Radofin. Die englische Wikipedia schreibt Radofin außerdem Spiele aus den Jahren 1977 und 1978 zu, nennt als Erscheinungsjahr der 1292 aber 1979.
Sicher ist: Alle diese Geräte nutzen denselben Chipsatz von Signetics und können dieselben Programme ausführen. Und das VC 4000 gilt in deutschen Quellen bis heute als die einzige in Deutschland entwickelte Videospielkonsole mit Mikroprozessor. Mehr zu dieser Einordnung findest du in unserem Artikel Wie alles begann: Videospiele vor dem NES.
Namen einzelner Entwickler bei Interton nennen die Quellen nicht. Gebaut wurde die Konsole laut Wikipedia übrigens nicht in Köln: Als Produktionsstandort wählte Interton Irland.
IFA 1977 und der lange Weg in den Handel
Am 29. August 1977 zeigte Interton einen Prototyp auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin, kurz IFA. Laut deutscher Wikipedia war der Marktstart ursprünglich für Februar 1978 geplant. Daraus wurde nichts: Das VC 4000 kam erst Ende 1978 in die Läden.
Bekannt ist der Preis aus dem Quelle-Katalog 1978/79. Dort kostete das VC 4000 zunächst 398 DM. Schon 1979 senkte Quelle den Preis auf 298 DM. Laut Computerspielemuseum Berlin lag das VC 4000 damit rund 100 DM unter Konkurrenten wie dem Atari VCS und dem Intellivision. Auch die Module waren etwa 40 DM günstiger. Im Quelle-Katalog kosteten die ersten Module 49,95 DM, später stiegen die Preise laut Wikipedia auf bis zu 99 DM.
Das VC 4000 blieb nicht in Deutschland. Laut Wikipedia gab es die Konsole auch in Großbritannien für 129,95 Pfund sowie in Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Australien. In Japan und Nordamerika erschien sie nicht.
Verkaufszahlen: Es gibt keine
Wie viele VC 4000 verkauft wurden, weiß niemand genau. Die deutsche Wikipedia schreibt klar: "Verkaufszahlen sind nicht bekannt." Auch die englische Wikipedia nennt keine Zahl. Wir haben zusätzlich in Museumsdatenbanken, beim HNF, in Fachseiten wie Game Tech Wiki und Console Database sowie in englischen Retro-Foren gesucht. Eine belastbare Zahl haben wir nirgends gefunden, weder für Deutschland noch für Europa oder weltweit.
Wir schätzen deshalb nichts. Für die gesamte Signetics-Familie mit all ihren Klonen gilt dasselbe: Es gibt keine bekannte Gesamtzahl. Zum Vergleich: Der Atari 2600 verkaufte sich insgesamt rund 30 Millionen Mal. Dass das VC 4000 davon weit entfernt war, zeigt schon die Bewertung der Fachpresse weiter unten.
Technik kurz erklärt
Das Herz ist der Prozessor Signetics 2650A. Er ist ein 8-Bit-Chip und läuft laut Wikipedia mit etwa 0,887 MHz. Für das Bild sorgt der Chip Signetics 2636, genannt Programmable Video Interface. Er ist der eigentliche Grafikchip und bestimmt, was auf dem Fernseher erscheint.
- Arbeitsspeicher: 37 Byte. Das ist kein Tippfehler, es sind wirklich nur 37 Byte. Die Schach-Module brachten deshalb laut deutscher Wikipedia je 1 KB zusätzlichen RAM für die Zugberechnung mit.
- Auflösung: höchstens 128 × 200 Bildpunkte.
- Farben: 8 Farben stehen zur Verfügung.
- Adressraum: höchstens 32 KB. Die meisten Module waren deutlich kleiner, Autorennen hat zum Beispiel 2 KB ROM.
- Bildausgabe: über einen HF-Modulator. Das Bild kommt also wie ein Fernsehsender über das Antennenkabel in den Fernseher.
Das Gehäuse ist laut Museum comp:ex 31 × 18 × 10 Zentimeter groß und wiegt etwa 1,1 Kilogramm. Oben sitzen der Modulschacht und die Bedientasten: ein Schalter für An und Aus, dazu Tasten für Reset, Auswahl und Start. Mit der Auswahltaste blätterst du durch die Spielvarianten auf dem Modul, mit Start geht es los.
Die Controller: Joystick und Tastenfeld
Das Besondere am VC 4000 sind die Controller. Laut deutscher Wikipedia hatte damit erstmals eine Spielkonsole Controller mit analogen Joysticks und einem Tastenfeld. Analog heißt: Der Hebel arbeitet mit Drehwiderständen statt mit einfachen Kontakten. Die Konsole weiß also, wie weit du den Hebel drückst, und nicht nur in welche Richtung. Laut Retro Gamer zentrieren sich die Hebel von selbst.
Jeder Controller hat ein Feld mit 12 Tasten und dazu zwei Feuerknöpfe, zusammen 14 Tasten. Das Tastenfeld brauchst du für Spiele wie Schach, Mathematik oder Fußball, bei dem du laut Wikipedia elf Spielfiguren über die Tasten ansteuerst. Für viele Module gab es Tastaturschablonen, also Folien, die die Tasten für das jeweilige Spiel beschriften.
Die beiden Controller wiegen je rund 200 Gramm und liegen in Mulden im Gehäuse. Laut deutscher Wikipedia hängen sie an etwa einem Meter langen Kabeln, die an der Rückseite eingesteckt werden. Winnie Forster nennt dieses Konzept in seinem Buch über Spielkonsolen "zukunftsweisend". Tatsächlich setzten später auch Intellivision und ColecoVision auf Tastenfelder im Controller.
Modelle und Lizenzgeräte
Interton selbst hat das VC 4000 äußerlich nicht überarbeitet. Laut AtariAge-Forum gibt es aber verschiedene Platinen-Revisionen mit leicht anders platzierten Bauteilen. Dazu kamen zwei Lizenzgeräte deutscher Firmen:
| Name | Jahr | Was anders ist |
|---|---|---|
| Interton VC 4000 | Ende 1978 | Original, Bild über HF-Modulator am Antenneneingang, externes Netzteil |
| Grundig Super Play Computer 4000 | 1979 | fast baugleich, weißes Gehäuse, Sonderanschluss nur für Grundig-Fernseher der Super-Color-Reihe, Strom kommt über diesen Anschluss vom Fernseher, ca. 380 DM |
| Körting Tele-Video-Computer TVC 4000 | Jahr unbekannt | Lizenzgerät der Körting Hannover AG, Bild wie beim VC 4000 über HF-Modulator |
Angaben laut deutscher Wikipedia und Lost Media Wiki Forum (weißes Grundig-Gehäuse). Beide Lizenzgeräte nutzen dieselben Module wie das VC 4000.
Der Grundig hat eine Eigenheit: Er gibt das Bild als RGB-Signal direkt an den Fernseher. Das bringt ein besseres Bild, funktioniert aber nur mit passenden Grundig-Geräten. Für Sammler heißt das: Ein Super Play Computer 4000 ohne passenden Fernseher ist erst mal ein Regalstück.
Die 1292-Familie: viele Namen, eine Technik
Das VC 4000 hat viele Verwandte. Hersteller in Europa und Australien verkauften Konsolen mit demselben Signetics-Chipsatz unter eigenem Namen. Die englische Wikipedia fasst sie unter dem Namen der Radofin-Konsole zusammen: 1292 Advanced Programmable Video System. Die 1292 hatte laut Wikipedia als Besonderheit das Netzteil im Gehäuse eingebaut.
Wichtig für dich: Alle diese Geräte sind softwarekompatibel. Die Programme laufen also auf allen. Die Modulschächte sind aber unterschiedlich geformt und teils anders belegt. Ein Modul passt deshalb nur in Geräte seiner eigenen Familie. Das Lost Media Wiki Forum vergleicht das mit Famicom und NES: gleiche Technik, andere Module. Laut AtariAge-Forum gab es Adapter, mit denen 1292-Module im VC 4000 liefen und umgekehrt.
| Familie | Geräte (Auswahl) | Region |
|---|---|---|
| Interton VC 4000 | Interton VC 4000, Grundig Super Play Computer 4000, Körting TVC 4000 | Deutschland, Europa |
| 1292 APVS | Radofin 1292 und 1392, Hanimex HMG-1292 und HMG-1392, Fountain Force 2, Grandstand, Lansay 1392, Audiosonic PP-1292, Prinztronic VC-6000, Acetronic MPU-1000 und MPU-2000 | Großbritannien, Frankreich, Australien, Neuseeland |
| Database | Videomaster Database, Voltmace Database | Großbritannien |
| Television Computer System | Rowtron, Teleng | Großbritannien |
| Video TV Game und OC-2000 | Karvan Jeu Video TV, Société Occitane Électronique OC-2000 | Frankreich |
| MPT-05 | ITMC Vidéo Ordinateur MPT-05 | Frankreich |
Zusammengestellt aus der englischen Wikipedia (1292 APVS) und Game Tech Wiki. Console Database spricht von sechs Untergruppen. Wikipedia führt zusätzlich die spanischen Geräte Palson CX-3000 als eigene Gruppe und TRQ Video Computer H-21 als teilweise VC-4000-kompatibel.
Vorsicht bei einem Namen: Die Arcadia 2001 von Emerson (1982) nutzt zwar auch einen Signetics-2650-Prozessor, aber den Grafikchip 2637 statt 2636. Sie gehört nicht zu dieser Familie.
Die Module: wie viele Spiele gibt es?
Je nachdem, wo du nachliest, findest du 37, 40 oder 48 Spiele. Alle drei Zahlen haben einen wahren Kern:
- 37 Module hat Interton laut deutscher Wikipedia tatsächlich angeboten. Die Software-Liste des Emulator-Projekts MAME kommt auf dieselben 37 Titel.
- 40 ist die höchste Modulnummer. Die Nummern 34 (Space Laser), 35 (Rodeo) und 39 (Basketball) waren geplant, kamen aber nie in den Handel.
- 48 Spiele laufen laut deutscher Wikipedia insgesamt auf dem VC 4000, wenn du elf Titel anderer Hersteller der Familie mitzählst, etwa von Radofin, Acetronic, Rowtron, Voltmace und Prinztronic. Dafür brauchst du je nach Familie einen Adapter.
Für die ganze Signetics-Familie nennt die englische Wikipedia rund 59 Spiele. Die meisten VC-4000-Module sind Umsetzungen bekannter Spielideen: Sport, Brett- und Kartenspiele, Lernspiele und ein paar Weltraumspiele. Ein Erscheinungsjahr ist nur für wenige belegt. MAME nennt zum Beispiel für Fußball (Nr. 24) das Jahr 1979.
Die wichtigsten Module
Eine Top 10 nach Verkaufszahlen gibt es für das VC 4000 nicht, dazu fehlen jegliche Zahlen. Stattdessen stellen wir dir die Module vor, die zeigen, was das System konnte. Die Nummern stehen auf den Modulen und helfen dir beim Sammeln.
| Nr. | Titel | Warum wichtig |
|---|---|---|
| 1 | Autorennen | das erste Modul, mit 10 Spielvarianten, laut Wikipedia ohne Tastaturschablone ausgeliefert |
| 3 | Ballspiele | der Name sagt es: Ballspiele wie bei den alten Telespielen, jetzt auf Modul |
| 4 | Panzerschlacht / Luftkampf | Kampfspiele, wie sie damals auch auf dem Atari 2600 beliebt waren |
| 13 und 22 | Schach und Schach II | mit eigenem Zusatz-RAM im Modul, mehr Rechenleistung ging damals nicht |
| 20 | Memory II / Melodie | ein Merkspiel nach dem Prinzip des Spiels Simon |
| 24 | Fußball | elf Spielfiguren über das Tastenfeld, ein typisches VC-4000-Konzept |
| 28 | Cockpit | laut HNF gehörte ein Flugsimulator zum Angebot |
| 32 und 33 | Weltrauminvasoren und Super Invaders | die Antwort auf den Spielhallen-Hit Space Invaders |
| 37, 38, 40 | Monster-Man, Hyperspace, Super-Space | die letzten Module mit den höchsten Nummern |
Titel und Nummern laut MAME-Softwareliste, weitere Angaben laut deutscher Wikipedia und HNF. Zu einzelnen Spielinhalten gibt es kaum belastbare Quellen, wir haben deshalb nur das aufgeschrieben, was wir belegen konnten.
Für Sammler: was ist gesucht?
Eine Liste teurer Sammlerstücke wie bei Nintendo oder Sega gibt es für das VC 4000 nicht. Preisdatenbanken wie PriceCharting führen die Konsole gar nicht. Was wir sagen können:
- Der Grundig Super Play Computer 4000 ist laut AtariAge-Forum schwerer zu finden als das Interton-Original.
- Vollständige Geräte mit Karton, Styroporeinlage, Netzteil und Anleitung sind gefragt. Genau so ein Gerät liegt im Museum comp:ex in Ratingen.
- Module mit Schablone und Anleitung sind mehr wert als lose Module.
Wie selten einzelne Module sind, ist nicht dokumentiert. Echte Preise findest du am besten über den eBay-Filter "Verkaufte Artikel". Achte darauf, ob ein Modul zur VC-4000-Familie gehört oder zu einer anderen. Alles Weitere steht in der Kaufberatung.
Das Ende: Konkurs 1983
Das VC 4000 kam zu spät und zu leise. Die Fachzeitschrift Power Play schrieb 1995 im Rückblick, das VC 4000 sei dem Atari VCS 2600 nicht überlegen gewesen und habe sich deshalb nur kurz behauptet. Winnie Forster lobt in seinem Buch von 2009 das Design, kritisiert aber die geringe Auflösung und die kleine Spieleauswahl.
Dazu kam der Markt. Anfang der 80er drängten Heimcomputer in die Kinderzimmer, und die Konsolenbranche geriet in die Krise, die heute als Videospiel-Crash bekannt ist. Im Mai 1983 stellte Interton die Produktion ein, die Firma war in Konkurs gegangen. Manche englische Quellen wie das Centre for Computing History nennen 1982 als Ende. Wir folgen der deutschen Wikipedia und dem HNF mit 1983.
Kurios: Die Stiftung Warentest testete das VC 4000 noch 1984. Die Technik schnitt gut ab, die Bedienelemente bekamen nach Dauertests ein "sehr gut", die Steckverbindungen ein "zufriedenstellend". Bei den Spielen fiel das Urteil hart aus: "Die Programme lassen nur geringen Spielfluß aufkommen."
Einen Nachfolger gab es nicht. Laut HNF zog Interton später nach Bergisch Gladbach und konzentrierte sich wieder auf Hörgeräte. Später wurde die Firma Teil der dänischen GN-Gruppe.
Das Vermächtnis
Das VC 4000 hat die Spielewelt nicht verändert. Für die deutsche Videospielgeschichte ist es trotzdem ein Schlüsselgerät. Es zeigt, dass Ende der 70er auch eine Kölner Firma bei den neuen Mikroprozessor-Konsolen mitspielen wollte. Und die Controller mit analogem Joystick und Tastenfeld waren ihrer Zeit voraus. Das Retro-Magazin Retro Gamer schrieb 2017, das VC 4000 habe in vielen Bereichen Neuland betreten.
Heute steht das VC 4000 in Museen wie dem Computerspielemuseum Berlin und dem comp:ex in Ratingen. Warum solche Geräte ins Museum gehören, beschreiben wir in Videospiele als Kultur. Für Sammler ist es ein bezahlbarer Einstieg in die Zeit vor dem NES, mit einer überschaubaren Modulliste, die man tatsächlich komplett bekommen kann.
Du willst dir ein VC 4000 holen? In der VC-4000-Kaufberatung steht, worauf du bei Netzteil, Controllern und Modulen achten musst und wie du die Konsole an einen modernen Fernseher anschließt.
Häufige Fragen zum VC 4000
Ist das VC 4000 die erste deutsche Spielkonsole?
Interton baute schon ab 1975 Telespiele. Das VC 4000 gilt aber als einzige in Deutschland entwickelte Videospielkonsole mit Mikroprozessor. Englische Quellen sehen das Grunddesign allerdings bei Radofin aus Hongkong.
Wann kam das VC 4000 auf den Markt?
Vorgestellt wurde es am 29. August 1977 auf der IFA in Berlin, in den Handel kam es Ende 1978.
Was hat das VC 4000 gekostet?
Im Quelle-Katalog 1978/79 zunächst 398 DM, ab 1979 dann 298 DM. Module kosteten anfangs 49,95 DM, später bis zu 99 DM.
Wie viele VC 4000 wurden verkauft?
Das ist nicht bekannt. Es gibt keine offiziellen oder belastbaren Zahlen, weder für Deutschland noch weltweit.
Laufen Module der Voltmace Database oder der Hanimex HMG-1292 auf dem VC 4000?
Die Programme sind kompatibel, die Modulschächte aber nicht. Du brauchst einen passenden Adapter. Direkt passen nur Module der VC-4000-Familie, also von Interton, Grundig und Körting.
Quellen
- Wikipedia (deutsch): Interton VC 4000
- Wikipedia (englisch): Interton Video Computer 4000
- Wikipedia (englisch): 1292 Advanced Programmable Video System
- Wikipedia (englisch): Interton Video 2000
- Wikipedia (englisch): Interton Video 3001
- Wikipedia (englisch): Arcadia 2001
- HNF Blog: Vom Hörgerät zum Computerspiel (2018)
- Computerspielemuseum Berlin bei museum-digital: Interton VC 4000
- museum comp:ex Ratingen bei museum-digital: Interton VC 4000
- Pong-Story: Interton Video 2000
- Game Tech Wiki: Interton
- Game Tech Wiki: Interton VC 4000
- Console Database: Interton VC-4000
- Centre for Computing History: Interton Electronic VC 4000
- MAME: Softwareliste VC 4000 (Titel und Modulnummern)
- Lost Media Wiki Forum: Lost games of Interton VC4000 and its many clones
- AtariAge Forum: Interton VC 4000 (ab 2014)
- AtariAge Forum: Getting an Interton VC 4000 functional in the US