Das Sega Master System: Segas 8-Bit-Konsole, die in Europa gewann
In Japan und den USA stand das Master System im Schatten des NES. In Europa war es um 1990 die meistverkaufte Konsole, und in Brasilien wird es bis heute in neuen Varianten verkauft. Hier liest du, wie Sega vom SG-1000 über den Mark III zum Master System kam, welche Modelle es gibt, was die Technik kann, welche Spiele du kennen solltest und welche PAL-Module heute richtig teuer sind.
Steckbrief
| Hersteller | Sega |
|---|---|
| Generation | 3. Konsolen-Generation (8 Bit), Konkurrent des NES und des Atari 7800 |
| Japan | 20. Oktober 1985 als Mark III, 15.000 Yen. Als "Master System" am 18. Oktober 1987, 16.800 Yen |
| Nordamerika | September 1986, rund 200 Dollar |
| Europa | 1987, Großbritannien ab August 1987 für 99,95 Pfund |
| Deutschland | 1987, laut C64-Wiki und SEGA-Club 299 DM |
| Brasilien | September 1989 durch Tectoy |
| Prozessor | Zilog Z80A, rund 3,58 MHz (PAL rund 3,55 MHz) |
| Speicher | 8 KB Arbeitsspeicher, 16 KB Videospeicher |
| Grafik | 256 × 192 Pixel, 32 von 64 Farben gleichzeitig |
| Ton | Soundchip SN76489, in Japan zusätzlich FM-Chip YM2413 |
| Verkauft | 10 bis 13 Millionen weltweit, dazu rund 8 Millionen Tectoy-Geräte in Brasilien |
| Spiele | 314 laut Wikipedia-Liste |
| Ende | Japan 1991, Nordamerika 1992, Europa 1996, Brasilien nie ganz |
Vorgeschichte: SG-1000 und Mark III
Die Geschichte des Master System beginnt an einem bemerkenswerten Tag. Am 15. Juli 1983 brachte Sega in Japan seine erste Heimkonsole heraus, das SG-1000. Am selben Tag startete Nintendo das Famicom, das wir in Europa später als NES kennen. Sega war damals vor allem für Spielhallenautomaten bekannt. Hayao Nakayama, der Chef von Segas japanischem Geschäft, setzte durch, dass Sega auch ins Wohnzimmer gehen sollte.
Das SG-1000 kostete 15.000 Yen und lief besser als erwartet. Sega hatte für 1983 mit 50.000 Geräten gerechnet und verkaufte laut Wikipedia 160.000. Parallel gab es den SC-3000, die gleiche Technik als kleiner Computer mit eingebauter Tastatur. Im Juli 1984 folgte das SG-1000 II mit abnehmbaren Controllern. Gegen das Famicom kam Sega damit trotzdem nicht an. Nintendos Konsole hatte die bessere Grafik und bald die bekannteren Spiele.
Der Mark III: neuer Grafikchip, alte Spiele
Die Antwort hieß Sega Mark III. Er erschien am 20. Oktober 1985 in Japan, wieder für 15.000 Yen. Entwickelt hat ihn das gleiche Team wie das SG-1000, darunter Hideki Sato und Masami Ishikawa. Sato, der später Segas gesamte Hardware-Entwicklung leitete, nannte den Grund für den Neubau: Der Grafikchip TMS9918A von Texas Instruments im SG-1000 war zu schwach für die Spiele, die Sega machen wollte.
Sega baute deshalb einen eigenen Grafikchip. Fachleute nennen so einen Chip VDP, kurz für Video Display Processor. Er kümmert sich um alles, was du auf dem Bildschirm siehst. Der neue VDP beherrschte die alten Modi des TMS9918A weiter. Deshalb laufen alle SG-1000-Spiele auf dem Mark III. Das erste eigene Mark-III-Modul war laut Wikipedia Fantasy Zone, eine Umsetzung des bunten Spielhallen-Shooters.
Aus Mark III wird Master System
Für den Westen bekam die Konsole ein neues Gehäuse und einen neuen Namen: Master System. Die Technik blieb fast gleich. Wikipedia fasst es knapp zusammen: Die Hardware des Master System ist identisch mit der des Mark III. In Japan kam am 18. Oktober 1987 dann ebenfalls ein Master System auf den Markt. Es kostete 16.800 Yen und hatte zwei Extras, die westliche Geräte nie bekamen: einen eingebauten FM-Soundchip und einen eigenen Anschluss für die 3D-Brille.
Der Start in den USA und Europa
In Nordamerika zeigte Sega das Master System im Juni 1986 auf der Summer CES, der großen Elektronikmesse in Chicago. In die Läden kam es im September 1986 für rund 200 Dollar. Im Karton lagen Lightgun, Controller und ein Modul mit Hang-On und Safari Hunt. Das Problem: Nintendo war schon ein Jahr früher gestartet und hatte die Händler im Griff. Bis Weihnachten 1986 verkaufte Sega laut Wikipedia zwischen 125.000 und 250.000 Geräte. Das NES kam im gleichen Zeitraum auf über eine Million.
Europa: der holprige Anfang
In Europa hatte Sega 1987 keine eigene Vertriebsfirma. Den Verkauf übernahmen Partner, und das lief anfangs chaotisch. In Großbritannien griff Frank Herman zu, Mitgründer des Budget-Publishers Mastertronic. Er hatte Anfang 1987 bemerkt, dass Sega in Großbritannien keinen Händler hatte. Mastertronic verkaufte im ersten Jahr alles, was es bekommen konnte, und wurde danach laut Wikipedia auch Vertriebspartner für Frankreich und Deutschland.
Der britische Start im August 1987 kostete 99,95 Pfund. Ganz rund lief er trotzdem nicht. Bis kurz vor Weihnachten fehlte Ware, Händler stornierten Bestellungen, und Mastertronic geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Die Virgin-Gruppe stieg ein, aus Mastertronic wurde Virgin Mastertronic. Ab 1988 lag der europäische Vertrieb laut Wikipedia komplett bei Virgin Mastertronic.
Das Geschäft lohnte sich. Laut Wikipedia kam bis 1991 fast der gesamte Umsatz und praktisch der ganze Gewinn von Virgin Mastertronic aus dem Sega-Geschäft. 1991 übernahm Sega den Vertrieb selbst, die Mitarbeiter wechselten fast alle zu Sega, und daraus wurde Sega Europe.
Das Master System in Deutschland
Das Master System kam 1987 nach Deutschland. Einen genauen Tag haben wir nicht gefunden. Laut englischer Wikipedia war der Publisher Ariolasoft etwa von 1987 bis 1988 der deutsche Vertrieb. Ariolasoft hatte zuerst auch die britischen Rechte, konnte sich mit Sega aber nicht über die Preise einigen. Danach nennt Wikipedia Mastertronic beziehungsweise Virgin Mastertronic als Partner für Deutschland. Der SEGA-Club erwähnt zusätzlich, dass zeitweise Tonka beauftragt war. Tonka war Ende der Achtziger Segas Vertriebspartner in den USA, für Deutschland haben wir das nicht bestätigt gefunden. Einen deutschen Vertrieb durch Mattel konnten wir nicht belegen.
Was kostete das Master System in Deutschland?
Das C64-Wiki und der SEGA-Club nennen beide 299 DM zum Start 1987. Laut C64-Wiki lag dem ersten deutschen Paket Hang-On als Sega Card bei. Das ist eine kleine Spielkarte im Scheckkartenformat, mehr dazu bei der Technik. Das Master System II kam laut SEGA-Club 1990 für 199 DM in die Läden, später fiel der Paketpreis bis auf rund 99 DM.
Zum Vergleich: Das NES kam schon 1986 nach Deutschland und kostete laut unserem NES-Artikel 399 DM. Beide Konsolen kämpften hierzulande gegen eine starke Konkurrenz, die heute oft vergessen wird: Heimcomputer wie den C64. Wer Ende der Achtziger zocken wollte, hatte meist einen Computer im Kinderzimmer, keine Konsole.
Gegen das NES: Nintendos Exklusivverträge
Technisch war das Master System dem NES in vielen Punkten überlegen. Laut Wikipedia hat es viermal so viel Arbeitsspeicher, achtmal so viel Videospeicher und einen schneller getakteten Prozessor. Trotzdem verlor Sega in Japan und Nordamerika deutlich. Der wichtigste Grund waren die Spiele.
Nintendo hatte für Fremdfirmen strenge Regeln. Wer für das NES entwickeln wollte, musste laut Wikipedia exklusiv für die Konsole entwickeln, mindestens 10.000 Module bestellen und durfte höchstens fünf Spiele pro Jahr veröffentlichen. Die Module stellte Nintendo selbst her, und bezahlt wurde vorab. Für große Publisher wie Konami oder Capcom hieß das: Ein Spiel fürs NES bedeutete keine Version fürs Master System.
In Nordamerika fand Sega laut Wikipedia nur zwei Partner: Activision und Parker Brothers. Beide Verträge liefen 1989 aus. Fast alles auf dem Master System kam also von Sega selbst. Das waren oft gute Umsetzungen der eigenen Spielhallen-Hits, aber eben keine Marios oder Zeldas. 1991 einigte sich Nintendo in den USA mit der Handelsbehörde FTC nach Vorwürfen wettbewerbswidrigen Verhaltens. Da war die 8-Bit-Schlacht schon entschieden.
Warum Europa anders lief
In Europa war die Lage eine andere. Nintendo hatte hier keinen so großen Vorsprung, und die Händler waren nicht an Nintendo gebunden. Virgin Mastertronic vermarktete das Master System offensiv, und Sega lieferte bis Mitte der Neunziger Spiele nach, viele davon nur für PAL-Länder. Laut Wikipedia war das Master System 1990 die meistverkaufte Konsole Europas. Anfang der Neunziger holte das NES auf und lag in Westeuropa am Ende knapp vorn. Mehr zu Nintendos Seite liest du in unserem NES-Artikel.
Technik: Was steckt drin?
Das Herz ist ein Zilog Z80A, ein 8-Bit-Prozessor, der in den Achtzigern in vielen Computern und Automaten steckte. Er läuft mit rund 3,58 MHz, in PAL-Geräten mit rund 3,55 MHz. Dazu kommen 8 KB Arbeitsspeicher und 16 KB Videospeicher. Im Videospeicher liegen die Grafikdaten, die gerade auf dem Bildschirm zu sehen sind.
Der VDP erzeugt ein Bild mit 256 × 192 Pixeln. Er kann 32 Farben gleichzeitig zeigen, ausgewählt aus einer Palette von 64. Für Ton sorgt ein SN76489 von Texas Instruments. Dieser Soundchip hat drei Tonkanäle mit Rechteckwellen und einen Rauschkanal für Schlagzeug und Explosionen. Das klingt typisch nach 8 Bit, etwas härter als beim NES.
Der FM-Sound: nur in Japan
Japanische Spieler bekamen besseren Ton. Für den Mark III gab es ein FM-Soundmodul als Zubehör, im japanischen Master System von 1987 war der FM-Chip Yamaha YM2413 schon eingebaut. FM steht für Frequenzmodulation, ein Verfahren, das weichere, vollere Klänge erzeugt. Viele Spiele erkennen den Chip und spielen dann eine eigene FM-Musik ab. Europäische und amerikanische Geräte haben ihn nicht.
Module und Sega Cards
Spiele kamen auf zwei Arten. Module fassten bis zu 4 Megabit, also 512 KB. Sega druckte das stolz auf die Verpackung: "One Mega", "Two Mega", "Four Mega". Daneben gab es Sega Cards. Diese Karten im Scheckkartenformat fassten nur bis zu 256 Kilobit, also 32 KB, waren aber billiger. Laut C64-Wiki lag der Preisunterschied anfangs bei durchschnittlich rund 10 DM. Weil die Spiele größer wurden, verschwanden die Karten bald. Das Master System II hat gar keinen Kartenschacht mehr.
Acht Module konnten Spielstände per Batterie speichern, darunter Phantasy Star und Ys. Die Batterie hält nicht ewig, das ist beim Kauf ein Thema.
Die Pause-Taste an der Konsole
Eine Eigenheit kennt jeder Master-System-Besitzer: Die Pause-Taste sitzt an der Konsole, nicht am Controller. Wer pausieren wollte, musste aufstehen. Beim Master System II ist das genauso.
Modelle und Varianten
Vom Master System gibt es mehr Versionen, als die meisten denken. In Deutschland begegnen dir vor allem zwei: das Master System 1 und das Master System II. Dazu kommen die japanischen Vorgänger und eine ganze Familie brasilianischer Geräte.
| Modell | Jahr | Region | Was anders ist |
|---|---|---|---|
| SG-1000 | 1983 | Japan | Erste Sega-Konsole, Grafikchip TMS9918A, fester Joystick |
| SG-1000 II | 1984 | Japan | Abnehmbare Controller |
| Mark III | 1985 | Japan | Neuer Sega-VDP, spielt SG-1000-Spiele, Kartenschacht, ohne Lightgun-Unterstützung |
| Master System (Japan, MK-2000) | 1987 | Japan | FM-Chip eingebaut, Anschluss für 3D-Brille, Dauerfeuer-Schalter |
| Master System 1 | 1986/1987 | Nordamerika, Europa | Kartenschacht, Reset-Taste, Erweiterungsport, AV-Buchse, je nach Version Spiel im Speicher |
| Master System II | 1990 | Europa, Nordamerika, weitere | Kleiner und billiger, ohne Kartenschacht, Reset-Taste und Betriebslampe, meist nur Antennenausgang |
| Tectoy-Varianten | ab 1989 | Brasilien | Super Compact mit Funkübertragung, Master System Girl in Pink, Geräte mit vielen eingebauten Spielen |
| Samsung Gam*Boy, Aladdin Boy | ab 1989 | Südkorea | Lizenzgeräte, nutzen japanische Modulform |
Master System 1: der Klassiker
Das erste westliche Modell ist ein flacher schwarzer Kasten mit roten Akzenten. Es hat einen Modulschacht oben, einen Kartenschacht vorn, Reset- und Pause-Taste und hinten eine AV-Buchse. Über diese Buchse kommt bei europäischen Geräten ein RGB-Signal heraus. Das ist für dich heute wichtig, denn mit einem passenden SCART-Kabel bekommst du ein sehr sauberes Bild.
Im Inneren steckt ein kleines Startprogramm, das BIOS. Je nach Baujahr enthält es ein eingebautes Spiel. Laut The Cutting Room Floor gibt es Versionen ohne Spiel, mit Hang-On und Safari Hunt, nur mit Hang-On, mit Missile Defense 3-D und ab 1990 mit Alex Kidd in Miracle World. In einigen BIOS-Versionen ist außerdem Snail Maze versteckt, ein kleines Labyrinthspiel. Du startest es, wenn du die Konsole ohne Modul einschaltest und dabei eine Tastenkombination drückst.
Master System II: billiger und kleiner
1990 kam das Master System II. Sega wollte die Konsole billiger machen und gleichzeitig den Mega Drive nicht stören. Gestrichen wurden Kartenschacht, Reset-Taste, Betriebslampe, Erweiterungsport und die Startmelodie mit Logo. In den meisten Ländern fehlt auch die AV-Buchse, das Gerät liefert nur ein Antennensignal. Frankreich ist die Ausnahme: Dort gab es das Master System II mit AV-Ausgang und ohne Antennenausgang.
Im Speicher steckt Alex Kidd in Miracle World. Laut The Cutting Room Floor gibt es ab 1991 europäische Master System II mit Sonic the Hedgehog im Speicher. Das Gerät ist also oft eine Konsole mit eingebautem Spiel, auch ohne ein einziges Modul.
Die brasilianische Familie
Tectoy brachte das Master System im September 1989 nach Brasilien. Daraus wurde die längste Geschichte einer Konsole überhaupt. Tectoy entwickelte laut Wikipedia rund 16 verschiedene Versionen. Bekannt sind das Master System Super Compact, das sein Bild per Funk zum Fernseher schickt, das pinke Master System Girl und das Master System 3 Collection von 2006 mit 120 eingebauten Spielen. Die deutsche Wikipedia nennt als Stand 2023 das Master System Evolution mit 132 eingebauten Spielen. Viele spätere Geräte sind keine echte Master-System-Hardware mehr, sondern laufen per Emulation, also mit einem Chip, der die alte Konsole nachahmt.
Zubehör: Lightgun, 3D-Brille und Co.
Sega gab dem Master System erstaunlich viel Zubehör mit auf den Weg. Einiges davon war seiner Zeit voraus.
- Light Phaser: Die Lightgun sieht aus wie die Waffe aus dem Anime Zillion. Laut Wikipedia funktioniert sie mit 13 Spielen, darunter Safari Hunt und Shooting Gallery. Sie gab es nur im Westen. Wie alle alten Lightguns funktioniert sie nur an einem Röhrenfernseher.
- SegaScope 3-D: Eine 3D-Brille mit Shutter-Technik. Die Gläser öffnen und schließen sich abwechselnd, und jedes Auge sieht ein eigenes Bild. Das Prinzip nutzen moderne 3D-Brillen bis heute. Laut Wikipedia gibt es acht passende Spiele, darunter Space Harrier 3-D, Zaxxon 3-D und OutRun 3-D. Die Brille steckt im Kartenschacht, deshalb läuft sie am Master System II nicht.
- Rapid Fire Unit: Ein Zwischenstecker für Dauerfeuer. Du hältst den Knopf gedrückt, die Konsole feuert ständig.
- Handle Controller: Eine Mischung aus Lenkrad und Flugsteuer von 1989. Heute ein gesuchtes Sammlerstück.
- Control Stick und Sports Pad: Ein Arcade-Joystick und ein Trackball. Das Sports Pad unterstützen nur drei Spiele, in Europa erschien es laut Wikipedia nicht.
Verbindung zu Mega Drive und Game Gear
Das Master System lebt in zwei Nachfolgern weiter. Der Mega Drive hat einen Z80 an Bord und kann mit einem Adapter Master-System-Module abspielen. In den USA hieß der Adapter Power Base Converter, in Europa Master System Converter. Der Game Gear ist im Kern ein tragbares Master System. Mit dem Master Gear Converter spielst du große Master-System-Module auf dem Handheld. Viele Spiele erschienen deshalb für beide Systeme.
Verkaufszahlen: zwischen 10 und 21 Millionen
Beim Master System gibt es keine einzelne offizielle Zahl, und die Quellen widersprechen sich. Das liegt vor allem an Brasilien.
| Region | Zahl | Quelle, Stand |
|---|---|---|
| Weltweit ohne Brasilien | 10 Millionen | Wikipedia, Liste der meistverkauften Konsolen |
| Weltweit gesamt | 13 Millionen | Wikipedia, Artikel Master System; GamersGlobal |
| Brasilien (Tectoy-Varianten) | rund 8 Millionen | Wikipedia und Canaltech, Stand 2016 |
| Weltweit mit allen Brasilien-Versionen | rund 21 Millionen | C64-Wiki |
| Europa | 6,25 Millionen | Wikipedia und GamersGlobal, Bestand 1993 |
| Nordamerika | 1,5 bis 2 Millionen | Wikipedia, 1986 bis 1992 |
| Großbritannien | 150.000 im Jahr 1990 | Wikipedia |
| Südkorea | 720.000 | Wikipedia, bis 1993 |
| Australien | 650.000 | Wikipedia, bis November 1994 |
| Deutschland | keine belastbare Zahl | siehe Text |
Die Rechnung ist also: rund 10 bis 13 Millionen Geräte von Sega, plus rund 8 Millionen brasilianische Varianten von Tectoy. Wer alles zusammenzählt, landet bei gut 20 Millionen. Zum Vergleich: Laut Wikipedia verkaufte sich das NES allein in Nordamerika über 34 Millionen Mal.
Europa war mit 6,25 Millionen Geräten bis 1993 Segas stärkster Markt außerhalb Brasiliens. Für Deutschland haben wir keine belastbare Zahl gefunden, weder von Sega noch vom Branchenverband noch aus der Fachpresse. Wir schätzen hier nicht, sondern lassen die Lücke offen. Wenn du eine zeitgenössische Quelle kennst, etwa eine Meldung aus einem Spielemagazin, gehört sie hierher.
Spiele: Wie viele gibt es, und welche zählen?
Die englische Wikipedia listet 314 Spiele für das Master System. Davon erschienen 18 nur in Japan, 4 nur in Nordamerika, 22 nur in Brasilien und 158 nur in PAL-Ländern. Das ist die wichtigste Zahl für dich: Gut die Hälfte der Bibliothek gab es nur in Europa und anderen PAL-Ländern. In Nordamerika erschienen laut Wikipedia nur gut 100 Spiele, das letzte war Sonic the Hedgehog im Oktober 1991. In Europa kamen dagegen bis Mitte der Neunziger neue Module, darunter Umsetzungen von Mega-Drive-Hits wie Streets of Rage.
Gibt es eine Top 10 nach Verkaufszahlen?
Nein, jedenfalls keine belastbare. Sega hat für das Master System keine Liste mit Verkaufszahlen pro Spiel veröffentlicht, und auch die Fachpresse liefert keine verlässlichen Werte. Die meistgespielten Spiele dürften ohnehin die sein, die im Gerät eingebaut waren: Alex Kidd, Hang-On und später Sonic. Statt einer erfundenen Rangliste findest du hier die zehn Spiele, die Kritiker und Fans immer wieder als die wichtigsten nennen.
| Spiel | Jahr | Genre | Warum es zählt |
|---|---|---|---|
| Alex Kidd in Miracle World | 1986 | Jump'n'Run | Segas Maskottchen vor Sonic, in vielen Konsolen eingebaut |
| Phantasy Star | 1987 | Rollenspiel | Laut Wikipedia ein Maßstab für Konsolen-Rollenspiele, Start einer großen Reihe |
| Wonder Boy III: The Dragon's Trap | 1989 | Action-Adventure | Mischung aus Jump'n'Run und Rollenspiel, 2017 neu aufgelegt |
| Sonic the Hedgehog (8 Bit) | 1991 | Jump'n'Run | Eigenes Spiel, keine Kopie der Mega-Drive-Version, später im Master System II eingebaut |
| Sonic the Hedgehog 2 (8 Bit) | 1992 | Jump'n'Run | Erschien laut Wikipedia nur in PAL-Ländern für das Master System |
| Castle of Illusion | 1991 | Jump'n'Run | Micky Maus in einer eigenen 8-Bit-Fassung |
| R-Type | 1988 | Shoot 'em up | Laut Wikipedia grafisch nah an der PC-Engine-Version |
| Psycho Fox | 1989 | Jump'n'Run | Bunter Geheimtipp mit Tier-Verwandlungen |
| Golden Axe Warrior | 1991 | Action-Adventure | Segas Antwort auf Zelda |
| Shinobi | 1988 | Action | Starke Umsetzung des Spielhallen-Hits |
Dazu kommen Spiele, die für Sammler und Fans wichtig sind: Fantasy Zone als erstes Mark-III-Modul, OutRun und Ys, die PAL-exklusiven Titel Master of Darkness und Asterix sowie die späten Umsetzungen Streets of Rage, Mercs und Ninja Gaiden.
Brasiliens eigene Spiele
Tectoy entwickelte laut Wikipedia über 20 eigene Spiele, oft mit bekannten Figuren aus Brasilien. Bekannt ist Férias Frustradas do Pica-Pau mit Woody Woodpecker, der dort damals der beliebteste Zeichentrickheld war. Andere Spiele nutzten Monicas Gang (Turma da Mônica) oder übersetzten bekannte Titel ins Portugiesische. Dazu gehören auch späte Umsetzungen wie Street Fighter II, Sonic Blast und Dynamite Headdy, die es nur in Brasilien gab.
Teure Sammlerstücke
Weil in Europa bis Mitte der Neunziger Spiele erschienen, als kaum noch jemand ein Master System kaufte, sind einige späte PAL-Module selten. Die folgenden Spiele stammen alle von großen Publishern ihrer Zeit. Die Größenordnungen sind eine Momentaufnahme von PriceCharting im Herbst 2026 für PAL-Module, in US-Dollar. Sie schwanken stark.
| Spiel | Publisher, Jahr | Größenordnung lose | Mit Hülle und Anleitung |
|---|---|---|---|
| Power Strike II | Sega, 1993 | rund 200 Dollar | deutlich mehr, um 450 Dollar |
| Championship Hockey | U.S. Gold, 1995 | über 250 Dollar | um 700 Dollar |
| Les Schtroumpfs Autour du Monde (Die Schlümpfe auf Weltreise) | Infogrames, 1996 | um 300 Dollar | um 500 Dollar |
| Buggy Run | Sega, 1994 | um 175 Dollar | über 600 Dollar |
| Masters of Combat | Sega, 1994 | um 175 Dollar | um 550 Dollar |
| Home Alone | Sega, 1993 | um 150 Dollar | über 600 Dollar |
| Streets of Rage 2 | Sega, 1994 | um 110 Dollar | um 450 Dollar |
Auffällig ist der Abstand zwischen losem Modul und vollständigem Spiel. Master-System-Spiele kamen in Kunststoffhüllen, aber die Anleitungen und Hüllen der späten PAL-Titel sind selten erhalten. Ein Sonderfall ist The Lucky Dime Caper mit Donald Duck: Das normale Modul ist günstig, eine seltene "Limited Edition" erzielt laut PriceCharting dagegen Preise im vierstelligen Dollarbereich.
Feste Preise gibt es nicht. Such bei eBay nach dem Spiel und setz den Filter "Verkaufte Artikel". Dann siehst du, was Käufer wirklich gezahlt haben. Achte darauf, ob es um PAL- oder NTSC-Module geht, und ob die Hülle und Anleitung dabei sind. Bei teuren Spielen lohnt ein Blick auf Fälschungen, mehr dazu in der Kaufberatung und im Flohmarkt-Check.
Ende, Nachfolger und Vermächtnis
Der Nachfolger kam früh. 1988 erschien in Japan der Mega Drive, 1990 in Europa. Sega ließ das Master System trotzdem weiterlaufen und positionierte es als günstige Einsteigerkonsole. Das Master System II von 1990 war genau dafür gebaut. In Japan endete die Produktion laut Wikipedia 1991, in Nordamerika Anfang 1992, in Südkorea 1994 und in Europa 1996.
Das letzte japanische Spiel war Bomber Raid im Februar 1989. In Europa erschienen dagegen bis Mitte der Neunziger neue Spiele, darunter Sonic-Fortsetzungen und Umsetzungen von Mega-Drive-Spielen. Für Spieler in Deutschland war das Master System deshalb länger eine echte Konsole als in fast jedem anderen Land.
Brasilien: die Konsole, die nie aufhörte
In Brasilien lief es anders. Tectoy verkaufte das Master System als günstige Konsole für Familien mit wenig Geld, und importierte Konsolen waren dort lange sehr teuer. Laut Wikipedia verkauften sich 2012 noch rund 150.000 Master-System- und Mega-Drive-Geräte pro Jahr. Bis 2016 kamen rund 8 Millionen Master-System-Varianten zusammen. Laut deutscher Wikipedia gab es 2023 mit dem Master System Evolution noch ein aktuelles Modell, und Canaltech schreibt 2025, dass du es in Brasilien weiterhin problemlos online kaufen kannst. Viele Fachmedien nennen das Master System deshalb die langlebigste Konsole der Geschichte.
Was bleibt
IGN setzte das Master System 2009 auf Platz 20 der besten Konsolen aller Zeiten. Kritisiert wurde vor allem die kleine und ungleichmäßige NTSC-Bibliothek. Für Europäer war das nie ein Problem, wir hatten die größere Auswahl. Wichtiger ist etwas anderes: Ohne das Master System hätte Sega den Mega Drive kaum so erfolgreich starten können. Die Marke Sega war in Europa durch das Master System bekannt, die Vertriebswege standen, und Spielereihen wie Phantasy Star, Wonder Boy und Sonic bekamen hier ihre ersten Fans. Warum solche Konsolen heute als Kulturgut gelten, liest du in Videospiele als Kultur.
Welches Modell sich lohnt, warum das Master System 1 ein besseres Bild liefert, welches Netzteil passt, worauf du bei Controllern und Modulen achten musst und mit welchen Spielen du günstig einsteigst, steht in unserer Kaufberatung zum Master System.
Häufige Fragen zum Master System
Wann kam das Master System nach Deutschland?
1987. Den genauen Tag haben wir nicht belegt gefunden. Der Startpreis lag laut C64-Wiki und SEGA-Club bei 299 DM. Das Master System II kostete 1990 laut SEGA-Club 199 DM.
Wie oft wurde das Master System verkauft?
Je nach Quelle 10 bis 13 Millionen Mal weltweit. Dazu kommen rund 8 Millionen brasilianische Tectoy-Geräte. In Europa waren es bis 1993 rund 6,25 Millionen. Eine offizielle Zahl für Deutschland gibt es nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Master System 1 und II?
Das Master System II ist kleiner und billiger. Es hat keinen Kartenschacht, keine Reset-Taste und in den meisten Ländern nur einen Antennenausgang. Dafür steckt Alex Kidd oder Sonic im Speicher.
Was ist der Mark III?
Der japanische Vorgänger von 1985. Technisch ist er fast identisch mit dem Master System, spielt aber auch SG-1000-Spiele. Japanische Module passen mechanisch nicht in europäische Konsolen.
Kann ich Master-System-Spiele auf dem Mega Drive spielen?
Ja, mit dem Master System Converter, in den USA Power Base Converter genannt. Der Adapter steckt im Modulschacht des Mega Drive.
Wird das Master System noch hergestellt?
In Brasilien gab es laut deutscher Wikipedia 2023 noch ein aktuelles Tectoy-Modell, das Master System Evolution. Das ist aber ein Gerät mit eingebauten Spielen, kein klassisches Master System mit Modulschacht.
Quellen
- Wikipedia (englisch): Master System
- Wikipedia (deutsch): Sega Master System
- Wikipedia (englisch): SG-1000
- C64-Wiki: Master System
- SEGA-Club: Master System
- SEGA-Club: SEGA History, Teil 2
- Wikipedia (englisch): Ariolasoft
- Wikipedia (englisch): Mastertronic
- GamersGlobal: 60 Jahre Sega
- Wikipedia (englisch): List of best-selling game consoles
- Wikipedia (englisch): Nintendo Entertainment System
- Wikipedia (englisch): Tectoy
- Canaltech: Master System no Brasil (2025)
- The Cutting Room Floor: Sega Master System BIOS
- ConsoleMods Wiki: Master System Model Differences
- Wikipedia (englisch): List of Master System games
- PriceCharting: PAL Sega Master System