Super Nintendo: Spät dran und trotzdem ganz vorne
Als das Super Famicom 1990 in Japan erschien, standen die 16-Bit-Konsolen von NEC und Sega längst in den Läden. Nintendo kam spät und verkaufte am Ende trotzdem fast 50 Millionen Geräte. Hier steht, wie die Konsole entstand, was sie technisch konnte, welche Spiele sie groß gemacht haben und welche Module heute richtig Geld kosten.
Steckbrief
| Super Famicom (Japan) | 21. November 1990, 25.000 Yen |
|---|---|
| SNES (Nordamerika) | 23. August 1991, 199 Dollar mit Super Mario World |
| Europa | ab 11. April 1992 (Großbritannien, Irland, Frankreich), übriges Europa ab Juni 1992 |
| Deutschland | 15. August 1992, 329 DM mit Super Mario World |
| Chefentwickler | Masayuki Uemura, Nintendo |
| Prozessor | Ricoh 5A22 (Basis 65C816), bis 3,58 MHz |
| Speicher | 128 KB Arbeitsspeicher, 64 KB Videospeicher, 64 KB Soundspeicher |
| Farben | 256 gleichzeitig aus 32.768 |
| Sound | 8 Kanäle für Samples, Soundchip von Sony |
| Verkauft | 49,10 Millionen Konsolen, 379,06 Millionen Spiele |
| Produktionsende | Europa 1998, Nordamerika 1999, Japan 25. September 2003 |
Die Entstehung: Nintendo unter Druck
Ende der 80er gehörte der japanische Konsolenmarkt Nintendo. Das Famicom, bei uns als NES bekannt, stand in Millionen Wohnzimmern. Dann zog die Konkurrenz mit neuer Technik vorbei. NEC brachte am 30. Oktober 1987 die PC Engine heraus. Sega folgte am 29. Oktober 1988 mit dem Mega Drive. Beide waren dem Famicom von 1983 technisch klar überlegen.
Nintendo-Präsident Hiroshi Yamauchi sah die Gefahr früh. Schon am 9. September 1987 verriet er in der Zeitung Kyoto Shimbun, dass ein Nachfolger in Arbeit ist. Seine Sorge: Die Famicom-Verkäufe gingen zurück, und ohne bessere Spiele würden sich die Spieler langweilen. In einem Interview mit dem Magazin TOUCH vom August 1988 nannte Nintendo als Ziel 3 Millionen verkaufte Geräte. Am Ende wurden es allein in Japan über 17 Millionen.
Die Entwicklung übernahm Masayuki Uemura. Er hatte schon das Famicom entworfen, seine Geschichte steht in unserem NES-Artikel. Uemura und sein Team brauchten Zeit. Einen ersten Prototyp zeigte Nintendo am 21. November 1988, damals noch mit nur 32 KB Arbeitsspeicher. Im Juli 1989 folgte eine überarbeitete Fassung. Die endgültige Konsole stellte Nintendo Ende August 1990 auf seiner Hausmesse Shoshinkai vor.
Warum dauerte das so lange? Laut Wikipedia bremsten vor allem zwei Dinge: Probleme bei der Software für Drittfirmen und ein weltweiter Mangel an Chips. Für Nintendo war die Verspätung riskant. Sega hatte zwei Jahre Vorsprung und nutzte ihn vor allem in Nordamerika und Europa.
Start in Japan: nachts ausgeliefert
Am 21. November 1990 kam das Super Famicom in die japanischen Läden. Es kostete 25.000 Yen. Zum Start gab es zwei Spiele: Super Mario World und das Rennspiel F-Zero.
Die Nachfrage war gewaltig. Großhändler hatten 1,5 Millionen Konsolen vorbestellt. Die erste Lieferung von 300.000 Stück war innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Nintendo ließ die Geräte nachts ausliefern, damit die Lastwagen nicht überfallen wurden.
F-Zero zeigte gleich, was die neue Konsole konnte. Die Strecke drehte sich flüssig unter dem Gleiter und reichte scheinbar bis zum Horizont. Der Trick dahinter heißt Mode 7, mehr dazu im Abschnitt Technik. Für Spieler, die bis dahin nur flache NES-Grafik kannten, war das ein echter Sprung.
USA und Europa: zwei Gesichter einer Konsole
In Nordamerika erschien die Konsole am 23. August 1991 als Super Nintendo Entertainment System, kurz SNES. Sie kostete 199 Dollar, und Super Mario World lag gleich im Karton. Das erklärt übrigens, warum Super Mario World bis heute das meistverkaufte SNES-Spiel ist.
Die US-Version sieht ganz anders aus. Designer Lance Barr, der schon aus dem Famicom das NES gemacht hatte, entwarf ein kantiges, graues Gehäuse mit lila Schiebeschaltern. Auch die Controller unterscheiden sich. In den USA sind X und Y lavendelfarben und nach innen gewölbt, A und B lila und nach außen gewölbt. Japan und Europa bekamen dagegen die vier bunten Tasten, deren Farben auch im Logo stecken.
Europa musste noch länger warten. Am 11. April 1992 startete das Super Nintendo in Großbritannien, Irland und Frankreich, in Großbritannien für 150 Pfund. Für das übrige Europa nennt Wikipedia den Juni 1992, und auch Nintendos eigene Firmenchronik spricht vom Juni. Optisch übernahm die europäische Version das rundere Gehäuse des Super Famicom.
Das Super Nintendo in Deutschland
Deutschland gehörte zu den letzten großen Märkten. Am 15. August 1992 kam das Super Nintendo bei uns in die Läden, zusammen mit Super Mario World für 329 DM. Spieler in Großbritannien hatten da schon vier Monate gespielt. Später senkte Nintendo den Preis auf 299 DM. Umgerechnet auf heute sind 329 DM laut deutscher Wikipedia etwa 300 Euro.
Anders als beim NES hatte Nintendo jetzt eine eigene Tochter im Land. Nintendo of Europe war im Juni 1990 in Großostheim bei Aschaffenburg gegründet worden. Beim NES hatte in Deutschland noch der Vertriebspartner Bienengräber die Konsolen verkauft.
Deutsche Spieler bekamen dabei manches, was Amerikaner nie sahen. Das Action-Rollenspiel Terranigma von Enix erschien am 19. Dezember 1996 in Europa, in Nordamerika dagegen nie. Die deutsche Übersetzung stammt von der Redaktion des Nintendo-Magazins Club Nintendo unter Claude M. Moyse. Umgekehrt fehlten uns einige Perlen: Chrono Trigger und EarthBound kamen offiziell nie nach Europa. Warum das heute für Sammler wichtig ist, steht weiter unten.
Nintendo gegen Sega
Der Mega Drive war in Europa früher da und lange stärker. Laut Wikipedia erreichte Sega in Europa 65 Prozent Marktanteil, und der Mega Drive lag hier bis 1994 vor dem SNES. Deutschland gilt als Ausnahme. Laut dem Fan-Wiki Sega Retro war es einer der wenigen europäischen Märkte, in denen Nintendo im 16-Bit-Duell vorne lag. Mit offiziellen Verkaufszahlen lässt sich das leider nicht belegen.
Verkaufszahlen: weltweit, Europa, Deutschland
Nintendo nennt für das SNES 49,10 Millionen verkaufte Konsolen. Die Zahl steht in Nintendos offizieller Verkaufstabelle für Investoren. Sie ändert sich nicht mehr, weil die Produktion 2003 endete. Dazu kommen 379,06 Millionen verkaufte Spiele.
| Region laut Nintendo | Konsolen | Spiele |
|---|---|---|
| Japan | 17,17 Mio. | 194,85 Mio. |
| Amerika | 23,35 Mio. | 135,00 Mio. |
| Andere Regionen (darunter Europa) | 8,58 Mio. | 49,22 Mio. |
| Gesamt | 49,10 Mio. | 379,06 Mio. |
Quelle: Nintendo, Consolidated Sales Transition by Region. Werte auf zehntausend Stück gerundet.
Zum Vergleich: Der Mega Drive kam laut Wikipedia auf 30,75 Millionen Konsolen. In den USA, wo Sega lange sehr stark war, verkaufte sich das SNES am Ende rund 1,5 Millionen Mal öfter.
Und Deutschland?
Hier wird es dünn. Nintendo führt Europa in seiner Tabelle nicht einzeln auf. Europa steckt zusammen mit Australien und allen übrigen Ländern außerhalb Japans und Amerikas in der Sammelposition "Andere". Für ganz Europa können es also höchstens 8,58 Millionen Konsolen gewesen sein, vermutlich etwas weniger.
Eine offizielle Zahl für Deutschland haben wir nicht gefunden. Wir haben bei Nintendo gesucht, in der deutschen Fachpresse und in Sammler-Datenbanken. Deshalb schätzen wir hier nichts. Falls du eine belastbare Quelle kennst, etwa eine alte Pressemitteilung von Nintendo of Europe, schreib uns.
Technik: Was im Super Nintendo steckt
Das SNES ist eine 16-Bit-Konsole. Vereinfacht heißt das: Der Prozessor verarbeitet Zahlen mit 16 Bit auf einmal, beim NES waren es 8 Bit. Spannender als die Bitzahl sind aber die Spezialchips für Grafik und Ton.
Der Prozessor
Im SNES arbeitet der Ricoh 5A22. Er basiert auf dem 65C816, einem 16-Bit-Mitglied der 6502-Familie, deren Technik schon im NES steckt. Der Takt liegt bei bis zu 3,58 MHz. Greift der Prozessor auf langsamere Bauteile zu, bremst er auf 2,68 oder 1,79 MHz herunter. Das PAL-Gerät taktet mit 3,55 MHz minimal langsamer. Dazu kommen 128 KB Arbeitsspeicher.
Grafik und Mode 7
Für das Bild sorgen zwei Grafikchips (PPU, Picture Processing Unit) mit zusammen 64 KB Videospeicher. Aus 32.768 möglichen Farben zeigt das SNES 256 gleichzeitig. Die übliche Auflösung beträgt 256 × 224 Pixel, bis zu 512 × 448 sind möglich. Die Hardware verwaltet bis zu 128 Sprites, also frei bewegliche Figuren.
Das Aushängeschild war Mode 7. In diesem Grafikmodus lässt sich eine Hintergrundebene drehen und vergrößern. Ändert ein Spiel den Maßstab für jede Bildzeile neu, entsteht eine flache Ebene, die in die Tiefe reicht. So wirken F-Zero, Pilotwings und Super Mario Kart dreidimensional, obwohl die Strecke nur ein flaches Bild ist. Nintendo hat Mode 7 damals in Magazinen wie Nintendo Power als Verkaufsargument herausgestellt.
Der Sound von Sony
Der Soundchip stammt von Sony. Entworfen hat ihn der Sony-Ingenieur Ken Kutaragi. Die Vereinbarung mit Nintendo traf er zunächst, ohne seine Vorgesetzten zu fragen. Der Chip spielt auf acht Kanälen Samples ab, also kurze digitale Klangaufnahmen, und hat dafür 64 KB eigenen Speicher. SNES-Musik klingt deshalb viel näher an echten Instrumenten als die Rechteckwellen des NES.
Hilfe aus dem Modul
Wie beim NES durften Module zusätzliche Chips mitbringen. Die Module selbst fassen 2 bis 48 Mbit. Die größten sind die Rollenspiele Tales of Phantasia und Star Ocean. Wer mehr Rechenleistung brauchte, baute einen Zusatzchip ein:
| Chip | Entwickler | Was er kann | Bekannte Spiele |
|---|---|---|---|
| Super FX | Argonaut Software | zeichnet Polygone und aufwendige 2D-Effekte | Starwing (US: Star Fox), Yoshi's Island, Doom |
| DSP-1 | NEC | Rechenhilfe für 3D-Berechnungen und Mode 7 | Super Mario Kart, Pilotwings |
| SA-1 | Nintendo | zweiter, dreimal so schneller Prozessor | Super Mario RPG, Kirby Super Star |
| Cx4 | Capcom und Hitachi | Drahtgitter-Effekte, Drehen von Figuren | Mega Man X2, Mega Man X3 |
| S-DD1 | Nintendo | entpackt stark komprimierte Grafik | Star Ocean, Street Fighter Alpha 2 |
Der bekannteste ist der Super FX. Mit ihm berechnete Starwing 1993 echte Polygon-Grafik auf einer 16-Bit-Konsole. Laut Wikipedia erschienen nur rund zehn Spiele mit diesem Chip.
Nintendo, Sony und die PlayStation
Kutaragi blieb nicht beim Soundchip. Ende 1988 erlaubte Nintendo Sony, ein CD-ROM-Laufwerk für das Super Nintendo zu entwickeln. Eine CD fasst viel mehr Daten als ein Modul und ist billiger herzustellen.
Auf der Consumer Electronics Show (CES) im Juni 1991 zeigte Sony dann einen Prototyp: ein SNES mit eingebautem CD-Laufwerk. Sein Name war PlayStation. Am nächsten Tag verkündete Nintendo auf derselben Messe überraschend eine Partnerschaft mit Philips. Viele Journalisten nennen das heute den größten Verrat der Branche. Der Knackpunkt war die Kontrolle. Yamauchi wollte die Hoheit über Lizenzen und Spiele behalten und Sony dabei nicht mitreden lassen.
Das CD-Laufwerk für das SNES erschien nie. Philips durfte dafür Nintendo-Figuren nutzen und brachte auf seinem CD-i unter anderem Zelda-Spiele heraus, die schlecht ankamen. Kutaragi dagegen überzeugte Sony, eine eigene Konsole zu bauen. Die PlayStation erschien 1994 in Japan und wurde in der nächsten Generation Nintendos größter Konkurrent.
Ein Prototyp der Nintendo-PlayStation tauchte 2015 wieder auf. Im Februar 2020 wurde er für 360.000 Dollar versteigert.
Modelle und Revisionen
Äußerlich gibt es drei Familien: das runde Design aus Japan und Europa, das kantige US-Modell und die kleine Neuauflage ab 1997. Innen hat Nintendo die Platine mehrfach überarbeitet. Für Sammler sind vor allem die späten 1CHIP-Platinen interessant.
| Modell | Modellnummer | Jahr | Was anders ist |
|---|---|---|---|
| Super Famicom | SHVC-001 | 1990 | Japan, rundes Gehäuse, bunte Tasten, RGB-Ausgang |
| Super Nintendo (USA) | SNS-001 | 1991 | kantiges Design von Lance Barr, lila Schalter, eckige Module |
| Super Nintendo (PAL) | SNSP-001A | 1992 | Gehäuse wie Super Famicom, 50 Hz, Netzteil mit Wechselspannung, 12 Volt für die SCART-Umschaltung |
| 1CHIP-Revisionen | Platinen SNS-CPU-1CHIP, SNSP-CPU-1CHIP | 1995 bis 1997 | mehrere Chips in einem Baustein, schärferes Bild, kleine Macken bei wenigen Spielen |
| New-Style SNES (USA) | SNS-101 | 1997 | kleiner, 99,95 Dollar, kein Erweiterungsanschluss, ab Werk nur Composite |
| Super Famicom Jr. | SHVC-101 | 1998 | japanische Fassung der SNS-101, 7.800 Yen |
Die 1CHIP-Revisionen kamen ab 1995. Nintendo fasste dort mehrere Chips zu einem zusammen. Das Bild über RGB und S-Video wird dadurch deutlich schärfer, allerdings auch etwas zu hell. Laut ConsoleMods zeigen einige wenige Spiele darauf kleine Grafikfehler, etwa eine unruhige oberste Bildzeile.
Das New-Style-Modell SNS-101 erschien im Oktober 1997 in Nordamerika für 99,95 Dollar. Es ist kleiner und runder, hat keine Auswurftaste und keinen Erweiterungsanschluss an der Unterseite. Ab Werk gibt es nur ein Composite-Bild aus, RGB und S-Video fehlen. In Japan folgte am 27. März 1998 das Super Famicom Jr. für 7.800 Yen. Eine PAL-Version dieses kleinen Modells gab es nie. Wer in Deutschland ein Super Nintendo ohne Import kaufen will, landet also immer beim großen Originalgehäuse.
Den fehlenden Erweiterungsanschluss merkt man vor allem beim Satellaview. Das war ein Satellitenmodem für das Super Famicom, über das Spieler in Japan von April 1995 bis Juni 2000 Spiele herunterladen konnten. Am kleinen Modell funktioniert es nicht.
Welches Modell du heute kaufen solltest, steht in der Kaufberatung weiter unten verlinkt.
Controller und Zubehör
Der SNES-Controller hat vier Aktionsknöpfe in Rautenform (A, B, X und Y) und zwei Schultertasten (L und R). Dieses Layout übernahmen später die PlayStation, der Dreamcast, die Xbox und Nintendos eigener Classic Controller für die Wii. Wer heute ein Gamepad in der Hand hält, hält also ein Stück SNES.
Rund um die Konsole brachte Nintendo einiges an Zubehör heraus:
- Super Game Boy: Ein Adapter, mit dem du Game-Boy-Module am Fernseher spielst. In Europa erschien er am 24. September 1994. Kleine Kuriosität: Auf dem PAL-SNES laufen Game-Boy-Spiele damit 1,5 Prozent schneller als auf dem echten Game Boy, auf dem NTSC-Gerät sogar 2,4 Prozent.
- SNES-Maus mit Mario Paint: Das Malprogramm kam am 10. Dezember 1992 nach Europa und lag nur zusammen mit der Maus im Karton. Weltweit verkaufte sich Mario Paint über 2,3 Millionen Mal.
- Super Scope: Eine Lichtpanzerfaust, die in Europa Nintendo Scope hieß und hier am 27. August 1993 erschien. Sie braucht sechs AA-Batterien und funktioniert nur an Röhrenfernsehern. Zwölf Spiele unterstützen sie.
- Multitap: Ein Adapter für bis zu fünf Spieler gleichzeitig, ideal für Sportspiele und Bomberman-Abende.
Wie das Spielen mit Freunden vor dem Fernseher unsere Kindheit geprägt hat, liest du in Videospiele als Kultur.
Spiele und Bestseller
Wie viele SNES-Spiele es gibt, hängt davon ab, wie man zählt. Die englische Wikipedia-Liste kommt auf 1.749 offizielle Veröffentlichungen: 1.440 in Japan, 717 in Nordamerika und 532 in Europa. Nur 296 Spiele erschienen in allen drei Regionen. Daneben listet sie 231 Titel für den Satellaview. Die deutsche Wikipedia nennt rund 530 Spiele für Europa, das passt gut zusammen.
Laut der Liste der meistverkauften SNES-Spiele haben 54 Titel nachweislich mindestens eine Million Exemplare verkauft. Das sind die zehn größten:
| # | Spiel | Jahr | Verkauft | Quelle der Zahl |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Super Mario World | 1990 | 20,61 Mio. | Nintendo-Daten laut Wikipedia |
| 2 | Super Mario All-Stars | 1993 | 10,55 Mio. | Nintendo-Daten laut Wikipedia |
| 3 | Donkey Kong Country | 1994 | 9,30 Mio. | CESA White Paper |
| 4 | Super Mario Kart | 1992 | 8,76 Mio. | Nintendo-Daten laut Wikipedia |
| 5 | Street Fighter II | 1992 | 6,30 Mio. | Capcom Platinum Titles |
| 6 | Donkey Kong Country 2 | 1995 | 5,15 Mio. | CESA White Paper |
| 7 | The Legend of Zelda: A Link to the Past | 1991 | 4,61 Mio. | The Magic Box laut Wikipedia |
| 8 | Super Mario World 2: Yoshi's Island | 1995 | 4,12 Mio. | Nintendo-Daten laut Wikipedia |
| 9 | Street Fighter II Turbo | 1993 | 4,10 Mio. | Capcom Platinum Titles |
| 10 | Starwing (US: Star Fox) | 1993 | 4,00 Mio. | CESA White Paper |
Jahr = Erstveröffentlichung. Weltweite Zahlen, Stand der Wikipedia-Liste September 2026. Capcom-Zahlen laut Platinum Titles, Stand 30. Juni 2026. Super Mario World lag vielen Konsolen bei.
Donkey Kong Country: der späte Knaller
Ein Spiel aus der Liste verdient einen genaueren Blick. Das britische Studio Rare hatte um 1992 in teure Grafikrechner von Silicon Graphics investiert. Damit baute es Figuren und Welten in 3D und wandelte sie dann in SNES-Grafik um. Das Ergebnis sah im November 1994 aus wie von einer neuen Konsolengeneration. Donkey Kong Country verkaufte sich in der ersten Woche über 500.000 Mal. Laut Wikipedia half es dem SNES, in einer Zeit beliebt zu bleiben, in der alle über CD-Konsolen wie die PlayStation sprachen.
Nintendos strenge Regeln
Nintendo achtete streng darauf, was auf seiner Konsole erschien. Das kostete manchmal Geld. Beim Prügelspiel Mortal Kombat wurde das Blut auf dem SNES grau eingefärbt. Die Mega-Drive-Fassung verkaufte sich laut Wikipedia fast dreimal so oft.
Teure Sammlerstücke
Viele bekannte SNES-Module sind günstig zu haben, weil sie millionenfach verkauft wurden. Ein paar Titel kosten heute aber ein Vielfaches. Meist kommen drei Dinge zusammen: eine kleine Auflage, ein später Termin, als die Konsole schon auslief, und ein Spiel, das bis heute gefeiert wird. Diese Titel großer Hersteller sind besonders gesucht:
| Spiel | Hersteller | Erschienen | Warum gesucht | Größenordnung laut PriceCharting |
|---|---|---|---|---|
| EarthBound | Nintendo | USA 1995, nie in Europa | nur rund 140.000 Stück in den USA verkauft, große Schachtel mit Lösungsbuch | lose rund 400 $, komplett rund 2.500 $ |
| Chrono Trigger | Square | USA 1995, nie in Europa | Rollenspiel-Klassiker, hohe Nachfrage | lose rund 270 $, komplett rund 1.000 $ |
| Mega Man X3 | Capcom | USA und Europa 1996 | kleine Auflage am Ende der SNES-Zeit | PAL lose rund 600 $, komplett rund 3.500 $; US lose rund 350 $ |
| Hagane: The Final Conflict | Hudson Soft | USA und Europa 1995 | US-Fassung besonders teuer | US lose rund 1.400 $, komplett über 3.000 $; PAL lose rund 200 $ |
| Castlevania: Vampire's Kiss | Konami | Europa 1996 (US: Dracula X) | PAL-Fassung komplett besonders teuer | lose rund 200 $, komplett rund 1.500 $ |
| Demon's Crest | Capcom | Europa 1995 | damals ein Flop, heute gesucht | lose rund 240 $, komplett rund 900 $ |
| Mega Man 7 | Capcom | Europa 1995 | PAL-Fassung komplett besonders teuer | lose rund 150 $, komplett rund 1.450 $ |
PriceCharting, abgerufen am 30.09.2026. Durchschnittswerte verkaufter Angebote in US-Dollar, gerundet. "Lose" heißt nur Modul, "komplett" mit Schachtel und Anleitung. Die PAL-Werte gelten für europäische Fassungen allgemein, für die deutsche Version kann der Preis abweichen. Mega Man X3 hat in Europa der Vertriebspartner Laguna veröffentlicht.
Ein Sonderfall ist Terranigma. Es erschien nur in Europa, mit deutscher Übersetzung, und ist für deutsche Sammler deshalb besonders interessant. Lose ist es laut PriceCharting noch vergleichsweise günstig, komplett mit Karton kostet es ein paar hundert Dollar.
Bei EarthBound kam noch etwas dazu. Das Spiel hat einen eingebauten Kopierschutz. Erkennt es eine Raubkopie, tauchen mehr Gegner auf, und kurz vor dem Ende löscht es den Spielstand. Vor Nachbauten beim Kauf schützt dich das aber nicht. Wie du sie erkennst, steht in der Kaufberatung.
Preise schwanken stark. Such auf eBay nach dem Spiel und setz den Filter "Verkaufte Artikel". So siehst du, was wirklich gezahlt wurde. Achte auf die Region: EarthBound und Chrono Trigger gab es nur als NTSC-Fassung, sie laufen auf einem deutschen SNES nicht ohne Umbau oder Adapter. Ein EarthBound oder Chrono Trigger mit PAL-Aufdruck ist immer ein Nachbau, denn diese Fassung ist nie erschienen.
Ende, Nachfolger und Vermächtnis
Der Nachfolger Nintendo 64 erschien am 23. Juni 1996 in Japan und am 1. März 1997 in Europa. Das SNES lief trotzdem weiter. In Europa endete die Produktion 1998, in Nordamerika 1999. In Japan baute Nintendo das Super Famicom bis zum 25. September 2003, zusammen mit dem Famicom. Das letzte neue Spiel, Metal Slader Glory Director's Cut, erschien am 29. November 2000 in Japan.
Was bleibt? Zuerst der Controller, dessen Grundform bis heute in jedem Gamepad steckt. Dann ein Stapel Spiele, die als Meilensteine ihres Genres gelten, von A Link to the Past bis Super Metroid. Und eine Ironie der Geschichte: Ohne den geplatzten CD-Deal mit Nintendo hätte es die PlayStation in dieser Form wohl nie gegeben.
Das SNES Classic Mini
Am 29. September 2017 brachte Nintendo das Super Nintendo als Miniatur zurück. Das SNES Classic Mini kostete 79,99 Euro und hatte 21 Spiele eingebaut. Darunter war Star Fox 2, das 1996 kurz vor der Fertigstellung eingestellt worden war und hier zum ersten Mal offiziell erschien. Das Bild kommt über HDMI mit 720p, die Controllerkabel sind 1,4 Meter lang.
Bis zum 31. Januar 2018 verkaufte Nintendo 5,28 Millionen Stück. Ende 2018 endete die Produktion. Seit dem 5. September 2019 gibt es SNES-Spiele außerdem für Abonnenten von Nintendo Switch Online, zum Start waren es 20 Titel.
Warum wir trotzdem Module sammeln, obwohl vieles digital verfügbar ist, steht in unserem Artikel "Die Disc stirbt. Wir heben sie auf." Und wer wissen will, wie alles vor Mario anfing, liest Wie alles begann.
PAL oder NTSC, altes oder spätes Board, SCART oder HDMI: Alles, was du vor dem Kauf wissen musst, steht in unserer Kaufberatung zum Super Nintendo.
Häufige Fragen zum Super Nintendo
Was ist der Unterschied zwischen Super Famicom und Super Nintendo?
Technisch sind beide fast gleich. Das Super Famicom ist die japanische Fassung, das europäische Super Nintendo hat dieselbe Gehäuseform, arbeitet aber mit PAL und 50 Hz. Ein Lockout-Chip sorgt dafür, dass japanische Module auf einem deutschen Gerät nicht ohne Weiteres starten, obwohl sie mechanisch passen.
Wann kam das SNES nach Deutschland, und was hat es gekostet?
Am 15. August 1992. Es kostete 329 DM, Super Mario World lag bei. Später sank der Preis auf 299 DM.
Wie viele Super Nintendos wurden in Deutschland verkauft?
Dazu gibt es keine offizielle Zahl. Nintendo nennt 49,10 Millionen weltweit und fasst Europa mit anderen Ländern zu 8,58 Millionen zusammen. Eine belastbare deutsche Zahl haben wir nicht gefunden.
Warum laufen viele PAL-Spiele langsamer?
Europäische Fernseher arbeiten mit 50 Bildern pro Sekunde, amerikanische und japanische mit 60. Hat ein Hersteller sein Spiel nicht angepasst, läuft es bei uns etwa 17 Prozent langsamer. Oft kommen schwarze Balken oben und unten dazu, weil das Spiel nicht alle Bildzeilen des PAL-Bilds nutzt.
Warum ist EarthBound so teuer?
Es verkaufte sich in den USA nur rund 140.000 Mal, erschien nie in Europa und hat heute eine große Fangemeinde. Komplett mit der großen Schachtel ist es deshalb eines der teuersten SNES-Spiele.
Ist das SNES Classic Mini ein echtes Super Nintendo?
Nein. Im Inneren arbeitet moderne Technik, die das SNES per Software nachbildet. Originalmodule passen nicht hinein. Für den schnellen Spaß am modernen Fernseher ist es trotzdem eine gute Wahl.
Quellen
- Wikipedia (englisch): Super Nintendo Entertainment System
- Wikipedia (deutsch): Super Nintendo Entertainment System
- Nintendo: Consolidated Sales Transition by Region (PDF)
- Nintendo: Unternehmensgeschichte
- ComputerBase: Vor 30 Jahren erschien das Super NES in Europa
- ntower: 30 Jahre SNES in Deutschland
- Notebookcheck: Ein Blick auf 30 Jahre Super Nintendo in Europa
- GamersGlobal: Heute vor 33 Jahren, Super Famicom
- Wikipedia (englisch): Sega Genesis
- Wikipedia (englisch): Fourth generation of video game consoles
- Sega Retro: History of Sega in Germany
- Wikipedia (englisch): List of Super NES enhancement chips
- Wikipedia (englisch): Mode 7
- Wikipedia (englisch): Super NES CD-ROM
- ConsoleMods Wiki: SNES Model Differences
- ConsoleMods Wiki: Games with Issues on 1CHIP Consoles
- Wikipedia (englisch): Satellaview
- Wikipedia (englisch): Super Game Boy
- Wikipedia (englisch): Mario Paint
- Wikipedia (englisch): Super Scope
- Wikipedia (englisch): List of Super Nintendo Entertainment System games
- Wikipedia (englisch): List of best-selling SNES video games
- Capcom: Platinum Titles
- Wikipedia (englisch): Donkey Kong Country
- Wikipedia (deutsch): Terranigma
- Wikipedia (englisch): EarthBound
- Wikipedia (englisch): Chrono Trigger
- Wikipedia (englisch): Mega Man X3
- Wikipedia (englisch): Hagane: The Final Conflict
- Wikipedia (englisch): Castlevania: Dracula X
- Wikipedia (englisch): Demon's Crest
- Wikipedia (englisch): Mega Man 7
- PriceCharting: EarthBound (SNES)
- PriceCharting: Chrono Trigger (SNES)
- PriceCharting: Mega Man X3 (PAL)
- PriceCharting: Mega Man X3 (SNES)
- PriceCharting: Hagane (SNES)
- PriceCharting: Castlevania: Vampire's Kiss (PAL)
- PriceCharting: Demon's Crest (PAL)
- PriceCharting: Terranigma (PAL)
- PriceCharting: PAL Super Nintendo, sortiert nach Preis
- Wikipedia (englisch): Nintendo 64
- Wikipedia (englisch): Super NES Classic Edition
- Wikipedia (englisch): Nintendo Classics